——
—
——-—
—]———
676
Noyellen⸗
den, als ſie ihm ſo gegenüber ſaß mit den ſonſt etwas ſo durchaus dieſelbe wie früher,
blaſſen, jetzt warm gerötheten Wangen, und die klaren, lachenden Augen nun von einer heiligen Ueberzeugung ſtrahlten, Er freute ſich ihrer friſchen, klaren Anſichten, die, wenn auch zuweilen unrichtig und unausführbar, dennoch etwas unbeſchreiblich Warmherziges und Edles hatten, und mit ſolcher Innigkeit und Ueberzeugung dargelegt wurden. Aber in die Freude miſchte ſich ein Gefühl leiſen n Bangens, ſtaunenden Zweifels. Wie war Regine ſo verändert, wie hatte das zarte, weiche Kind ſich zu einem ſo kräftigen, ſelbſtſtändigen Mädchen ausbilden können?
„Zu ſelbſtſtändig beinahe“— flüſterte eine Stimine in ſeiner Bruſt, und faſt mit Trauer gedachte er der Zeit, a er die junge Seele in ſeiner Hand gehalten, wie ein Bild⸗ ner das weiche Material, aus dem er ein Kunſtwerk zu ſchaffen beabſichtigt. Damals hatte ſie mit ſeinen Augen auf die Welt geblickt, von ihm, durch ihn die Eindrücke empfangen, welche er erſprießlich für ſie hielt, damals hatte ſie zu ihm aufgeſchaut wie ein gläubiges Kind. Und wenn Velnah alle Männer es lieben ſollen, daß das Weib zu ihnen emporblicke, ſo können wir verſichern, daß in dem jungen, allervortrefflichſten Candidaten Ehrhardt Stein,
welchen wir hier vor uns haben, die Vorliebe für das zu ihm Aufſchauen ganz beſonders ausgebildet war. Jetzt
ſchien Regine nicht mehr ſeines Blickes der Billigung, nicht mehr ſeines leitenden Wortes zu bedürfen, um den Weg zu finden; ſie hatte ihre eigenen, höchſt ausgebildeten, feſt⸗ ſtehenden Meinungen und Grundſätze, und dieſe waren leider oft ſehr unrichtig, weil ſie nämlich von denen des jungen Mannes abwichen.—
Hatte er auch ſchon in den wenigen Malen, da er ſie ſeit ſeiner Zurückkunft geſehen, wahrgenommen, daß ſie anders geworden ſei, als er ſie erwartet hatte, ſo waren ſie dann Beide zu ſehr mit den Gefühlen ihres Herzens be⸗ ſchäftigt, und in der innigen Liebe zu ihm erſchien Regine
Zeitung.
V. Jahrg.
daß er auf die kleinen Meinungsverſchiedenheiten wenig Gewicht legte. Heute aber ſchienen alle Steine des Anſtoßes ſich ihnen
die ſie um Alles gern ihm mittheilen mochte. in den Weg zu ſtellen, und Ehrhardt— ſtatt die Klippen
zu vermeiden und zu umſchiffen, und die irrigen Anſichten in ſtiller Stunde zu berichtigen, wie es einem klugen, be⸗ ſonnenen Manne geziemt hätte— brachte dieſelben mit einem beſondern Eifer gerade in Regine's Weg. Und 9 ſchon er inne wurde, daß auch er immer gereizter wurde und ein Gefühl des Unbehagens in ſeiner Bruſt ſich regte, ſo ſchürte er dennoch den Funken des Streites mit einer unklugen Beharrlichkeit.— Vergebens machte einer ſeiner Freunde ihm leiſe Vorſtellungen, ſchalt ihn, daß er die
ls Baſe auf unerlaubte Weiſe reize und herausfordere; er
ließ nicht ab von ſeinem Beginnen, deſſen Gefährlichkeit ihm in der Erregung nicht einzuleuchten ſchien.
Andere Geſpräche wurden begonnen, ganz neue Gegen⸗ ſtände hervorgebracht, aber es war faſt, als läge etwas Streiterregendes in der Luft, denn die harmloſeſten Be⸗ merkungen gaben heute Stoff zu oft ſehr heftigen Er⸗ örterungen.— Die Unterhaltung hatte ſich den neuen Er⸗ ſcheinungen der Literatur zugewendet, und dieſes Thema, welches ſchon in der friedfertigſten Stimmung ſo leicht einen Zankapfel bildet, wurde hier zu einem Gegenſtande heftigſten Kampfes. Jetzt aber ſtand Regine nicht mehr allein, faſt alle bedeutenden Perſonen der Geſellſchaft waren auf ihrer Seite und freuten ſich des reifen, geſun⸗ den Urtheils des klugen, vielbeleſenen Mädchens. Nur
Ehrhardt trat ihr wieder ſchroff gegenüber.
Ein leiſes Weh zog jetzt durch ihre Seele; es war leicht erſichtlich, daß ſie gern das Geſpräch abgebrochen hätte, doch alle Bemühungen waren vergeblich. Das Thema war ein zu beliebtes und bekanntes, ein ſolches, d deſſen ſich auch die weniger Unterrichteten bemächtigen konnten— denn wer läſe heut zu Tage niiht; wer hätte nicht ein gediegenes Urtheil?— und einige der jungen Damen, welche ſich bis
Feuilleten.
—.de—
La Via della Morta.
Es gibt ſeltſame Straßennamen in Florenz. Freilich haben
die meiſten, wie die Via de: Ginori, de'Tornabuoni, de'Tolommei
u. a., den ihrigen dem größten Palaſt, den ſie enthalten, oder, wie die Via de'Calzajuoli, de'Legnajuoli, degli Arazzieri u. ſ. w
den darin diurtſachlicg getriebenen Gewerben zu verdanken. Andere wie z. B die„Straße der verirrten Mägde“ (Viadelle serve smarrite), deuten auf gewiſſe Vorfälle hin, bei
denen die zahlreichen Florentiner Chroniſten uns ſelten mit einer Erklärung, wenn auch oft von ihrer eigenen Erfindung, im Stiche laſſen. Zu den beſtbezeugten ſagenhaften Geſchichten gehört die⸗ jenige, welche zu dem Namen der kleinen„Straße der Todten“ (Via della Morta), die von der Südſeite, des Domplatzes in das Innere des älteſten Stadttheils führt, den Commentar liefert. An einem regnichten Herbſtnachmittage des Jahres 1400 drängte ſich eine dichte Volksmenge in dem engen Raume zwiſchen der Südſeite des Domes und den nächſten Häuſern, die damals kaum halb ſo weit als jetzt von der Kathedrale entfernt ſtanden. V Ein doppelter Kreis von reich gekleideten und bewaffneten Die⸗ nern und von tief verhüllten Gliedern verſchiedener frommer
Brüderſchaften, mit Wachsfackeln in den Händen; wehrte dem
Andrange zu der Oeffnung des Grgbgewölbes, in das eben die
Bahre mit dem nach italieniſcher Sitte Roffen daliegenden Leich⸗ nam hinabgelaſſen ward. Vergebens verſuchten eirigſ der Kühn⸗ ſten, den eng geſchloſſenen Ring zu darchbtrchen, um die verühunte Schönheit noch einmal zu ſehen, ehe ſie auf ewig von der Erde verſchwinde: ſie wurden mit rauhen Worten und unfalften Stößen zurückgewieſen. Der Deckel des Gewölbes, nach damaliger Sirte zugleich ein Quader des Pflaſters bildend, ſänk in, ſeine alte Juge. Der Kreis löſte, die Menge zerſtreute ſich. Nur einige Frauen verweilten noch am Grabe, eifris bemüht, oine von ihnen zu tröſten, die ſich mit dem Ausdruck d des heftigſten S chmerzes weinend und ſchluchzend auf das Steinpflaſter niedergeworfen hatte. Endlich gelang es den vereinten Zureden der euddinndn ſie ſo weit zu beruhigen, daß ſie ſich von ihnen nach Hauſe füh⸗ ren ließ.
„Iſt es denn wahr, was ſich die Stadt erzählt, daß die Signora Ginevra an gebrochenem Herzen geſtorben iſt?“ fragte eine der Gevatterinnen, die ihre Neugſen nicht länger unt diückan konnte.—„Ob es wahr iſt? Es iſt zehn⸗, es iſt hundertmal wahr! Poverina, l'hanno bell'e ammazzata, i birboni(die
2₰
△₰
dahin ſchw aaſſn und nen gefani ligſt lebe um Segel nicht giſor Wohl hatte mehr als einem ftag ohgleich, unrecht, N machte ſc tend, die ler Scha So
und jetzt bitteren brauch,) Mädchen auf ihren Ausdruck ein geting ald alle eidigun „ ſchrelben über ih es gewo Geſellſe noch ale chen inr wie als 4 Frauen! Pllcht, fähle,
—
ALme, ich will Kcheim von Ki 3
hörerin brannt
die ihr der M Fräul jungen Blicke „Was eſt d.
ſuand?
dem He Anieti
—


