Jahrgang 
28-52 (1859)
Seite
700
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einen zu Grunde richtenden Krieg zu unterhalten, ſchien dieſen Vorwurf zu fürchten und war vor lauter Eifer, ſich dagegen zu vertheidigen, beinahe dahin gekommen, ihn nicht mehr zu verdienen. Lord Aberdeen, der Vertreter dieſes Cabinets bei den verbündeten Höfen, einer der rechtlichſten und weiſeſten Männer, die jemals England gedient haben, war in dieſer Beziehung der Beiſtand des Herrn von Met⸗ ternich geworden und ſäumte nicht zu erklären, wenn Napoleon die nothwendigen Conceſſionen mache, müſſe man mit ihm ganz wie mit einem Andern unterhandeln und ihn als einen vollkommen legitimen Souverain be⸗ trachten.

Am Ufer des Rheins angelangt, hatten die Verbün⸗ deten alſo in dieſer Hinſicht einen Entſchluß zu faſſen. Ueberdies waren ſie durch gewiſſe Antecedentien dazu ge⸗ nöthigt. Unmittelbar nach der Vereinigung Oeſterreichs mit den kriegführenden Mächten und während man ſich noch in Böhmen befand, hatte Herr von Metternich einige wich⸗ tige Reſolutionen vorgeſchlagen und annehmen laſſen, die ſämmtlich den Zweck hatten, den bei Coalitionen gewöhn⸗ lichen Geiſt der Zwietracht unſchädlich zu machen. Erſtens hatte er, da die Souveraine und deren vornehmſte Miniſter vereinigt waren, denſelben vorgeſchlagen, ſich vor Be⸗ endigung des Krieges nicht zu trennen. Zweitens hatte er die Ernennung eines einzigen Obergenerals verlangt und durchgeſetzt, und dieſer General war, wie man geſehen hat, der Furſt von Schwarzenberg geweſen. Drittens hatte er als Zweck nicht die Eroberung, ſondern die Zurückgabe deſſen, was ein Jeder verloren hatte, feſtgeſtellt. Da nun dieſe Grundlage für Preußen und für Oeſterreich, die ſeit zwanzig Jahren ſo zahlreiche Umwandlungen erfahren hatten, ungewiß ſein konnte, ſo hatte er bezüglich dieſer beiden Mächte den genauen Zuſtand ihres Staates vor dem Kriege von 1805 annehmen laſſen, und überdies hatte er die Beſtimmung durchgeſetzt, daß die wiedereroberten Pro⸗

vinzen den Händen der Coalition zur Verwahrung über⸗

Noveſlen⸗Zeitung.

geben werden ſollten. Endlich hatte er den Beſchluß aus⸗ gewirkt, daß man den Krieg nicht in Feldzüge und Jahre, ſondern in Perioden theilen wolle, die nach der Wichtigkeit der erzielten Reſultate abgemeſſen werden ſollten. So ſollte der Marſch bis zum Rheine und das Eintreffen da⸗ ſelbſt die erſte Periode bilden. Die zweite, falls man ſich genöthigt ſähe ſie anzutreten, ſollte ſich auf dem Gipfel der Vogeſen und der Ardennen abſchließen. Die dritte, wofern man durchaus gezwungen wäre, den Krieg ſo weit zu treiben, ſollte erſt zu Paris ſelbſt endigen. Nach dieſen mit ſo tiefer Einſicht entworfenen Reſolutionen verſtand es ſich von ſelbſt, daß man bei Vollendung jeder Periode und bevor man die folgende begann, Halt zu machen hatte, um zu erwägen, ob der Friede nicht möglich ſei.

Aus allen den von uns angegebenen Gründen wünſchte nun Oeſterreich, ohne gleichwohl die Initiative einer neuen Unterhandlung zu ergreifen, Napoleon wiſſen zu laſſen, daß jetzt der Augenblick zum Unterhandeln ſei; es wünſchte ihm den Rath zu ertheilen, klüger als zu Prag zu ſein und ſich zu bemühen, außer dem Throne, der bis dahin noch nicht in Frage geſtellt worden war, es jedoch noch werden konnte, ein immer noch ſehr ſchönes Frankreich, nämlich dasjenige des Vertrags von Luneville, zu bewahren. Ein Zufall verſchaffte den Monarchen und ihren Miniſtern, die in dieſem Augenblicke zu Frankfurt verſammelt waren, eine Gelegenheit, Napoleon ihre wahren Abſichten mitzutheilen, Abſichten, die damals aufrichtig gemeint waren, denn der Rhein war noch nicht überſchritten. Frankreich hatte zu Weimar einen Geſandten, Herrn de Saint⸗Aignan, ge⸗ habt, welcher mit einem aufgeklärten Geiſte einen gefäl ligen und verträglichen Charakter verband und den zu jener Zeit ſehr geſchätzen Vortheil beſaß, der Schwager des Herrn de Caulaincourt zu ſein, Es war in der That ganz Europa bekannt, daß Herr de Caulaincourt an dem nur allzu unterwürfigen Hofe Napoleon's beſonnen genug war, die Sache des Friedens zu unterſtützen, und dieſes

Casse, auteur des mémoires du Roi Joseph. Vol. 1 6. Paris, 1858/59. M: Lévy Frères(Leipzig, A. Dürr).

Unter den hervorragenden Perſonen, die Napoleon umgaben, hat niemand bei den Zeitgenoſſen einen edlern Ruf, als Eugen Beauharnais, Vicekönig von Italien, ſpäter Herzog von Leuch⸗ tenberg, beſeſſen, und niemand hei der Nachwelt einen makelloſern Namen hinterlaſſen. Als die meiſten Creaturen des Kaiſers in ſeinem Dienſt läſſiger zu werden anfingen, und ſich innerlich von ihm trennten, einer ſeiner nächſten Verwandten, Murat, König von Neapel, der ihm beſonders viel verdankte, ſich ſogar offen gegen ihn erklärte, blieb der Prinz Eugen dem ſinkenden Heros dis zum letzten Augenblick treu und wies die lockendſten Verſu⸗ chungen zum Abfall zurück. Dieſer Beweis von Pflichtgefühl und Entſagung in einer ſo ſelbſtſüchtigen und zerriſſenen Zeit und mitten unter dem größten Umſturz, den es je gegeben hat, wäre allein hinreichend geweſen, um den, der ein ſo ſeltenes Beiſpiel aufſtellte, zu einer ehrenvollen Stelle in der Geſchichte zu berech⸗ tigen. Hierzu kommt aber noch, daß Eugen neun Jahre lang an der Spitze einer ſo bedeutenden Schöpfung Napoleons wie das Königreich Italien ſtand, das von ihm erſt muſterhaft verwaltet und zuletzt unter den ungünſtigſten Umſtänden unerſchrocken ver⸗ theidigt wurde, und daß er 1809 gegen Oeſterreich und 1812 gegen Rußland ſich als Feldherr der großen Schule, aus welcher er hervorging, würdig erwies. Man kann ſich deßhalb wundern, daß von jemand, der innerlich und äußerlich ſo hoch ſtand, nicht ſchon früher angemeſſene Zeugniſſe über ſeine Thaten als Krieger und Fürſt erſchienen ſind. Aber lange beſchäftigte ſich die Welt vornehmlich nur mit den Denkwürdigkeiten und Erzählungen, welche von dem geſtürzten Eroberer theils unmittelbar ausge⸗

gangen, theils nach ſeiner Anleitung und ſeinen Eingebungen abgefaßt waren. Es erſchienen zwar einige Schilderungen des Charakters und Wirkens Eugens, aber von unkundiger oder par⸗ teiiſcher Hand, flüchtige Skizzen, die den Gegenſtand kaum berühr⸗ ten, geſchweige denn erſchöpften. Selbſt in Botta's verdienſtvoller Geſchichte Italiens(von 1789 bis 1814) iſt aus übel verſtandenem Patriotismus den Eigenſchaften des Vicekönigs nicht die gebüh⸗ rende Anerkennung zu Theil geworden. Da Eugen nicht allein und unabhängig daſtand, ſondern der Stellvertreter eines Höhern

war, da er zu einem Syſtem gehörte, das er nicht ſelbſt geſchaffen hatte und dem er ſich im Ganzen unterordnen mußte, ſo war es, ſobald man nicht in alle Einzelheiten ſeines Wirkens eindringen konnte, ſchwer, ihn wahrhaft zu ergründen, ihn nicht zu hoch oder nicht zu niedrig zu nehmen, und ſeinem hiſtoriſchen Standbild den ihm gebührenden Platz anzuweiſen. Dann traten zufällige Umſtände ein, welche die Verarbeitung des reichen Materials hin⸗ derten, das über das Wirken des Prinzen Eugen vorhanden war. Dieſe Hinderniſſe ſind endlich glücklich beſeitigt worden, und es iſt jetzt möglich geworden, das verdienſtvolle Daſein einer der edel⸗ ſten Erſcheinungen der neuern Geſchichte, und mit ihm einen bedeutenden Theil im Leben des außerordentlichen Mannes, wel⸗ chem Eugen ſo nahe geſtanden, in den Quellen ſelbſt anzuſchauen. Obige Bekanntmachung der Denkwürdigkeiten des Prinzen Eugen iſt daher wohl geeignet, von ſeinem politiſchen und militäriſchen Wirken ein vollſtändiges Bild zu verleihen, und ſeine Correſpon⸗ denz kann für einen der wichtigſten Beiträge zu einer genauern Kenntniß des Napoleoniſchen Zeitalters gelten. r..

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