Jahrgang 
28-52 (1859)
Seite
670
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träger ihrer Herren waren, und da ferner der Volksaber⸗

Da dieſe myſtiſchen Mineralogen nicht immer die ehr⸗ lichſten Käuze, ſondern oft nur ſehr untergeordnete Zu⸗

glaube und die Unduldſamkeit altdeutſcher Behörden oft mit aller Beſchränktheit gegen ſie ankämpften, ſo war dieſen Wanderern hier und da ihr Auftreten verboten, man ver⸗ folgte ſie, bedrohte ſie mit ſchweren Strafen, und ſie waren genöthigt, ihr Gewerbe im verborgenſten Dunkel zu treiben.

Aus dieſen Verfolgungen entſtand Mißtrauen, Angſt, Reibung und Nothwehr und es konnte nicht fehlen, daß es dabei ab und zu bis zum Verbrechen kam. So findet ſich Kunde, daß ſo mancher unſchuldige Wanderer oder ein⸗ heimiſche Bergbewohner zufällig auf ſolche die Erde durch⸗ wühlendeVenetianer ſtieß, welche dem Landesgeſetz und dem Büttel verfallen waren; dieſe aber glaubten in dem Unſchuldigen einen Späher zu erblicken, und aus Verzweif⸗ lung und Talent zum Verbrechen machten ſie durch eine raſche That ſeinen Mund auf ewig ſtumm.

Solche Geiſter waren es, welche der alte Kohlenbren⸗ ner einſt als Steinklopfer auf dem Pilatusberg geſehen hatte. Als er dann zum zweiten Male in der anderen Voll⸗ mondsnacht, welche den Italienern abermals die liebſte Zeit zum Hantiren ſein mußte, dieſelben Geiſter aufſuchte und wahrſcheinlich mit einem kühnen Sprung ſich in ihren Zauberkreis ſtellte, um in den vermeintlichen ſich öffnen⸗ den Felseingang einzudringen, nahmen ſie ihn für einen Wächter der Obrigkeit, welcher ſie arretiren wollte, und er⸗ würgten ihn. Es waren die letzten und vielleicht auch die erſten Schatzgräber auf dem Pilatusberg.

Wir waren unter dieſen Geſprächen längſt im Nacht⸗ quartier zu Fahr angelangt und hatten unſern geſpenſter⸗ ſehenden Führer reichlich belohnt..

Der ſolgende Tag, an welchem wir mit einem Boot nach Beckenried fuhren, entwickelte den Vierwaldſtädter See in ganzer Pracht. Ich entſann mich bei dem ſchönen Totaleindruck dieſer Alpenwelt wieder recht lebhaft der mir

ewig denkwürdigen Worte, welche mir der greiſe Hum⸗

t kaum zwei Jahre vor ſeinem Tode bei Gelegenheit

s Vergleichs zwiſchen den Tropen und der gemäßigten Zone ſagte:

Man irrt ſich vielfach, ſo ſagte er ungefähr,wenn man glaubt, die gigantiſchen Gebirge von Aſien und Amerika, ſelbſt der Himalaja und die Cordilleren eingeſchloſ⸗ ſen, böten einen Genuß dar, mit welchem ſich der der Alpen nicht vergleichen laſſe. Dies iſt eine Anſicht, welche unſere Verehrung für das Fremde hervorgerufen hat. Freilich ſind jene Bergrieſen höher und mächtiger, jedoch ihr Fuß liegt auch größtentheils ſchon in beträchtlicherer Meeres⸗ höhe, oft auf einer Hochebene von 8000 Fuß. In ihrer Form ſind ſie aber keineswegs pittoresker und zugleich har⸗ moniſcher als die Alpen, die Seen jedoch mit ihrem Anbau, die reizenden, nationalen Alpenhäuſer, das Viehgeläut, die Bewohner mit ihren Nationaltrachten, die köſtlichen Waldungen, kurz das poetiſche, ſo großartige als trauliche Enſemble, welches die Seele ganz für ſich einnehmen muß, nicht weil es uns anheimelt, nicht weil es deutſch, ſondern weil es vollendet, unerſchöpflich iſt, das Alles ſucht das Auge vergebens. Kahle Höhen mit einigen verſengten Cac⸗ tuspflanzen und tropiſchen blattleeren Bäumen können nie für die ſaftgrünen Tannen, zahmen Kaſtanien, Weingelände, Maisfelder, Orangen und wieder Eich⸗ und Buchwälder der Alpen einen Erſatz bieten. Und glauben Sie nicht etwa, daß ſich an Localfarben und Tönen des Waſſers etwas Brillan⸗ teres finden läßt, als es das Mittelländiſche Meer und als es die Seen von Salzburg und der Schweiz bieten.

Einen Tag nach unſerer Ankunft trennte ſich unſere Reiſegeſellſchaft, der Maler verweilte mit ſeinen Schutzbe⸗ fohlenen am See, um hier Einiges zu arbeiten, während es mich nach einer andern unbekanntern Gegend der Schweiz rief, von wo aus wir uns in dieſen Blättern wie⸗ der begegnen werden.

Die ſprachliche Geſtaltung in den Verſen iſt gewandt, das Gefühl in den Schilderungen hat Wärme, und man kann weder über Armuth an Gedanken noch über Geradheit derſelben klagen. Zur epiſchen Darſtellung hat der Verfaſſer unbedingt Talent, und was er vorführt, iſt plaſtiſch und charaktervoll. O. B.

Miscellen.

Der Chimancata.

Dieſen tönenden Namen hatten die Bewohner von Lundi dem Eſel gegeben, welchen der Commandant Monteiro mit ſich in das Innere von Afrika brachte. Sein Erſcheinen in dem Lande des Muata Ceazemb, 300 Meilen von dem Ufer des Meeres entfernt, wurde als ein wahres Ereigniß betrachtet, und die Ceazembes betrachteten den Graurock als ein mit höheren geiſti⸗ gen Fähigkeiten begabtes Weſen. Gleichwohl wurde das beſchei⸗ dene Thier auf die Weide zu den Kühen des Kaffer⸗Monarchen Hier aber betrug er ſich bald wie ein Despot, indem

Worte für Welt und Haus.

Alles, was iſt, iſt für ſeine Beſtimmung vollkommen.

8 ei 1 Auch ein Schurke iſt für einen Schurken ſehr gut gelungen.

Oder

ſcheint er Euch vielleicht nicht niederträchtig genug? Fragt ihr

aber, warum es Schurken gibt, ſo verſucht es nur, niemals ein Haar breit von den Geſetzen der Tugend zu weichen. Die erſte Stunde, welche dieſen Vorſatz ſcheitern läßt, wird auch jene Frage ſtumm machen. Das Maß beſtimmt den Namen und die Schuld, aber nicht das Weſen der Sünde.

Nur zweierlei kann uns verfinſtern: Unglück dulden, oder heftige Leidenſchaft empfinden. In ſolchen Augenblicken erſchei⸗ nen uns alle Heilmittel der Philoſophie nutzlos. Doch nicht weil die Arznei untauglich iſt? Nein, weil der Fieberkranke zu aufge⸗ regt iſt, ſie einzunehmen.

Eitelkeit macht die Nichtswiſſer empfindlich gegen Zurecht⸗ weiſung, ſtachelt aber nicht zur Beſſerung an, denn eigenthüm⸗ licher Weiſe iſt der Eitle, der Alles billig kaufen möchte, nicht ambitiös wie der Ehrgeizige, ſondern dickhäutig und faul. Wenn

man ihm ſeine Fehler corrigirt und eine Naſe gegeben hat, ſteckt

ſich der Schlingel eine Cigarre an und macht Fenſterparade.

lV. Jahrg.