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Pfand!“
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Nr. 40 Drille
Der Student von Wiftenberg.
Von
Jakob Corvinus.
(Schluß.)
„Da erblickte ich den Paul wieder. Als ein leichtſin— niges und leichtfüßiges Bürſchlein hatte ich mich auch her⸗ ausgemacht, das Getümmel zu ſchauen, und hing an dem Fußgeſtell des Reiterbildes Kaiſer Ottens auf dem Markte. Da ſpülte eine große Welle Volks den Scholaren heran.
Ich kannte ihn faſt nicht wieder! Er war bleich und abge⸗ magert und ſein Lockenhaar hing in Unordnung um ſeine Stirn, ſeine Lippen waren zuſammengepreßt, und ich mußte an das Wort der Offenbarung denken——„ſie zerbiſſen ihre Zuugen vor Schmerzen.“— Er ſah mich nicht; ich griff ihn beim Arm und zog ihn hinauf zu meinem ruhigen Standpunkt. Da wollte ich ihn ausfragen, aber er ant⸗ wortete nicht, ſondern ſchaute nur ſtieren Blicks in das Ge— tümmel, wie Einer, der nichts von ſich weiß. Plötzlich aber wurden ſeine Augen weit und ſtarr und ſeine Hand faſſete die meinige, daß ich vor dem Druck faſt aufgeſchrien hätte.„Da, da!“ ſtöhnete er hervor und wies in die Menge zu unſern Füßen.„Felicia!“— Wie ein Blitz war er hinunter von unſerm Standpunkt. Ich erkannte in einem tobenden Volkshaufen den Meiſter Malco, an deſ⸗ ſen Arm ſich ängſtlich ein verſchleiert Weib angeklammert hatte; denn der rohe Haufen hatte ſich an die Fremden ge⸗ hängt, und waren ſie in ziemlicher Noth. Wie ein Wüthen⸗ der war Paul Halſinger zugeſprungen, das Volk abzuweh⸗ ren, und auch ich eilte ihm zu helfen; aber es wäre uns faſt übel gegangen, hätte es nicht Gott gefügt, daß in die⸗ ſem Augenblicke der Ohm Beltzer mit ſeiner Schaar ge⸗ zogen kam,
wir ſo glücklich aus dem Aufruhr und der Gefahr heraus auf den Breiten Weg, wo der Ohm uns entließ, indem er mit ſeiner Manipul nach dem Sudenburger Thor zu zog, während wir die Gaſſe hinaufſchritten, der venediſchen Straße zueilend. Der Meiſter Guarnieri wußte faſt nicht, wie er uns ſeinen Dank ausſprechen ſollt, und die ſchöne Felicia hatte ein wenig ihren Schleier zurückgeſchlagen und lächelte uns ſo holdſelig zu, begreifen anfing. So kamen wir vor das Haus des Mei⸗ ſters Malco, und dieſer beſtand darauf, daß wir ihn hin⸗ einbegleiten ſollten. Ich zauderte faſt ein wenig, aber ein
Alick Felicia's machte allem Verweilen ein Ende, und ſo
ſtieg ich mit die dunkle ſteile Treppe hinauf. Von außen
der ließ den Meiſter Malco und die ſchöne Fe⸗ licia zwiſchen die Reihen der Söldner treten, undgelangten
daß ich nun wohl den Paul zu
folge.
ſah das Haus ſchier unanſehnlich und verfallen aus, und das Geländer der Staffel war feucht und ſchwarz,
aber wie erſtaunte ich, als uns, nachdem wir oben ange⸗ langt waren, eine alte Frau die Thür des Wohngemaches öffnete! In eine verwunderliche Pracht ſchauete ich hinein! Ein herrliches Gemach that ſich vor uns auf; rothe gold⸗ geſtickte Tapeten hingen an den Wänden, ein feurig Licht blitzte durch die gemalten Fenſterſcheiben, und über einem mit köſtlichem Geſchirr bedeckten Tiſche ſchaukelte ſich in einem ſilbernen Ring ein unbekannter Vogel mit funkelndem Gefieder und begrüßte uns kreiſchend. Die ſchöne Felicia war uns entſchlüpft, und der Meiſter ſagte in ſeinem ge⸗ brochenen Deutſch, indem er uns zum Sitzen einlud: „Wird meine Tochter wohl ſogleich wieder erſcheinen, wird ſich aber wohl erſt putzen nach Weibergewohnheit, Ihr wiſſet ja als gelehrte deutſche Scholaren, dum comuntur, dum moliuntur... und wie es weiter heißt, meine Geſel⸗ len! Ei, was muß ich Euch danken für Euere Hülfe in der Noth! Wie werd' ich doch erfreut ſein, wenn ich erſt dieſe böſe Stadt verlaſſen kann! Aber da iſt meine Tochter!—“
„Ein Vorhang erhob ſich— ich hätte faſt die Hand auf die Augen drücken müſſen, ſo blendete die Grſcheinung, die da herfürtrat im purpurnen Sammetkleide, der Nacken und die milchweißen Aermlein blitzend im Sch muck der köſt⸗ lichen Steine, das ſchwarze Haar wie die Nacht herabfal⸗ lend auf die Schultern.— Seitwärts beobachtete ich, als wir uns erhoben, den Paul. Er ſtand wie ein Wachsbild, die Augen feſt auf die ſchöne Maid gerichtet; noch kein Wort hatte er geſprochen.
„Lächelnd ſchritt Felicia auf uns zu und redete uns gar freundlich an, und mußte ich mich faſt über nigh ſelbſt ver⸗ wundern, daß ich ſo gut ihr antworten konnte, da ich doch ſonſt den Frauen gegenüber vor Blödigkeit faſt vergehen wollte. Sie kann kein bös Bild ſein, dachte ich bei mir, und erſtaunte nur immer mehr über den Paul, welcher keinen Laut hervorbrachte, und der doch ſeinem Lieb gegen⸗ über ſaß, und ſonſt bei den Dirnen gar nicht ſtumm war. „Nun wolle es euch gefallen, einen Imbiß mit uns ein⸗ b zuneh)men, den ich hab herrichten laſſen,“ ſagte Felicia, und der Meiſter Malco ſchritt uns voran in ein anderes Ge⸗ mach und führete uns an ein prächtiges Täfelein, da ſetzeten wir uns; die Maid dem Paul Halſinger gegenüber. Der Goldſchmied füllte einen Goldbecher mit funkelndem Wein, reichte ihn der Tochter und ſprach:„Credenz ihn doch dem blöden Scholaren da, der vorhin ſo ritterlich geſtritten und V geſprochen hat und jetzt thut, als ſäß er in einem Collegio, Herrn Melanchthonis oder Herrn Eberi conciones nach⸗ V ſchreibend.“


