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Dieſe ſtand im Muſikſaal, in dem die Lichter bis auf
eine Kerze gelöſcht waren, die ganz matt und trüb gegen den hellen Mondſchein der klaren Novembernacht abſtach,
der in reichen Strahlen durch die Fenſter fiel und auf Wie eine Bild⸗
allen Gegenſtänden tanzte und ſchwebte. ſäule, ſo kalt und regungslos war die hohe Geſtalt des jungen Mädchens anzuſchauen, aber der Mond ſpiegelte ſich in zwei großen, klaren Thränen, die langſam, langſam über die Wangen rollten. Als ſie Ehrhardt's Schritt von ferne hörte, fuhr ein mächtiges Beben durch ihre Seele, und das inbrünſtige Flehen trat über ihre Lippen:„Gib mir Kraft, gütiger Gott, das zu thun, was ich thun muß!“
Fern ab aus dem Speiſezimmer drang zuweilen die milde Stimme der Tante, noch einige Befehle ertheilend,
ſonſt war es ſtill um die Beiden, die ſich auch ſchweigend
gegenüberſtanden.—
Wieder hatte ſich Ehrhardt ihr genahet, mit dem Worte der Verſöhnung auf den Lippen, das dem treuen, liebe⸗ warmen Herzen entſtiegen. Gern wollte er bekennen, er habe haſtige, unüberlegte Worte an dem Abende geſprochen, habe ſogar zuweilen, um ſie ein wenig zu necken, Manches behauptet, was nimmer ſeine wahre Ueberzeugung geweſen, aber Regine mußte ihm das Bekenntniß ſeines Unrechtes nicht zu ſchwer machen. Und ſie machte es ihm ſchwer. Es drückte ſich eine ſo trotzige Entſchloſſenheit in ihrem ganzen Weſen aus, es lag eine ſolche Unnahbarkeit wie ein Panzer um ſie, daß Ehrhardt auch nicht eine Stelle fand,
ihre Seele zu erfaſſen. Das gute Wort erſtarb auf ſeiner
Lippe, ein tiefes Weh preßte ſein Herz zuſammen, das bald einem Gefühle ſtolzen Zornes wich. So mußte ſie nicht zu ihm ſein, nicht ſo! Hatte er ſo Arges verbrochen, daß ſie ſo vor ihm ſtand?— Nein, heute konnte er nicht mehr zu ihr ſprechen, die milde, verſöhnende Stimmung war ver⸗ weht; wenn er geredet, bittere Worte wären es geweſen. Er wollte eine beſſere Stunde erwarten.
Noveflen⸗Zeilung.
„Gute Nacht, Regine!“
„Gute Nacht, Ehrhardt!“— Ein Zögern von ſeiner Seite, dann wandte er ſich zum Gehen.—
„Ehrhardt!“———
Kaum daß der Ruf ihn erreicht, ſo ſtand er auch wie⸗ der an ihrer Seite. Mit einer freudigen Haſt war er zurück⸗ gekehrt. Aller Groll war vergeſſen, liebe Worte drängten
ſich hervor und wollten über die Lippen ſtrömen; damit nicht etwa ſie zuerſt ſpreche, ſie ſich gar ſo weit herablaſſe, ihm um Verzeihung zu bitten für ſein Unrecht, welches ihm jetzt, ſeit ſie ihn gerufen und ſomit, wie er meinte, den erſten Schritt zur Verſtändigung gethan, rieſengroß er⸗ ſchien. Doch ehe ſein übervolles Herz ſich Luft machte, da waren Worte ertönt, ein Urtheil ausgeſprochen, das ſein Blut erſtarren machte. „Ehrhardt, wir müſſen ſcheiden, ſcheiden von den Ge⸗ danken und frohen Hoffnungen, welche wir in Beziehung auf einander hegten, wir müſſen uns jetzt trennen, um viel⸗ leicht nach Jahren als Verwandte, als Freunde uns wieder ruhig und gleichmüthig gegenüber zu ſtehen.“—
Kalt und feſt wurden die Worte geſprochen, und in ſeiner zur Verſöhnung ausgeſtreckten Rechten lag der Ring, den er dem fünfzehnjährigen Kinde beim Scheiden gegeben, nicht als eine bindende Feſſel damals, nur als ein Zeichen der Erinnerung; erſt jetzt, nach ſeinem Wiederkommen, hatten Beide ihn als einen Verlobungsring betrachtet, den er bald durch das noch heiligere Symbol des Trauringes einzulöſen hoffte.
Ein dumpfer Wehruf rang ſich aus der Bruſt des Mannes, ihm war, als löſe ſich ein Stück von ſeinem Her⸗ zen, aber dieſem ſchringenden Schmerze folgte ein Ausbruch leidenſchaftlichen Sturmes.
„Das iſt kindiſch und launenhaft, Regine, das heißt mit wichtigen, hochheiligen Dingen ein frevelhaftes Spiel trei⸗ ben, wenn Du aus gekränkter Eitelkeit, um eines Streites, einer Meinungsverſchiedenheit willen, ein Bündniß löſen
lichen, Lieblichen, Schmachtenden fand. Jetzt können wir kaum mehr eine Liebesmelodie geigen oder blaſen, die nicht in der zwei⸗ und dreigeſtrichenen Octav herumkletterte.
Die muſtergültigen italieniſchen Geſangscomponiſten aus der erſten Hälfte des vorigen Jahrhunderts legten die Effecttöne für das eigentlich dramatiſche Pathos, ebenſo die Kraftpaſſagen der Arienſchlüſſe beſonders gern in die Mittellage. Unſer anders geſtimmtes Ohr fordert die Effecttöne der Leidenſchaft in der Regel ſo hoch als möglich. Die Altſtimme iſt als Soloſtimme aus den Opern faſt ganz verſchwunden, in denen ſie früher ſo be⸗ deutſam hervortrat. Die hohe Stimmung unſers ganzen inwen⸗ digen Menſchen hat uns kein Ohr mehr gelaſſen für den Alt.
Jedenfalls ſind wir hier bei einem Extrem angekommen, dem ſchon der Bau der menſchlichen Stimmwerkzeuge widerſpricht. Kaum beim Liede verzeiht man noch einen mäßigen und natürlichen Tonumfang. Zu allen Zeiten hatte man dem Liedercomponiſten erlaubt, ſeine Melodien aus möglichſt wenigen Tönen aufzu⸗ bauen. Während der alte Bach in ſeinen Arien die Singſtimme oft auf's Rückſichtsloſeſte von einer äußerſten Grenze zur andern jagt, beſchränken ſich ſeine Söhne und Schüler in ihren kleinen deutſchen Liedern auf den beſcheidenſten Umfang. Aehnlich ver⸗ fuhren die meiſten ſpäteren Tonſetzer bis zur Zeit der Romantiker. Da ſprengte man auch hier die Feſſel. Schubert konnte auf der einen Seite die maßvollſten Lieder ſetzen, auf der andern die maß⸗ loſeſten. Es iſt manchmal(wie auch bei Beethoven) als empöre ſich ſeine Phantaſie dagegen, daß ihr ein Zügel angelegt werde durch die natürliche Grenze der menſchlichen Stimme. Allein dieſe Naturgrenze läßt ſich einmal nicht wegſchaffen, und wo ſie ignorirt wird, geſchieht es auf Koſten der Ausführbarkeit. Darum
kehrten ſpätere Romantiker, wie Spohr und Mendelsſohn, alsbald wieder zur bequemen Mittellage als der eigentlichen Stimmlage des Liedes zurück. Ueber dem Durſt nach grellen Klängen hatte man ganz vergeſſen, daß ein Lied ſchon um deßwillen bequem zu ſingen ſein muß, weil es immer nur andeutend, niemals in voller dramatiſcher Ausführung vorgetragen werden darf. Fühlen denn unſere Sänger nicht, die ſeit Schubert ſo gerne das Lied zur dramatiſchen Scene machen, wie lächerlich es wäre, wenn ein Vorleſer ein Lied mit voller Stimmgewalt declamiren wollte gleich dem Dialog eines Dramas?...
Ganz ähnlich verhält es ſich mit der Tanzmuſik. In der erſten Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts beſaß man noch ein ſehr feines Ohr für langſame Tanzmuſik. Die große Mehrzahl der damaligen Tanzweiſen war nur mäßig bewegt. Unſerm modernen Ohr und Pulsſchlag dagegen erſcheint langſame Tanz⸗ muſik als ein Widerſpruch in ſich. Was zu jener Zeit als tanz⸗ begeiſternde Weiſe den Leuten in die Füße fuhr, würde uns jetzt einſchläfern. Wir begehren ſtürmiſch aufregende Tanzmuſik, unſere Vorfahren zogen die heiter anregende vor. Welch ein ganz anders geartetes, ganz anders geſchichtlich, politiſch, ſocial bedingtes Geſchlecht iſt das geweſen, dem die majeſtätiſch ſtolzirende Sarabanda, die feierlich bewegte Entrée, Loure und Chaconne, die ſchäferlich zierliche Muſette, der maßvoll ſchwebende Siciliano, der gemeſſen graziöſe Menuet als Tanzrhythmen in's Ohr klangen, im Gegenſatz zu einer Generation, die den wirbelnden Walzer, den ſtürmiſch hüpfenden Galopp, den raſenden Cancan tanzt! In der Oper konnte der tragiſche Held eine Sarabanda tanzen, und ſogar aus den Kirchenchorälen hat das Ohr des achtzehnten Jahrhunderts Tanzmuſik heraus gehört. Matheſon machte(1739)
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