680 Novellen⸗Zeitung.
wöhnlicher Theilnahme an dem lieben Angeſicht des erreg⸗ ten Mädchens hingen.
„Haben Sie das Buch geleſen, Fräulein Roſe? dann gewiß hinter dem Rücken der Frau Mutter?“ fragte Ehr⸗ hardt neckend.
„Mama hat es mir gegeben; ich thue niemals etwas heimlich“— warf das junge Mädchen heftig ein,„und ſie ſowohl als mein Vater, Beide ſagen, daß dieſes Buch nur ein dummer oder nicht guter Menſch mißverſtehen könne.“
„Aber Roſe!“ rief eine der Freundinnen vorwurfsvoll, und die Kleine, jetzt inne werdend, daß ſie ſich in der Wärme ihrer Vertheidigung zu weit hatte hinreißen laſſen, ſchwieg beſchämt, und während die Thränen, welche ſo lange in ihren Augen geſtanden, über die glühenden Wangen rollten, barg ſie ſchnell das Köpfchen hinter dem Seſſel ihrer Nachbarin.
Damit aber war die Sache nicht abgethan, denn viele Stimmen erhoben ſich nun, um mit Ehrhardt zu kämpfen, ſein Urtheil zu berichtigen.
„Ich für mein Theil muß bekennen,“ begann die ernſte, blaſſe Dame von Neuem—„daß das in Rede ſtehende Buch mich auf das Lebhaſteſte intereſſirt hat, daß manche Stellen mir bis in die tiefſte Seele gedrungen ſind, und die Lebendigkeit der Schilderung, die Innigkeit des Ge⸗ fühles Saiten erzittern ließen, die noch niemals unter einer andern Hand in mir erklangen. Das iſt ſo recht eine Schöpfung, die für meine Behauptung ſpricht, daß es Zu⸗ ſtände gibt, welche die Feder des Mannes niemals ſo tref⸗ fend ſchildern kann; es iſt ein Buch von Frauenhand für das Frauenherz geſchrieben, und ohne manche Fehler, ja Unmöglichkeiten in der Charakterſchilderung zu überſehen, halte ich es dennoch für eine ſehr werthvolle, willkommene Gabe, eine Erſtlingsblüthe, die Beſſeres verſpricht. Kaum kann ich glauben, daß Sie das Buch kennen, mein Herr, denn ſonſt würde mich ein ſolches Urtheil von einem Manne wie Sie überraſchen. Haben Sie es geleſen, oder
nur durchblättert? Haben Sie es mit Aufmerkſamkeit ge⸗ leſen?“ fragte die Sprechende noch einmal, ihre ernſten Augen forſchend auf den jungen Mann richtend.
„Ja, nein— ja— das heißt, ich habe es ſtellenweiſe geleſen, aber ſo viel davon gehört, daß meine Meinung feſtſteht—“
„Stellenweiſe geleſen? und das ſoll ein maßgebendes
Urtheil ſchaffen können? Gerade als wenn man aus einem
Geſpräche einen einzelnen Satz, abgebrochene Worte her⸗ ausreißt und danach den Inhalt deuten will. Zu welchen Mißverſtändniſſen und falſchen Anſichten würde das füh⸗ ren!“ rief ein junge, lebhafte Dame vorwurfsvoll, wo⸗ bei ihre dunklen Augen zürnende Blitze auf Ehrhardt ſchoſſen.„Aber, Regine, warum biſt Du ganz verſtummt? Niemand vermöchte vielleicht beſſer als Du, die irrige An⸗ ſicht des Herrn zu widerlegen. Sonſt biſt Du immer die Erſte auf dem Kampfplatze, und jetzt haben wir mit Dir unſeren Anführer verloren.“
Aller Augen wendeten ſich nach der Angeredeten. Sie
ſtand an den Kamin gelehnt; einer ihrer Arme ruhte auf⸗
dem Simſe; ſo leicht und anmuthig die Stellung ausſah, ſo ahnte Niemand, wie Regine ſie erwählt, um eine Stütze zu haben, damit die zitternden Glieder nicht unter ihr zu⸗ ſammenbrächen. Bläſſe, und der Ausdruck ihrer Züge war fremdartig trauervoll, wie man ihn auf dieſem lebensfriſchen, guten Antlitz wohl niemals geſehen; aber er veränderte ſich all⸗ mählich, und während ein kalter Stolz ſich in Mienen und Haltung ausprägte, ſpielte wieder jenes hochmüthige Lächeln um ihren Mund, als ſie antwortete:
„Ich ſtreite nicht mit Jemand über eine Sache, von der er nur eine ſo unvollkommene Kenntniß hat; ich meine, um ein ſo hartes, abſprechendes Urtheil über ein Buch zu fällen, muß man es nicht vom Hörenſagen kennen, nicht theilweiſe geleſen, ſondern es gründlich durchgenommen haben, um die Ausſtellungen und Beſchuldigungen durch
della Signorina!(Jeſus Maria, der Geiſt des Fräuleins!) zu⸗ rückfuhr, das Fenſter ſchloß und den Kopf wieder unter die Kiſſen begrub.
Vergebens war alles fernere Klopfen und Rufen. Vom
Froſt durchſchauert eilte die Unglückliche zum nahen Hauſe des
Gemahls, aber auch hier ward ihr kein Einlaß. Zwar weckte
der Thürſteher in der Angſt ſeines Herzens den Herrn, aber dieſer wies ihn mit harten und ſtrengen Worten zur Ruhe und war nicht zu bewegen, auch nur ans Fenſter zu treten; denn er glaubte, es ſei irgend eine loſe Dirne, von einem ſeiner Feinde, vielleicht von ſeinem Nebenbuhler beſtochen, eine Geſpenſterkomödie mit ihm zu ſpielen.
Erſchöpft und halb erſtarrt ſank Ginevra verzweifelnd auf die Steinbank neben der Thür, den Tod zum zweiten Male er⸗ wartend. Plößlich aber ſchien ein neuer Gedanke ſie zu beleben; ſie raffte ſich auf und eilte, ſo ſchnell es die wankenden Kniee ver⸗ mochten, über den Markt an der Kirche des heil. Gaetano vorüber in die Via de'Rondinelli zum Hauſe des Geliebten. Ein unbe⸗ kannter Diener öffnete auf ihr Klopfen, und obgleich zurückfahrend und ſich einmal über das andre bekreuzigend bei dem Anblick der bleichen Geſtalt im Leichengewande, fragte er mit zitternder Stimme nach ihrem Begehr.„Rufe Deinen Herrn und ſage ihm, die, welche er ſchon bei'den Todten gewähnt, ſei gekommen, bei ihm eine Zuflucht zu ſuchen!“ war die Antwort.
Als Antonio Rondinelli wenige Augenblicke nachher, halb wahnſinnig vor Aufregung, an der Thür erſchien, fand er die geliebte Geſtalt auf der Hausflur zuſammengeſunken, ſcheinbar ohne Leben. Mit leidenſchaftlichem Schmerz warf er ſich über ſie und bedeckte ihr kaltes Geſicht mit ſeinen Küſſen, bis die Seinigen,
von dem Diener geweckt, hinzukamen, ihn mit Gewalt hinweg⸗ riſſen, die Ohnmächtige aufhoben und ſie in die Gemächer der Mutter Antonio's trugen, wo ſie unter der Pflege der Frauen bald wieder zu vollem Leben erwachte.
Am frühen Morgen des folgenden Tages verkündeten die entſetzten Todtengräber dem Gemahl Ginevra's, daß das Grab, deſſen Stein zu befeſtigen ſie gegangen waren, leer ſei. Aber alle Nachforſchungen, was aus der Auferſtandenen geworden, blieben fruchtlos, bis in den ſpäteren Morgenſtunden Antonio Rondinelli ſelbſt im Palaſt Amieri erſchien, berichtete was geſchehn, und er⸗ klärte, wie Ginevra bereit ſei, zu dem Vater zurückzukehren, unter der Bedingung, daß er ſie nie wieder an den verhaßten Amatig überliefere.
Lange wollte der gebeugte Vater, deſſen Liebe zu ſeinem ein⸗ zigen Kinde ſeit deſſen vermeintem Tode in aller Stärke wieder erwacht war, der Freudenbotſchaft keinen Glauben ſchenken. Seit dem unglücklichen Ereigniß hatte er keinen ruhigen Augenblick mehr gehabt. Vaterherz und Gewiſſen hatten endlich ſeinen harten Sinn gebeugt, und das quälende Bewußtſein, ſein Theu⸗ erſtes gefühllos ſeinem Eigenſinn geopfert zu haben, wich im Schlaf und Wachen nicht mehr von ihm. So willigte er freudig und ohne Zaudern in die geforderte Bedingung, betrat zum erſten Mal in ſeinem Leben das Haus der Rondinelli und hielt die Wiedergeſchenkte in ſeliger Umarmung umſchloſſen.
Und als nun Amati vor ihm erſchien, um ſein Eigenthum, wie er es nannte, wieder zu fordern, weigerte er es kurz und rund. „Es iſt genug, daß ich mir meinen Schatz einmal habe von Dir rauben laſſen,“ ſagte er;„zum zweiten Mal will ich ihn beſſer hüten.“ Es kam zu harten Worten; wüthend verließ Amati unter
[V. Jahrg.
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