Jahrgang 
28-52 (1859)
Seite
693
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Jahrg.

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übermüthige Mädchen ſchnell gefaßtund dann werde kein Wort, keinen Blick an ihn verſchwenden würde, und

ich es rund abſchlagen; denn ich will gar nichts mehr mit Ihnen zu ſchaffen haben. Sie ſind ein böſer, ſtreitſüch⸗ tiger Menſch geworden, der nur darauf ausgeht, uns zu ärgern, und vor Allem unſere liebe Regine zu reizen, und wer es mit der nicht gut meint, der hat es mit mir zu thun. Wenn Sie nichts Beſſeres auf Ihren weiten Reiſen und in den fernen Landen lernten, dann war's auch der

Mühe nicht werth hinzugehen, oder wenigſtens hätten Sie

gleich dort bleiben können. Als Sie vor fünf Jahren hier lebten und ich ein kleines Mädchen war, da waren Sie viel beſſer, Alles thaten Sie uns zu Liebe, ſpielten mit uns,

während ſie die Lippen feſt zuſammenbiß, erwiderte ſie auf all' ſeine neckenden und ſpottenden Angriffe keine Sylbe.

Bergſtröm! wie ungeſchickt Sie heute ſind! können Sie die Knöpfe an den Ueberſchuhen nicht finden? rief ſie ungeduldig; doch als ſie niederblickte und nicht Berg⸗ ſtröm, ſondern einen Anderen vor ſich knieen ſah, einen Anderen, zu dem ſie bis jetzt mit ſo gewaltiger Ehrfurcht auf⸗ geſchaut, daß der Gedanke, er könne ihr einen ſolchen Dienſt erweiſen, ihr wie ein Frevel erſchienen ſein würde, da be⸗

mächtigte ſich eine grenzenloſe Verwirrung des jungen Mäd⸗ ſchens, welche durch Ehrhardt's Blick und Lächeln, der dem

theilten Bilder für mich aus, ſchrieben meinen Namen auf von dannen, um wie ein ſchüchternes Vögelchen, das den

meine Bücher. Ich will rießweiſe Bilder ausſchneiden, und auf alle

Schulbücher Ihren Namen mit Fracturſchrift ſchreiben,

entgegnete Ehrhardt mit einem kleinen boshaften Lächeln wenn Sie mir nur das eine Mal Abſolution ertheilen wollen!

Solche Dinge brauche ich nicht mehr, ich gehe nicht

mehr zur Schule, mein Herr, ſondern bin letzten Martini eingeſegnet ſprach Roſe, feſt überzeugt, der junge Mann werde nun von ihrer neuen Würde ganz überwäl⸗ tigt ſein.

Mein Himmel, ſegnet man hier zu Lande Kinder ein? Wenn ich erſt Oberkirchenrath bin, ſo werde ich ein Verbot dagegen erlaſſen. Sie ſind doch höchſtens vierzehn Jahre, rief Ehrhardt neckend, denn er hatte recht gut erkannt, wo die verwundbare Stelle des kleinen Fräuleins war.

Im nächſten October werde ich ſiebzehn, erwiderte das hübſche Mädchen, ſich hoch im ſtolzen Selbſtgefühle ihrer ſechszehn Jahre aufrichtend.

Und wir haben ja ſchon November, es ſind ja nur elf Monate bis dahin.

Sein ſarkaſtiſches Lächeln machte ſie böſe, und ärger⸗ lich rief ſie, daß, ehe er ſich nicht wieder gebeſſert habe, ſie

Ganzen zugeſchaut, noch vermehrt wurde. Eilig flog ſie Weg verloren, an der Seite ihrer Mutter Schutz zu ſuchen. Und ganz ſeltſame Gedanken ſchwirrten heute zum erſten Male durch den Kopf des Kindes, wunderbar fremdartig ſchlug das junge Herz bei der Erinnerung an den einen Blick, und durchaus unbegreiflich ſchien es ihr, daß es wirklich der geſtrenge Herr Doctor, der Weiberfeind, ge⸗ weſen, welcher ihr die Ueberſchuhe angezogen. Was wohl die anderen Mädchen dazu ſagen würden? ein Lächeln des Triumphes glitt über das Antlitz; aber nein, ſie konnte es ihnen niemals, niemals anvertrauen!

Still wurd's im Hauſe, nachdem die muntere Geſell⸗ ſchaft unter Lachen und Scherzen geſchieden, noch ein Weil⸗ chen hörte man die hellen Stimmen auf der Straße, dann ruhte auch dort das tiefſte Schweigen. Niemand ſchien ſich zu wundern, daß Ehrhardt die Scheidenden nicht begleitete; Jeder fand es natürlich, daß er noch einige Worte mit den Verwandten zu ſprechen habe. Das blaſſe, ernſte Mäd⸗ chen, Fräulein Agathe, und die kleine Roſe hofften und er⸗ warteten ſogar, er werde ſein Unrecht gegen Regine noch heute wieder gut machen.

hat ſich auch unſre Orcheſterſtimmung hinaufgeſchraubt. Euler berechnete 1739 die Schwingungen des großen(achtfüßigen) Cauf 118 in der Stunde. Marpurg gibt 1776 für denſelben Ton bereits 125 Schwingungen an. Chladni beſtimmte deſſen

Schwingungen im Jahre 1802 ſchon auf 128, zwanzig Jahre

ſpäter gar auf 136 bis 138 in der Secunde. Und inzwiſchen werden wir immer wieder um ein Merkliches höher hinaufge⸗ gangen ſein!

Man ſieht, ſeit dem Auftreten der Romantiker iſt die Stimmung am heftigſten geſtiegen; zur Zeit der claſſiſchen Schule blieb ſie ſich am längſten gleich. Es war letzteres die Periode des maßvollſten Künſtlerthums. Jetzt dagegen dürſten wir nach immer grelleren Tönen, immer höherem Geſang. Mögen alle Geigen⸗ quinten ſpringen und alle Sängerkehlen vor der Zeit erſchlaffen, wir ſchrauben dennoͤch die Stimmung von Jahrzehnt zu Jahrzehnt höher hinauf.

Merkwürdig erſcheint hier das im Laufe der Zeit gänzlich herumgekehrte Verhältniß des Kirchentones zum Kammerton. Noch im achtzehnten Jahrhundert ſtand der Kirchenton weit höher als der Kammerton, und gewiß noch aus einem tiefern Grunde, als weil man ſolchergeſtalt Zinn an den Orgelpfeifen hätte ſparen wollen. Denn die Schilderung des ſtarken Affectes legten die alten Meiſter in die kirchliche Muſik. Dafür brauchten ſie den grelleren Ton. Bach dramatiſirt in ſeinen Kirchenconcerten weit greller und charakteriſtiſcher, als die gleichzeitigen Meiſter der ita⸗ lieniſchen Oper. Die Kammer⸗ und Theatermuſik, für welche man die tiefere, mildere, angenehmere Orcheſterſtimmung wählte, ſpielte meiſt nur erſt mit dem Schein der Affecte. Als Gluck und Mozart die Tragik aus der Kirche auf die Bühne und in's Concert

brachten, mußte naturgemäß auch der Kammerton in die Rolle des Kirchentons eintreten, und ſo iſt der erſtere in der That all⸗ mählich höher geworden als jener.

Damit hängt eine andere Thatſache zuſammen. Händels Opern erſcheinen uns concertmäßig, Bachs Kirchencantaten in den Arien häufig opernhaft, Viele Nummern dieſer Cantaten würden uns heute in der Kirche ſtören, dagegen dünken ſie uns jetzt ausgeſuchte geiſtliche Hausmuſik, was ſie zu Bachs Zeit gar nicht waren. Wir ſind kein kirchlich ſo heftig erregtes Geſchlecht mehr, daß wir Bachs Muſik in ihrer ganzen Ausdehnung noch in der Kirche ertragen fönnten; dagegen ſind wir als Individuen, in der Familie, in der Geſellſchaft unendlich viel heftiger erregt, viel höher geſtimmt auch geiſtlich, als das achtzehnte Jahr⸗ hundert: wir wollen Bach im Concert und im Hauſe. Der fromme und doch auch ſo gewaltthätige Thomascantor iſt ein Hausmuſiker geworden durch uns und für uns; für ſeine Zeit war er es nicht.

Seit hundert Jahren war der Tonumfang faſt aller Inſtru⸗ mente nach der Höhe bedeutend erweitert. Die hohen Lagen, in denen ſich jetzt jeder gewöhnliche Geiger bewegen muß, würden damals oft den erſten Virtuoſen zu halsbrechend geweſen ſein. Die Menſchen ſelber waren noch nicht hoch genug geſtimmt, um ſich an ſolch ſpitzigem Gezwitſcher zu ergötzen. Die Flöte des ſiebzehnten Jahrhunderts ſtand eine Quart tiefer als die des achtzehnten, in der Terzflöte und dem Piccolo des neunzehnten Jahrhunderts ſind wir wieder um eine Terz, ja um eine volle Octav über das achtzehnte Jahrhundert hinaufgeſtiegen! Unſre Urgroßväter nannten die tiefſte Flöte flauto d'amore, die Alt⸗ Hoboe oboe d'amore, eine tiefe Geige viola d'amore, weil ihr Ohr in den tiefen Mitteltönen vorzugsweiſe den Charakter des Zärt⸗

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