Jahrgang 
28-52 (1859)
Seite
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er aus der Tiefe ſeiner Provinz Paris ſah, und über Paris den Ruhm, der für ihn leuchtete, wie die Sterne, die über dem Gipfel des Gebirges ſichtbar werden, und die die Kinder erreichen zu können glauben, wenn ſie auf den Hü⸗ gel ſteigen. Ach! in dem Maße, daß man näher tritt, erheben ſich Ruhm und Sterne viel höher, als die Hand reichen kann, und der Mann und das Kind, in ihrer Hoffnung getäuſcht, wehklagen laut oder vergießen Thränen!

Indeſſen machte Edmond eine Bemerkung, die ſeine Neugierde lebhaft reizte. Er hatte entdeckt, daß ſeine Bücher und ſeine Journale, die er in ſeinem Pult verbarg, häufig verſchwanden, dann wieder auf denſelben Platz ge⸗ legt waren. Sein Onkel konnte ebenſo wenig, wie Herr

Durand, dieſer literariſchen Unbeſcheidenheit beſchuldigt

werden; ſein ganzer Argwohn fiel alſo natürlich auf ſeine Couſine, und er erlangte bald die Gewißheit, daß ſie alle ſeine Lieblingswerke geleſen hatten.

Dieſe Entdeckung verurſachte ihm eine Ueberraſchung, die einigermaßen ſein Intereſſe an Roſe wieder aufregte. Er begann ſie zu beobachten, was er ſeit langer Zeit nicht gethan hatte, und es entging ihm nicht, daß eine Ver⸗ änderung mit ihr vorgegangen war. Die gewöhnliche bleiche Farbe ihres Geſichts hatte zugenommen, ihre Wangen waren eingefallen, und ein dunkler Kreis zog ſich um ihre brennender gewordenen Augen. Ihr Buſen war äußerlich ſo ruhig, wie zuvor; aber Edmond glaubte manchmal ein träumeriſches Weſen, das er früher nicht an ihr gekannt hatte, wahrzunehmen. Vielleicht hätte er die Urſache dieſer Veränderung erfahren, denn er ſuchte eine Auseinanderſetzung mit Roſe herbeizuführen, als dieſe plötzlich erkrankte. Sie hütete einige Tage das Bett, ohne daß der junge Mann ſie zu ſehen bekam, dann reiſte ſie auf den Landſitz ihres Vaters, wo ihr der Arzt einige Zeit zu verleben verordnet hatte.

Dies Alles hatte ſich im Hauſe mit der gewohnten

Zeilung.

Regelmäßigkeit gemacht. An demſelben Tage, an welchem man Roſe die Landluft und Bewegung anempfahl, verließ ſie Nantes und wurde vorläufig durch einen Commis, den Herr Durand einarbeitete, erſetzt. Edmond erfuhr dieſe neuen Einrichtungen erſt, als er ſich am folgenden Tage beim Frühſtück nach dem Befinden ſeiner Couſine erkundigte.

An einem ſchönen Vormittage des Monats Auguſt be⸗ wegte ſich ein unanſehnlicher Korbwagen, gezogen von einem jener ſchläfrigen Pferde, welche die Waarenkarren auf dem Pflaſter der Stadt abgenutzt haben, auf der Straße nach Haute⸗Gaulaine.

Das Fuhrwerk wurde von Barnabé Poireau gelenkt, den diesmal Edmond Bian begleitete. Der Letztere hatte ſich nachläſſig in eine Ecke des Wagens geworfen, und ſchien zerſtreut und gelangweilt. Onkel Poireau dagegen war lebhaft, beweglich und geſchwätzig. Seine Augen wanderten von einer Seite des Wegs zur andern, und er erging ſich in unzähligen Bemerkungen über den Werth der Aecker, die er zu Geſicht bekam, über die Verbeſſerungen, die darauf anzubringen ſein dürften Bemerkungen, auf die ſein Reiſegefährte verzweifelt kurze Antworten gab. Endlich hielt das Fuhrwerk vor einem unbedeutenden Ge⸗ hege ſtill, und die beiden Reiſenden ſtiegen aus.

Oeffne das Gatter, Edmond, ſagte der alte Kauf⸗ mann,und führe den Wagen die große Allee hinauf; ich will durch den Garten gehen, um die Weidenpflanzung zu ſehen, die dort weiter unten liegt.

Edmond ſchlug den Baumgang ein, wie ihn ſein Onkel geheißen hatte.

Wie er auf das Kaſtanienwäldchen zufuhr, glaubte er in der Entfernung ein junges Mädchen, in einer Stellung, die er ſich zuerſt nicht erklären konnte, wahrzunehmen; aber als er näher kam, ſah er, daß ſie auf einer Strick⸗

Feuilleton.

general Bonaparte in Italien.

Unter den gegenwärtigen Ereigniſſen gewinnen manche lite⸗ rariſche Erſcheinungen der Letztzeit ein doppeltes Intereſſe. Unter dieſen können wir die im vorigen Jahre in Paris(Leipzig, A. Dürr) erſchienenen Mémoires du Comte Miot de Melito, die in einfachen, aber treu geſchilderten Zügen des Verfaſſers Antheil an den Zeitereigniſſen von 1788 bis 1815 enthalten, wohl in erſter Reihe mit aufführen. Das Mag. f. d. Lit. d. Ausl., das dieſem Werke ſchon früher eingehende Beurtheilungen geſchenkt batte, citirte kürzlich daraus in Bezug auf den franzöſiſchen Feldzug in Italien im Jahre 1796 mebrere intereſſante Epiſoden, aus denen wir unſern Leſern Nachfolgendes mittheilen wollen.

Achtundzwanzig Jahre alt 1788 wurde Miot de Me⸗ lito im Kriegsminiſterium angeſtellt, wo ſein Vater eine der erſten Subalternſtellen bekleidete. Er verfolgte dieſe Laufbahn unausgeſetzt, ſowohl unter der conſtitutionellen Reglerung Lud⸗ wig's XVI., als unter der Republik und während der Schreckens⸗ herrſchaft; wir begegnen ihm unter dem Convent als General⸗ Secretair im Miniſterium der auswärtigen Angelegenheiten.

Da aber die fremden Höfe größtentheils alle Verbindung mit der

(Republik abgebrochen hatten, ſo war er hier nur ſehr wenig be⸗ ſchäftigt. Er benutzte daher ſeine Muße, das Archiv dieſes Departements zu durchſuchen, um die Wiſſenſchaft und die Ge⸗ ſchichte der Diplomatie zu ſtudiren. Unter dem damals üblichen Titel Commiſſair zum Miniſter ernannt, war es ſein Erſtes, die gewonnene theoretiſche Einſicht praktiſch zu machen, Ordnung in den Dienſt und Verbeſſerungen in das Detail zu bringen. Schon hatte Toscana, Preußen, Holland, Spanien mit der Republik Friedensverträge geſchloſſen und wie Dänemark, Schwe⸗ den, die Schweiz, Amerika dieſe Staaten waren mit Frank⸗ reich nie im Kriege Geſandte nach Paris geſchickt; allein die Unterhandlungen mit ihnen gingen nicht durch das Miniſterium; dies hatte ſich der Wohlfahrtsausſchuß vorbehalten. Miot wünſchte daher dieſe ſchiefe Stellung gegen einen Geſandtenpoſten zu vertauſchen. Man überließ ihm die Wahl zwiſchen der ameri⸗ kaniſchen Union und Toscana; er entſchied ſich für das letztere. Die franzöſiſchen Diplomaten hatten damals an den fremden Höfen eben keinen leichten und angenebmen Stand. Trotz dem 9. Thermidor*) konnte man ſich nicht vorſtellen, daß die Vertreter

*) Sturz Robespierre's.

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