Jahrgang 
28-52 (1859)
Seite
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Je höher man klimmt, je ergreifender wird der tiefe ſenkrechte Blick nach unten in die blaugrünen Föhrenwäl⸗ der, die ſich vom violettgrauen Felsgeſtein des Berges wunderbar abheben und endlich mit ihren Ausläufern in dem hellen Grün der Wieſengründe ſich verlieren. Die Blumenflora, welche man in der obern Region antrifft, iſt gering, mit Ausnahme ſchöner, ſeltener Mooſe. Trag⸗ bare Erde gibt es wenig, denn die Steinwelt iſt nicht fä⸗ hig, in ihren Fugen und Ritzen viel zu erhalten, was dem nagenden Wühlen der ſcharfen Winde, der Schloßen und V Schneeſtürme Widerſtand leiſten kann. Dennoch gab es früher, wie uralte Leute und wie die Schweizer Chroniken verſichern, Gemſen genug am Pilatus. Gegenwärtig wür⸗ den die Jäger wegen Mangel an Beute verhungern aüſſen, wenn ſie es nicht etwa vorziehen wollten, es wie die Gaſt⸗ wirthe in vielen Alpenorten zu machen, welche immer im Stande ſind, ihren fremden Gäſten für hohen PreisGams⸗ braten vorzuſetzen, ſo lange es noch alte Ziegenböcke gibt, welche man einige Tage ausgeſchlachtet in die Erde gräbt, damit ſich ihr Geſtank gibt, um ſie nachher mit Wachholder⸗ beeren und Zubehör zu beizen. Wie ſie gebeizt ſind, iſt es Gemſenbraten. Ich habe ſie bei den Hörnern ins Haus führen ſehen, dieſe zahmen Bauerngemſen, ich habe aber auch als alter Jäger wirkliche, vom lieben Gott pa⸗ tentirte Gemſen gegeſſen und kann verſichern, daß ſie zwar beſſer ſchmecken, als die nachgemachten, aber doch bei wei⸗ tem nicht ſo gut als Rehwild. Wenn man ſich den Ge⸗ ſchmack des Schöpſenbratens etwas mit Wildhautgout gemiſcht denkt, ſo hat man ungefähr echte Gemſe.

Wünſchenswerth wäre es nun geweſen, beim letzten Theil unſeres Weges in ſothane echte Gemſen verwandelt zu ſein, denn dieſer Schluß der Wanderung von etwa fünfzehn Minuten iſt unglaublich ſteit. Nur auf Händen und Füßen iſt es möglich langſam emporzukriechen, und nachdem zwiſchen dem Führer, mir und einem andern noch rüſtigen Gefährten die junge Dame und der Maler, deſſen

[V. Jahrg.

Ruhm noch lange für Deutſchland erhalten bleiben möge und deſſen Namen die Folge errathen laſſen wird, ſo ſicher, als es mit Stricken ging, untergebracht und feſt gebunden waren, ſetzten wir die Reiſe muthig fort. Ein einziger Schritt ſeitwärts würde einen Fall in einen Abgrund von 2000 Fuß Tiefe veranlaßt haben,beinahe genug für mich, ſagte der im Athmen erſchöpfte Künſtler,um ſchon unterwegs in der Luft zu erſticken.

Das immer höhere Steigen vergrößerte die Hoffnung auf den Genuß, da ſich ein herrlicher, weithin tragender Anblick vermuthen ließ.Hier haben wir keine Englän⸗ der mehr zu befürchten, ſcherzte die junge Dame;ſo weit alſo muß man ſteigen, um frei, um in der Natur allein und ungeſtört zu ſein.

Zuletzt wird der Weg ganz ſchmal, es iſt ein Kamm, eine Art Laudzunge in der Luft, ſtatt im Waſſer, welcher zum Gipfel führt, auf welchem kaum zwölf Menſchen Raum haben.

Endlich ſchwangen wir uns denn empor. Aber, o ſelt⸗ ſame Ueberraſchung! oben befand ſich nicht bloß ein leerer, ungeſtörter Raum mit der göttlichſten Ausſicht, ſondern auf demſelben auch ein Menſch, ein Fremder mit zwei Füh⸗ rern. Ein Engländer war es nicht, das ſah man ſchon an der Form ſeines Bartes und an der Art, wie er ſeine Klei⸗ dung trug. Wir ſahen uns alle verdutzt an, auch ſelbſt hier oben zwar keinen Weinreiſenden, aber doch einen Menſchen zu finden, mit welchem man ein ſehr kleines Terrain theilen mußte, da es beſchloſſen war, hier Feuer zu machen und einen Kaffee zu kochen. Ich hatte beim letzten Abſatz des Felſenrückens einen Stein emporgehoben, der mich geognoſtiſch intereſſirte, und hielt ihn prüfend in der Hand.

Mein Herr, ſagte der Fremde(es war alſo ein Deutſcher), indem er mit feiner Höflichkeit die Geſellſchaft

grüßte,Sie haben alſo die Merkwürdigkeit gefunden,.

nach welcher ich heute umſonſt ſuchte. Nun das iſt ſchön! Für wie alt halten Sie jenen Stein? Glauben Sie, daß

Tarbe, ſolche, mit denen die verthierten Pflanzer ihre entlaufenen Sclaven jagen oder zu Tode hetzen; und ferner die Aufſtellung einerMordmühle im Waldesdüſter. Dies war einem alt⸗ deutſchen Märchen zu Folge eine Sägemühle, welche einem furchtbaren Rieſen gehörte und auf der dieſer die geraubten Kinder in Scheiben ſchnitt, um ſie dann, breitbeinig auf dem Mühldache ſitzend, auf Butterbrod zu verzehren. Dieſen Rieſen, den ich als kleines Kind mit ſeinen ſcheußlichen Klappſtullen oft lebhaft vor Augen hatte, glaubte ich wenigſtens in Armand's Scenen wieder zu finden, aber vergeblich. Im Uebrigen hat der Verfaſſer ſo ziemlich Alles zuſammengebracht, was ſchrecklich und entſetzlich iſt, und ſelbſt durch Unwahrſcheinlichkeiten weiß er Abſcheu zu erregen. Spione, Räuber, Ueberläufer, Spieler, Betrüger, Gurgelabſchneider und unheimliche Schufte aller Art bilden ein dichtes Gedränge, durch welches man ſich ordentlich durchſchlagen muß. Man möchte ſich beim Leſen dieſes Buches ein Panzerhemd anziehn, die Uhr in der Taſche feſt binden und einen Revolver in die Hand nehmen, denn es kniſtert in allen Zweigen des Urwalds von Strolchen und Buſchkleppern. Kaum hat ſich auf der einen Seite ein Biedermann, den wir lieb ge⸗ wonnen haben, ein wenig erholt und will ſeiner Herzensneigung und ſeinem Lebensglück entgegengehn, ſo kommt auch ſchon auf der nächſten Seite der entſprechende Gaudieb geſchlichen und ſchießt ihn in der Dämmerung vom Pferde, wie man einen Feldkater abſchlachtet. Man wird ganz nervös und denkt, der Verfaſſer hat eine Perſon vergeſſen, wenn er ſie ein Weilchen geſund bleiben läßt. Gewöhnlich wird ſie aber nur gemäſtet, um ihr dann doppelt zur Ader laſſen zu können. Solche Blutlectüren ſollten wenigſtens nicht ſchwarz, ſondern roth gedruckt werden, damit

ſich mit dem leiblichen auch das geiſtige Auge ein wenig gegen den Anblick desbeſondern Saftes abſtumpfte.

Solche Fehler wären gleichgültig, ja vielleicht beluſtigend, wenn der Verfaſſer kein Talent hätte. Aber er beſitzt die Gabe lebendiger, natürlicher, farbenreicher Schilderung, hat eine bewegte Phantaſie, friſche Erfindungskraft und kennt ſein Terrain und das amerikaniſche Leben gründlich. Außerdem iſt ſeine Darſtellung nur zu routinirt.

Wie viel Gutes ließe ſich mit ſolchen Eigenſchaften leiſten, wenn der Autor ſeinen Compoſitionen mehr Durcharbeitung wid⸗ mete! Er würde dann finden, daß unabgerundeter novelliſtiſcher Inhalt erſchütternd, thatenreich, ja höchſt tragiſch ſein könnte, ohne unſchön und wüſt zu werden und ohne die originelle Schilde⸗

rung von Zeit, Land und Volk hintanzuſetzen. O. B. Alte und neue Heimath von⸗Armand. Breslau,

Trewendt. 1859.

Ich reihe dieſes Werk deſſelben Schriftſtellers dem vorigen an, weil es ſeine Fähigkeiten und ſeinen Geſchmack nach der beſſern Seite hin erfreulich ergänzt. Wir finden eine einfache Auswanderungsgeſchichte. Sie iſt warm und ungekünſtelt ge⸗ ſchrieben, voll anziehender Schilderungen tropiſcher Naturſcenen und enthält eine wohlthuende Lehre für viele Auswanderer, denen praktiſche Lebenserfahrung und Detailkenntniß der Verhält⸗

niſſe fehlt und die doch in Europa ein erträgliches Leben aufgaben,

um drüben hundert niegeahnten Leiden entgegenzugehn. Leider hat ſich der Verfaſſer ſo ſehr an Zuſammenhäufung einzelner Fälle, die in der Wirklichkeit ſpärlich zu Tage treten, ſo wie an

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