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Wunde wieder vernarbt und das innere und äußere Leben
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Scheidungsproceß ſein Ende erreicht, und wenn gleich die
des Menſchen ſeinen ruhigen, gewöhnlichen Gang geht, die eine Stelle im Herzen bleibt leer und todt, dort ſproſ⸗ ſen keine Blüthen wieder. Nein, die Liebe iſt nicht ein Etwas, zu dem man ſagt:„Geh!“ und es entweicht. Mag ſie momentan überwuchert werden durch Zorn und Grimm, unter den empörten Leidenſchaften ruht ſie doch ſtill und tief in der Seele, wie ein edles Korn im Schooße der Erde, ſo tief verborgen, daß Sturm und Orcan es nicht fortzuwehen vermögen.
Wie viel der Anſchuldigungen ſich gegen Regine in Ehrhardt's Bruſt angeſammelt, das Eine fühlte er doch, er müſſe ſie um Verzeihung bitten wegen des großen Un⸗ rechtes, welches er ihr geſtern angethan. Er erſchrak, wenn er bedachte, wie fürchterlich er gerade ſie mit dieſen Aeußerungen in ihrem Stolz verletzt haben mußte. Er wollte ihr die Genugthuung geben, offen zu bekennen, mit wie anderen Augen er jetzt ihre Schöpfung betrachte, und nicht etwa, weil es die ihrige war, nein, im Gegentheil, das war ja der einzige Fehler daran. Ob die Kluft, welche ſich zwiſchen ihnen aufgethan, zu überſchreiten war, ob die goldene Brücke der Verbindung ſich zwiſchen ihnen wieder wölben konnte?
„Wiſſen der Herr Candidat nicht, daß heute der große Ball beim Oberſt von Möller iſt?“ fragte Regine's Die⸗ nerin, indem ſie den Einlaßbegehrenden mit erſtaunten Blicken anſah ob der Möglichkeit, ein ſolches hochwichtiges Ereigniß zu vergeſſen, welches ihre Gedanken und Erfin⸗ dungsgabe ſchon ſeit Wochen in Anſpruch nahm.
„Auf dem Balle!“ murmelte Ehrhardt, als er ſich auf der Straße befand,„nun da kann ich ja auch auf den Ball gehen!“ ſetzte er mit einer Ruhe hinzu, die ſonderbar ab⸗ ſtach gegen die Stimmung in ſeinem Innern.—
Nachdem er ſchnell den Anzug gewechſelt, betrat er den feſtlich erleuchteten Saal. Sein erſter Blick fiel auf das
Novellen⸗Zeitung.
„kleine Fräulein“, die ſich vergeblich bemühte, über die Reihen von Zuſchauern hinwegzublicken. So ſehr die kleine Roſe ſich ſtreckte und die zierliche Geſtalt auf die Fußſpitzen erhob, ſie vermochte keine volle Ueberſicht über das ſchöne Schauſpiel vor ihr zu erlangen, und ihr Geſicht hatte einen ſo kläglich tragiſchen Ausdruck, daß Chrhardt nur mit Mühe ein Lächeln zu bekämpfen vermochte.
„Ja, wer jetzt wieder ſo gut ſein dürfte, wie damals vor fünf Jahren, als ich bei einer ähnlichen Gelegenheit das kleine Fräulein Roſe auf meinen Arm nahm, und ſie dadurch ganz prächtig Alles überſchauen konnte!“ flüſterte der junge Mann neckend.—
Zum erſten Male mochte Roſe bedauern, daß es nicht mehr wie damals ſei, und die Bürde ihres Alters, das ſie ſonſt ſo gern voll anerkannt wünſchte, ſchien ſie in dieſem Augenblick zu drücken.— Leiſe machte Ehrhardt ſie dar⸗ auf aufmerkſam, wie der Sockel einer Säule ihren kleinen Füßen vollkommen Raum geſtatte, und indem ſie mit blitzenden Augen, von ſeinem Arme geſtützt, ſich hinauf⸗ ſchwang, hatte ſie einen vorzüglichen Standpunkt gewonnen, der ſie, ohne auffällig zu werden, den ganzen Saal über⸗ ſchauen ließ. Jetzt wandte auch Chrhardt ſeine Augen dahin, unverwandt und durchbohrend richteten ſie ſich auf einen Punkt.
„Wie gut Regine ausſieht! niemals hätte ich geglaubt, daß ſie ſo ſchön ſei“— flüſterte Roſe.„Wie ſchade, wenn die Quadrille nicht zur Ausführung gekommen, und die ganze Feſtfreude zerſtört wäre! Beinahe wär's geſchehen, da Regine gegen Abend plötzlich ſo unwohl wurde, daß eine Andere wie ſie, die weniger Willenskraft beſitzt, wohl nicht im Stande geweſen ſein möchte, hier zu er⸗ ſcheinen.“*
„Jetzt iſt wenigſtens keine Spur von Leiden mehr zu entdecken,“ entgegnete Ehrhardt ſcharf. Und wirklich ſah Regine blühender und hübſcher als jemals aus. Sie hatte
war aber doch auf die Vorſchläge ſeines Sohnes ſtolz, der ſchon damals die Triumphe, welche die Locomotive dereinſt feiern würde, vorherſah. Vielleicht trat der Vater auch nur deshalb
als Gegner auf, um ſeinen Sohn dadurch zu veranlaſſen, ſeine Ideen um ſo ſchärfer zu durchdenken und zu entwickeln und ſie
dereinſt zur Geltung zu bringen. Wahrſcheinlich erzeugten gerade dieſe Discuſſionen in dem Geiſte des Vaters den Gedanken, dem Sohne die Gelegenheit zu einer noch größern Ausbildung ſeiner wiſſenſchaftlichen Kenntniſſe zu verſchaffen. Er ſchickte ihn zu dem Zwecke im Jahr 1820 auf die Univerſität in Edinburg, wo Hope Vorleſungen über Chemie, Sir John Leslie über Natur⸗ philoſophie und Jameſon über Naturgeſchichte hielten. Robert Stephenſon blieb nur ſechs Monate auf der Univerſität, arbeitete aber in dieſer Zeit ſo viel wie gar viele Studenten kaum in drei Jahren. Dieſe ſechs Monate koſteten dem Vater über 80 L, doch er zürnte deshalb nicht mit ſeinem Sohne, als dieſer im Sommer 1821 zu ihm nach Killingworth zurückkehrte, denn dieſer brachte zugleich den Preis für die Mathematik mit, den er auf der Uni⸗ verſität erlangt hatte.
Im Jahr 1822 trat Robert als Lehrling bei ſeinem Vater ein, der zu dieſer Zeit ſeine Maſchinenfabrik nach Neweaſtle ver⸗ legt hatte; da aber ſeine Geſundheit durch ſeine übertriebene Thätigkeit nach ein paar Jahren zu leiden anfing, ſo übernahm er den Auftrag, in Südamerika die Gold⸗ und Silberminen zu unterſuchen. Die Veränderung der Luft und des Landes trug ſehr weſentlich zur Herſtellung ſeiner Geſundheit bei, und nachdem er die Silver Mine Company of Columbia gegründet hatte, kehrte er im Dec. 1827 über die Vereinigten Staaten und Canada nach England zurück, um ſeinem Vater in den Anordnungen der
Liverpool⸗Mancheſter⸗Eiſenbahn beizuſtehen, während er ſich zu⸗ gleich an die Spitze der Locomotivenfabrik in Neweaſtle ſtellte. Um dieſe Zeit ſcheint ſeine Aufmerkſamkeit ausſchließlich dem Studium der Locomotivdampfmaſchine gewidmet geweſen zu ſein, und wie trefflich es ihm gelang, die Ideen ſeines Vaters auszu⸗ führen, ergab ſich daraus, daß ihm der Preis von 500 zuerkannt wurde, den die Directoren der Liverpool⸗Mancheſter⸗Eiſenbahn für die beſte Locomotive ausgeſetzt hatren. Er ſelbſt ſchrieb das ganze Verdienſt der Erfindung ſeinem Vater und dem Herrn Booth zu, obſchon der Rocket, ſo hieß die Locomotive, welcher der Preis zuerkannt war, im Namen Robert Stephenſon'’s eingegangen war. Dieſe Locomotive war indeſſen noch weit entfernt, voll⸗ kommen zu ſein, und war keineswegs die künftige Muſterlocomotive. Der junge Ingenieur erkannte die Mängel derſelben und erbauete den Planet, welcher der Typus iſt, nach welchem jetzt ſämmtliche Locomotivdampfmaſchinen gebaut werden. Zu derſelben Zeit entwarf er die Zeichnung zu einer Locomotive, die für die Curven der amerikaniſchen Eiſenbahnen beſonders geeignet iſt, und in dieſer Weiſe verdankt die Welt Robert Stephenſon den Typus zu den Locomotivdampfmaſchinen, die in beiden Hemiſphären im Gebrauch ſind.
Das nächſte große Werk, welches Robert Stephenſon über⸗ nahm, war der Bau der London⸗Birmingham⸗Eiſenbahn. Er war bereits früher bei dem Bau eines Theiles der Liverpool⸗ Mancheſter⸗Eiſenbahn und eben ſo der Leiceſter⸗Swannington⸗ Eiſenbahn thätig geweſen, ſo daß er die nöthige Erfahrung b
die Ausführung eines ſo großen Werkes beſaß. Sobald er 5.‿
Ingenieur der neuen Geſellſchaft ernannt worden war, verlegte ſeinen Wohnſitz nach London und hatte die Freude, am 1. J
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