Jahrgang 
28-52 (1859)
Seite
698
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fern von jener Demuth war, die mehr als Menſchenkraft, die eine Himmelsblume iſt, und trotz ihrer ſanften, ſtillen Weiſe rieſengroße Werke vollbringt und Berge verſetzt, unter den Einflüſterungen dieſes Stolzes richtete Regine fortan ihre Handlungsweiſe ein.

Mit feſter Hand warf ſie einige Zeilen auf das Papier. An Ehrhardt? Nein! Wir blicken mit der Freiheit und Macht, welche dem Novellenſchreiber zu Gebote ſteht, vor dem ſich alle Falten des Menſchenherzens enthüllen müſſen, der alluͤberall hineinſchauen darf, auf das Blatt, welches ihre Augen nochmals überfliegen.

Indem ich Ihnen, mein geehrter Herr, noch einmal herzlich danke für die Güte, mit der Sie meinen erſten Schritt auf der ſo ſchweren Laufbahn unterſtützt, für die Sorgſamkeit und Treue, mit der Sie mein Geheimniß be⸗ wahrt, entlaſſe ich Sie hiermit des Verſprechens, meinen Namen zu verſchweigen, bitte Sie vielmehr jetzt mich als die Verfaſſerin des Buches zu nennen und dieſe Kunde möglichſt ſchnell und weit zu verbreiten. Glauben Sie nicht, daß eine Laune mich zwei ſo entgegengeſetzte Wege wählen läßt. Ich wollte für immer unerkannt bleiben; das meiner Schopfung ſo reichlich, faſt unverdient geſpen⸗ dete Lob hatte nicht Macht genug, mich aus Eitelkeit dem untreu werden zu laſſen, was ich als recht erkannt, näm⸗ lich: meine Anonymität unter keiner Bedingung aufzu⸗ geben. Jetzt aber, da ich höre, daß man das Buch angreift und zwar in einer Weiſe, welche einen Schatten auf die eigene Denkungsart der Verfaſſerin werfen könnte, jetzt wäre es feig, nicht frei und offen hervorzutreten und mich zu meinem geiſtigen Kinde zu bekennen. Den Ruhm, das Lob, welches man der unbekannten Schreiberin ſpendete und auf verſchiedene Namen übertrug, die konnte ich ſolchen gern laſſen; wenn man nun aber die vermeintliche Verfaſ⸗ ſerin mit einem Vorwurf belegt, der auf ihren Charakter und Namen fallen könnte, da darf ich nicht mehr ſchweigen und ferne ſtehen; da muß ich allen Tadel auf mich nehmen

Novellen⸗Zeitung.

[V. Jahrg.

als mein rechtmäßiges Eigenthum. Und ich will es! Mag man zu mir herantreten mit den Beſchuldigungen, ich will ihnen antworten, wenn ich es der Mühe für werth halte, oder vielleicht beſſer ſchweigen. Denn wer mich aus dem Buche nicht verſteht, nicht zu faſſen vermag, daß eine gute Abſicht mich leitete, dem vermöchte ich es auch gewiß nicht klar zu machen, warum ich gerade ſo ſchreiben mußte, und daß ein Thema meiſt nicht ein erwähltes iſt, ſondern eines, das erledigt und beleuchtet werden mußte einer inneren Nothwendigkeit zufolge.

Doch genug! wir haben das ſchon öfter verhandelt, und Sie verſtehen mich. Alſo was erſt ſo geheim gehalten wurde, daß ſelbſt die Ahnung der Wahrheit ein Verbrechen war, es werde jetzt laut verkündet.

Mit Dankbarkeit und Achtung Ihre ergebene

Regine Herbert.

Der Brief war geſiegelt und der Dienerin zur augen⸗ blicklichen Beſorgung am nächſten Morgen empfohlen. Jetzt hätte Regine allein ſein mögen, gern hätte ſie das Mädchen entlaſſen, aber ob dieſe in dem abweichenden Thun nicht etwas Ungewöhnliches vermuthet? War es ihr doch ſchon erſchienen, als ob Nanette mit beſonders prüfendem Blicke verſtohlen nach ihr hingeſchaut. So nahm ſie ſtill wie immer die Dienſte an, welche dieſe ihr allabendlich leiſtete; da, als ihre Hand durch die ſchweren, gelöſten Haar⸗ flechten ſtrich, die zur Nacht geordnet wurden, da wieder traf das Auge die Stelle, an welcher der Ring geſeſſen leer! und o, wie leer ihr Herz!

Sie vermochte nicht Ruhe zu finden. Leiſe trat ſie zum Fenſter und, die Vorhänge zurückſchlagend, ſchaute ſie in die Nacht hinein. Auf dem dunkelblauen Himmel ſchwammen die Myriaden der goldenen, funkelnden Sterne. Regine blickte zu ihnen empor, feſt und treu; es war ihr, als wären es die Augen ihrer vielgeliebten Mutter, die auf ſie niederſahen, und ſie ſchlug den Blick nicht ſchuldbewußt

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fälle zu verhüten, entgegnete ich entrüſtet,wenn jeder Speculant Schiffe und Maſchinen von unglaublicher Leichtigkeit baut, wenn die Bahnen ohne Bahnwärter Hunderte von Menſchenleben jähr⸗ lich verſchlingen, wenn Halten Sie ein, rief der amerikaniſche Ingenieur.Sie ſtoßen in einem Athem eine Unzahl Beſchuldigungen aus, die ich eine nach der andern widerlegen kann.

Da wäre ich neugierig.

So hören Sie: Es gibt zwar keine Geſetze, die Unglücks⸗

fälle zu verhüten, es gibt aber ein Geſetz, das die Compagnien

und Eigenthümer im Falle eines Unglückes zu enormen Entſchä⸗ digungen anhält. Gebietet alſo nicht der eigene Vorrheil, ſolchen Unglücksfällen möglichſt vorzubeugen?

Iſt ein Menſchenleben mit Geld ausgleichbar? fragte ich

ſpöttiſch.

BBei uns gewiß! war die Erwiderung;unſer Staat iſt jung, aber groß genug, um auf keine anderen Eroberungen ausgehen zu dürfen, als die für Cultur und Civiliſation. Wenn wir ſolche einſchränkende Verordnungen erließen, wie Ihr in Europa, würden dann⸗Tauſende von Dampfern unſere Flüſſe durchfurchen, würden zwanzigmal ſo viel Meilen Eiſenbahnen, als Ihr insgeſammt beſitzt, unſere Länder durchſchneiden? Wir bauen für dieſelbe Summe vier Dampſſchiffe, für die Ihr eines herſtellt, wir legen 10 Meilen Schienen, wo Ihr eine legt. Iſt die rieſige Ausdeh⸗ nung unſerer Verkehrsmitel kein Beweis für die Vorzüglichkeit der betreffenden Geſetze? entſchädigt dies nicht für die paar hundert Menſchenleben, die ſie verſchlingen? Der Einzelne iſt bei uns ein Brüchtheil des großen Capitals, das für die Cultivirung unſeres Landes arbeiter, als ſolches iſt er ſelbſt ein Capital, und die

Geſetze beſtimmen im Mittel ſeinen Geldwerth auf 10,000 Dollars.

Ich will Ihnen nun auch den Vortheil unſeres Syſtems bei den Eiſenbahnen in Zahlen darlegen.

Um unſere Eiſenbahnen mit Bahnwärtern wie in Europa zu

bevölkern, bedürften wir 50,000 Menſchen, die alſo für den Zweck der Cultur verloren gingen, im angenommenen Geldwerth, der aber jedenfalls noch zu niedrig gegriffen iſt, 500 Millionen Dol⸗ lars. Dieſe Summen zu 10 pCt. veranſchlagt, geben einen jährlichen Verluſt von 5000 Menſchen= 50 Millionen Dollars. Der wirkliche Verluſt an Menſchen, Todte und ſchwer Verwun⸗ dete, beträgt jährlich jedoch nur 500, die möglicherweiſe nicht ein⸗ mal' alle dem Mangel an Bahnwärtern zugeſchrieben werden dürfen. Zieht man 500 von 5000 ab, ſo ergibt ſich ein jährlicher Gewinn von 4500 Menſchen, ein Capitalgewinn von 45,000 Menſchen oder 450 Millionen Dollars für die Cultivirung des Landes! Zahlen ſprechen am lauteſten! Und damit verließ mich der Yankee, um ein Glas Brandy zu trinken.

Ich blieb ſprachlos ſitzen. Menſchen, Millionen, Procente, Dollars, Alles ſchwirrte mir im Kopfe umher. Doch ich war ja in einem ſclavenhaltenden Staate! Und ich pries die Geſetze Deutſchlands, die den Menſchen für kein Capital halten, die ſein Leben ſchützen; ich pries deutſche Anſichten, die aus dem Verluſte von Menſchenleben keinen Gewinn zu rechnen verſtehen, weder of culture, noch pour la gloire!(Schleſiſche Zeitung).

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