Jahrgang 
28-52 (1859)
Seite
571
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V. Juhrg . Jahrg. rdor n einem apiere ſtets ſo rthen.Ci, n es recht ver⸗ wunderbarere glaubt. Da Protentmaͤn⸗ ung, da ihnen Papiere ſtehn rklich der Ge⸗ vortrefflichſten emäinplatz zu den geſunden, Da brauche vor der Börſe aufs Schurz und denken, es ugg iſt vorbei, angſtlich und Igemäß wieder in gauz phan⸗ Leſen, welches nen Verſtand hört es auf aſen, welcher n Jäger hört loth dem fern⸗ ennt, dem er t lingt ſcharf rſcheinen, un

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Vochen be⸗ er: der idealſte unendlichket uon Jahles⸗

Nr. 36.

Dritte Verzagtheit, wenn wir, wie jetzt wirklich, in einer Zeit lebten, welche die ernſteſten Lagen, ja den Umſturz aller Verhält⸗ niſſe befürchten ließ! zugleich einer der klügſten iſt, war eben im Begriff, Völker und Fürſten Europas wie die Steine eines Schachbretes gegen einander zu ſchieben, und

Niemand konnte berechnen,

Der mächtigſte Mann in Europa, der

welche Züge und Sprünge er mit ihnen that, da die wahr⸗

haft virtuoſen und dämoniſchen Weltſchachſpieler es keine Minute vorher zu ſagen pflegen, wenn ſie rückwärts oder vorwärts ſchlagen und ſchleunig matt machen.

Da nun aber dieſer Humaniſt in ſeinem Kampfe für die Idee der Nationalitäten, eine Sache, welche ſo groß iſt daß ſie ſich nur gar nicht ausdenken läßt, bereits ein Opfer von 60,000 Menſchen ſehr beträchtlich findet und in ſeiner großmüthigen Mäßigung einen Waffenſtillſtand in Form eines Friedens und einen Frieden mit dem Weſen eines Waffenſtillſtandes ſchloß, da dieſe glückliche Wendung eingetreten iſt: ſo darf Europa wohl ein wenig verſchnaufen von ſeiner ge⸗ rechten Sorge. wird ſich immer friedlicher befeſtigen, im Herbſt wird höch⸗ ſtens irgend ein kleiner Schuſterjunge gegen das Schurz⸗ fell ſchlagen, aber der Winter wird durch die Harmonie⸗ ſoiréen der Diplomatie ſo treulich gemacht werden, daß alle geldhabende Leute Zeit gewinnen, ihre Papiere in Ord⸗ nung zu bringen, bevor das Frühjahr ſeine tauſend neuen Blüthenknospen überraſchend hervorſchießt aus gezoge⸗ nen Kanonen.

Bis dahin wird es alſo noch weiſe ſein, die kurzen

Friſten des Lebens zu benutzen. Wirklich thut dies das deutſche Publicum auch, denn während vor drei Wochen noch alle Dampfwagen, Dampfſchiffe und Gaſthäuſer ver⸗ ödet waren, belebt ſich jetzt Alles mehr und mehr.

Es gibt mehrere Hauptrouten, welche verdienter⸗ oder unverdientermaßen die meiſte Anziehungskraft für die Wanderluſtigen unſeres Erdtheils haben, ja welche ſogar

Amerikaner über den Ocean locken. Allem die Schweiz.

Da ich von der Schweiz aus meine weiten Fahrten begann, ſo möge zuerſt Einiges zur Charakteriſtik dieſes Landes beigebracht und berichtigt werden, ehe ich ſage, wohin ich den Wanderſtab ſpäter geſetzt.

Alles wirklich und dauernd Berühmte in der Welt hat ſeinen Ruf mit Recht, aber eben weil es berühmt iſt, ent⸗ zückt es um ſo mehr, und bedrückt Ebenbürtiges von ge⸗

Zu ihnen gehört vor

ringerem noch nicht durchgedrungenem Renommée, wie uns

durch dieſe Bannerphraſe bezeichnen, aber

Die Ernten ſtehen gut, der Sommer

die Ausſprüche gefeierter Autoren beſſer gefallen, als die un⸗ bekannter, ſelbſt wenn ihr Werth viel geringer ſein ſollte. Schon allein eine hohe Stellung gibt für die Welt dieſes blendende Relief; man erinnere ſich nur, wie oft die Bon⸗ mots mancher Fürſten, Miniſter oder reicher Großen wohl⸗ gefällig aufgenommen und bewundernd weiter getragen worden, obgleich ſie häufig ohne alle Pointe und eine Geiſtesnahrung von kummervoller Frugalität ſind(Nota⸗ bene, ich meine nur die todten, denn unter den lebenden i*ſt keiner, von dem ich nicht glaube, daß er mehr Witz hat, als ich denke).

Die Schweiz übt dieſes bedrückende Indenſchattenſtellen auf andere Gegenden aus, aber ſie iſt ein ebenſo überſchätz⸗ tes, als verkanntes Land, wenigſtens in Bezug auf ihre Bewohner.

Wer die Schweiz liebgewinnen und ſich einer angenehmen Täuſchung hingeben will, da doch einmal Täuſchungen das Menſchenleben am traulichſten ſchmücken, der muß ein Wagniß unternehmen, bei dem er freilich Alles verlieren kann. Er muß die Schweiz ganz zu Anfang des Som⸗ mers, vor dem Beginn der eigentlichen Saiſon bereiſen. Zu dieſer Zeit findet er nicht nur faſt überall, wie immer, eine freundliche, comfortable Aufnahme, ſondern es tritt ihm auch Ehrlichkeit und Solidität entgegen. Er entbehrt den peinlichen Eindruck, fortwährend mit Menſchen zuſam⸗ menzukommen, die ſich ein Gewerbe daraus machen, den

noch nie aber hat er, namentlich von den erſten Acten ab, dieſe glückliche behagliche Leichtigkeit, die wir als niederländiſches Temperament zu bezeichnen gewohnt ſind, dieſe Goethe'ſche Heiterkeit, dieſe geſammte rein menſchliche Lebensſtimmung, die

der Dichter poetiſch bis zur Todesentſchloſſenheit durchführte,

von ihm in ſo verklärtem Ausdrucke wie geſtern individualiſirt geſehen.

Welcher charakteriſtiſche Contraſt dagegen der Alba Dawi⸗ ſons! Man kann ſich keine energiſchere und dabei menſchlich lebendiger pulſirende Incarnation der abſolutiſtiſchen Tyrannei denken, als ſie hier einem frei aus ſich heraus lebenden Volksbe⸗ wußtſein entgegentrat. Entſetzen verbreitend von vornherein, und doch dabei männlich nobel, war dieſe Maske; gleichſam jeden Gegner niedertretend dieſer kurze, militäriſch ſchwere, ſporen⸗ klingende Tritt; ein Commando jedes Wort; wie von Eiſen jedes Glied, und doch menſchliche Gemüthsbewegung, ſtreitende Gefühle hin und wieder ſelbſt in dieſer, wie von Natur ver⸗ panzerten Bruſt. Goethe's größte Bewunderer werden es nie dahin bringen, den Egmont für ein eigentlich gutes Theaterſtück ausgeben zu können. menſchlichen Inhalt herausfühlende, das allgemein poetiſche Leben ſelbſtſtändig zu künſtleriſchen Pointen geſtaltende Aufführung kann über den Mangel ſtraffer dramatiſcher Action darin hinweg⸗

Nur eine ſehr glückliche, den individuell

viel geſchlagen werden?Aber,

ſetzen. In dieſer Hinſicht iſt die hieſige Darſtellung durch die

genannten beiden Meiſter eine ſo vollkommene. Die Art, wie Dawiſon die große Alba⸗Scene anlegt, ſteigert und gipfelt, iſt ein Meiſterſtück, ihr Höhepunkt in demGehorſam will ich ein Triumph der Schauſpielkunſt, dem in ebenbürtiger Bedeutun

vielleicht nur Eines an die Seite treten kann, d. i. der unnac⸗

ahmliche, dramatiſch accentuirte Ton, in dem Emil Devrient ihm antwortet:Fordere unſere Häupter, ſo iſt's auf einmal ge⸗ ſchehen!

Rindliche Naivetät.

Während im vorigen Winter Berliner Blätter wiederholt die Nachricht mittheilten, daß der kleine kaiſerliche Prinz in Paris, der am 16. März c. drei Jahr alt geworden iſt, ſtumm, vielleicht gar taubſtumm ſei, erzählt jetzt der in Paris ſich aufhaltende engliſche Correſpondent der Times folgende Anekdote von dem⸗ ſelben, welche die Grundloſigkeit jener Angabe recht deutlich beweiſt, weil ſich daraus ergibt, daß der Prinz nicht bloß ſprechen

kann, ſondern auch ſeinem Alter angemeſſen denkt. Derſelbe ſchreibt

nämlich:

Als der italieniſche Krieg noch im vollen Zuge war, ſetzte der kaiſerliche Prinz, ein eben ſo einſichtsvolles, wie liebenswür⸗ diges Kind, und der, wie man ſagt, das Engliſche noch beſſer als das Franzöſiſche ſprechen ſoll, ſeine Umgebung, die mit ihm bei Tafel war, in große Verlegenheit, als er plötzlich die Frage an ſie richtete:Sie ſagen immer, die Oeſterreicher ſind geſchlagen, geſchlagen. Was haben die Oeſterreicher gethan, daß ſie ſo Monſeigneur, ſie ſind nicht artig, ſie betragen ſich nicht gut.Was haben ſie denn aber gethan, was haben ſie gemacht?.

Als der Prinz ſah, daß die weiſen Perſonen, an die er ſeine Frage gerichtet hatte, ſich über die Vergehen der Oeſterreicher gegen die Franzoſen nicht zu erklären vermochten, ſagte er:O, ja, nun weiß ich es, nun weiß ich es; ſie halten ihre Hände und