Jahrgang 
28-52 (1859)
Seite
591
Einzelbild herunterladen

mehr!

derz! Moore.)

ſtigtes Reh!

Dein Weh! nicht bedroht,

zum Tod!

t wär' din Ehr'? Dir iſt r Du biſt!

und Leid; 7

rglühn!

ggeſtellt wurden;

te verlangt wird, 3.

ten vorwitzig und entheil immer be⸗ er Regel beſchämtt lzuoft.

Literariſche Briefe

von

Otto Banck.

Advocat Schnobeles. Eine Geſchichte aus dem Alltagsleben von Julius Gundling. Leipzig bei Herbig. 1859.

Kavery's Gedanken nahmen eine um ſo düſterere zärbung an, je klarer ſich die Ueberzeugung in ihm feſt⸗ ſttzte, daß weder der Holzſtuhl, der überdies als ein nur ſoch dreibeiniges Weſen des Stützpunktes der Mauer be⸗ zurfte, um nicht aus dem permanenten Zuſtande des ver⸗ dächtigſten Wankens in einen völligen Umſturz überzu⸗ gehen, noch das harte Bett ſeinen durch die Fahrt zuſam⸗ nengemarterten Gliedern die gewünſchte Erholung zu ge⸗ vähren im Stande ſeien dies iſt ein aus dem vor⸗ leegenden Buche wörtlich abgeſchriebener Satz, wie es harin deren viele gibt. Wenn Sie ihn in einem Athem glücklich zu Ende geleſen haben, ſo bitte ich aus Geſund⸗ heitsrückſichten einmal gründlich zu verſchnaufen und Athem und Beſinnung zu ſchöpfen, denn bei mir wenigſtens greift iin ſolcher Styl die Lunge an und ſchwächt meinen Ver⸗ ſtand, ſo daß er auf Augenblicke gegen die wünſchenswerthe

Unterſcheidung von Accuſativ und Dativ unempfindlich wird.

Meiner unſanft berührten, langwerdenden Zähne bemäch⸗ iigte ſich die traurige Ueberzeugung, daß ſie die irdiſchen Reſte einer bejahrten Enkelin desjenigen Thieres verzehrten, deſſen Ahnherrin dereinſt der ſchönen Dido ihr Kleid nämlich Fell!) geliehen hatte, um mit demſelben jene Stätte zu umſpannen, auf welcher Publius Cornelius Sci- dio Africanus minor die rauchende Metropolis der ſtolzen Punier dem finſteren Orkus opferte, ein fataler an⸗ greifender Spaßvogel, welcher uns durch einen ſolchen Satz die einfache Thatſache mittheilen wollte: man habe ihm zähes Kuhfleiſch vorgeſetzt! Durch die dünne, lange Brühe einer ſolchen umſchreibenden Ausdrucksweiſe erſcheint leicht das beſte Gericht wie geiſtiges Kuhfleiſch und man verliert beim Kauen Kraft und Appetit. Was witzig und pikant ſein ſoll, wird zu einer geſuchten Form, zu einer mo⸗ notonen Manier und verliert als ſolche alle Schärfe. Man hört das Takelwerk vom Humor des Capitän Marryat klappern und das Schiff ſteht noch dazu im Trockenen. Dieſe Vortragsweiſe iſt eine Schattenſeite an Gund⸗ ling's Talent; im Uebrigen werden Sie finden, daß ſein Roman in vielen Beziehungen eine anziehende und dankens⸗ werthe Erſcheinung iſt. Wir wollen noch einige Schatten andeuten, um uns nachher beſſer des Lichtes zu freuen. Der Verfaſſer erzählt die Lebensgeſchichte eines Mannes, der aus Ehrgeiz kleinlicher, aber doch planvoll egoiſtiſcher Artzum reichen bürgerlichen Speculanten und Faiſeur empor⸗ ſteigt, hierdurch den Beſitz eines begüterten, ſonſt für ihn uner⸗ reichbaren Weibes gewinnt, dann durch kaltes Verſinken in Speculationen das Herz und den Beſitz dieſes Weibes wie⸗ der verliert und endlich beide Güter erſt aufs Neue erobert, nachdem er über dies ihn ganz beherrſchende Streben zum Bettler geworden iſt und ſein beſſeres Gemüth abermals hervorgekehrt hat. Bei dieſer vielfach mit Nebenperſonen und Epiſoden verflochtenen Geſchichte, die in ſich eine ganz

ſtttliche Tendenz hat, iſt es traurig zu ſehn, daß der Autor

denjenigen Menſchen, an welchem er den gemeinen bürger⸗ lichen Ehrgeiz, die verirrte Gewinnſucht ſchildert, gerade aus dem Judenthum gewählt hat, ſowie denn auch faſt alle hierbei verdächtig und raffinirt mitwirkenden Figuren jener Religion angehören. Wer nach einzelnen polniſchen Meßjuden, welche zu Leipzig in einem Treppenhaus logi⸗ ren und Hunderttauſende gegen Wucherzinſen verleihen, die Eigenthümlichkeit und den Werth eines ehrwürdigen, hiſtoriſch großartigen und mit hundert ſchönen und tiefrührenden Eigenſchaften gezierten Volkes beurtheilen wollte, der würde etwas eben ſo Lächerliches thun, als glaubte er durch die neapolitaniſchen Taſchendiebe und Lazzaroni die Ehrlichkeit und Thätigkeit des Chriſtenvolkes charakteriſiren zu können.

Gundling hat nun zwar auch edlere, fein gezeichnete Züge und beſſere Geſtalten des Judenthums berührt und das mühevolle Treiben des Ghetto's ſehr treffend beſchrieben; aber es behält immer etwas Gefühl verletzendes, die pſy⸗ chologiſche Gerechtigkeit Kränkendes, die Juden zu Reprä⸗ ſentanten des rückſichtsloſen Erwerbs zu wählen, ja ſie überhaupt ſpecifiſch von den Chriſten abzuſcheiden.

Gerade unter uns Chriſten hätte ich nun gewünſcht, bürgerliche, Alles an ſich reißende Speculanten, die auf den Schultern ihres Nächſten emporklimmen und ſein Glück mit Füßen treten, wahrheitsgetreu dargeſtellt und gebrand⸗ markt zu ſehn; ſogenannte Männer bei der Stadt, welche mit Umgehung der Geſetze und unter dem Schutz einflußreicher Gönner ihre Mitmenſchen ausziehen und welche dabei doch als immerwährende Schleicher und Moralheuchler durch Zweck⸗ eſſen und Toaſte gefeiert werden, mit dem Anblick ihres Goldes die Augen blenden, den Geiſt der Maſſen ſervil machen und das Urtheil verrücken und ſchließlich nach ihrem Tode hundert Thaler an die Armencaſſe hinterlaſſen und die Ehre eines unvermeidlichen Monumentes für tau⸗ ſend Thaler empfangen.

Solche köſtliche unantaſtbare Hallunken mit ihren Hel⸗ fershelfern und Zugeherinnen, welche dem weltlichen Recht entſchlüpfen, ſollten wenigſtens Schriftſteller ſich nicht ent⸗ gehen laſſen, um ſie durch die Schule des Hochmuths und der Leiden zu führen.

Endlich muß ich noch als Mangel erwähnen, daß der Autor zu viele Verhältniſſe und Perſonen angelegt hat, deren Ausführung und Eriſtenz dann plötzlich disharmo⸗ niſch verſchwindet, und daß endlich keine einzige Geſtalt er ſcheint, die wahrhaft feſſelnd für ſich einnimmt und ent⸗ weder ein höheres Geſammtſtreben oder eine verſöhnende, hervorleuchtend ſchöne, erwärmende Seite ihres Charakters dem Leſer zeigt. Die weibliche Heldin des Romans iſt ihm ganz mißlungen, denn ſie erweckt Antipathie des Her⸗ zens, da ſie ſelbſt kein Herz hat und erſt nach langen Jah⸗ ren eine Wendung macht, die einen guten, reuigen Zug, aber deshalb noch keineswegs Gemüthstiefe und wirklichen ſittlichen Werth verräth. Es würde dem Verfaſſer ſehr leicht geworden ſein, aus dieſen Grundlagen eine vortreff⸗ liche Kokette zu entwickeln, denn auch für eine Kokette ſind einige ſchöne Züge ganz paſſend. Die Natur malt ihre

Charaktere nicht bloß ſchwarz und weiß, ſondern ſie bringt

faſt immer ſämmtliche Farben und hundertfältige Miſchungen in denſelben an, und es kommt nur darauf an, welche vorherrſchend ſind. Nur ein Mohr kann ein wirk⸗