Jahrgang 
28-52 (1859)
Seite
586
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ich bin niemals krank; aber ich tummle mich. Du machſt Dir nicht genug Bewegung, liebes Kind, Du darſt nicht ſtill ſitzen.

Und wenn der gute Mann ſo ſeinen gewöhnlichen Vor⸗ trag gehalten hatte, kehrte er zu ſeinen Waarenlagern oder zu ſeinem Comptoir zurück.

Unterdeſſen hatte Edmond an einem Tage mit ſeiner Couſine ihre Verlobung erfahren. Sein Onkel hatte ihm die⸗ ſelbe mit jener geheimnißvollen Feierlichkeit auvertraut, deren man ſich gewöhnlich in, dergleichen Angelegenheiten bedient, die man unter dem Siegel der Verſchwiegenheit allen ſeinen Bekannten mittheilt.

Der junge Mann hatte darüber ein um ſo peinlicheres Erſtaunen empfunden, als er vielleicht manchmal in ſeinen Träumen dem Weibe ſeiner Zukunft die bleichen Züge Roſens gegeben haben mochte. Aber dieſe Urſache ſeiner Unzufriedenheit war zu verborgen, als daß er ſie hätte be⸗ merken können. Er ſuchte ſie durch andere Gründe zu rechtfertigen und ermangelte nicht, deren zu finden. Er dachte mit Abſcheu daran, daß dieſe Verbindung, die ſein Onkel und Durand unter ſich geordnet hatten, Beiden nur als eine Vervollſtändigung ihrer Handelsverbindung er⸗ ſchienen war, daß ſeine Couſine wie eine Waare mehr, mit der man das Lager bereichern könnte, angeſehen worden, und es empörte ihn, zu finden, daß ſie dazu ihre Einwil⸗ ligung gegeben hatte.

Roſe war unterdeſſen geneſen. Sie ſtand wieder auf, ging umher, antwortete auf die Fragen, die man an ſie richtete, aber eine Art unbeſchreiblicher Theilnahmloſigkeit hatte ſich ihres ganzen Weſens bemächtigt. Sie blieb Stunden lang aufrecht und unbeweglich in ihrem Lehnſtuhl ſitzen, beide Hände flach auf die Kniee gelegt, das Geſicht unbeweglich, das Auge ſtarr, den Kopf zurückgelehnt. Es wäre ſchwer zu ſagen geweſen, ob ſich noch ein Gedanke unter dieſer eiſigen Hülle regte. Der herbeigerufene Arzt erklärte, daß dieſer Zuſtand aus einer Zerrüttung des

Novellen⸗Zeitung.

Nervenſyſtems hervorgehe, daß man ſich indeſſen nicht weiter darüber zu beunruhigen brauche.

So ward denn der Tag der Hochzeit feſtgeſetzt. Sie ſollte auf dem Lande ſtattfinden, und acht Tage vorher wurde Roſe, um die Vorbereitungen zu treffen, und dann auch, weil ihre Kräfte in der Landluft ſich vollends erholten, dorthin geſchickt. Edmond beachtete keine dieſer Anord⸗ nungen.

Endlich kam der Tag. Barnabé Poireau war ſchon vierundzwanzig Stunden zuvor hinausgefahren. Durand blieb mit Edmond, um Alles anzuordnen. Miethkutſchen, von bändergeſchmückten Pferden gezogen, holten die Ein⸗ geladenen. Ueberall auf dem Graben herrſchte Lärm und Bewegung. Alle Welt lief herzu, um die Hochzeit und den jungen Ehemann zu ſehen, der in ſeidenen Strümpfen, ſchwarzem Rocke und weißen Handſchuhen den Damen beim Einſteigen behülflich war und, ſtolz auf ſeine Eintags⸗ wichtigkeit, in jeden Kutſchenſchlag hineinlächelte. Dieſer armſelige Stolz iſt Menſchen ſo natürlich, die nur drei⸗ mal in ihrem Leben, bei ihrer Taufe, ihrer Hochzeit und ihrem Tode, die Aufmerkſamkeit erregen dürfen.

Als man endlich acht Lohnkutſchen mit allen Onkeln und Vettern im erſten und zweiten Grade beladen hatte, als alle Hauptkunden und Geſchäftsfreunde, die zur Hoch⸗ zeit des Herrn Durand und Compagnie eingeladen waren, Platz gefunden hatten, fuhr man nach Haute⸗Gaulaine, wo die Hochzeit gegen Mittag vor ſich gehen ſollte, ab.

Alle Vorbereitungen waren mit einem wahren Aufwande von ſchlechtem Geſchmack getroffen worden. Barnabé Poireau, der, wie er ſagte, ſeine Tochter nur einmal ver⸗ heirathen konnte, hatte ſich zu einem Opfer entſchloſſen. Dem gemäß hatte er nichts, was in ſeinen Augen eine Hochzeit glänzend machen konnte, vergeſſen. Edmond wurde bei ſeiner Ankunft durch die coloſſalen Vorrichtungen überraſcht. Er ſah ſeine Couſine einige Befehle ertheilen und die Glückwünſche der Neuangekommenen entgegen⸗

Erſcheinung des Biela'ſchen Cometen den Aſtronomen die Gelegen⸗ heit darbieten wird, Beobachtungen anzuſtellen, inwiefern ſeine Anſichten begründet ſein mögen. C.

Aus der Gegenwart. Von der Reiſe. Frankfurt am Main, im Auguſt.

Wir befinden uns hier in einem prächtigen Gaſthof, dem Hôtel d'Angleterre, am Roßplatze; da ſieht man bis an die Zeile hinab dieſes Eldorado der Frankfurter Kaufläden, hört. Mittags die Regimentsmuſik, wenn ſie dem Bundestage ihre Marſchlieder zum Beſten gibt, und ſieht zur Linken nach dem Guttenberg⸗Monumente hinüber, von dem nicht ferne auch Goethe auf hohem Piedeſtal vornehm auf ſeine Vaterſtadt herabſieht. Börne und Heine dagegen hat man hier zu verewigen vergeſſen, wahrſcheinlich weil ſie nicht an der Börſe ſpeculirten, eine An⸗ forderung, die man an jeden großen Menſchen, wie billig, heutzu⸗ tage ſtellen kann.

Mein erſter Ausgang ging in den neu angelegten Zoolo⸗ giſchen Garten. Ich muß bekennen, daß es mir dort ſehr wohl gefiel. Die Thiere, beſonders die Vögel, ſind vorzüglich, die An⸗ lagen allerliebſt, und die blauen Taunusberge in der Ferne ſorgen auch dafür, das Bild einer Landſchaft hinzuzufügen, die unſerm Bedürfniß entſpricht, wenn wir vom Engen auf das Weite, von dem Nahen auf das Ferne blicken möchten. Reſtaurationen bieten Erfriſchungen, Sitze im Freien und unter Ueberdachung ſchützen

gegen den Wechſel der Witterung; zwei Mal wöchentlich bläſt ein Muſikchor alle möglichen chriſtlichen und jüdiſchen Melodien ganz vortrefflich. Das Entrée 24 Kreuzer iſt hoch genug, um nicht zu viele Leute zuzulaſſen. An den Concerttagen wanderten ſo ſchöne Garderoben dort umher, daß die armen Papageyen und Goldfaſane davor erblaßten.

Welch ein Abſtand, aus dieſem tollen Treiben, das wir Leben nennen, nach Offenbach ſich verſetzt zu finden, an das Ufer des Mains, wo Goethe mit ſeiner Lilli ſpazieren ging, wo Bettina zu ihrer Großmutter Sophie Laroche wallfahrtete, wo der Schloſſerſche Garten mit ſeinem Schatten winkte, und die ſtille Landſchaft, die in Purpurgluth ſich ſenkende Sonne zu ſinnigem Inſichgehen einlud! Dort ſaß ich in der Abendkühle neben Gutzkow und plauderte mit ihm von Vergangenem und Gegen⸗ wärtigem, von dem was war, und dem was unſere Hoffnung für die Zukunft herbeiwünſchte.

Hier an der Table d'hôte ſitze ich neben Schoppenhauer, dem Sohne der Johanna, dem berühmten d. h. jetzt kürzlich erſt berühmt gewordenen Philoſophen, jetzt, wo ſein Haar gebleicht und ſeine Tage gezählt ſind, und er nur noch auf einem Ohre hört. Das iſt das Loos des Schönen auf der Erde. 1

Es ſchmeckt dem Philoſophen übrigens ſo vortrefflich, daß er mit ſeiner vortrefflichen Verdauung wohl noch über unſern großen Humboldt hinaus kommen möchte an Jahren. Als Stammgaſt wird er von dem Wirthe jedem Fremden gezeigt, und ſo gelangt er zu der Ehre, der Gegenſtand lallgemeiner Aufmerk⸗ ſamkeit zu werden Das ſtört ihn wenig. Er ißt, ſieht die Gäſte durch ſeine Lorgnette an, lieſt die Zeitung, lacht in ſich hinein und ißt weiter. Seine Theorie, es ſei zwiſchen dei Menſchen

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Rr. 31.

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