Jahrgang 
28-52 (1859)
Seite
628
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Da berührte Felicia mit ihren kirſchrothen Lippen den Rand des Bechers und reichte ihn, ſich verneigend, dem Paul, der ihn zitternd nahm und an die Lippen ſetzete. Unterdeſſen hatte der Meiſter auch mir zugetrunken. Strömte mir ein wild unbekannt Feuer durch die Adern, und es legte ſich mir vor die Augen wie ein rother Nebel, durch welchen die Augen Felicia's wie die Sterne funkelten.

Eia, Meiſterlein, rief der italiſche Goldſchmied, Wein von Cypern! Wohl bekomm's und laßt Euch ein⸗ ſchenken! So!... Schauet Euch aber, ehe ihr weiter trinket, einmal das Becherlein an; das iſt das Werk des trefflichen Künſtlers Benvenuto Cellini, der die Falkaune losbrannte auf der Engelsburg, welche den Conneſtable niederwarf von der Sturmleiter in den Mauergraben der ewigen Stadt Rom! Wand ſich ein Gewühl nackter Hei⸗ dengötter und Dirnen, ziegenfüßiger Ungeheuer und wilder Pantherthiere um den Becher, und ſchien's mir faſt, als ob das heidniſche Weſen lebendig ſei. Tanzten die Menſchlein und ſchwangen Laubſtäbe, ſprang das bocksbeinige Unge⸗ thier mit Schläuchen auf den Schultern einher, ſtreckten ſich die Panther, und wand und ſchlang das Alles ſich durch einander, daß ich beinahe das Gefäß hätte fallen laſſen, wenn mich nicht das Lachen des Meiſters Malco er⸗ wecket hätte. Dieſes Gelächter galt aber der Tochter, die ſich vergeblich bemühete, den erſtarrten Paul in ein Ge⸗ ſpräch zu ziehen, und drohete der Meiſter ſchalkhaft mit dem Finger und ſagte:Wenn das Dein Verlobter Lucio in unſerer ſchönen Vaterſtadt Florenz ahnen könnte! Ei, ei, Töchterlein! Da ward die Felicia roth wie ein weißes Röſelein, wenn die Sonne aufgeht, und lächelte gar ver⸗ ſchämt und glücklich, und ich mußte bei dieſem Lächeln an einen Waldbach denken, der aus dem dunklen Grün luſtig hervorſpringt in einen hellen blumigen Wieſengrund.

Weh, weh, was iſt aus dem herrlichen Geſchöpfe Got⸗

tes geworden!....... Der Paul neigte bei den Worten des alten Meiſters das Haupt tief auf die Bruſt, und die

Novellen⸗Zei

lung.

Hand, mit welcher er ſein Trinkglas hielt, zitterte gleich einem Laubblatt im Sturmwind: Einen Andern liebte ſie und dachte an ihn und hegte ſein Bild in ihrem Herzen!

Indeß lief die Sanduhr auf dem Nebentiſche aus, und auf den Thürmen läutete man die Bet⸗ und Türkenglocke; da mußt' ich ſcheiden, denn man erwartete mich zu Hauſe. So nahm ich Abſchied von dem Meiſter und der ſchönen Felicia, die mich liebreich einluden ferner zu kommen, und ließ ich den Paul zurück in ihrer Mitte. Ging ich faſt ge⸗ tröſtet fort, denn das holdſelige Bild der italiſchen Jung⸗ frau hatte mich wunderſam überzeugt, daß von ihr nichts Böſes kommen könne. Wehe, Wehe! Nieder fiel es nach der Fügung Gottes wie ein Donnerſchlag, und ich weiß nicht, wer von den drei Unſeligen die Schuld auf ſich ge⸗ laden hatte, deren Sühne alle drei treffen ſollte!

Nun ward es Sommer im Land; ſtill und ruhig floſ⸗ ſen mir die Tage und Wochen dahin; denn ich arbeitete viel, weil ich im kommenden Jahr 1560 mit Gottes Hülfe nun auch nach Wittenberg gehen wollt', nach dem Ort, wo das heilige Licht des neuen reinen Glaubens zuerſt aufge⸗ gangen iſt und durch des Allmächtigen Gnad' noch hell leuchtet. Traf mich oft die rothe Morgenſonne über mei⸗ nen Büchern, und trompetete mich der Hahnenſchrei oft ge⸗ nug ins Bettlein, daß ich ganz bleich und mager ward vor vielem Studiren.

Aber leider der Paul Halſinger ward noch viel bleicher als ich, und der Ohm Bettzer klagete mir, daß die Unhol⸗ din, die den Vatex des Paul vergeben habe, auch den Scholaren ins Verderben gezaubert haben müſſe, und ſchwor gräßlich, zu dem nächſten Scheiterhaufen, welchen der Rath der Stadt einer Hexe anzünden ließe, drei Holz⸗ ſcheite mit eigener Hand zuzutragen. Ach, er wußte noch nicht, daß der böſe Zauber, welcher den Paul verdarb, in den ſchwarzen Augen der ſchönen Felicia in der venediſchen Straße liege! Er erfuhr es aber!

Der Paul ſelbſt vermied mich ſchier, obgleich er überall

Feuilleton.

9,dd

Zeitenſpiegel. Zur Sittencultur der amerikfaniſchen Selavenſtaaten.

Wenn wir in dem Nachſtehenden die Quinteſſenz einer treuen Schilderung Armand's, deſſen kürzlich erſchienene Erzäblungen ac. wir in Nr. 37 dieſes Blattes erwähnten, mittheilen, welche ein ſehr abſchreckendes Gemälde bietet, ſo wünſchen wir damit nicht den Sinn unſrer gefühlvollen Leſerinnen zu verletzen. Wohl aber wird es auch ihnen, wie allen gebildeten Geiſtern, intereſſant ſein, durch die Thatſache amerikaniſcher Gebräuche mit Wehmuth. die Herzensrohheit und den frivolen niedrigen Egoismus der van⸗ daliſchen Amüſements kennen zu lernen, welche die Cultur und chriſtliche Geſinnung Amerika's zur Zeit noch beſchmuzen. Der Mitmenſchwird zum Thier erniedrigt und beträgt ſich eben deß⸗ halb wie ein ſolches, und man erſchrickt vor den Conſequenzen, die aus ſolcher Moral künftig erblühen werden. Ihr langer Arm dürfte bis über's Weltmeer reichen.

Der Verfaſſer erzählt einen Negerkampf, wie ihn, mit Reſpect zu ſagen, die Gentlemen in den Grenzbezirken nicht nur dulden, ſondern gern ſehn:

Die Glocke rief zur Kirche, und während die frommen Ge⸗

ſänge aus den offnen Fenſtern hervordrangen, wurde der Lärm und das wilde Toben vor dem Trinkhauſe immer lauter. Es hatte ſich über ein Dutzend Neger aus der Umgegend in der Straße vor demſelben verſammelt, deren Herren entweder ſchon nach Hauſe geritten, oder heute gar nicht in der Stadt geweſen waren. Sie warteten darauf, daß man ſie, wie dies ſo häufig an Wahl⸗ oder Gerichtstagen der Fall iſt, auffordern möchte, zur Beluſtigung des Volkes mit einander für eine ausgeſetzte Summe Geldes zu kämpfen.

Höre, Dan(Daniel), wir müſſen gemeinſchaftliche Sache machen, ſagte Aron, ein Neger von rieſenhaftem herculiſchem Körperbau, zu einem großen ſehnigen Mulatten, indem er ihn auf die Seite zog,die Kerle da können uns den Rang nicht ſtreitig machen; wir nehmen es beide mit einem Dutzend ſolcher Zwerge auf. 3

Verſieh Dich in Hugh(Hugo) nicht, er iſt full game(echter Kämpfer); ſo klein der Kerl iſt, hat er doch eine Löwenkraft und ſeine Fäuſte kneifen wie eiſerne Schraubſtoͤcke, erwiderte der Mulatte, ſeitwärts nach den andern Schwarzen hinblickend, zwi⸗ ſchen welchen beſagter Hugh, ein kleiner breitſchulteriger Neger, die Aufmerkſamkeit der vor dem Trinkhauſe verſammelten Weißen

[V. Jahrg.

R. 40]

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