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Schultern zu klopfen. Ich ſprach gegen ihn mein Be⸗ dauern darüber aus, nicht einen Herrn wie ihn zu haben. „Willſt Du mir dienen?“ fragte er mich. „Iwan Simeonitſch wird nie ſeine Einwilligung dazu geben.“
„Das übernehme ich.“
„Wiſſen Sie denn nicht, daß er verſprochen hat, mich ſeiner Braut zu ſchenken? Er wird ſein Verſprechen halten.“
„Wenn Du aber vor ſeiner Verheirathung frei wirſt?“
„Frei? Ich werde nie frei ſein; er hat es mir geſagt.“
„Es iſt gut; ich werde es beſorgen.“
Ich vergaß, daß er ein Jude war, und küßte ihm die Hände. Denſelben Abend war ein großes Abendeſſen. Mein guter Jude war luſtiger und lärmender als gewöhn⸗ lich. Er trank viel, ließ meinen Herrn tüchtig trinken und berauſchte ihn ohne Mitleiden. Dann ſchlug er ihm ein Kartenſpiel vor. Es war des Morgens zwei Uhr; ich ſchlief im Vorzimmer, um dem Sprüchwort Recht zu geben, welches ſagt, daß das Glück im Schlafe kommt. Plötzlich fühlte ich, daß ich heftig gerüttelt wurde; ich öffnete die Augen, und der Jude ſtand vor mir.
„Er ſchläft,“ ſagte er zu mir.
„Wer denn?“
„Iwan Simeonitſch. Nimm dieſes Glas Champag⸗ ner, ſtoß mit mir an, wir wollen auf Deine Freiheit trinken.“
Noch halb im Schlafe, begriff ich nur das Glas Cham⸗ pagner; ich nahm es, trank es und legte mich wieder auf meine Bank.
Der Jude, ganz außer ſich, gab ſich nun ans Werk, mich zu ermuntern. Er pollte mich auf der Erde, ergriff mich am Halskragen und mit einem Tone, mit welchem ein Räuber die Börſe oder das Leben abgefordert haben würde, rief er mir, während er mich ſchüttelte, mit aller Kraft zu:
Novellen⸗Zeitung.
(V. Jahrg
„Du biſt frei, mein Freund; Du biſt frei! Ermuntere Dich doch, Schwachkopf, Du biſt frei! Du biſt frei!“ Freil
dieſes viermal wiederholte Wort machte auf mich die
Wirkung, wie vier an meinem Ohr gelöſte Kanonenſchüſſe.
Ich richtete mich, wie von einer Sprungkraft getrieben, in
die Höhe. Der Jude zeigte mir dann den Act meiner Freilaſſung, der von der Hand des Iwan Simeonitſch unterzeichnet war. Er theilte mir mit, daß mein Herr für einen Verluſt von 600 Silberrubel, die er nicht bezah⸗ len konnte, mich ihm gegen eine Quittung abgetreten habe.
meinen Herrn gewechſelt!“
„Du wirſt mir ein Jahr lang gegen einen monatlichen Lohn von 50 Rubel dienen, die ich Dir nicht bezah⸗ len werde. Wenn Dir die Zeit zu lange dauert, ſo wirſt Du nur ein halbes Jahr gegen 100 Rubel Lohn monatlich dienen, von dem Du keinen Kopeken beziehen wirſt. wird Deine Freiheit Niemanden etwas gekoſtet haben.
lauf dieſer ſechs Monate laſſe ich Dich nicht frei; Du mußt Dich an Deinen neuen Stand als freier Mann gewöhnen.
Finſterniß in eine lebhafte Helligkeit überzugehen. Wenn
ſchaft der Vernunft in einer tollen Art einweihen.“
Er würde dieſe weiſe Rede noch lange fortgeſetzt preßte, nicht zugleich mit dem Athem das Wort entzogen einige Stunden nachher reiſten wir zuſammen ab,. das Erwachen von Iwan Simeonitſch abzuwarten. Ich habe ihn nie wieder geſehen.
denn wenn er welche hätte, ſo würde er ſie prügeln. Ich
niedergehauen worden; ſie haben ſich um einen Baum herum ge⸗ flüchtet, ſind aber dennoch nicht ihrem Geſchicke entgangen.“ „Dummkopf,“ ſagte ein Anderer,„Du ſiehſt wohl, daß ſie ſchlafen.“ „Ich glaube nicht. He, Kamerad!“ Niemand antwortete. „Du ſiehſt wohl, daß ſie todt ſind,“ erwiderte der Rabe. „Laßt uns ihnen die Taſchen unterſuchen.“ Sie begannen nun mit dem, der ſich todt geſtellt hatte, der
aber plötzlich:„Zu den Waffen!“ rief und damit ſeine Kameraden
erweckte, damit Keiner der Räuber entfliehen könne. In einem Augenblick ſtanden die Soldaten da, umgaben die Räuber und nahmen ſie feſt. Die Banditen wurden nunmehr Einer nach dem Andern an einen Baum gebunden und mit dem Ladeſtock der Ge⸗ wehre windelweich geſchlagen. Die Strafe war hart, erſparte ihnen jedoch die zehnjährige Galeerenſtrafe, welche das Strafge⸗ ſetzbuch für dieſes Verbrechen feſtgeſetzt hat. C.
Literatur.
Gedichte von Franz Martin. Altona, Menzel, 1859.
Nur Wenige werden dieſen Band Gedichte leſen können, ohne den Genius und das Gemüth des Dichters zu beneiden. Er ſcheint nicht bloß eine harmloſe, geſunde Natur zu haben, ſondern er zeigt eine harmoniſche Vereinigung vieler Eigenſchaften, welche das Leben und die Edition von Gedichten recht ſehr erleichtern.
Er iſt nämlich frei von Gedanken, ſowohl alten als gar etwa neuen, und da ihm bei keiner Gelegenheit etwas Beſonderes ein⸗ fällt, ſo kann er auch durch Nichts beſonders geſtört, erregt oder
belaſtet werden, denn wer nichts will, der hat weiter keine Mühen, Er braucht im Leben nur das Genießen zu befriedigen und die natürlichen Eindrücke der fünf Sinne walten zu laſſen, da ſich
die gewöhnlichen Verrichtungen gar leicht von ſelbſt ergeben. Aber dieſe Bequemlichkeit wird noch erhöht, denn der Verfaſſer iſt nicht nur frei von allen Gedanken, ſondern auch frei von allem
Geſchmack. Da er ſich ferner aus dieſem Grunde in Bezug auf Nothweinlie T 5 1 alie
haben, wenn ich ihm dadurch, daß ich ihn in meine Arme harkeit
weiter, als! dieſe Lehrz um zu ler meiner Jug Hauptes der
„Ich bin alſo nicht frei,“ rief ich;„ich habe nur Freibeit erf
als ruhe
Kette am H Gewohnbeit lerut nicht zu verlern
So icht alt
mlehr, und
Das iſt aber Alles, was ich für Dich thun kann; vor Ab⸗ nicht ver
gelernt, f prächtig
Es iſt gefährlich für das Auge, plötzlich aus einer tiefen die Luſt
richtet; er
ich Dich gleich heute frei erklärte, ſo würdeſt Du Deinen Fuß gefef Kopf gegen die Mauern rennen, und das hieße die Herr⸗ abs freie 2
Nach T Befreier guter Sier
hätte. Welch ein Unglück, daß ein ſolcher Mann nicht ein Berührun, Rechtgläubiger iſt! Den folgenden Tag oder vielmehr bun glückli
me ich frie digen
Ich weiß bloß, daß er ſeine Frau als daß e prügelt und daß er keine Kinder hat; um ſo beſſer für ſie, möge, und
Das
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Kunſtform, Sprache, Rhythmus und Reim keine Sorgen auferlegt, räinen muß
abermals beliebig zuſammenzuſtellen und mit der ewigen Jugend⸗ friſche der Trivialität zu bearbeiten. Solch ein lyriſcher Fond iſt unerſchöpflich, und da in ihm Alles gleichen Werth hat, ſo
ſcheinbare Reichthum iſt der Troſt aller Dilettanten. Sie ſpi mit ihren Zahlpfennigen und dünken ſich dabei ſo wohlhabend die Kinder. Wir wollen einige komiſche Proben geben, um Verfaſſer auf ſich aufmerkſam zu machen. In einem Ga
„Blumenleben“ ſagt er: Er Lächeln geſchmückt ihr Mund! Ir Holden Blicks thut ſie kund, 2
Sagt es ſo ſüß:
„Wie mein Herz Liebe glüht, Wie ſie der Liebe blüht!“ Daß ich ſie küſſt!
Es wird ihm doch einleuchten, daß man ein paar hunder Jahre früher geboren ſein müßte, um ſo ungalant zu dichten Sein„Troſt im Lenze“ fängt etwas geſchmeidiger an:
Es geht die Natur in dem himmlichen Kleid, Und winkt in die blühenden Räume.
n trägt er die Motive von hunderttauſend Gedichten in ſich. Deſe nn hoffentl dem theil
ſo kann ihn nichts mehr geniren, das Alttägliche, oft Dageweſeng häſt:
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Alſo da
1 ſs gehät ſchr portiſ


