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lächeln; dort wird ſo viel gelächelt, daß es lächerlich wird. So lächelten wir alſo gleichfalls und natürlich auch jeder in verſchiedener Weiſe, wie dort: halbes Lächeln, viertel⸗Lächeln, ironiſches, wehmüthiges Lächeln. r lächelten durch die ganze Windroſe der Epitheta, weil man als Heros ſich und demjenigen, der einen beſchreibt, nicht beſſer und leichter aus der Verlegenheit helfen kann.
Jedoch bald erging es uns, wie ein anderer nicht min⸗ der talentvoller Schriftſteller ſehr neu und praktiſch ſagt: „uns ernſtete die Seele.“ Wir waren in der That ergrif⸗ fen über dieſe lebendige und in pathologiſcher Beziehung wahrheitgetreue Schilderung des jungen Mannes. den Zuſammhang der Begebenheit ſelbſt aber konnte ich nicht unterlaſſen, der Reiſegeſellſchaft meine Anſicht mitzu⸗ theilen, die auch ſofort von dem alten Landſchaftsmaler als die richtige und natürliche anerkannt wurde, da er ſelbſt gleich auf dieſelbe Löſung gekommen war.
Es ließ ſich nämlich, nach Folgerung⸗ hiſtoriſcher Ana⸗ logien, gar nicht bezweifeln, daß der Großvater des Füh⸗ rers das Opfer eines Mörders geworden war, während der
Vater nur das Unglück gehabt hatte, beim Gehn unerwar⸗ tet in eine Felſenſpalte zu ſtürzen, was mit den früheren
Vorfällen ganz außer Zuſammenhang ſtand.
In fruͤheren Zeiten nämlich, als die alterthümlichen,
überladenen Moden es noch mit ſich brachten, eine Unmaſſe echte und falſche oder ſogenannte halbechte Brillanten au ſich zu tragen, ſich mit Tuchnadeln, Ringen, Uhrketten und Schuhſchnallen ſchmetterlingsartig zu beſetzen, in dieſen
Tagen war der Handel mit Brillanten ein Haupterwerb⸗ zweig, die Steinſchleiferkunſt, zwar auf ſehr beträchtlicher
Höhe, wurde noch nicht ſo billig und fabrikmäßig betrieben, wie z. B. jetzt in Oberſtein am Rhein, und es war ſomit die Beſchaffung und Appretur glänzender Steine ein be— trächtliches Speculantengeſchäft. Fälſchungen waren dabei an der Tagesordnung, ſonſt hätten Caglioſtro und der glorreiche Betrüger Graf St. Germain nicht ſo viele falſche
Dritte
Ueber
folge.
Brillanten für echte ausgeben können; dies wurde ihnen je⸗ doch leicht, da weder die Mineralogie noch die Chemie dar⸗ über ſo feſte Geſetze hingeſtellt hatte als jetzt. Freilich beſaßen, beiläufig bemerkt, jene Alchymiſten zuverſichtlich ſchon die Kunſt künſtliche Diamanten zu machen, eine Fertigkeit, die ſpäter verloren ging und ſeit Kurzem erſt als„Imitation des diamants“ wieder auftauchte. In jenen Zeiten waren es nun beſonders Italiener, vornehmlich Venetianer, welche Europa mit Schmuckſteinen verſorgten und dieſe trefflich zu ſchleifen und oft aus unbe⸗ deutenden Materialien etwas ſehr Beſtechliches zu machen wußten. Ich habe aus der Rococozeit ganz ordinäre Onyre, Rauchtopaſe(welche die Juweliere in ihrer durch⸗ ſchnittlich ſehr großen Unkenntniß der Mineralogie noch heute oft für wirkliche, edele Tapaſe halten, wenn ſie nur gelb ausſehen), Amethyſte und weiße Bergkryſtalle, ſo wie beſonders abnorme, von der Regel abweichende Vorkomm⸗ niſſe miſerabler Geſteine mit einer Kunſt geſchliffen, zuſam⸗ mengeſtellt und gefaßt geſehn, als ob es die koſtbarſten Edelſteine geweſen wären, und dennoch war ihr wirklicher Werth der von einigen Groſchen. Ich habe aber auch die vielen auf Urkunden und Spe⸗ cialgeſchichte beruhenden Sagen verglichen, worin, vorzüg⸗ lich an Orten bergiger Gegenden, von dem immer wieder⸗ kehrenden Beſuch italieniſcher Steinſucher berichtet wird. Solche Punkte ſind dann in der Regel der Sage nach auch
Lagerſtellen eingegrabener Schätze, zumal wenn ſich irgend eine Ruine vorfindet, denn das Volk glaubte viel eher, daß jene fremden Steinliebhaber verborgene Reichthümer der Vorzeit heben, als der Erde natürliche Geſteine abgewin⸗ nen würden. Solche Ueberlieferungen finden ſich an vielen Orten in den Alpen, oft ſchon da, wo ſich nur Bergkryſtall⸗ druſen vorfanden und noch vorfinden; hauptſächlich gingen aber auch dieſe Italiener nach dem Harz, Rieſengebirge und Thüringer Wald; der Inſelberg, Schneekopf, Kyff⸗ häuſer boten ihnen Fundgruben dar.
Erfahrungen aus dem Gebiete der Niederjagd von C. C. Diezel. Gotha, Scheube.
Die eben wiederbegonnene Jagdzeit veranlaßt uns, den vielen Verehrern dieſes Vergnügens Diezels Werk zu empfehlen, das zwar nicht zu den neueſten gehört, ſchwerlich aber von einem andern in ſeiner Art erreicht wird. Der Verfaſſer iſt großer routinirter „Nimrod“ von beneidenswerther Vergangenheit, Ideen und intereſſante Beobachtungen über die Thierwelt gemacht und wird ſowohl den Jäger entzücken und belehren, als den Naturforſcher feſſeln. Das Buch iſt nicht billig, doch koſtet es kaum ſo viel wie eine gute Jagdtaſche für zwei Haſen mit Reb⸗ hühnerſchleifen und Patronenkapſeln. Wer das Buch gekauft hat, wird kaum widerſtehn können, ſich eine gute Jagd noch dazu zu pachten. In der Abrichtung des Vorſtehhundes iſt Diezel einzig!
O. B.
Fränzchens Lieder von Hoffmann von Fallers⸗ leben. Lübeck, Dittmerſche Buchhandlung. 1859.
Man ſieht aus dieſer freundlichen, anmuthig naiven Gabe, der bekannte Dichter iſt während ſeines ſtillen Aufenthaltes zu Weimar nicht alt geworden, wenigſtens nur im beſten Sinne, indem er hier mit innigem Gefühl aur Jugend ſich zurückwendet und die erſten großen und kleinen Leiden und Freuden der Kind⸗ heit mit natürlichen Farben poetiſch ſchildert. Seine Weiſe, ungekünſtelt zu reden, tritt bei der Einfachheit dieſes Stoffes um ſo herzlicher hervor. Wir glauben das Büchelchen allen Parteien, auch den wackerſten conſervativen und reactionären Eltern empfeh⸗ len zu koͤnnen. O. B.
hat originelle
L'Allegro undil Penſeroſo, oder Lebens Luſtund Weihe. Eine Doppelode von John Milton. Als Manu⸗ ſcript gedruckt bei Stollberg in Gotha. 1859.
Freunde der Weltliteratur, die nicht engliſch können, müſſen dem ungenannten Verfaſſer danken, zwei intereſſante gehaltvolle Gedichte hier fleißig überſetzt zu finden. Dieſe Prädicate ver⸗ dienen dieſe Gedichte in der That, denn man empfindet dahinter die ernſte weihevolle Seele Miltons. Ob ſie aber Beachtung finden würden, wenn ſie von einem unbekannten Dichter ſtammten, das wäre die Frage. Um dieſes Ziel zu erreichen, dazu iſt zuviel Ernſt, Andacht und Magerkeit des ſinnlichen Fleiſches in dieſen ganz einer idealen Welt angehörenden Gebilden. Der Verfaſſer des verlornen Paradieſes ſchuf ſie vor zweihundert Jahren, und merkwürdig iſt die Reinheit des darin waltenden äſthetiſchen Ge⸗
ſchmacks und die religiöſe Simplicität der Anſchauungen. Die ſ O. B
letztere kommt unſrer Zeit als ungelegener Gaſt.
Lieder eines Verbannten. Von Benno Tſchiſch⸗ Bremen, Heyſe, 1859. Das Bändchen iſt ſehr klein und in den Versformen monoton. Man könnte daſſelbe von ſeinem Inhalt ſagen, aber dieſer trägt daneben einen andern Stempel an ſich, der Vieles gut macht. Es iſt der der Realität. Der Verfaſſer hat jenes eintönige Leid em⸗ pfunden, welches das Unglück elt ſchichte auferlegt, und er ſpricht es treuherzig und ohne politiſche Bitterkeiten aus. Wohl aber fühlt man den Liedern, die zu ihrem Schaden keinen Titel, ſondern eine Nummer haben, an, daß Durch⸗ lebtes in ihnen ausgedrückt iſt, und die That iſt fähig, manche mangelhafte Poeſie zu ergänzen.
witz.
allen Verbannten in der Weltge⸗


