Jahrgang 
28-52 (1859)
Seite
596
Einzelbild herunterladen

596

Ich fürchtete, Sie möchten noch irgend Etwas be⸗ dürfen.

Sie ſind zu gütig, aber ich hätte es gern geſehen, daß meine Abreiſe außer mir Niemanden hier erweckte; darum habe ich ſchon geſtern Abſchied genommen.

Roſe ſah ihn ſtarr an, dann ſenkte ſie das Haupt und ſagte mit Verwirrung:

Ich wollte Sie noch einmal ſehen; weshalb lügen? ich wollte vor ihrer Abreiſe ungeſtört mit Ihnen ſprechen. Ich wollte nicht gern, daß die Erinnerung, die Sie an

uns mit fortnehmen, zu bitter ſei.

Ich begreife Sie nicht, Roſe.

Verzeihen Sie, Edmond; Sie verlaſſen uns, wie gleichgültige Weſen. Wir Handelsleute, denken Sie, haben ja kein Gefühl!

Wie können Sie glauben?

O, ich weiß es nur zu gut, und dieſer Gedanke, daß

Sie abreiſen würden, ohne uns zu kennen, abreiſen wür⸗

den mit der Ueberzeugung, daß Niemand hier Sie liebe

es hat mich ſeit acht Tagen ſchon gequält; ich wollte mit

Ihnen ſprechen, aber ich wagte es nicht. O, ich war mir

megen meiner Feigheit ſo bös! Heute Morgen endlich fand

ſehd en Muth, zu kommen. Edmond, ich bitte Sie, denken Sie in der Ferne nicht ſchl echt von uns!

Ihre blauen Augen, in denen die hellen Thränen ſtan⸗ den, waren auf den jungen Mann gerichtet; ſie ſtreckte ihm ihre Hand entgegen. Edmond ergriff ſie.

O, ſprechen Sie nicht ſo, rief er tief bewegt,Sie machen, daß ich meine Abreiſe nur zu ſehr bedauern werde.

Wir werden ſie bedauern, Edmond, ich vor Allen! Ihre Gegenwart, Ihre Unterhaltung war mir zur ſüßen Gewohnheit geworden; ich wagte nicht immer, Ihnen zu antworten; aber ich hörte ſtill zu. Sie waren mir wie ein Gemälde, in deſſen Betrachtung man ſich ſchweigend ver⸗ ſenkt, wie ein ſchönes Buch, das man ganz leiſe lieſt. Oft haben Sie geglaubt, ich begriffe Sie nicht, weil ich ſtumm

Noveſſen⸗Zeitung.

V Jahrg.

blieb, und dennoch habe ich Ihre Worte behalten, ich habe ſie auswendig gelernt, ich wiederhole ſie mir wie ein Gebet.

Was ſagen Sie mir da, Roſe? Iſt es denn wirklich möglich? Ach, oft glaubte ich, daß Sie Theil an mir näh⸗ men, daß es Ihnen Freude mache, mir zuzuhören! Roſe, meine gute Roſe!

Lieber Edmond!

Beide drückten einander zärtlich die Hand, Thränen floſſen.

Und ſehen Sie, fing der junge Mann wieder an,im Augenblicke, wo ich Sie verliere, lerne ich Sie kennen. Wie grauſam ſpielt das Leben mit uns! Aber ſagen Sie mir um Gotteswillen, weshalb blieben Sie denn immer verwirrt und ſtumm in meiner Gegenwart?

Und wie hätte ich anders ſein können, Edmond? Wiſſen Sie, wie meine Kindheit geweſen iſt? wiſſen Sie, daß ich ſchon mit zwölf Jahren an einem Bureau ſaß, und mich mit Zahlen beſchäftigte? Zuletzt mußte ich wohl in meinem Erſcheinen den Columnen in meinem Caſſenbuche ähnlich werden. Gezwungen, eine Maſchine zu ſein, habe ich auch ihr Ausſehen bekommen. Als Sie ankamen, fühlte ich wohl, wie lächerlich ich Ihnen erſchien; aber was ſollte ich thun? Ich hörte zum erſten Male von Kunſt, von

und ihre

Poeſie ſprechen; das Alles erſchien mir ſo ſchön, aber es waren neue Worte für mich. Sie ſprachen Ihre Sprache

und ich die meinige, können?

Roſe, und ich habe Sie ſo verkannt!

Sie mußten wohl, Edmond; aber ich, wiſſen Sie, was ich gelitten habe? Denn jetzt bin ich kühn, ich wage es, Ihnen Alles zu ſagen. Sie waren oft ſo bös gegen mich: Ihre kalten Spöttereien zerſchnitten mir das Herz! Und dann dieſes verächtliche Lächeln, dieſe laugen Blicke des Mitleids, die Sie auf mich fallen ließen, und in die ich mich eingehüllt fühlte, wie in ein Leichentuch! Gibt es ein

wie hätten wir uns verſtändigen

Feuilleton.

ed. e.2

Zeitenſpiegel. Geſchmackverwand Land

Unſere ſchaft.

Wir halten es für höchſt intereſſant, unſern Leſern eine ver⸗ kürzte Zuſammenziehung und Ausbeute derjenigen Betrachtungen zu geben, welche Riehl mit ſo vielem Glück in ſeinen neuſten Studien der Culturwiſſenſchaft über das landſchaftliche Auge angeſtellt hat. Man ſieht mit Staunen wie ſich der Geſchmack im Laufe der Jahrhunderte ſo gänzlich erändeit hat.

In topographiſchen Büchern aus der Zopfzeit, Verfaſſer, kann man leſen, daß Städte wie etwa Berlin, Leipzig, Augsburg, Darmſtadt, Mannheim, in einergar feinen und luſtigen Gegend liegen, wobingegen die maleriſch reichſten Par⸗ tien des Schwarzwaldes, des Harzes, des Thüringer Waldes alsgar betrübte, öde und einförmige oder mindeſtensnicht ſonderlich angenehmeld Landſchaften geſchildert ſind. Das iſt keineswegs bloß die iidalmehnun der einzelnen Topographen: es war die Anſicht Zeitalters. Denn jedes Jabrhundert hat nicht nur ſeine eier ne Weltanſchauung, ſondern auch ſeine eigne Landſchaf anſchauung

erzählt der

dlungen in Bezug auf die

.

Zahlloſe Luſtſchlöſſer baute man vor hundert Jahren in kahle, langweilige Ebenen und glaubte ihnen dadurch did möglichſt ſchönſte Lage gegeben zu haben, während die alten Herrenſitze in den reizendſten Gebirgsgegenden, als zu wenigpläſirlich g legen, verwitterten und verfielen. Nicht nur prachtvolle Som⸗ merreſidenzen und Prunkgärten legten damals die bayriſchen Kurfürſten in die öden Wald- und Moorflächen von Nymphen⸗ burg und Schleißheim. Mäx Emanuel ließ ſogar mitten in einem dieſer Gärten, der die natürliche Wüſte ſchon rings um ſeine Mauern hat, noch einmal eigens eine künſtliche Wüſte herſtellen. Karl Theodor von der Pfalz baute zwei Stunden ſeitwärts von den herrlichen Heidelberger Gründen ſeinen Schwetzinger Garten mitten in das einförmigſte Flachland hinein. Wenn nur eine Gegend recht eben und baumlos war, dann getraute man ſich ſchon die ergötzlichſte Landſchaft aus ihr hervorzuzaubern.

Noch vor fünfzig Jahren hielt man den zwar keineswegs reizloſen, doch in ſeiner Fläche immerhin eintönigen oberen⸗ Rbeingau für den wahren Paradiesgarten landſchaftlicher Schön⸗ heit und ſchätzte die weitere Strecke des Rheinlaufes von Rüdes⸗ heim bis Coblenz mit ihrer reichen Pracht von Schluchten, Felſen, Burgen und Wäldern mehr nur um des Gegenſpiels willen. Im

Mittel, nich ſo große 6 Nachet.. Sie vielli denken kön vorgekom ſein ſet Edmold! geſſen wer

denn das Sie mie träume! 5 viel Leit Enttäuſ nich in hüllte tern eine wie Ihne Stirn au den Träl nicht, d ſußen P riges ich jene emn ſuchte. zwungen Chryſali And dle S 9,1 von alle einer dies warz ich oberen R großenth. ſäſſigten jede Fel die dort ginnt. Ju Berggri gangen un 711 ct 3 b ebir ba. m nedicus des Schl˖ und unſt ras w fürnige h T man* Heub)