Er ſtreckte den Arm aus, ſie an ſein Herz zu ziehen, an dem ihre Heimath ſein ſollte immerdar, doch ſie wich zurück.
„Wir müſſen ſcheiden, unſere Wege können ſich nicht einen. Bald wird die Stunde kommen, Ehrhardt, in der Du mir danken wirſt, daß ich es war, die Dich Deines Wortes entließ.“ Sie ſprach's mit einer düſteren Feier⸗ lichkeit, die etwas Schauerliches hatte.
„So geh! wenn Du in Deiner Verblendung, in Deines Herzens Trotz und Härte beharrſt, geh!“— ſtieß er jetzt grollend hervor; dann legte er die Hände über ſein Ange⸗ ſicht, denn ſein nun mächtig erregter Stolz wollte ſie nicht ſehen laſſen, wie der Schmerz in ſeinen Zügen wühlte.— V
Da war's ihm, als wenn ein linder, warmer Hauch ganz leiſe ſeine Hand berührt, als wenn ein ſüßer Athem darüber hingeweht, als wenn ein Segensſpruch an ſeinem Ohre vorbeigeſchwebt ſei. Er blickte auf, ſie ſtand nicht mehr an ſeiner Seite, durch die lange Zimmerreihe ſah er ſie dahinſchweben; wie ein lichtes Gebilde war ſie anzu⸗ ſchauen in dem weißen Gewande, das in des Mondes Strahlen ſchimmerte. Ehrhardt wollte ihr nachſtürzen, denn er fühlte, es war ſein Glück, das da von ihm entfloh, doch wie ein Schatten, der zerrinnt, war ſie entſchwunden.
Ganz ſtill war es um ihn her in dem mondbeglänzten Raum, ſtill und öde wie in ſeinem Herzen.
So ging er von dannen.
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4 V Regine ſtand in ihrem Zimmer; unverwandt blickte ſie auf die Hand, an welcher der Ring nicht mehr erglänzte. Wie leer und fremd ihr dieſe Hand vorkam! Sie gedachte des Tages, als er ihn ihr gegeben. In der Geisblatt⸗ Laube war es geweſen, wo ſie, die bitteren Abſchiedsthrä⸗ nen weinend, an ſeinem Halſe gehangen. Damals hatte des Kindes junges, warmes Herz es nicht tragen zu können vermeint, daß er, der ihr Geſpiele, Freund und
[V. Jahrg.
Lehrer geweſen, der ihr den lieben, verſtorbenen Bruder erſetzt, daß er nun ſcheiden ſollte. Ehrhardt aber wußte, daß auch ſie ſein Liebſtes war in der weiten Welt. Ob⸗ ſchon er noch auf der Schwelle des Lebens ſtand, das Jünglingsalter nicht lange überſchritten hatte, ſo glaubte er doch genug von der Welt und ihrem Treiben während der luſtigen Studentenjahre geſehn zu haben, um ſeines Herzes ſicher zu ſein. Manchem ſchönen Mädchen hatte er zugelächelt und freundlich mit ihr geſcherzt, wenn ſie aber tieferen Einlaß in ſein Herz begehrte, da war die Pforte verſchloſſen, und ſeine Liebe hatte ihn geſchützt vor manchem ſchönen, ſündhaften Auge. Dennoch wollte er Regine, die faſt noch ein Kind zu nennen war, nicht an ſich ketten durch Wort und Gelübde; nicht als Feſſel legte er den Ring in ihre Hand, das theure Kleinod, welches die bleiche, ſchöne Mutter ſelbſt an ſeinen Finger geſteckt. Es war ſein Liebſtes, was er der Freundin geben konnte; ſie ſollte es hegen und wahren als eine Gabe von ihm, und wenn er
nach Jahren wiederkehrte, und in den beiden Herzen die Neigung nicht nur gleich treu und rein gelebt, ſondern immer feſtere Wurzel gefaßt hatte, dann ſollte der Ring V
ein Verlobungsring werden.
So waren ſie geſchieden. Lange Jahre hatten ſie ſich nicht wiedergeſehn, nur ſelten Kunde von einander bekom⸗ men. Ehrhardt hielt nicht viel von dem allzu häufigen Briefſchreiben; er meinte, man rede und ſchreibe ſich da oft in Vieles hinein, was zuweilen nicht ganz wahr ſei; ein Wort, ein Blick gebe beſſere Kunde, wie es innen ſtände, als bogenlange Briefe. Er wollte nicht, daß Regine die Be⸗ ziehung zu ihm als eine Feſſel betrachte, wünſchte, daß ihr Herz und Geiſt ſich frei und ungehemmt entwickeln möchte. Ob er wohl daran gethan, ob er nun ein Recht hatte, ſich zu verwundern, daß ſie ſo ſelbſtſtändig geworden?
Vieles war in der Zeit der Trennung geſchehen, Regi⸗ ne's weichen, doch nicht ſchwachen Charakter ſich feſter und ſelbſtſtändiger entwickeln zu laſſen. Das Leben hatte ſie
und ſeine majeſtätiſchen Ufer. Aus zwei, drei und vier Cajüten⸗j ſtühlen hatten ſich die Meiſten möglichſt bequeme Ruheplätze con⸗ ſtruirt, worin die Amerikaner beſonders genial ſind, und rauchten ihre Havannas, deren manche aus der Rheinpfalz importirt ſind, oder warfen den Kautabak aus einem Mundwinkel in den andern.
Ein Pflanzer aus dem Süden läßt ſich von ſeinem Sclaven im Schaukelſtuhl hin und her wiegen, die Augen geſchloſſen; ihm bietet die Natur ja keinen Genuß mehr, und während aus ſeinem Munde der blaue Rauch der Manilla ſich kräuſelt, berechnet er wahrſcheinlich die nächſten Baumwollen⸗Preiſe und die Schritte, die in der jetzt brennenden Sclaven⸗Frage von den Demokraten (Sclavenhaltern) geſchehen müſſen.
Hinter einer Biegung des Stroms lag ein Anlande⸗ und Holz⸗Platz, die rothe Flagge aber, ein Zeichen, daß Paſſagiere einſteigen wollen, war eingezogen, indem ein anderer Dampfer, der an tauſend Schritte von uns ſichtbar wurde, eben abgefahren war. Holz hatten wir genug, und ſo fuhren wir an der Station vorbei, als auch ſchon ein Dutzend Kehlen auf den Capitän zu⸗ ſchrieen:„Vorfahren, einholen!“ Dieſer nickte mit dem Kopf,
übertäubte das Brauſen der Räder.
dabei ſein knochiges Geſicht zu einem grinſenden Lächeln ver⸗ zerrend, und ging in den Maſchinenraum hinab. Bald zeigte der aus den beiden Eſſen ſtärker qualmende Rauch, daß Ernſt gemacht werde. Raſcher drehten ſich die Räder, der Schaum des gepeitſchten Waſſers wirbelte bis zu uns empor, und die Wogen bäumten ſich ziſchend gegen den Bug des Schiffes.
Mit Blitzesſchnelle durcheilte die Nachricht, daß es eine Wettfahrt gelte, alle Räume, und Alles drängte ſich auf die Gallerien und auf die Plattform. Der ſonſt ſo blaſirt kalte Charakter des Amerikaners war plötzlich umgewandelt.
Eine fieberhafte Lebhaftigkeit bemächtigte ſich der Paſſagiere; das Geſchrei der Wettenden, der hitzige Austauſch der Meinungen
Mir fielen alle Geſchichten ein von Exploſionen und Bränden auf dem Miſſiſippi, die ich je geleſen; ich nahm aus meiner Reiſe⸗ taſche den vorſorglich eingeſteckten Patent⸗Kautſchuk⸗ Schwimm⸗ apparat, und wollte nach dem Maſchinenraum, um die Gefahr ſelbſt beurtheilen und nöthigenfalls über Bord ſpringen zu können. Da fühlte ich eine Hand auf meiner Achſel, und mich umſehend, gewahrte ich einen jungen kräftigen Mann, der lächelnd zu mir
ſprach:„Sie ſcheinen noch keine Wettfahrt mitgemacht zu haben
„Hatte noch nicht das Vergnügen, wünſchte auch damit ver⸗ ſchont geblieben zu ſein.“
„Der Niagara fuhr bis jetzt nur mit halber Kraft. Es iſt keine Gefahr dabei.“
„Davon will ich mich eben unten überzeugen.“
„Ah, Sie ſind Ingenieur?“
„Zu dienen,“ und damit wollte ich mich losmachen, denn der’ Rauch quoll immer dichter aus den Schornſteinen, und das ganze Schiff zitterte und knarrte unter dene Stößen der Maſchine. Doch ſo leichten Kaufes kam ich nicht davon. Der Fremde, welcher ſich an meiner ſichtlichen Angſt zue weiden ſchien, nahm mich unter den Arm und ſprach mit größter Ruhe:
„Ich habe die Chre, ihr College zu ſein, und verſichere Sie, daß ich den Niagara beſſer wie mich ſelbſt kenne. Er iſt der ſchnellſte Steamer mit dem tüchtigſten Capitain am Miſſiſippi. Ich ſtehe Ihnen für Alles gut. Sehen Sie, wir haben ſchon eine bedeutende Strecke eingeholt.“
„Wenn ich nicht irre, iſt's die Louiſiana.“
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