Jahrgang 
28-52 (1859)
Seite
677
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dahin ſchweigſam verhalten, konnten jetzt ihr Licht leuchten laſſen und die Brocken der Weisheit, die ſie aus Recenſio⸗ nen geſammelt, ligſte Ueberzeugung, ihrem innerſten Herzen entſtrömt, zum Segen der Mitwelt zu Tage bringen. Und ſie waren nicht geſonnen, das Geſpräch ſobald fallen zu laſſen. Wohl hatte Ehrhardt bemerkt, wie Regine ſtiller geworden, mehr als einmal war er ihren Augen begegnet, die mit einem fragenden, traurigen Blicke an ihm hafteten, obgleich, oder vielleicht gerade weil er fühlte, er handle unrecht, wuchs ſeine Mißſtimmung zuſehends, immermehr machte ſich eine ungewiſſe Härte und Schärfe in ihm gel tend, die ſich auch nach außen verbreitete und wie ein dunk⸗ ler Schatten die Klarheit ſeines Urtheiles trübte.

So war man auf die ſchreibenden Frauen gekommen, und jetzt war es vornehmlich, daß Ehrhardt ſich in ſcharfen, bitteren Worten gegen dieſen überhand nehmenden Miß⸗ brauch, dieſe Unnatur unſerer Zeit ausließ. Alle jungen Mädchen ſtritten dagegen, nur Regine blieb ſtumm, aber auf ihrem Antlitz lag, vielleicht ihr ſelbſt unbewußt, ein Ausdruck des Mitleids, um ihre blühenden Lippen ſpielte ein geringſchätzendes, faſt verächtliches Lächeln, das mehr als alle Worte ſprach und in eine Seele wie eine Be⸗ leidigung fiel.

Frauen haben eben ſo gut die Berechtigung zu ſchreiben wie die Männer rief die kleine Roſe und über ihre eigene Kühnheit erröthend, erſchreckt, daß ſie es gewagt eine Bemerkung laut werden zu laſſen in einer Geſellſchaft, in der ſie die Jüngſte war und von Allen faſt noch als ein Kind betrachtet wurde, hielt das junge Mäd⸗ chen inne und ſetzte mit einer allerliebſten Befangenheit wie als Entſchuldigung hinzu:ſagt Mama!

Und Deine Mutter hat vollkommen recht, kleine Roſe. Frauen haben nicht nur die Berechtigung, ſondern auch die Pflicht zu ſchreiben, denn es gibt Gegenſtände und Ge⸗ fühle, welche der Mann nicht ſo ergründen und erfaſſen

Drilte Folge.

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mit einigen Veränderungen als ihrehei⸗

aber

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kann trotz ſeiner größeren Kenntniſſe, denen ſeine Feder nicht ſo gewachſen iſt, trotz der weiterreichenden Erfahrung. Wenn die Frauen ſich ſtets des Materials bedienen, das ihnen zu Gebote ſteht, wenn ſie keine Uebergriffe thun, ſo ſind ſie im Stande ſehr Anerkennenswerthes zu liefern erwiderte ein ernſtes, bleiches Mädchen

Dann erwarte ich nur gute Kochbücher von ihnen, mein gnädiges Fräulein, doch dieſem Zweige der Wiſſen⸗ ſchaft wenden ſie ſich am wenigſten zu warf Ehrhardt mit ſcharfer Zunge ein.

Ueber Regine's Antlitz zuckte es wie Wetterleuchten, aber ſie ſchwieg. Doch zu heftigem Widerſpruche durch die einſeitigen, oft barocken Anſichten erregt, in welche Ehr⸗ hardt ſich hineinredete, fielen die anderen jungen Damen mit ihren Vorwürfen und Vertheidigungsworten über ihn her. Es war ein Chaos verworrener Stimmen, aus denen Regine dennoch ſehr gut die eine zu unterſcheiden wußte, deren höhnender Klang und bittere Worte durch ihre Seele ſchnitten.

Ja, meine Damen, ſo leid es mir thut, mir Ihr Miß⸗ fallen zuzuziehen, ſo erkläre ich trotzdem frei und offen, daß ich die Schriftſtellerei der Frauen durchaus und rund⸗ weg verdamme, daß, wenn ich Macht hätte, ich ſie ganz ver⸗ bieten und dadurch dem Staate einen weſentlichen Dienſt leiſten würde, indem der Zuſtand vieler Häuſer und Fami⸗ lien ſich beſſern müßte. Außerdem kommen auf die wenigen guten, oder beſſer leidlichen Bücher, welche von Frauen⸗ hand geliefert ſind, ſo viele ſchlechte und gefährliche, daß der Nachtheil ein entſchieden bedeutender iſt. Und ſelbſt von dem Vorhandenſein der wenigen guten vermag ich den großen Vortheil nicht einzuſehen, weiß nicht ſo recht, wozu ſie da ſind, ja ich bin überzeugt, daß die Zeit, welche ihr Schreiben erfordert, viel beſſer anzuwenden geweſen wäre.

Welchen großen Vortheil das Blühen der Blumen bringt, das vermöchte man nach dieſen engherzigen An⸗

ſichten auch nicht zu ermeſſen. Der Raum, den ſie ein⸗

Arme, die Schurken haben ſie gerade zu ermordet)! Kommt mit, ich will Euch Alles erzählen; es iſt nun nicht mehr nöthig, es geheim zu halten. Ich, ihre Amme, die ſie gepflegt und gekannt von Kindesbeinen an, muß es am beſten wiſſen.

Im Hauſe der Amme angekommen, drängten ſich hörerinnen dicht um den Tiſch, auf dem die vierarmige brannte, um kein Wort von der Erzählung zu verlieren.

Du erinnerſt Dich, Aſſunta, wandte ſich die Amme an die ihr zunächſt Sitzende,wie Du mich vergangenes Jahr bei der Meſſe in Santa Maria Maggiore, wohin ich mit meinem Fräulein an allen hohen Feſttagen zu gehen pflegte, auf den jungen ſchönen Cavalier aufmerkſam machteſt, deſſen entzückte

die Zu⸗ Lucerna

Blicke unverwandt auf der argloſen, betenden Ginevra hafteten. Was für ein herrtiches Paar die Beiden geben würden 1 flüſter⸗ teſt Du mir zu, und ich nickte. Als wir aus der Kirche traten, ſtand der Cavalier wie wartend an der Thür, und da ich mich auf dem Heimwege unſſchaute, bemerkte ich, wie er uns bis zum Palaſt Amieri folgte.

Seit jener Zeit begleitete er uns, wie unſer Schatten, wo wir uns auch zeigen mochten. Endlich, als ich einſt Abends allein aus unſerm Hauſe trat, kam er auf Er erzählte mir, ſein Name ſei Antonio Rondinelli; er gehöre einer Familie an, die ſich zu den edelſten, wenn auch nicht zu den reichſten in Florenz zähle. Sein Herz ſei ſo erfüllt von Liebe zu Ginevra Amieri, ſeit er ſie zum erſtenmal in Santa Marxia Mag⸗

mich zu und redete mich an.

giore geſehen, daß er, obgleich wohl bekannt mit dem Geize und

Geldſtolze ihres Vaters, lieber ſterben wolle, als der Bewerbung um ihre Hand entſagen. Wenn ich ihm behülflich ſein wolle, ſo werde er mir ewig dankbar ſein.

Ich zögerte, denn ich wußte im Voraus, daß Odoardo Amieri ſeine Tochter keinem armen Cavalier geben würde, und wäre er ein ſo vollkommener Ritter, wie St. Georg ſelbſt. Aber Antonio wußte ſo einſchmeichelnd zu reden und ſeine Liebe mit ſo rührenden und ergreifenden Worten zu ſchildern, daß ich endlich einwilligte, den Strauß, den er in der Hand hielt, Genevra zu bringen und ihr von ihm zu erzählen. Was folgte, könnt Ihr Euch denken: in wenig Tagen waren ſie einig und hatten gegen⸗ ſeitig ihre Treue verpfändet.

Ein Verwandter und Freund Antonio's ſollte um die Hand Ginevra's bei ihrem Vater anhalten. Wir ſahen ihn in das Haus treten und erwarteten mit klopfendem Herzen den Ausgang. Nach einer Viertelſtunde ängſtlichen Harrens ward die Thür aufgeriſſen, und herein trat der alte Odoardo, das Geſicht glühend vor müh ſam unterdrücktem Zorn.

Ginevra, Du magſt Dich bereit halten, binnen acht Tagen dem Marcheſe Camillo Amati, der un eine Handaangehalten hat, zum Altar zu folgen! ſagte er mit erkünſtelt rulhem Tone. Damit wandte er ſich, das Zimmer zu verlaſſen. Aber Ginepra

fiel ihm zu Füßen, umfaßte ſeine Kniee und flehte ihn ſchluchzend

an, ſie doch lieber in ein Kloſter zu ſchicken, wenn er nicht in die Verbindung mit dem Geliebten ihres Herzens willigen wollte. Ich ſage Euch, es war ein Anblick zum Erbarmen, das ſchöne Kind vor dem ſtarren, zornigen Alten knieen zu ſehn, der ſie rauh zurückſtieß. Ich kniete neben ihr nieder und vereinigte meine Bitten mit den ihrigen. Hätte ich es doch nicht gethan! Wie freute er ſich, für ſeine Wuth eine Ableitung und gleichſam eine Entſchuldigung zu finden!Du biſt es, Schändliche, rief er, die für ſchnöden Lohn mein Kind an dieſen Bettler hat ver⸗