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auf die Bruſt ſchlüge. Aus meinen Augen quoll, ohne daß ich weinte, ein Thränenſtrom, der mir unaufhaltſam über das ganze Geſicht rieſelte. Das alles war ein Moment. Dann mußte ich heftig ſchluchzen und weinen und bekam einen Krampf in den Händen, daß ich ſie mit Gewalt zu⸗ ſammenpreſſen mußte, als ſollte ich einen Stein zerdrücken. Gleich darauf wurde es mir leichter, der Lichtglanz vor meinen Blicken gab ſich, ich fand die Sprache wieder und beugte mich am Rand der Felsſpalte nieder. Bald konnte ich unten die Geſtalt meines Vaters am Boden liegen ſehen und mich mit ihm verſtändigen.
„Er verlangte mit matter, dringender Stimme Brod, da er verhungere, aber er hatte noch Kraft und Beſinnung genug, mir zuzurufen, daß ich nicht verſuchen ſollte hinab— zuklettern, ſonſt könnten wir beide nicht wieder hinaus. Er müſſe hinausgewunden werden, ich ſollte Menſchen holen. Ich warf ihm einen kleinen Sack mit Eßwaaren, die ich bei mir hatte, hinunter, verſtändigte mich mit ihm und eilte, was ich vermochte, um den nächſten bewohnten Platz zu erreichen. Ich hatte weit zu laufen, aber ich fand doch drei Männer, welche eine Leiter, einen langen Strick und Brecheiſen mitnahmen und mir gern folgten.
„Als wir emporſtiegen, vermochte mir Niemand zu folgen, immer wieder mußte ich meine Schritte anhalten, ſo ſehr ſich auch die wackeren Gefährten zur Eile bemühten.
„Wie ich die Kluft wiedergefunden hatte, ſtieg einer der Männer mit mir an der Leiter und dem Stricke hinab. Wir fanden meinen Vater, der inzwiſchen durch den Genuß einiger Speiſen ſich etwas erholt hatte, denn an Waſſer hatte es ihm durch geſchmolzenen Schnee gottlob nicht gefehlt, mit völlig zerſchmettertem Beine am Boden liegen. Mühſam
Novellen⸗Zeitung.
nahe, dazu hatte er noch andere durch Quetſchung empfan⸗ gene Wunden.
„Es wurde nun von der Leiter mit Hülfe einiger dar⸗ auf gebundenen Zweige eine Tragbahre gemacht, und nach⸗ dem wir den nächſten Ort und endlich die Heimath mit einem kleinen Bergheuwagen erreicht hatten, dauerte die Cur ſehr lange, war unendlich ſchmerzhaft und ſchloß mit der Abnahme des Beines, obgleich man es lange vergeblich zu erhalten verſucht hatte. Doch auch dies überſtand die ſtarke Natur. Immer aber behielt mein Vater ein Zeichen dieſes Unglücks außer dem hölzernen Fuß, auf dem er end⸗ lich mit vieler Anſtrengung und Uebung gehen lernen mußte. Sein Haar nämlich war in den drei Tagen, die er in dem Schlund zugebracht hatte, vollkommen grau, nicht aber, wie viele Leute als Folge des Schreckens glauben, weiß geworden. 4
„Ueben ſeinen Unfall wußte ſich mein Vater nichts Deut⸗ liches zu entſinnen, als daß er ſich nach langer Betäubung in jener Kluft mit zerſchmetterten Beine liegend fand. Bald aber wurde es ihm klar, daß er nur von unſichtbaren Hän⸗ den hinabgeſtürzt ſein konnte, und es hatten es alſo dieſel⸗
ben ſchätzehütenden Geiſter gethan, welche ſchon meinem“
Großvater das Leben nahmen. Seit jenem trüben Ereig⸗ niß hat Niemand von uns den Pilatusberg beſtiegen, bis Sie, meine Herren, mich unten beim Wandern anredeten und ich mich zum Führer anbot, denn ich glaubte in ſo be⸗ lebter und gebildeter Geſellſchaft wohl nichts zu befürchten zu haben. Sie haben aber wohl aus dem Getöſe oben auf dem Gipfel und aus dem Fall eines Felsblockes, den Sie natürlich erklären wollten, geſehn, wie der Zorn der unter⸗ irdiſchen Mächte immer noch nicht ſchläft. Wäre ich allein
wurde er von den beiden Obenſtehenden hinaufgewunden, geweſen, ſo war ich ſicher verloren.“
von uns unterſtützt. Dann kamen wir an die Reihe. Schrecklich war der Anblick des armen Mannes, Er war ſtarr an allen Gliedern in der eiſigen Kälte drunten ge⸗ worden und ſein Bein war ſehr verſchwollen und dem Brande
So endete der Führer ſeine Erzählung.
Wir mußten ſämmtlich das thun, was ſich immer gut ausnimmt und was ſtets die famoſen Romanhelden in den Dutzendbüchern der Louiſe Mühlbach thun: wir mußten
ſende den Zug anhalten, eilte nach ſeinem Wagen, fuhr begierig in ein Coupé und zog eine Taſche heraus mit 275,000 Dollars. Sein Schatz war gerettet, niemand hatte ſich daran vergriffen, und indem er ſeinen treuen Courier entließ, ging er ſeiner Wege voll Freude über den glücklichen Erfolg ſeines gefährlichen und aufregenden Abenteuers.. p.
Der Cocohändler oder ein mit 20 franken bezahltes Bonmot.
Ein Pariſer Kind, aus Nothwendigkeit Cocoverkäufer, aber für den Krieg leidenſchaftlich eingenommen, war zu der italie⸗ niſchen Armee gekommen, um dort ſein Gewerbe auszuüben.
Er war ein luſtiger Kamerad und mehr als einmal verdankte ihm der Soldat während der drückenden Hitze und unter den An⸗ ſtrengungen des Marſches eine große Erleichterung und trank ſeinen Coco— ein in Paris unter der ärmern Volksclaſſe ſehr beliebtes Getränk, das aus Süßholz bereitet wird— umſonſt. Am Abend nach der Schlacht bei Magenta war er einem Zuaven⸗ regiment, für das er als Pariſer eine beſondre Vorliebe hatte, ſo nahe wie möglich gefolgt.
Nun war ein vorüberkommender General ſehr erfreut, den muthigen Cocoverkäufer anzutreffen, denn an einem Schlachttage iſt Jedermann durſtig. Bei Solferino hat der Kaiſer Napoleon V mehr als ein Weinblatt deshalb gekaut. Der General verlangte nun zu trinken, und der Cocoverkäufer reichte ihm ſeinen blechernen Becher mit dem erfriſchenden Getränke gefüllt, das dem General ſehr wohl mundete..
„Laß hören,“ ſagte er,„wie theuer verkaufſt Du Coco unſern Soldaten?“
Deinen berechnet.—
„In gewöhnlichen Zeiten, mein General, koſtet das Glas 5 Centimes.“
„Und heute,“ fügte der General hinzu,„in Berückſichtigung der Schwierigkeit, ſind es zwei Sous(10 Centimes); das iſt nicht zu theuer.“
„Heute,“ entgegnete unſer Pariſer,„haben Sie den Oeſter⸗ reichern einen Ball umſonſt gegeben, und ich habe die Lieferung der Erfriſchungen übernommen. Man bezahlt nicht.“
„Ein Bonmot kann man immer bezahlen,“ antwortete der General, der an Großmuth nicht zurückbleiben wollte, und er zwang unſerm Mann ein Zwanzigfrankenſtück auf.
Dieſe 20 Franken wurden denſelben Abend von der Corpo⸗ ralſchaft verzecht, doch that man ſich nicht in dem Getränk des
Pariſer Kindes, ſondern in etwas Beſſerm eine Güte. C. Literatur. Erklärung der ſchwierigeren Ausdrücke in Jere⸗ mias Gotthilf's Schriften, von A. Rütte. Berlin,
Springer.
Die vielen Dialektwete, Kachein den Werken des bedeutenden und ſo ſtark geleſenen Schweizers vorkommen, machen oft ſelbſt eingebornen Schweizern Kopfzerbrechen, um wie viel mehr den übrigen Deutſchen, beſonders im Norden. Dieſen wird jenes kleine Hülfsbuch eine angenehme Erleichterung gewähren, denn nur für dieſen Zweck, nicht für einen wiſſenſchaftlichen iſt es
O. B.
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