der Literatur; ſie profaniren, ſie zerpflücken jede Idee; un⸗ möglich, ihnen gegenüber neu zu ſein; ſie haben immer einen Vorſprung von vierundzwanzig Stunden vor der rapideſten Inſpiration; ſie verderben alle eigentlichen Vorwürfe. Und dazu nehmen Sie nunzgnoch den biſſigen und bitteren Ton, der ſich der Preſſe bemächtigt hat. Nichts kann vor den Augen unſrer literariſchen Makler noch Gnade fiuden. Der Ueberdruß iſt Mode geworden, man hüllt ſich in ihn, wie in ein Kleid, und dann ſind unſere Grünlinge der Feuilletons ſo gründlich blaſirt, daß ſie an dem Zuckerwerk, das wir ihnen vorſetzen, vor Ekel ſterben möchten.“
Dieſe Tirade wurde in einem anziehenden und eindring⸗ lichen Tone geſprochen; der berühmte Mann ſchwieg, um die hervorgebrachte Wirkung zu genießen.
Sein Zuhörer begnügte ſich mit einem ſchweigenden Beifall; er dachte an den Zweck ſeines Beſuchs und fürch⸗ tete, er könnte in Vergeſſenheit gerathen.
Sein unruhiger Blick wurde verſtanden.
„Verzeihen Sie, mein Herr; kommen wir auf Sie zu⸗ rück. Ich werde mir dies Drama anſehen, wenn Sie es mir hier laſſen wollen. Haben Sie noch außerdem Ctwas?“
Alles dies war etwas kühler geſprochen, als im Anfang der Unterredung.
„Einen hiſtoriſchen Roman, von dem ich Ihnen ein Capitel bringe.
„Ah! ah! unglücklicherweiſe iſt das Publieum Compo⸗ ſitionen der Art etwas müde geworden. Es iſt für die Leſer gewöhnlichen Schlags eine etwas zu kräftige Speiſe. In Frankreich herrſcht jetzt die Aufklärungsſucht; ſie will nur leichte Nahrung, Novellen von vierundzwanzig Seiten und Gemälde von vier Fuß. Indeſſen, mein Herr, will ich ſehen. Und bis jetzt iſt es Ihnen nicht gelungen, etwas bei einem Verleger anzubringen?“
„Nein.“
„Sie kennen keinen Herausgeber eines der Journale?“
„Keinen.“
Noveſlen⸗Zeitung.
[V. Jahrg.
„Dann wird es mit dem Erfolge langſam gehen; aber man muß Muth und Geduld haben.“
„Ich habe ſie ein Jahr lang gehabt; aber ich fühle das Bedürfniß, nicht mehr zu lange warten zu müſſen.“
Er legte auf das Wort einen ſchmerzlichen Nachdruck, als ob er gegen die Spitze eines Dolches, der ihm in die Bruſt gedrungen war, drückte.
Es trat eine Pauſe ein; der berühmte Mann erhob ſich.
„Ich werde Alles, was in meinen Kräften ſteht, thun, um Ihnen behülflich zu ſein, vorerſt werde ich dieſes mit Aufmerkſamkeit durchleſen.“
„Wann darf ich wiederkommen?“
„Nun, in acht Tagen etwa.“
Und er geleitete den jungen Mann bis zur Thür. Kaum war dieſer fortgegangen, ſo murmelte er:
„Wieder ein Wahnſinniger, der beſſer daran gethan hätte, in ſeiner Provinz zu bleiben. Nach ſeinem Briefe erwartete ich einen literariſchen Antinous zu ſehen; das hätte etwas zu ſtudiren gegeben; aber dies iſt ein armer Teufel, der zweihundert andern armen Teufeln auf's Haar gleicht: ſchwarzer Anzug, weiße Handſchuhe, und die Taſche mit Manuſeripten vollgepfropft.“
Er zuckte die Achſeln und ging in ſein Arbeitszimmer. V
Acht Tage ſpäter kam der junge Mann, ſich ſeinen Be⸗ ſcheid zu holen; er fand Niemanden. Zwei andere Viſiten hatten eben ſo wenig Erfolg. Endlich erhielt er ſeine Ma⸗ nuſeripte mit einem Briefe von zwölf Zeilen zurück
Man hatte Alles ſehr ſchön gefunden; man forderte ihn auf, fortzufahren; verſicherte ihn einer aufrichtigen Theil⸗ nahme, und nannte ſich ſchließlich ſeinen ganz ergebenen Diener..
Eine Woche ſpäter, als die Familie Poireau bei Tiſche ſaß, brachte man die angekommenen Briefe.
„Hier iſt einer für Dich, Roſe,“ ſagte Vater Pyireau, ihr von ferne ein kleines Packet mit dem Poſtſtempel Paris zuwerfend.
Hoche nichts weiter als die Praxis eines ausſchließlichen Cultus für das Andenken des Helden, deſſen Namen ſie trug. Noch andre ſchmerzliche Prüfungen ſtanden ihr bevor. Im Jahr 1802 verlor ſie bei der Expedition gegen Sanct Domingo ihren Bruder, einen Artillerieofficier, und ihren Schwager, den General de Bell. Ein einziger Tag in ihrer langen Witwenſchaft rief ihr die ſo glänzende Vergangenheit zurück; es war der Tag, an dem die Stadt Verſailles dem General Hoche auf einem ihrer öffentlichen Plätze eine Statue errichtete.
Madame Hoche vereinigte mit dem Adel der Seele den liebenswürdigſten und ausgebildetſten Geiſt, eine ſehr belebte Unterhaltung, die zugleich viel Intereſſe und Reiz darbot. Alle, die ſie gekannt haben, werden die Erinnerung an ihren ſo wohl⸗ wollenden Umgang, an ihre liebenswürdige Gaſtfreundſchaft bewahren. Die Bewohner der Gegend, die ſie ſeit länger als funfzig Jahren bewohnte, werden ihre Wohlthätigkeit nie vergeſſen. Mitten unter den Thränen der Umſtehenden ſagte ſie vor der im Monat April nach Paris unternommenen Reiſe, die hienieden ihre letzte ſein ſollte, Gaillefontaine Lebewohl. Eine ſolche einem dahingeſchiedenen Todten ſo viele Jahre lang bewahrte Liebe und Treue hat etwas ſo Rührendes und iſt namentlich in Frankreich etwas ſo Seltnes, während ſie zugleich ein Beweis von einer Energie des Geiſtes und der koſtbarſten Eigenſchaften iſt, daß das Andenken einer ſolchen Dame wohl erhalten zu werden ver⸗ dient. C.
Literatur.
Von Ludwig Rudolph.
Berlin, Nikolai
Die Hand. (Parthei) 1859.
Eine populäre Vorleſung, durchaus angenehm und inſtructiv zu leſen. Nur die einfachſte Verrichtung der menſchlichen Hand, welche in den deutſchen Geſetzbüchern durchſchnittlich mit fünf Thalern notirt iſt, welche aber unter Umſtänden und am rechten Orte angebracht einen viel größern Werth haben kann, nämlich die Ohrfeige, erwähnt der Herausgeber nicht. Uebrigens beſpricht er die Hand in ihrer culturhiſtoriſchen und individuellen Bedeutung mit allen Einzelnheiten, Erfindungen, Eigenthümlichkeiten und pſychologiſchen wie phyſiologiſchen Beobachtungen⸗ Mit vieler Sinnigkeit finden wir wiſſenſchaftliche Zeichen, Syſteme und mannigfache Dinge angedeutet, welche nach der Eigenartigkeit. dieſes Körpergliedes erfunden oder benannt ſind und über deren Entſtehung und Sinn ſich der Laie gewiß nie klar werden würde.
Der Vortrag ſpricht von den alten Egpptern, welche ſich ihre Nägel roth färbten, was griechiſche Frauen oft heut noch thun.„Wenn es bei den Chineſen als ein Vorzug der höchſten Ariſtokratie gilt, die Nägel der Finger zu einer krallenartigen Länge fortwachſen zu laſſen, ſo ſcheint dieſe Sitte zunächſt ent⸗ ſchieden unnatürlich,“ ſagt der Autor, aber man begreift nicht, wie er zu den Chineſen hinüberſchweifen kann, da er Oberlehrer an der höheren Töochterſchule iſt. Nicht nur Chineſen und wilde Völker, ſondern auch ſolche, die zuverſichtlich ganz zahm ſind, wie die Deutſchen, tragen in den feineren Cirkeln ſolche Sporen, und
ihr Anblick würde für jeden Unbewaffneten beängſtigend ſein;
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