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Nr. 37.] Dritte jungfrauen vor den Pfeilen ihrer Henker die Hände falte⸗ ten und ſchweigend ihr Haupt ſenkten.
Erſt die Ankunft Vater Poireau's und ſeines Compag⸗ nons Durand konnte ihrem Märtyrthum ein Ende machen.
IV.
Während ſich Edmond täglich mehr ſeinen Lieblings⸗ neigungen überließ und von den Gewohnheiten der Fami⸗ lie losſagte, gewannen die Unternehmungen des Hauſes Poireau, Dank dem Eifer und dem Talente des Compag⸗ nons Durand, immer weitere Ausdehnung. Mehrere von dieſem für ſeine eigene Rechnung unternommene, von günſtigem Erfolge gekrönte Speculationen vermehrten ſeine Capitalien um ein Bedeutendes, und ein Gedanke, den er ein paar Jahre früher nicht zu nähren gewagt hätte, begann in ſeinem Geiſte Wurzel zu faſſen. Er unterwarf ihn einer mathematiſchen Prüfung, und als er fand, daß, Alles wohl erwogen, die Ausführung deſſelben ihm nur Vortheil bringen könnte, fing er allen Ernſtes an, ihn ins Werk zu ſetzen.
In Folge deſſen erwies er vom nächſten Tage an Fräu⸗ lein Roſe Poireau eine durchaus ungewöhnliche Aufmerk⸗ ſamkeit. Er übertrug für ſie drei Poſten in das Haupt⸗ buch und ſchnitt ihr ein Dutzend Federn— eine ſeltene Gunſt, die er kaum ſeinem alten Freunde Barnabé ange⸗ deihen ließ. Denn Durand hatte ſich, was das Schneiden der Federn anbelangt, einen unbeſtrittenen Ruhm in Nantes erworben. Er war eifrigſt bemüht, dieſen Ruhm ungetheilt zu bewahren, und umgab deshalb ſeine Kunſt mit einem gewiſſen Geheimniß.
Seine Galanterie blieb hierbei nicht ſtehen. An ihrem Namenstage beſchenkte er Roſen mit einem fortgehenden Kalender in grünem Maroquin und zwei Porzellanvaſen, in denen künſtliche Blumen prangten. Endlich, als er glaubte, ſeine Aufmerkſamkeiten ſeien zahlreich und bezeich⸗ nend genug, bat er ſeinen Compagnon, als Fortſetzung
einer Koſtenberechnung von einer Partie Campecheholz, feierlich um die Hand ſeiner Tochter Roſe.
Barnabé Poireau hatte die ſeit einiger Zeit auffällige Freigebigkeit Durand's ſehr wohl bemerkt. Er hatte natür⸗ lich als Kaufmann im Stillen berechnet, welchen Profit ſein Aſſocié daraus ziehen könnte, und es hatte ihm nicht viel Mühe gekoſtet, die Abſicht deſſelben zu errathen. Er hatte alsbald einen Ueberſchlag der Capitalien gemacht, die Durand in der Firma ſtehen hatte, ausgerechnet, daß, wenn er ihm ſeine Tochter gäbe, Roſens Mitgift im Geſchäft bleiben würde, und ſchließlich gefunden, daß die Sache er⸗ ſprießlich ſei und ſich wohl verſuchen ließe.
Demzufolge ſand Durand den wackeren Bürger voll⸗ kommen auf ſeinen Antrag vorbereitet; er bot ihm mit dem Freimuth und dem Wohlwollen eines Kaufmanns vom ſalten Schrot und Korn die Hand, und man ordnete die Bedingungen auf der Stelle.
Roſe Poireau wurde Abends durch ihren Vater von dem, was man über ſie beſchloſſen hatte, benachrichtigt; aber— ſei es Ueberraſchung oder Beſtürzung— das junge Mädchen wurde bei dieſer Nachricht bleich und ver⸗ lor das Bewußtſein. Als ſie aus ihrer Betäubung er⸗ wachte, ergriff ſie ein Fieber, und ihre Krankheit währte beinahe einen Monat.
Dieſe Verzögerung kam Durand und Poireau höchſt ungelegen. Der Letztere wollte eine Reiſe nach Bordeaur machen, und dieſe Angelegenheit hemmte, wie er ſagte, alle übrigen.
Barnabé Poireau verſäumte nicht, mehrmals am Tage V in das Zimmer ſeiner Tochter zu gehen und alſo zu ihr zu ſprechen:
„Wie geht es Dir, meine Kleine? beſſer, nicht wahr? 839 dächte, Du ſäheſt weniger bleich aus. Spute Dich, daß Du wieder geſund wirſt, denn Deine Krankheit hält V uns auf. Vor Allem, liebes Kind, ſei nicht nieder⸗
geſchlagen; trink, iß und ſchlafe tüchtig. Sieh mich an,
erwähnt in ſeinen Quaestiones naturales(liber VII. c. 86) einen
derartigen Fall, der von Ephorus, einem griechiſchen Schriftſteller,
deſſen Werke verloren gegangen ſind, erzählt wird; doch Seneca thut es bloß, um den Gegenſtand zu bezweifeln, denn er ſagt: „Ephorus, der nicht ſehr glaubenswürdig iſt, wird oft betrogen und betrügt oft ſelbſt. So ſagt er, daß man einen Comet, auf den die Augen aller Menſchen gerichtet waren, weil er bei ſeinem Erſcheinen ein ſehr großes Ereigniß anmeldete— nämlich daß die
beiden Städte Bura und Helike von der See verſchlungen wur⸗
den,— bei ſeinem Untergange in zwei Sterne getheilt ſah— etwas, was noch Niemand fruͤher erwähnt hat. Denn wer kann es bemerkt haben, als der Comet ſich in zwei Theile zerſpaltete? Und wie geht es zu, daß, wenn irgend Jemand ihn zerſpalten ſah, Niemand die Verbindung der beiden Körper, die ihn bilden, ſah?“ Nach Alexander von Humboldt erſchien dieſer Comet zur Zeit des Archonten Aſteius in dem vierten Jahre der 101. Olym⸗
piade, zwei Jahr vor dar Schlacht bei Leuctra, wo die erwähnten
beiden Städte Achaja's in Folge eines Erdbebens von der See verſchlungen wurden. Keppler hat bereits in ſeinem Werke: De Gometis, 1619, c. 49 und 50, Seneca's Tadel widerlegt, doch die Trennung des Biela'ſchen Cometen in zwei Theile entſcheidet die Frage endgültig und beweiſt, daß Ephorus die Wahrheit
berichtet hat. Nach den Meſſungen und Berechnungen Planta⸗
mour's blieb die Entfernung der beidene Kerne, die derjenigen zwiſchen der Erde und dem Monde gleicht, während der Zeit, wo er 1847 ſichtbar war, beinah ganz dieſelbe; 500 Tage früher ſoll übrigens die Entfernung zwiſchen den beiden Kernen nur ein Zehntel ſo groß geweſen ſein, und ſieben Jahr ſpäter war ſie
zehnmal ſo groß geworden. Die beiden Kerne verfolgten in der
That dieſelbe Laufbahn; in den Elementen ihrer Kreisbahnen finden ſich nur ſehr geringe Unterſchiede; ſie haben dieſelbe Inclination, denſelben Längeknoten, der nur um ein paar Secun⸗ den differirt, dieſelbe Excentricität, und auch der Unterſchied hin⸗ ſichtlich der täglichen Bewegung iſt ganz unbedeutend. So konnten die beiden Cometen viele Jahre ſich in einer ſo kleinen Entfernung von einander bewegen, daß es lange Zeit unmöglich war, ſie mit einem unbewaffneten Auge von einander zu unterſcheiden. Faye ſchließt daraus, daß die Spaltung des Cometen zu Aſteius' Zeiten ganz andern Urſachen zugeſchrieben werden muß, als die des Biela'ſchen Cometen. Er bemerkt, daß man in dem Laufe der Bildung in dem Hauptkern eines Cometen mitten in dem Licht⸗ ſchein, der ſich allmählich rings um denſelben entwickelt, häufig kleinere Kerne bemerkt. Donati und Amici ſahen einen ſolchen in dem dunkeln Raume zwiſchen den beiden Lichtſchweifen des großen Cometen im vorigen Jahr, und bei teleſkopiſchen Cometen ſcheint dieſes Phänomen noch viel häufiger zu ſein. Dieſe kleinern Kerne gehn in den meiſten Fällen zuletzt in dem Hauptkern auf, ſobald die innern, durch die Nähe der Sonne verankaßten Bewe⸗ gungen aufhören; doch während der Periode der Wandelbar⸗ keit kann eine ſehr geringfügige Urſache zum Forttreiben eines dieſer Kerne oder mit andern Worten zur Bildung zweier Cometen aus einem leiten. Wenn der Stoff des Lichtſchweifs theilweiſe ſich zu einem Kern verdichtet hat, ſo hört der Letztere, wenn er einen gewiſſen Grad von Dichtheit erlangt hat, auf, einen Theil des Hauptkerns zu bilden, und dann wird ein ſchwacher Grad von Kraft ihn in Stand ſetzen, ſich von dem Muttercomet zu trennen. Faye ſtellt dann Hypotheſen auf, wie ſolche Trennungen bewirkt werden mögen, und hofft, daß die in dieſem Monate bevorſtehende


