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und doch könnte der Enthuſiasmus eines Schwärmers nicht umfaſſender und bezeichnender ſich ausdrücken, denn wie unendlich reich begabt muß eine Künſtlernatur ſein, die Alles in ſich ſelber findet, aus ſich ſelber ſchöpft! Freilich haben die Gebilde der Goßmann ſämmtlich einen Grund⸗ zug, eine unverkennbare Aehnlichkeit gemein: die Wahrheit und Liebenswürdigkeit, und darum kommen ſie uns auch alle verwandt unter ſich vor, aber zugleich welch charak⸗ teriſtiſche Unterſchiede zwiſchen allen! Mannigfaltig wie die Natur ſelbſt iſt auch die Natürlichkeit der Goßmann, und mit welcher Schärfe ſie zu individualiſiren weiß, zeigt ſich darin am glänzendſten, daß ihre„Picarde“ in jedem Ac⸗ cent, in jeder Bewegung, ja im Geſichtsausdruck franzöſiſch iſt. Friederike Goßmann iſt wirklich ein ſo verſchwenderiſch ausgeſtattetes Weſen, hat ſo viel Reiz und Duft an und um ſich, daß ſie da am gewinnendſten erſcheint, wo ſie ohne jede fremde Zuthat, ohne allen äußeren Schmuck ſich zeigt. Wenn ſie nun deswegen im einfachen Kleide eines ſchlichten Bürger⸗- oder Landmädchens und mit der Darſtellung ſolcher Naturkinder die unmittelbarſten Erfolge feiert, ſo wäre es nichts deſto weniger eine Ungerechtigkeit, jenen be⸗ kannten Ausſpruch über die Sonntag, wie ſchon geſchehen, auch auf ſie übertragen zu wollen:„ſie ſei groß auf ihrem Gebiete, aber ihr Gebiet ſei klein.“ Einer Befähigung gleich der ihren ſind keine räumlichen Grenzen geſteckt; die Menſchlichkeit, Gemüth und Herz ſind ihr Gebiet, und wer eine Seite deſſelben voll und ganz beherrſcht, beherrſcht ſie alle, Landkartenunterſchiede exiſtiren hier nicht. Wenn es im Allgemeinen Unverſtand iſt, zwiſchen den verſchiede⸗ nen Kunſtformen ein unterſchiedliches Rang⸗ und Werths⸗ verhältniß zu graduiren und den Komiker ſchon als ſolchen dem Tragiker unterzuordnen, ſo iſt beſonders dieſe bureau⸗ artige Facheintheilung der Menſchendarſteller ein Unding. Friederike Goßmann iſt keine„komiſche Schauſpielerin,“ wie viele wollen, die zarte Beſaitung ihres Talentes er⸗ klingt in jedem Affecte, der ſie berührt. Wie ein und der⸗
Novellen⸗Zeitung.
ſelbe Menſch die Möglichkeit jedes Gefühles und jeder Ge⸗ fühlsäußerung in ſich trägt, und wie nicht beſondere Menſchen für das Weinen und beſondere für das Lachen V geſchaffen ſind, ſo muß auch, wer den Menſchen nachmacht, dieſe wechſelvolle Fähigkeit beſitzen. Wir haben nicht mehr
die Tragik der Alten, die auf dem Cothurn unnahbar und hocherhaben über das Gewöhnliche ihre einſame Straße dahin ſchritt; uns ergreift nur die Tragik des Herzens, die an dem unſcheinbarſten Daſein ihre Macht übt, in der ein⸗ fachſten Rolle zur Geltung gebracht werden kann. Wer es geſehen und gehört, wie Friederike Goßmann als„Lorle“, nachdem ſie, eben von dem ſchonungsloſen Manne hart zurecht gewieſen, dennoch eingewilligt hat, ihn zum Fürſten zu begleiten, voll weicher Hingebung in ſeinen Arm ge⸗ ſchmiegt, mit den feuchten Kinderaugen flehend. ſeinen Blick ſuchend, all' ihre Beklemmung und Angſt in der einen Bitte zuſammendrängt:„Sei ſanft, Reinhardt!“— verlangt der noch nach Ergreifenderem? Kein Auge im ganzen überfüllten Raume war trocken, und doch hatte nur eine kleine Frau in weißem Kleidchen dieſe paar ganz gewöhnlichen Worte geſagt! Friederike Goßmann wäre das lieblichſte Clärchen, das
je eines Egmont's Phantaſie geträumt, aber es würden Viele ſie einer Contravention bezichtigen; muß man doch einen Gewerbſchein für„hochtragiſche Rollen“ löſen, um dieſes harmloſe Bürgerkind zu ſpielen, das ſchließlich außer ſich geräth, weil man ihrem Geliebten den Kopf abſchlägt. Alle Phaſen der weiblichen Natur, von dem ſchlummer⸗ artigen Zuſtande naivſter Unbefangenheit bis zur tödt⸗ lichen Erſtarrung der zerſtörten Gefühlswelt, vermag Frie⸗ derike Goßmann an der Seele des Zuſchauers vorüberzu⸗ führen, weil bei ihr der Natürlichkeit die Weiblichkeit ſich zugeſellt, die alles, was ſie ſchafft, überhaucht wie jener zarte Flaum die edelſten Früchte. Wem ſie nur aus der Tradition der Journale bekannt, wird vielleicht in die Ver⸗ ſuchung gerathen, ſie für die Spitze jener„Herren⸗Schau⸗ ſpielerinnen“ zu halten, deren Darſtellungen auf der Bühne
das Vermögen und Leben ſeiner Unterthanen, er iſt auch der Sohn
des Himmels, der Bruder der Sonne und der Vetter des Mondes; er iſt eine Art von vermittelndem Weſen zwiſchen der Schöpfung und den höhern Weſen, von denen ſie ausgegangen iſt, eine
Perſönlichkeit, welche ſelbſt über den untergeordneten Gottheiten
ſteht, denn er kann ſie machen und nach ſeinem Belieben beſeitigen. Auf eine ſolche Rolle verzichtet man nicht leicht, beſonders wenn ſie ſeit einer langen Reihe von Jahrhunderten geglaubt worden iſt, wenn ſie die Majeſtät der Zeit für ſich hat, und wenn ſie von einem zahlloſen Heere von Beamten, welche das Princip ihrer Autorität daraus herleiten, unterſtützt wird. In dieſem Syſtem
iſt der Kaiſer des Reichs der Mitte nicht bloß verurtheilt, untrüg⸗
lich und unbeſiegbar zu ſein, er muß auch ſeine Ueberlegenheit von Allen, die auf der Erde leben, anerkennen laſſen.
reichs freiſtehen ſoll, in Peking zu reſidiren, was ſpäter auch dem ruſſiſchen und nordamerikaniſchen Geſandten zugeſtanden worden iſt, wenn ſie je zur Ausführung kommt, dieſem blinden Cultus, den der Kaiſer von China für ſich in Anſpruch nimmt, im hohen Grade ſchaden. Das weiß man aber in Peking auch recht gut, und deshalb wird das ganze Streben der chineſiſchen Regierung dahin gehen, wo möglich den Geſandten die Luſt zu vertreiben, einen dauernden Aufenthalt in Peking zu nehmen. So wird be⸗ richtet, der nordamerikaniſche Geſandte ſei in Peking angekommen, werde aber dort ganz eingeſchloſſen gehalten. In dieſer Beziehung können wir übrigens noch ſehr merkwürdigen Vorfällen entgegen ſehen, zu denen das Vorhergehende theilweiſe als Schlüſſel wird dienen können. C.
Wenn er
Tributzahler, die nicht ganz von ſeinen Geſetzen abhängen, em⸗
pfängt, ſo vergibt er ſich beinah ſchon etwas von ſeiner Würde;
aber Vertreter fremder Souveräne in ſeiner Hauptſtadt bei ſich wohnen zu laſſen, welche darauf Anſpruch machen, mit dem Kaiſer wie mit Ihresgleichen zu unterhandeln, das iſt unmöglich; das iſt in den Augen ſeiner götzendieneriſchen Höflinge der ÜUmſturz aller menſchlichen und göttlichen Geſetze; das iſt in den Augen der Mandarinen, welche zu befürchten haben, daß ihre Geheimniſſe durch unverletzbare und unabhängige Zeugen entſchleiert werden, der Gräuel der Zerſtörung.
Eben ſo wie die Siege der Engländer über die Chineſen in den Jahren 1841 und 1842 ſicher theilweiſe zu der Inſurrection beigetragen haben, die China noch jetzt verheert, ebenſo wird die Clauſel des im Laufe dieſes Jahres in Tientſin abgeſchloſſenen Friedens, nach welcher es den Geſandten Englands und Frank⸗
Portraits. Iſambard Ringdom Brunel⸗
England hat in dem am 16. September d. J. erfolgten Tode Brunel's, des Sohnes des berühmten Erbauers des Themſe⸗ tunnels, einen ſeiner ausgezeichnetſten Ingenieure verloren. Mit vollem Recht ſagt die Tines“ von ihm:„Der Verluſt eines Mannes, deſſen Name ſeit zwei Generationen von Anfang dieſes Jahrhunderts an bis zu der jetzigen Zeit mit dem Fortſchritt und der Anwendung der Mechanik und Ingenieurwiſſenſchaft iden⸗ tificirt worden iſt, verlangt die Beachtung, die Allen gebührt, welche dem Staate Dienſte erwieſen haben. England iſt ſeinen vielen ausgezeichneten Civilingenieuren für ſeinen Reichthum und ſeine Stärke zum größten Danke verpflichtet, und Brunel wird
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