Jahrgang 
28-52 (1859)
Seite
647
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l'. Juhrg Nr. 41.]

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8,Nsidedir Wenige Tage nach meiner Ankunft mußte Iwan

rers 54 huſters, Simeonitſch, mein junger Herr, ſeinem Regimente nach

e d erlernn. Gatſchina folgen. Meine Freude war eben ſo groß wie autdarkei ſeine Traurigkeit; ich wußte ſie nicht zu verſtellen und er⸗

mdamit, Knäpfe ſen von Stiefeln im Hülſenfrüchte um Kerzen zu 9, un Rägel ein⸗

meines Herrn ein Gefühl für mich zu haben.

Im Dienſte von Iwan Simeonitſch erkannte ich, wie ſehr meine Erziehung vernachläſſigt worden war, denn ich mußte mich erſt noch der peinlichſten Lehrzeit unterwerfen. Wer hätte aber auch denken können, daß man mich die Kochkunſt hätte erlernen laſſen, um mir das Talent zu er⸗ werben, zu leben ohne zu eſſen und meinen Magen durch den Anblick der Orgien meines Herrn zu ſättigen? Wenn er von ſeinem Vater ſeinen Zuſchuß erhielt, trank er nur Champagner; wenn er kein Geld mehr hatte, trank er nur Branntwein. Er trank aber immer und legte die Karten nicht aus der Hand. bemerken, daß ſehr wenige unſrer jungen Officiere das militäriſche Leben anders auffaſſen.

Während der viertehalb Jahre, die ich im Dienſte

ſehen, gut ange⸗ n Herrn den Be⸗ finden. Er war Studium nichts Jahr doch iel Zeit erfordert, um ihn auszu⸗ volf Jahren aus, r Partie ziemlich Lommando nicht

beſonders Merkwürdiges dar. Das Elend, das ich zu lei⸗ den hatte, habe ich überall angetroffen. In allen Ländern, ja ich glaube, faſt in allen Stellungen, gibt es Leute, deuen es begegnet, daß ſie nichts zu eſſen haben und daß ſie ſich ohne Wäſche und Kleider finden. Ich beklage mich

dt, wein Herr. ätte ich aber den t geglaubt haben, ſe Zahl der Aus⸗n , aber die Ruſſen was ſich ſelhſt bi der mich mein Ungeſchick in meinen verſchiedenen Profeſ⸗ ar macht. Man ionen ununterbrochen ausſetzte. Da die Fehler des Tape⸗ keuchtung und ôſe zirers, des Haarkräuslers, des Kochs u. ſ. w. auf mich nichts mehr oder allein fielen, ſo hatte ich viel zu ertragen, indeſſen der t ſi bereite ſch Magen gewöhnt ſich ans Faſten, die Moskau halte das Geſicht an die Ohrfeigen; w atte dortwieein gemacht bin als Andere. Oft habe ich während der Nacht lte ich wich gen; aden Nachbarn, ſogar den Freunden meines Herrn Heu ge⸗ ertrockget. ſtohlen, das iſt es, was ich beklage; ich klage mich indeſſen

Drille folge.

hielt einige Ohrfeigen für die Kühnheit, in Gegenwart

Uebrigens hatte ich Gelegenheit zu von Iwan Simeonitſch blieb, bietet meine Geſchichte nichts nicht darüber, eben ſo wenig über die ſchlechte Behandlung,

Seele an die Sorge, ofern ich nicht anders

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deshalb nicht an, denn ich gehorchte, und dann war es, wie Sie wohl denken können, nicht für mich, ſondern für meine Pferde. Dieſe Gewiſſenhaftigkeit wird Sie wun⸗ dern, wenn Sie die Leute meines Standes ein wenig ken⸗ nen. Sie können glauben, daß die Nothwendigkeit ihre Entſchuldigung iſt. Ein Menſch mag als Schurke geboren werden, aber daß eine ganze Claſſe, die aus mehreren Mil⸗ lionen Individuen beſteht, geboren wird, lebt und ſich er neuert und immer zum Unglück von einem und demſelben Laſter befallen iſt, erſcheint das Ihnen wahrſcheinlich? Darunter iſt etwas verborgen, doch das iſt nicht meine Angelegenheit.

Karten, Champagner und Pferde machen dem größten Vermögen ſchnell ein Ende. Simeon Aphanaſitſch wünſchte mehr aus Stolz als aus Liebe, daß ſein Sohn die Rolle eines großen Herrn ſpielen ſollte, und das kam ihm theuer zu ſtehen. Bald ſah er ſich gezwungen, Geld zu leihen, um Iwan Simevonitſch die Mittel zu ſeinen Tollheiten zu verſchaffen, der ſeinerſeits ebenfalls Schulden machte. Die

Zerrüttung ſeiner Angelegenheit zerſtörte ſeine Geſundheit, und während ſein Sohn ein fröhliches Leben führte, erloſch das ſeinige in Folge des Kummers und der Verzweiflung. Er hinterließ ſeinem Sohne ein Gut, das bis zu drei Vierteln ſeines Werthes mit Hypotheken belaſtet war. Die Gläubiger bedienten ſich des Jägerrechts und bemächtigten ſich der Einkünfte des Gutes bis zur Tilgung ihrer Forderungen. Iwan Simeonitſch, der ſich auf eine kaum genügende Rente beſchränkt ſah, beweinte ſeinen Vater und ſeine eigne Verſchwendung. Er rief die wenigen Leibeigenen, die ihm übrig blieben, zu ſich, gab jedem ſeinen Reiſepaß und ſchickte ſie, ohne auf die Familienbande Rückſicht zu nehmen, nach verſchiedenen Richtungen, indem er ihnen eine jährliche Abgabe von zehn, funfzehn oder zwanzig Silber⸗ rubeln auflegte.

Du, ſagte er zu mir,wirſt auch abreiſen; Du haſt Erziehung erhalten

ne große Jalh ſtlichen nicht ſe d. Ein päpſilt elagelungéunte rdnt, ruͤhwt ihre Lob die Unſtekente m ſein Aher üler mir duich ſe

¼ 8 ſie behandeln werden, bald erfahren, was

ar ſie wirklich ſind. Die wscaniſche Regierung theilte d

em Vater mit, daß ihr Aufenthalt

üſterreichiſche Geſandte proteſtirte ſogar Aufenthalt in der Schweiz, und von Jerome kam ein Brief, der in ſichere Ausſicht ſtellte, daß die Oeſterreicher das Todesurtheil an den beiden Prinzen vollziehen würden, ſobald ſie ihrer habhaft Jjeworden. Der bedrängte Vater kam faſt von Sinnen, als alle ſieſe Befürchtungen durch den Heranmarſch der Oeſterreicher zur Wahrheit zu werden drohten.

1 Hortenſe konnte nicht länger ſeinen Bitten und wohl auch beiden tlen, erth Am Drange ihres eigenen Herzens widerſtehen, die Gefahr von ihren ruck underreit e ſo viele Befürchtungen ſie

gegen ihren ſpäteren

Swelatione el und Dpuati Seiten ellle

1 Döhnen abzuwenden, nung hinge nochte, weil ſie dieſelben nicht etwa eingegangenen Verpflichtungen

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Schact

in ißlingen des durch einen Engländer, der Verbindlichkeiten gegen ſie hatte, einen das Miß falſchen Paß beſorgen, auf dem ſie als Engländerin, die mit ihren

eabſichigte beiden Söhnen durch Frankreich nach Louis hatte war. Gleichzeitig erhielt ſie von der to verlornen ricctigen Paß nach der Romagna.

ihm zu⸗ ausgerüſtet,

der b scaniſchen Regierung einen

n Mit dieſen beiden m ſe

eauf ſeinen Plan eingehen und mit na nach Corfu flüchten. Da ſie den Chare es, welcher mit dem verſchwiegenen des nbeit ſein anlauzüngſt⸗ 1 Sohnes nicht die geringſte Aehnlichkeit hatte, genau 3 waren der Brie kannte: ſo glaubte ſie, ihren wahren Plan am beſten zu verſtecken, Nutte ſ dieſindem ſie ihm unter dem Siegel des Geheimniſſes einen falſchen

ein ihn den Prinzen über Anco Bruders ſ. Söhne Charakter ihres Mann

dieße.V halti Urwemne⸗ den er in ſeiner Schwachköpfigkeit bald an die rechte ich Puindelgen dreſſe brachte. ſſe, in Weiſe, 4 F

im Großherzogthum nicht länger geduldet werden könne; der

auch ſelbſt hegen

er Ne de Heſis gehalinn untreu machen wollte. Nun zögerte ſie nicht länger, ließ ſich

London reiſe, bezeichnet

ch 0. d Päſſen trat ſie ihre Reiſe an, nachdem ſie vorher ihren Gat⸗

Ueber Perugia, wo noch in Bändern und Kokarden ein harmloſer Freiheitslenz in Blüthe ſtand, erreichte ſie Foligno, wo ein Geſpräch mit dem General Sercognani ſie bald in den ganzen Ernſt der Lage einweihte. Durch einen Boten, den dieſer General nach Ancona ſchickte, ſandte ſie ein Schreiben an ihre Söhne mit, in welchem ſie dieſelben ermahnte, für ihre Sicherheit Sorge zu tragen und ihr mitzutheilen, welchen Weg ſie im Falle einer Niederlage nehmen würden, da ſie jedenfalls mit ihnen zuſammen⸗ zukommen hoffe. Bald aber erfuhr ſie, daß die Aufſtändiſchen vor den heranmarſchirenden Oeſterreichern von Bologna geflohen, und daß ihre Söhne in Forli ſeien. Ungeduldig unternahm ſie die Reiſe nach Forli, doch ſchon auf der erſten Poſtſtation ward ihr die Trauerkunde, daß ihr erſtgeborner Sohn Napoleon an den Maſern ſchwer erkrankt ſei, und bald darauf erhielt ſie die erſchütternde Nachricht von ſeinem Tode. In Peſaro umarmte ſie ihren jüngſten Sohn, der treu ſeinen Bruder bis zum letzten Augenblicke gepflegt und trauernd bekannte, er ſtehe jetzt allein in der Welt und habe ſeinen einzigen Freund verloren. Doch die Noth des Augenblicks duldete keine thatloſe Hingabe an den Schmerz. Schon flohen die Führer des Aufſtandes nach Ancona, und am Strand von Peſaro ſah man auf der Spiegelfläche des adriatiſchen Meeres die weißſchimmernden Segel der öſterreichi⸗ ſchen Schiffe, die auf Sinigaglia zuſteuerten. Es galt Eile! Louis Napoleon war von der Amneſtie ausgenommen, welche der öſterreichiſche General verkündet hatte. Mutter und Sohn fuhren nach Ancona, wo ſie in einem den Bonaparte's gehörigen Schloß abſtiegen, welches ſo dicht am Strande lag, daß die Wogen des Meeres aufſchäumend an die Fenſter des von ihnen bewohnten Zimmers ſchlugen. Dies Meer ſchien der einzige Rettungsweg,