Jahrgang 
28-52 (1859)
Seite
598
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der Tod iſt nur eine Trennungz fürchten Sie ſich vor einem

letzten Trennen?

In Edmond's Worten und in dem Ton, mit dem er ſie ſprach, lag eine ſo herzzerreißende Trauer, daß die junge Frau nicht zu widerſtehen vermochte.

Und glauben Sie denn nur allein unglücklich zu ſein? rief ſie unter Thränen und Schluchzen.

Roſe, iſt es wahr? auch Sie möchten umkehren können? Iſt es denn wirklich wahr? o, ſagen Sie es mir!

Er hat mich noch nicht begriffen! flüſterte ſie, und ließ ihren Kopf an ſeine Bruſt ſinken.

Ol das iſt zu viel, jetzt möchte ich ſterben, ſtammelte Edmond;Roſe! geliebte Roſe! habe ich mich getäuſcht? Iſt es denn wirklich wahr, was Sie eben ſprechen?

Und in ſeinem Entzücken preßte er ſie in ſeine Arme, und barg ſein Geſicht in ihre Locken; aber ſie vermochte nicht zu antworten.

O, ſprechen Sie zu mir, Roſe, ſprechen Sie ohne Furcht. Bedenken Sie, daß Sie nur einen Augenblick haben, mir ihr Herz zu öffnen, und ein ganzes Leben, es mir zu verſchließen. Roſe, um Gotteswillen, antworten Sie mir!

Und was ſoll ich Ihnen ſagen? Wiſſen Sie doch jetzt Alles!

So iſt es denn kein Traum; Sie wären mit Freuden V

die Meinige geweſen?

Und dann mit ganz leiſer Stimme flüſterte er:

Du liebſt mich, Roſe? nicht wahr, Du liebſt mich?

O, fragen Sie mich nicht darnach! ſagte ſie, indem ſie ſich ſeiner Umarmung zu entziehen ſuchte.

Nein, nein! Du haſt Recht; Dein Mund iſt zu rein, um das Wort auszuſprechen. Aber ich, Roſe, ich darf Dir ſagen, daß von dieſem Augenblicke an, jetzt, da ich Dich kenne, ich mein Leben und meine Ehre dafür hingeben würde, könnteſt Du nur einen Tag mein Weib ſein. Ich, Roſe, ich darf Dir ſagen, daß, wenn man mir den höchſten

Ruhm der Erde und einen Platz im Himmel böte, ich da⸗ für eine Stunde zu Deinen Füßen fordern würde. Ich darf Dir das Alles ſagen, denn es ſteht geſchrieben in meinen Augen, auf meiner Stirn, meine Hände, die die Deinen drücken, verrathen es Dir! O, Roſe! es wäre ſo ſüß geweſen, uns ganz zu verſenken in unſre Liebe in ewiger, unauflöslicher Vereinigung, zu fühlen, daß unſere Welt nicht über unſre Fingerſpitzen hinausreiche!

Gnade, Edmond, Gnade!

In dieſem Augenblicke ſchlug die Glocke.

Hörſt Du, Roſe, ſagte der junge Mann mit ernſter, trauriger Stimme,in einer Viertelſtunde müſſen wir ſcheiden.

O, mein Gott! iſt es möglich? Edmond, mein Edmond!

Ja, Roſe, Dein Edmond; o, wenigſtens für eine

Viertelſtunde Dein Edmond! Aber laß mich zuvor ein

zärtliches Wort aus Deinem Munde hören! ein Wort, meine Roſe, das ich als ein Liebeszeichen mitnehmen kann, um es für ewig im Herzen zu bewahren. Habe Mitleid mit mir, Roſe! Du ſiehſt ja, was aus mir werden wird, wenn ich Dich verlaſſen habe. Alle meine Pläne, alle meine Hoffnungen ſind vernichtet! Was ſollen mir jetzt noch die Erfolge? Mein Glück liegt hinter mir. Ja, preſſe Dich an meine Bruſt: ſie iſt ja nur ein Grab voll todter Entwürfe, verwelkter Illuſionen. Roſe, ein einziges Wort, ich flehe Dich an! Ich liebe Dich, ich liebe Dich; hörſt Du? mein Gott! ich liebe Dich!

Er lag vor ihr auf den Knieen, er drückte ſeinen Kopf gegen den bebenden Körper der jungen Frau. Plötzlich breiteten ſich ihre Arme aus und umſchloſſen ihn.

Ich liebe Dich, Edmond! tönte eine leiſe, ſchmelzende Stimme;ich habe Dich immer geliebt ſeit dem Tage, an dem ich Dich zum erſten Male ſah.

Meine angebetete Roſe! mein Weib! O, ja, mein Weib! denn Deine Seele gehört mir.

Hochgebirg, entdeckten dieſe wilde, großartige fur das landſchaftliche Auge ihrer Zeit, und führten ſo allmählich zu einem neuen Canon landſchaftlicher Schönheit, der ſich dem mittelalterlichen wieder in ähnlicher Weiſe näherte, wie überall die moderne Romantik zum Mittelalter zurückgriff. Der Genfer Calame zeigt in ſeinen Alpenwildniſſen ſo ganz und gar das landſchaftliche Auge der Gegenwart, daß dieſe Bilder in keiner früheren Zeit gedacht werden können.

Wie ganz anders als bei Calame wurde dieſelbe ſchweizeriſche Natur von den zahlreichen Malern angeſchaut, die zu Anfang dieſes Jahrhunders Alpenvedutten malten! Sie ſuchten faſt überall das Hochgebirg zum Mittelgebirg herabzudrücken und

geben weit eher einen landſchaftlichen Commentar zu Geßner's

Idyllen als zu der Rieſennatur der Alpen, wie wir ſie jetzt faſſen.

Die Natur iſt aber die gleiche geblieben, auch das äußere Auge

der Menſchen: aber ihr inneres Auge ändert ſich.

Um ihres ganzen phantaſtiſch⸗romantiſchen Kunſtideals willen mußten die mittelalterlichen Maler ihre Landſchaften ſteil, ſchroff, eng gepackt zur Höhe führen. Ihre landſchaftlichen Hintergründe ſind mehr gedichtet als gemalt. Es iſt nicht die porträtirte irdi⸗ ſche, ſondern eine gedachte heilige Landſchaft, welche überall ſo alpenhaft vor ihrem Geiſte ſtand. Sie übextrug ſich dann aber auch auf das eigentliche Naturporträt und beſtimmte das land⸗ ſchaftliche Auge der Zeit.

Die hohen, lichten Bergzacken, nur dem Auge, nicht dem Fuße erreichbar, gehören ja an ſich ſchon halb dem Himmel an. In's Breite dagegen ſtreben die rein von der irdiſchen Schönheit ausgehenden Landſchaften des ſiebzehnten Jahrhunderts, wie ja auch alle Landſchaft in Wirklichkeit lang und breit geſtreckt vor

Natur erſt wieder!

uns liegt. Das claſſiſche Alterthum hatte ſo wenig als die ihm nacheifernde Zeit der Renaiſſance und des Rococo ein ausgebildetes Auge für die Alpenſchönheit. Humboldt erwähnt, daß kein ein⸗ ziger römiſcher Autor der Alpen anders als etwa mit Klagen über ihre Unwegſamkeit u. dgl. malend gedenke, und daß Julius Cäſar die Mußeſtunden einer Alpenreiſe benutzt habe, um eine grammatiſche Schrift de analogia anzufertigen.

Bei den landſchaftlichen Epiſoden in mittelalterlichen Bildern findet man faſt nie den Wald gemalt. Sollte dies, ſollten die bloß dünn, gleichſam mit gezählten Blättern belaubten Bäume der alten Italiener lediglich aus mangelhafter Technik ſo geworden ſein? Das damalige Geſchlecht hatte doch noch ein ganz andtes Urbild von der ungefälſchten und unverkümmerten Herrlichkeit des Waldes als wir, für die faſt nur noch ein nach Maß und Elle abgegrenzter, vom Beil verwüſteter forſtculturlicher Wald beſteht. Die dichteriſche Schönheit des Waldes haben die mittelalterlichen Dichter tief genug empfunden; aber ein landſchaftliches Auge für denſelben gewannen die Menſchen erſt, als ſie aus dem Walde herausgekommen, als ſie ihm fremder geworden waren und er ſelber zu verſchwinden begann. So weiß der Bauer im Volksliede manchen zarten Reiz der Naturſchönheit dichteriſch zu enthüllen; für die maleriſche Schönheit der Landſchaft dagegen hat er höchſt ſelten einen Blick. Es geht ihm hier noch wie weiland dem Paſtor Schmidt von Werneuchen, der den Berlinern den Blick auf ein Gerſtenfeld als einWunder der Ausſicht in Hexametern be⸗ ſungen hat. Als der Wald noch die Regel und das Feld die Ausnahme in Deutſchland bildete, galten unſtreitig die Rodungen, die Oaſen des geklärten Landes, das Lichte, Freie für das land⸗ ſchaftlich Anziehendſte, während uns, die wir zu viel des Lichten

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