Jahrgang 
28-52 (1859)
Seite
671
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Otto Banck.

Bilder italieniſchen Landes und Lebens von Otto Speyer. Berlin, Mittler und Sohn. 1859.

Ohne Frage werden Sie ſich doppelt für die Plaude⸗ reien aus einem Lande intereſſiren, das Sie mit ſo vielen ſeiner Reize aus eigener Anſchauung kennen gelernt haben.

So wie es in der Poeſie gewiſſe Stoffe gibt, welche, wieLenz,Sommernacht,Mondenſtrahl,Sehn⸗ ſucht,heimliche Liebe oder dergleichen, lauter unerſchöpf⸗ liche Themen bilden, die wenigſtens einmal, ja ſogar oft

immer im Leben für viele Menſchen ewig neu ſind; ja noch

mehr, wie allein ſchon ganz einfache Eigenſchaftsworte, wie träumeriſch odermärchentrunken das poetiſche Kleid hergeben, in welchem jeder Jüngling einmal als Dichter maskirt mit ſeinem Mädchen durch die Faſchingsnacht der Jugend tanzt, ohne daß er oder ein Anderer es bemerkt, wie ihm vielleicht Hut und Pantalons dazu fehlen oder von ganz, anderm Stoff ſind: gerade ſo gibt es für die Real⸗ poeſie der Länder⸗ und Völkerkunde, für den Reiſenden, auch allgemeine Schlagworte, deren Zauber nie veraltet, weil das Terrain, welches ſie bezeichnen, immerwährend jung und fruchtbar bleibt.

Solcher Feenklänge gibt es mehrere, unter allen aber iſt einer der anregendſte: der NameItalien. Suchen Sie ſich in einer großen Theegeſellſchaft die einfältigſten und indifferenteſten, ja die dümmſten Perſönlichkeiten her⸗ aus, ſetzen Sie ſich zu ihnen, fangen Sie mit dem bekann⸗ ten Geſpräch vom Wetter an und ſeufzen Sie nur ein ein⸗ ziges Mal halblaut: Ach ja! in Italien war die Luft frei⸗ lich milder! und ſo viel auch Italien jetzt nach Erfin⸗ dung der Eiſenbahnen bereiſt wird, ſo wenig es auch etwas Außerordentliches iſt, dort geweſen zu ſein, ſo werden ſich doch unwillkürlich Aller Augen auf Sie richten und ſelbſt die längſten Ohren werden ſich ſpitzen. Den abgeſtumpf⸗ teſten Seelen wird auf einmal irgend ein Stück Romantik lebendig, die Erinnerung einer alten Lectüre geht im Kopfe um, und die Phantaſie wird in ihrer unbeſiegten Dämmerung munter, wie ein Nachtſchmetterling; der Eine ſieht im Geiſte einen blutrothen verſchworenen Carbonari⸗ mantel, ein Anderer hört das blaue Meer rauſchen, aus deſ⸗ ſen Ufer die Sardinen auf den Bäumen wachſen, und ein Dritter endlich ſieht ſchon ein wunderſchönes junges Mäd⸗ chen, wenigſtens aus Albano, im funkelnagelneuen Natio⸗ nalcoſtüm im Orangenhaine als ſeine zukünftige Geliebte auf ſich warten. Andere Gebüſche, als Myrthen, Lorbee⸗ ren und Granaten gibt es natürlich in der allgemeinen Vorſtellung nicht, ſo wie Haare und Augen der Italiener jedesmal ſchwarz, ihr Teint braun und der Himmel über ihnen ſtets dunkelblau ſind.

Jedoch auch für diejenigen Menſchen, welche als kleine Minorität im Theecirkel nicht die beſchränkten ſind, ſondern Kenntniſſe mit Geſchmack und Empfänglichkeit für das Höchſte und Schönſte vereinen, auch für dieſe wird ſich die Anziehungskraft vom Lande der Hesperiden niemals verringern.

So lange es eine große welthiſtoriſche Geſchmacksbil⸗ dung auf Erden gibt, ſo lange wird es auch für die Stu⸗

dien und die Lebensentwicklung der Geiſter eine Art un⸗ ſichtbare Akademie dieſer Bildung geben. Italien ſtellt gewiſſermaßen für dieſelbe den Gyps- und Actſaal dar, wenn Sie erlauben, daß ich mich durch ein ſo verkleinerndes, proſaiſches Bild deutlich machen darf. Hier finden ſich die claſſiſchen Schönheiten aller Art als ewige Muſter auf ihrem ureigenthümlichen Boden zuſammengeſtellt, und nicht minder bewegt ſich die lebendige Welt, die naturaliſtiſche, blühende, ſinnliche Wirklichkeit vor den Augen des Jüngers, welcher ſich bereits anderswo, in früheren Vorübungen geiſtige Technik genug angeeignet haben muß, um das Dargebotene intelligent verarbeiten zu können. Wer wollte ſagen, nur für den Künſtler ſei Italien eine vor⸗ theilhafte Schule? Für jeden Menſchen iſt ſie es, der die höhere Bildung des Lebens als Künſtler behandeln will. Freilich gehört dazu mehr, als ein flüchtiges Durchreiſen jenes fruchtbaren Terrains, aber auch dies wird immer als entzückende und unterhaltende Belehrung unter allen andern obenau ſtehn.

Solche Gründe machen es möglich, daß trotz der Menge der vorhandenen noch immer neue Werke über Ita⸗ lien denkbar, ja ſogar willkommen ſein können. Jedes be⸗ gabte Individuum hat wieder andere, oft neue Viſirlinien, mit deren Hülfe es einen ſo vielgeſtaltigen Gegenſtand aus⸗ zumeſſen ſucht.

Dazu kommt, daß Italien in den letzten Decennien vielfachen Veränderungen unterworfen war und ſich darin manche Zuſtände, Sitten und Gebräuche ſo umgewandelt, zu einer ſolchen europäiſchen Allgemeinheit bekehrt haben, daß ich um Alles jene Gegenden nicht bloß in letzter Zeit geſehn haben möchte. Das Treiben in Neapel z. B., na⸗ mentlich aber in Rom erkennt man kaum wieder und man muß nicht denken, daß die Veränderungen nur ein vorüber⸗ gehendes, politiſches Mienenſpiel ſind. Keineswegs hat man es bloß mit formellen Umgeſtaltungen, ſondern viel⸗ mehr mit chemiſchen Zerſetzungen, mit tiefen Gährungen der Grundmaterien ſelbſt zu thun. Der Zuckerſtoff geht ſo gewaltſam in Alkohol über, daß man nicht weiß, wie die einzelnen Präparate ſchmecken und bekommen werden, wenn dereinſt der Proceß vorüber iſt im großen Laborato⸗ rium der Weltgeſchichte.

Gelehrte Werke über Italien, wie es deren bereits viele gibt, ſind nur für Kenner und Forſcher berechnet, und müſſen das große Publicum abſtoßen. Durchaus aber verträgt der reiche, vielſeitige und ſo ernſte als tiefe Stoff, welcher ſich jenſeit der Alpen findet, kein ſeichtes, eilfertiges Geſchwätz, kein kokettes, oberflächliches Touriſtenwiſchi⸗ waſchi. Dieſe Art zu wandern und ethnographiſch zu ſchildern, iſt ein Pasquill auf die wahre Bildung, durch welches ſich in den letzten Jahren blauſtrumpfige Frauen frivol gemacht haben. Sie würden beſſer gethan haben, von Poſemugel nach Treuenbriezen auf ihren eigenen Mit⸗ teln Schlitten zu fahren, um ihre Eindrücke nachher zu proſtituiren, denn un Ahegen zu ſchreiben, kann man

ſich die Reiſe wahrlich⸗billig und einfach einrichten.

Es gibt aber noch einen andern Ton, noch eine andere literariſche Betrachtungsweiſe, welche das Amüſante, Kecke, Lebendige, Leichte mit einer gewiſſen Gründlichkeit und Solidität vereint, und dies iſt die paſſende Art, über

Italien zu ſchreiben. Noch berechtigter wird das Unter⸗