und umhüllte dieſes geiſtig reiche Leben und Blühen, das ſich veilchenhaft ſchüchtern der Außenwelt entzog, und un⸗ gekannt und ungenannt die Ströme der Poeſie in goldenen Klängen in die Welt ſandte.—
Nun iſt ſie aus dem Dunkel dieſer Erde in jene lichte Welt entrückt. Der holde Mund iſt verſtummt, der ſo zauberhaft ſüß ſang, daß es die tiefſten Saiten unſerer Herzen in Wonne und Schmerz erbeben ließ. Der edlen Hand, die nach des Lebens Wahrheit unabläſſig ſuchte und forſchte, iſt der Griffel entfallen, der in einfach ſchlichter und dennoch echt künſtleriſcher, poetiſcher Weiſe Bilder der Natur und des Seelenlebens mit ſeltener Treue und vollen⸗ deter Form zeichnete. Jetzt drängt es mich aus vollem Herzen, auf das Grab der Frühverklärten einen Blumen⸗ ſtrauß des Dankes, der Anerkennung niederzulegen; es treibt mich, den Kranz, welchen ihr ſchönes Talent ihr ſelbſt
gewunden— und den nur die große Beſcheidenheit der Lebenden zurückwies— um den Grabhügel der Verſtorbe⸗ nen zu ſchlingen, den Namen:—„Marie Peterſen“—
damit zu ſchmücken.
Lange habe ich angeſtanden und um mich geſchaut, ob nicht eine würdigere Hand, als die meine, dieſes Liebeswerk
verrichten würde vergebens. Der Grund dieſes Schweigens liegt wohl darin, daß ein ſo tiefes Geheimniß
die Dichterin umſchwebte. Wie ſo Viele während ihres
Lebens trotz alles Forſchens nichts Näheres über ſie er—
fuhren, ſo wiſſen dieſe gewiß ebenſo wenig, daß ſie ſchon in
kühler Erde ruht.— Obgleich ich nie im Leben Marie Peterſen geſehen, nie und in keiner Weiſe in irgend einer Beziehung zu ihr oder einem Gliede ihrer Familie geſtan⸗ den habe, ja nur durch Zufall ihren Namen erfuhr, ſo war ſie mir dennoch keine Fremde. Durch ihre Schöpfungen hatte ich in ein Herz geſchaut, das ungewöhnlich reich und warm ſchlagen mußte; eine Gemüthstiefe, ein Seelenleben hatte ſich mir enthüllt, deſſen ganze Richtung etwas unbe⸗ ſchreiblich Anziehendes für mich hatte. Ich liebte und be— 4
Novellen-Zeitung.
wunderte die mir unbekannte Dichterin, nicht nur wegen ihres reichen Talentes, ich ſchätzte ſie mehr noch um das reine Streben, um den lauteren Sinn, den Geiſt, der durch ihre Schriften wehte. Sie mußte groß und edel ſein, das ſtand feſt bei mir. Und alles Gute und Schöne, was ich von ihr geglaubt und vorausgeſetzt, hat ſich beſtätigt. Eine Freundin der Geſchiedenen hat jetzt auf meine Bitte mit freundlicher Bereitwilligkeit mir einige Mittheilungen über ſie gemacht, und aus dem ſchönen Rahmen eines innigen, beglückenden Familienlebens tritt mir das ganze Sein der edlen, hochbegabten Jungfrau wie ein leuchtendes Bild entgegen.
Gewiß iſt es ſchwer, ein, wenn auch nach außen ſtilles, geräuſchloſes, dennoch ſo reiches inneres Leben mit wenigen Strichen darzuſtellen und treu wiederzugeben, ſchwer, eine ſolche Fülle von Geiſt, Gemüth, Poeſie in einem engen Raum zuſammenzufaſſen. Ich habe es dennoch nach beſten Kräften verſucht, in dem Glauben, daß die folgenden Zei⸗ len wohl Manchem einen willkommenen Aufſchluß bieten über das Sein und Weſen Einer, die unter den deutſchen Schriftſtellerinnen wahrlich einen hohen, würdigen Platz einnahm und immer behaupten wird. Den vielen Freun⸗ den, welche die unbekannte Dichterin der„Prinzeſſin Ilſe“ ſich erworben, reiche ich meine Gabe dar als ein Er⸗ innerungsblatt an Sie.
Marie Peterſen war die Tochter des jetzt noch in Frank⸗ furt an der Oder lebenden Stadtrath Peterſen. Schon in frühſter Jugend entwickelte ſich bei dem ſinnigen, reichbe⸗ gabten Kinde das poetiſche Talent. Kleine deutſche Aus⸗ arbeitungen für die Schule wurden unter ihrer ſchöpfe⸗ riſchen Hand zu Novellen, die Heroen des Alterthums zu dramatiſchen Geſtalten. Jemehr ſie heranwuchs, jemehr trat ihr herrlicher Charakter an das Licht. In Marie war Rein ſeltener Zuſammenfluß hoher Geiſtes- und Herzensvor⸗ züge, wie er ſich nicht oft in einem Menſchen vorfindet. Sie zeigte eine Vereinigung echter Weiblichkeit und Güte,
jede beiläufige Aeußerung von ihm oder von ſeinen briefwechſelnden Zeitgenoſſen über ihn, wie ein Evangelium vor uns ausbreiten. Sie beweiſen durch dieſe literarurgeſchichtlichen Trodlerſpecula⸗ tionen nichts beſſer als ihre eigene Armuth, denn wer fortwährend Regenwürmer gräbt, deſſen Geiſt kann wahrlich nicht viel zu ver⸗ ſäumen haben.
Goedecke zeigt mehrere hervorſtechende Eigenſchaften. Er iſt frei von Pietismus, eine Nebelwolke, die ſchon manchen Literatur⸗ hiſtoriker in die Irre geführt hat. Ferner geht er ſowohl gründlich als rückſichtslos zu Werke und ſchont Niemanden durch kleinlich vermittelnde Ausgleichungen.
Dieſe ſtrenge Gerechtigkeit erſtreckt ſich bis auf die Koryphäen ſelbſt, und dies gerade iſt erfreulich, denn eine fortwährende Be⸗
wunderung würde endlich die Oppoſition einiger geiſtvollen Unzu⸗
friedenen herbeirufen, und wenn durch ihre Polemik auch keine könnte, ſo würde doch die
Beſchädigungnunſrer Herven entſtehen Ruhe des allgemeinen Urtheils dadurch leiden.
Wir rücken hier ein paar ſolcher einſchränkender Stellen
neben einander. Goedecke ſpricht von dem Briefwechſel mit Zelter
und Goethe's Brief an dieſen, als derſelbe ſeinen Sohn verloren hatte:„Im Uebrigen iſt dieſer Brief Goethe's das echte Muſter ſeines geſuchten und geſpreizten Altersſtyls, dem vor lauter er⸗ zwungenen Betrachtungen der reine menſchliche Herzenston nicht mehr gelingen will. Der Briefwechſel wurde von jetzt an lebendiger, und Goethe ſchrieb mit dem klaren Bewußtſein und feſten Willen, daß die Briefe veröffentlicht werden ſollten. Alles, was von ihm darin erſcheint, iſt aus dieſem
berechneten Geſichtspunkte zu faſſen.“...„Auch mit ſeinem Hausgenoſſen Riemer wechſelte
Goethe Briefe, die freilich nur für Feſtſtellung äußerer Data Werth haben; von der einen Seite ſind ſie wie die freund⸗ lichen Befehle eines Brodherrn an ſeinen Hausofficianten(wie ſelbſtſtändig derſelbe auch geworden ſein mag), von Riemers Seite wie die in allerſubmiſſeſter Devotion gewagten Schäkereien eines um das beifällige Lächeln Seiner des„Geheimbdenraths Excel⸗ lenz“ buhlenden Kammerdieners. Mit ſolchen Menſchen umgab ſich Goethe, um nur ja der Welt und ihrer Aufregung recht fern zu bleiben.“... „Da wo Goethe nicht unmittelbar(im weſtöſtlichen Divan) entlehnte, iſt es auch in den übrigen Theilen des Divan wie mit dem Buche Suleika gegangen; es wurden Liedchen und Sprüche, die ohne Zwang unter den zahmen Kenien oder den Liedern der geſammelten Gedichte ſtehen konnten, durch einige orientaliſche Wöͤrter oder Anſpielungen, oft nur durch die Miſchung ſolcher Stücke unter das Entlehnte, orientaliſirt. Dazu reichte die Er⸗ wähnung des Euphrat, Hafis, Mahmuds, eines Mufti oder Ferwa, der Houris oder Weſſire aus; die Nachtigall brauchte nur Bulbul, der Katzenjammer nur Bidamagbudon genannt zu werden. Das Ganze war ein lange fortgeſetztes Maskenſpiel; keine Verwandlung, nur eine Verkleidung... Seine Formen, die gut deutſch ſind, hat man als Beweis anführen wollen, daß bei deutſchen Dichtern, ſelbſt wo ſie orientaliſiren, die Form doch immer eine heimiſche bleiben müſſe⸗ Es iſt gewiß eine Täuſchung, aus Goethe's ahnungsloſem Verfahren ein Geſetz der Nothwendig⸗ keit bilden zu wollen. An ihm lag es nicht, wenn er den Orient nicht bis ins Kleinſte nachbildete. Er, der arabiſche Buchſtaben zierlich nachmalte und orientaliſche Worte hieroglyphiſch aufnahm, die Gedichte zierlich umränderte und die Bücher mit leeren Namen
—
nibſterſe und durch danntziſ dr Kunf zichtunge in die wierder dufiſte und nu llähend ffinden welche Und d ugkei Wäalt iAT
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