Jahrgang 
28-52 (1859)
Seite
660
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könnte, iſt die bis zum Schwindel gefeierte Bühnen⸗

herrſcherin, die ſchon mit menſchlichen Pferden gefahren?

Siehe da, unterdeſſen iſt der Rehbock zum Eſel gewor⸗ den und der Wildſchütz begnadigt verzeihe mir's, Lortzing, aber auch ich hatte Deiner ganz vergeſſen; man ſteht auf, auch ſie erhebt ſich und reicht ihrer Begleiterin das Bouquet, dieſe Bewegung freilich gehörte keinem be⸗ fangenen Mädchen, bewußtlos ſprach ſich darin ein könig⸗ liches Selbſtbewußtſein aus. Unmerklich führten tiefe

Rovellen Zeitung.

[V. Jahrg.

zu ſanfter Nachgiebigkeit erweicht zu ſein. In jedem Ge⸗ ſicht eine Pulvermine des Enthuſiasmus, nur des Funken harrend, um aufzulodern, alle Hände im Anſchlag. Jetzt flattert die berühmte Henne, ein wohlgenährtes Exemplar, in feiſter Gemächlichkeit zum Fenſter herein, ein ſcharf ac⸗ centuirtes, ſchrillesPutt! Putt! tönt ihr nach, ein Sprung, eine donnernde Salve, und da ſteht ſie, die kleineGrille. Inrealiſtiſche Lumpen gehüllt, zuver⸗ ſichtlich auf der rechten Hüfte ruhend, während der linke

Gedanken mich nach Hauſe. Wenn die Goßmann mir Tags zuvor auf der Straße begegnet wäre, den Sonnen⸗ ſchirm mit der Naſe balancirend, ich würde mich kaum ge⸗ wundert haben, und nun hatte ihr erſter Anblick mich in ſo gewaltiges Erſtaunen verſetzt. Dieſe ſtille Mädchen haftigkeit, wie ich mit meinen leiblichen Augen ſie geſchaut, wie ſtimmte die zu dem tollen, lärmenden Weſen, das aus den Spalten der Journale herausfordernd vor meinen geiſtigen Blick getreten war? Wer täuſchte, das Original, oder die Copieen? In dieſer Zeit des Truges iſt auch das Papier trügeriſch, mag es Werth haben oder Werth ver⸗ leihen, Actie oder Reclame ſein. Unſere Zeitungen ſind Trompeten, die nicht dem Ruhme nach⸗, ſondern ihm vor⸗ ausblaſen, ſie feiern die Größe nicht, ſie machen ſie. Nicht bloß die Goldberger'ſchen Rheumatismusketten und die Revalenta Arabica verdanken ihre Exiſtenz der Unermüd⸗ lichkeit der Anzeigen und Anpreiſungen, nein, ſogar von Regionen aus, die bloßen Augen unzugänglich ſind, wirft

Fuß, trotz der plumpen Beſchuhung ein Wunder von Zierlichkeit, wie höhnend auf den ſaubern Dielen des wohlhäbigen Pachthofes ſpielt, das einzige Unruhige an der ganzen Geſtalt, denn die Arme ſind eng über der Bruſt zuſammengeſchlagen, da ſteht ſie, das Kind der Noth und der Verachtung, ihren Peinigern gegenüber, ſtolz und ſchroff, nur ihr Recht heiſchend; welch feindlicher Trotz, welch kecke Herausforderuug ſpricht aus dieſen flammenden Blicken! aber ſchaue nicht tiefer, ſieh dieſen Mund nicht an, es würde Dir zu wehe thun; was ihn nach oben hinauf verzerrt und unten zuſammenpreßt, das iſt kein Hohn, wenn ſie es auch gern glauben machte, das iſt wilder, krampfhafter Schmerz; alle Pfeile, die ſie verſchießt, ver⸗ wunden das eigne Herz, aber ſie will nicht ſehen laſſen, daß es blutet. Rauh und ſtachlig iſt die Schale, noch zeigt ſich keine berührbare Stelle. Mit welch übermüthiger Härte wirft ſie dem verzärtelten Didier den erſtendum⸗ men Jungen ins Geſicht! aber was Alles iſt in und mit

man dergleichen Viſitenkarten an die Oeffentlichkeit her⸗ unter. Darum bin ich mißtrauiſch gegen ſolche Pracht⸗ ſtücke der Journale, ich war es bis zu dieſem Augenblicke auch gegen Friederike Goßmann, gegen das Mädchen wie die Künſtlerin. Das Mädchen hat mich ſchon faſt bekehrt, die Künſtlerin nun, wir werden ja ſehen.

Wie meine Freundin es vorhergeſagt, ſo erfüllte ſich's. Der Thermometer hatte keine Conceſſion gemacht, und doch Kopf an Kopf, ſelbſt die Crinoline ſchien an dieſem Abend

ihr vorgegangen, bis ſie zum zweiten Male ſo ihn heißt, mit thränenweichem Mitleid, mit aller Wehmuth eines ge⸗ brochenen Herzens, das für fremde Thorheit nur noch ein Lächeln hat! Das iſt nicht mehr dieGrille. Aus jener koboldartigen, geſchlechtsloſen Verkörperung äußerer und innerer Vernachläſſigung hat allmählich das Mädchen ſich entpuppt, der Erkenntniß iſt die züchtige Scham gefolgt, mit den weggeworfenen Fetzen ſind alle Ecken und Schärfen verſchwunden, die Vorurtheile haben dem Urtheile Platz

Feuil

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leton.

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Diplomatiſche gebräuche im Orient.

Da die kürzlich verunglückte Sendung des engliſchen Ge⸗ ſandten, Bruce, und des franzöſiſchen Geſandten, de Bourboulon, nach Peking mißglückt und in Folge deſſen die öffentliche Auf⸗ merkſamkeit von Neuem auf die diplomatiſchen Gebräuche im Orient gerichtet worden iſt, ſo werden unſte Leſer die folgende Mittheilung wahrſcheinlich nicht ohne Intereſſe leſen.

Noch am Ende des vorigen Jahrhunderts war der Sach⸗ verlauf, wenn der Geſandte einer chriſtlichen Macht in Conſtan⸗ tinopel um die Erlaubniß nachſuchte, dem Sultan ſeine Beglaubigungsſchreiben überreichen zu dürfen, ohngefähr folgen⸗ der: An dem von den Aſtrologen als für den Zweck günſtig bezeichneten Tage fand ſich der Geſandte, von ſeinem Gefolge begleitet und eine Menge oft ſehr reicher Geſchenke mit ſich führend, an dem Thore des alten Serail ein. Hier wurde er von einigen Palaſtbeamten empfangen, die ihn zuerſt in einen benach⸗ barten Kiosk führten und ihn einluden, hier auszuruhen, während Einer von ihnen den Sultan von der erfreulichen Ankunft des Geſandten in Kenntniß ſetzen werde. Man hielt hier nun den Geſandten ſo lange wie nur möglich zurück, um damit nachzu⸗

weiſen, daß man ihn wie eine untergeordnete Perſon, wie einen Bittſteller habe warten laſſen. Wenn man dann glaubte, daß er lange genug gewartet habe, kam der Bote mit der Meldung zurück, ſein. Gebieker habe die Bitte um eine Audienz des Geſandten gnädig aufgenommen. Er hatte dieſe Bitte dem Beherrſcher der Gläubigen, dem Nachfolger der Kaliphen, Padiſchah, Khan der

Khans ꝛc. ohngefähr in folgenden Worten vorgetragen:

Majeſtät, ein Ungläubiger, welcher ſagt, er ſei von dem Fürſten dieſes oder jenes Landes abgeſandt, ſucht um die Ehre nach, den Tribut überreichen zu dürfen, den ſein Gebieter dem Beherrſcher der Gläubigen überſendet, und die Unverſchämtheit dieſer Leute iſt ſo groß, daß er es wagt, um die Gunſt zu bitten, in Ihre hohe Gegenwart zugelaſſen zu werden. Ihre Gnade möge geruhen, die Grobheit dieſer Ungläubigen zu entſchul⸗ digen.

Hierauf antwortete der Sultan, da dieſer Geſandte Tribut überbringe, ſo willige ſeine Gnade ein, denſelben anzunehmen und den Ueberbringer, der aus ſo weiter Ferne komme, ſelbſt zu ſehen. Der von einer ſo außerordentlichen Großmuth gerührte Bote fügte nun hinzu:

Aber, Großherr, dieſer Ungläubige hat, um in die Staaten

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