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einkehrten.
Vergleicht man aber jene Uebertheuerungen mit den Preiſen in Norddeutſchland, ſo wie auch vielen Süddeutſch⸗ lands, ſo muß man im Vergleich auf das Dargebotene be⸗ keunen, daß es bei uns noch viel übler ſteht. Kein Land bietet im großen Maßſtabe die Bequemlichkeit der Schweiz dar, Penſionen zu haben, in denen man für alles Erdenk⸗ liche geſorgt und ſich ganz und gar heimiſch ſieht. Der höchſte Tagespreis iſt in dieſen Inſtituten ſechs Franken, der geringſte vier, alſo immer weniger, als man bei uns in einem großen Hötel gebraucht; außerdem iſt, was man da⸗ für genießt, beſſer. Am vorzüglichſten ſind dieſe Penſionen in den Urcantonen Schwyz, Uri, Unterwalden, in Baſel⸗ landſchaft, in der franzöſiſchen Schweiz und im Berner Ober⸗ land. Am geringſten ſind ſie in Aargau und St. Gallen, beſonders in der Nähe des Bodenſees, wohin man über⸗ haupt nicht reiſen muß, um das Specifiſche der Schweiz kennen zu lernen. Dort herrſcht wenig gehobener Gemein⸗ ſinn, man findet oft beim niedrigen Mann dieſelbe ſchwer begreifende, unpraktiſche Duſelei, Beſchränktheit und Neugier, welche die Unterthanen reactionärer Staaten kenn⸗ zeichnet. Bei ſcheinbarer Billigkeit iſt es im Verhältniß zu dem Dargebotenen theuer, und der Fremde findet für ſeine Bedürfniſſe nicht beſſer als in Deutſchland geſorgt, höchſtens mit der Ausnahme, daß er auf deutſchen Dörfern ſchwerlich Leſezimmer mit zwanzig bis dreißig Zeitungen an⸗ treffen würde. Wohl aber tritt dort noch ein angenehmer Umſtand hervor, welcher allerdings noch mehr für die öſt⸗ liche als weſtliche Schweiz ſpricht: die Engländer fehlen!
V V ſtanden. V
Novedten-Zeitung.
Fremden nach allen Seiten hin zu nutznießen. Dieſe Spe⸗ ulanten werden von den Schwetzern ſelbſt am meiſten ver⸗ achtet, denn man würde einem in jeder Weiſe tüchtigen und ehrenwerthen Volke ſehr wehe thun, wollte man annehmen, es ſei mit ſolchen Maßregeln raffinirter Prellerei einver⸗ Der Schweizer ſelbſt flieht ſolche Häuſer und ſucht ſich andere auf, in welchen ſchon ſeine Urgroßeltern
[V. Jahrg.
Und warum haben gerade Engländer, die man bei näherer Bekanntſchaft oft ſo lieb gewinnt, ſo vieles Wider⸗ wärtige in ihrer geiſtigen Atmoſphäre? Wir ſind eben noch glücklicher, aufgeräumter Stimmung, das Wetter iſt köſt⸗ lich, der Himmel blau, und höher und höher klimmen wir den Gipfel des Pilatusberges hinan. Schon ſchwindet dem Auge das genaue Unterſcheiden der Wieſenkanten und einzelnen Waldbäume nach der Luzerner Seite hin. Der Vierwaldſtädter See liegt wie ein ſmaragdgrüner Spiegel mit lilafarbenen Reflexen durchzogen im blauen Morgen⸗ dufte unter uns, Luzern mit ſeinen Zinnenmauern ſchmiegt ſich maleriſch in den Schooß der Hügel, der Rigi ſtreckt im weißen Morgennebel wie ein ſchlafender Rieſe ſeine Glieder von Küßnacht bis nach Gerſau und Wylen, während wir auf ſeine Spitze aus der ſchrägen Vogelperſpective herabſehn. Schon find wir oben beim neuen Wirthshaus angekommen, ſtebentauſend Fuß über dem Meere. Alles iſt voll und beſetzt, nur ein einziger Tiſch iſt noch leer, an dem wir uns niederlaſſen. Der majeſtätiſche Anblick der hundert Schneeſpitzen des Berner Oberlandes, auf welche die Sonne niederblitzt, erhebt den Geiſt und nur mit der entzückenden Ferne beſchäftigt, glaubt man die nächſte Nähe vergeſſen zu können, und wenn auf der Erde Krokodile her⸗ umkröchen. Da plötzllich tritt eine engliſche Familie von fünf Perſonen mit zwei Führern und ſechs Seſſelträgern heran. Der alte Herr ſteigt vom Seſſel herab und fängt ſogleich eifrig an in einem Buche zu leſen, ohne die Gegend anzuſehn; die Miß aber ſteigt nicht aus ihrer Tragbahre heraus, ſondern verſteht ſo viel deutſch, den Trägern zuzu⸗ rufen, daß ſie ſie auf dem Tiſch niederſetzen, hinter dem wir ſitzen und der unſer beſtelltes Frühſtück aufnehmen ſoll. Da ſitzt nun die Beſcheerung! Sie hat den Rücken gegen uns gekehrt, hebt die Naſe in die Höhe und ſchaut unter einer blauen Brille hervor durch eine Lorgnette in die Na⸗ tur hinein. Nach zehn Minuten ungefähr fängt die ganze Familie an, halblaute, im Munde verruſchelte Töne her⸗
Geſichter nicht rein und ſie wollen Nachläſſigkeit in Bezug auf das Vernachlaſſigung der Privatand die in dem unſchuldi
ihre Gebete nicht herſagen!“ Waſchen und die gelegentliche acht waren die einzigen Vergehen, gen Gemüthe des Prinzen die den Oeſter⸗ reichern zu Theil gewordne Beſtrafung rechtfertigen konnten. Jetzt, wo der Friede hergeſtellt iſt, iſt der kleine Prinz wahr⸗ ſcheinlich überzeugt, daß in dieſen beiden Beziehungen eine bedeu⸗ tende Veränderung bewirkt worden iſt und daß die Oeſterreicher
ſich ordentlich waſchen und ihren Roſenkranz beten.“ C. Literatur. V Lebensbilder vom ſächſiſchen Erzgebirge. Von
Berthold Sigismund. Dieſes Bändchen gehört zu des genannten bahnbüchern, in denen ich ſchon früher manch anerkennend hervorheben mußte, ſo wie ſich denn überbaupt Lorcks Unternehmungen durch eine großentheils ſolide, real⸗wiſſen⸗ ſchaftliche Grundlage als erfreuliche Verſuche auszeichnen, dem großen Publicum ernſte Kenntniſſe bequem und unterhaltend V
Leipzig, Carl Lorck. 1859. Verlegers Eiſen⸗ es ſehr Tüchtige
zuzuführen. So bildet z. B. die„hiſtoriſche Hausbibliothek“ hervorragende und gut gewählte Punkte eines Geſchichts⸗ lexikons.
Es iſt ſehr erwünſcht, einen ſo wichtigen Natur⸗ und Culturdiſtrict, wie das in ſeiner Art unvergleichliche ſächſiſche Erzgebirge mit ſo viel Fleiß behandelt zu ſehn, wie ihn hier Sigismund nach den verſchiedenſten Seiten hin verwandt hat.
Wie oft der tüchtige, unermüdliche Mann ſelbſt ſehr wenig
und ſeine hundertfältige Induſtrie der
der ſächſiſchen Sta
Gebrüder Scheitlin.
ſtellern u und Ueber um im B Lebenserfahrungen
von der umfangreichen Rolle hat, die er zum wohls in der Welt ſpielt, ſo geht es Bergbau, ſowohl in wiſſenſch
Segen des Gemein⸗ auch dem Erzgebirge. Sein aftlicher als materieller Beziehung, Weberei, Stickerei, Holz ⸗, Spielzeug-, Metallarbeiten greifen in die geſammten europäiſchen Cultur⸗ und Handelszuſtände ein, geben die Hebelkraft, die Urſache zu zahlloſen Wirkungen und Erfolgen ab, die ſich erſt in weiteſter Ferne recht vielfach potenziren, und dennoch bleibt das Mutterland dieſer Beſtrebungen ohne denjenigen Segen, welcher ſo eminente Thätigkeiten immer belohnen ſollte.
Wer dies Buch lieſt, wird ſich nicht bloß lehrreich unterhalten, ſondern auch den Gründen jener Sachlage näher treten und die ſo oft gehegte irrthümliche Idee abweiſen, als müſſe es der Regierung möglich ſein, dieſelbe plötzlich günſtiger zu geſtalten. Man muß ſelbſt Beobachter von zahlreichen Opfern der Behörde geweſen ſein, um einzuſehn, wie hier nur eine allmähliche Reorga⸗ niſation erzielt werden kann, zumal wenn ſie nicht nur die kurze Zukunft einer Beſſerung durch Palliativmittel haben ſoll. Das
inanzielle und wiſſenſchaftliche Gouvernement des
ſchwierige f Erzgebirges muß und wird immer einen hervorragenden Punkt in atsverwaltung bilden. O. B.
Onkel Martin. Von Katharina Diez. 1859.
Verfaſſerin ſcheint frei von der heut zu T nd beſonders bei Schriftſtellerinnen üb ſchätzung ihrer Fähigkeiten, wel unde mit gewöhnlichen Schulken
Stuttgart, Die age bei Schrift⸗ üblichen Arroganz che ſie genügend finden, ntniſſen und ſpärlichen
bedeutungsvolle und umfangreiche Aufgaben
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