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2000 Fuß im Umfange hat.
ſo viel Wuth und Unwillen wie Verzweiflung. Es that mir leid, daß ich kein ſchlechtes Subject war, denn dann würde ich meine Freiheit viel leichter erhalten haben. Doch allerdings würde ich dann Olga nicht gefallen haben. Die Erinnerung an ſie war für mich eine Urſache des Kummers und ein Anſpruch auf Stolz; ich tröſtete mich über den Verluſt meines Glückes, indem ich bedachte, daß ſie mich deſſelben für würdig gehalten habe.
Ich beſchloß Petersburg zu verlaſſen. Ich ſtellte mich einer bejahrten Dame vor, die ins Innere Rußlands reiſete; ſie nahm mich in ihren Dienſt. Ich ging zu mei⸗ nem Herrn, um mir meinen Reiſepaß erneuern zu laſſen.
„Du ſchon wieder! Immer Du! Hole Dich der Teu⸗ fel! Was willſt Du ſchon wieder? Einen Reiſepaß? Du ſollſt keinen haben, ſchier Dich fort.“
„Iwan Simeonitſch, wer ſoll mir denn einen Reiſepaß gebeu, wenn Sie es nicht thun? Sie wiſſen recht gut, daß ich Ihnen gehöre. Sie haben mich meine Stelle verlieren laſſen, Jwan Simeonitſch; wenn Sie mir das Mittel ver⸗ weigern, eine andre Stelle anzunehmen, wie kann ich Ihnen dann jährlich die 50 Silberrubel bezahlen?“
„Wie viel ſagſt Du, daß Du bei dieſer Dame bekom⸗ men wirſt?“
„Ein hundert und ſechzig Silberrubel.“
„Hundert und ſechzig Silberrubel! Das iſt ungeheuer. Du ſollſt einen Reiſepaß haben, aber Du bezahlſt dafür 20 Rubel.“
„Iwan Simeonitſch, Sie haben ſchon 150 Rubel von mir; geben Sie mir 130 Rubel zurück, und ich werde mei⸗ nen Paß bezahlt haben, der mir nichts koſten ſollte.“
Dieſe kühne Sprache machte meinen Herrn wüthend; ich hatte ihn noch nie ſo erzürnt geſehen. Er prügelte mich ärger als je. Als er wieder ruhig war, bat ich ihn um Vergebung und gab ihm ein 25 Rubel⸗Bankbillet, das ich mir auf meinen Lohn auf Abſchlag hatte geben laſſen. Er
Novellen⸗Zeitung.
[V. Jahrg.
verſicherte mir, er habe keine Münze, unterzeichnete meinen Reiſepaß und ſchickte mich fort.
Sie wundern ſich, mein Herr, ich ſehe es wohl, daß ich mich immer ungerächt habe ſchlagen laſſen. Wozu hätte es mir nützen können, wenn ich mich gegen meinen Herrn empört hätte? Wer hätte mir Recht gegeben? Ich hätte mich der Gefahr ausgeſetzt, gerädert zu werden oder vielleicht unter der Knute zu ſterben. Nun habe ich immer einen ganz beſondern Abſcheu vor der Knute gehabt; ich habe alle Arten von Schlägen erhalten; ich bin wie das elendeſte Thier behandelt worden; jetzt erröthe ich wohl ein wenig darüber, doch in meinen eignen Augen konnte mich nur die Knute entehren. Gott ſei Dankl ich habe ihr zu entgehen gewußt.
Ich reiſte von Petersburg ab, ohne von Olga Abſchied zu nehmen. Vielleicht war das nicht recht, doch ich fühlte in mir nicht den Muth, ihren Blick zu ertragen; ich würde mich geſchämt haben, als Leibeigener vor ihr zu erſcheinen. Und dann war ich an das Entſagen gewöhnt. Die Natur hat mich mit einer großen paſſiven Stärke begabt. Ich glaube, eine Seele ohne Willen kann ſich nur dahin gehen laſſen, wohin ſie getrieben wird, ganz wie ein Schiff ohne Compaß und Steuerruder. Ich folgte meiner neuen Ge⸗ bieterin bis in das Gouvernement Saratow, ohne den Kopf umzudrehen, und bald dachte ich an Olga nicht weiter, als wie man ohne Hoffnung, ohne Bedauern und doch mit ein wenig Verlangen an einen ſchönen Traum denkt. Ein Jahr verfloß in der Monotonie des Dienſtes eines Kranken⸗ wärters. Aus einer bizarren Laune wollte meine alte Ge⸗ bieterin, die fortwährend das Bett hütete, nur mich an ihrem Kopfkiſſen haben. Sie erloſch alle Tage und ſie ſtarb erſt nach Verlauf eines Jahres. Es war eine lange, peinliche Reiſe, die ſie, ſo zu ſagen, auf meinen Arm ge— ſtützt, vollbrachte. Vor ihrem Grabe angekommen, reichte ſie mir zum Lebewohl ihre kalte Hand zum Küſſen und zur Belohnung ihren Leichnam, um ihn zu beerdigen.
loſen Gaſtfreundſchaft, jener vollkommenen perſönlichen Freiheit, die ihnen nach den bittern Erfahrungen der letzten Zeit doppelt wohlthuend ſein mußte. 69.
Zur Länder⸗ und Völkerkunde. Die Nachgrabungen des Herrn Beulé in Carthago.
Mehr als 2000 Jahre ſind verfloſſen, ſeitdem Carthago nach einem langen, erbitterten Kampfe, den die Einwohner gegen die rreuloſen Römer für die Fortdauer ihrer Vaterſtadt führten und durch den ſie ihre früher begangnen Fehler reichlich ſühnten, in eeiinen Schutthaufen verwandelt worden iſt, und unſre Zeit, die in Kunſt und Wiſſenſchaft ſoviel Großes und Verdienſtliches ins Leben treten ſieht, ſcheint auch berufen zu ſein, wenigſtens einen Theil der Ruinen jener einſt ſo mächtigen Handelsſtadt von dem Schutt, den zwanzig Jahrhunderte über ſie häuften, zu befreien und uns von der Bedeutung jener Stadt thatſächliche Beweiſe vor die Augen zu ſtellen. Wir verdanken dies dem franzöſiſchen Conſul Beulé in Tunis, der auf ſeine eigenen Koſten dort Nach⸗ grabungen veranſtaltet hat. Kürzlich hat derſelbe der Académie des Inscriptions et Belles Lettres in Paris einen Bericht über den Erfolg derſelben zugehen laſſen, dem wir Folgendes entnehmen.
Byrſa, die Akropolis oder Burg Carthago's, das urſprüng⸗ liche Aſyl der Colonie der Dido, war der Punkt, den Beulé für ſeine Nachforſchungen wählte. Es iſt dies ein Plateau von recht⸗ winkeliger Geſtalt, das 188 Fuß hoch iſt und an ſeiner Baſis Von der Hafenſeite iſt Byrſa ganz veil, von der öſtlichen Seite bietet es einen ſanftern Abhang, ein
Amphitheater dar, das geeignet iſt, übereinandergeſtellte Dei mäler aufzunehmen. Auf dem einen und dem andern Punkte ſin die Nachgrabungen mit Erfolg unternommen worden.
An der ſteilſten Seite des Hügels hat man die alten Forti⸗ ficationen, welche Scipio nicht ganz zu zerſtören vermochte, wieder aufgefunden. Coloſſale Mauern waren 56 Fuß hoch mit Aſche und Schutt bedeckt. Sie ſind bis zu einer Höhe von 12 bis 15 Fuß erhalten, ſind von enormen Blöcken von Tuffſtein errichtet, und bieten horizontale Steinſchichten mit einwärts gerichteten und
vervorſpringenden Theilen dar, die genau in einander paſſen
Man ſtelle ſich eine 31 Fuß dicke Mauer vor, in deren Innerm ſich ein Gang und ſogar Zimmer finden und auf deren oberem Theile nicht zwei, wie auf den Mauern Babylons, ſondern vier Wagen neben einander fahren können. Die äußere Seite iſt ſo dicht und ſchließt ſo in einander, daß kein Mauerbrecher der Alten etwas gegen ſie ausrichten konnte. Dieſelbe beſitzt einen ſechs Fuß breiten geheimen Gang, welcher eine Reihe von halbkreisförmigen Sälen mit einander verbindet, die ſich in der ganzen Länge der Mauer wie die Arcaden eines Porticus einander folgen. Jeder Saal iſt drei Metres 30 Centimetres breit und 5 Metres 80 Cen⸗ timetres tief. Obwohl die obern Theile dieſes Baues niederge⸗ riſſen ſind, ſind die Spuren von Stockwerken doch noch ſichtbar. So finden ſich die Angaben der Geſchichtſchreiber beſtätigt, nach denen die Mauern Carthago's 30 F. dick und 45 F. hoch waren
und drei Stockwerke hatten. Man konnte in dieſer Burg 300
Elephanten, 4000 Pferde und 24,000 Soldaten unterbringen. Wie es ſcheint, waren die Mauern mit Frieſen verziert, die man als den Anfang der Arabesken betrachten kann.
An dem Abhange auf der öſtlichen Seite hat Beulé ein
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