Jahrgang 
28-52 (1859)
Seite
567
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Jahrg.

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rei zugezogen; ſie fühlte die Wirkung ihrer gewöhnlichen Ungeſchicklichkeit.

Unterdeſſen ſetzte ſich Edmond und begann nachläſſig einige Poſten zu übertragen. Zehn Minuten lang herrſchte das tiefſte Schweigen in dem Gemach; aber bald gab der junge Mann augenſcheinlich der Langweile, die ihm die Arbeit verurſachte, und dem Verlangen, eine Unterhaltung anzuknüpfen, nach. Er ſprach zu ſeinem Papier, ſang leiſe vor ſich hin; endlich trat er an das Fenſter, wie um ſich eine Feder zu ſchneiden.

Roſe ſchrieb immer noch.

Ich bewundere Sie, Couſine, ſagte er endlich.

Sie ſtört nichts. Wie können Sie nur bei dieſem köſt⸗ lichen Sonnenſchein arbeiten?

Ich bin daran gewöhnt.

Und wenn die Sonne, wie jetzt, über dem Graben lacht, haben Sie da nie das Verlangen, die Zucker- und Zimmt-⸗Atmoſphäre, die man in dieſem Zimmer athmet, zu verlaſſen, um die⸗Luft einzuſchlürfen, die durch die Bäume geſtrichen iſt, um einen Vogel ſingen zu hören?

Ich habe nicht Zeit, daran zu denken.

So gehen Sie nie ſpazieren?

O doch, des Sonntags nach der Vesper.

Und Sie finden dies Leben nicht einförmig?

Ich habe nie ein anderes gekannt.

Und womit füllen Sie denn die Zeit aus, die nicht dem Bureau gewidmet iſt, z. B. ihre langen Winter⸗ abende?

Ich ſtricke bis neun Uhr, dann lege ich mich ſchlafen. Edmond ſchnitt mit einem Ruck die Feder, die er in der Hand hielt, in zwei Stücke.

Es iſt doch unbedingt unmöglich, in dieſem Hauſe zu leben, dachte er für ſich.

Dann fügte er laut mit gleichgültigem Tone hinzu:

Ich beneide Ihre Reſignation; aber ich fürchte nur zu ſehr, ich werde ſie nicht nachahmen können. Ich für mein

Dritte folge.

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Theil bin gewohnt, draußen zu leben, in der freien Luft; ich erſticke in einem Bureau. Roſe erhob ihre großen blauen Augen und heftete ſie auf Edmond.

Wie wollen Sie es denn machen?

Ich werde wohl atzf den Handel verzichten müſſen. Ich werde nach Paris gehen, ich werde ſchreiben

Das junge Mädchen faltete ihre Hände mit einem Ausdruck ſchmerzlicher Ueberraſchung, dann, bemerkend, daß ihr Couſin ſie anſah, ſenkte ſie ſchnell den Kopf und ſchien mehr wie je mit ihrem Hauptbuch beſchäftigt.

II.

Die Straßen in Nantes wimmelten von Spazier⸗ gängern, die Glocken läuteten mit vollen Schlägen; auf dem Graben ſchritten die jungen Mädchen aus den Pen⸗ ſionen vorüber, reihenweiſe, das Meßbuch in den Händen, und nach allen Seiten unter ihren großen Hüten hervor⸗ lugend. Ueberall ſchwärmten die Kaufmannsdiener mit hohen Binden, Beinkleidern von militäriſchem Schnitt und Sporen an den Stiefeln, denn der Handlungscommis iſt gewaltig kriegeriſch einmal in der Woche. Die Veilchen⸗ verkäuferinnen riefen ihre Sträußchen an den Straßenecken aus, und die alten Rentiers laſen im Vorübergehen die vier Fuß langen Schauſpielzettel, welche ein anziehendes Ganzes von zehn Acten verſprachen! Es war ein Sonntag. Ich weiß nicht, weshalb der Sonntag für die, welche denken und fühlen, traurig iſt; aber es ſcheint, als ob das feſtliche Gepränge des großen Haufens, das Läuten der Glocken, die Beſchäftigungsloſigkeit des ganzen Tages das Herz verdüſterten und vereinſamten. An dieſem Tage ſind keine Promenaden erlaubt, jene Promenaden, auf denen man allein ſein kann mit den Bäumen und dem Himmel. Es iſt unmöglich, in den Feldern einer poetiſchen Träumerei nachzuhängen, ohne ſie bei jeder Hecke einem Soldaten

ſtürzten die Plünderer, Alles raubend, was ihnen von Werth in die Hände kam, das Werthloſe aber ſchonungslos ſtörend!

Lüdecke Schwalbe hatte ſich wieder emporgerafft und riß nun

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unbarmherzig der zitternden Elſe die Kleidung vom Leibe; er

ruhte nicht, bis er das arme Mädchen faſt nackt ausgezogen hatte, dann ſtieß er ſie mit höhniſchem Gelächter zurück, daß ſie nehen der Leiche ihres Bräutigams ſtöhnend zu Boden ſank.

Die Flammen hatten während dieſer Zeit Dach um Dach ergriffen. Das ganze Dorf ſtand in lichter Lohe, und die Hitze wurde nun, trotz der kalten Winternacht, ſo ſtark, daß die Räuber es in den Häuſern nicht mehr aushalten konnten. Beladen mit werthvollen Gegenſtänden kehrten ſie zum Eingange des Dorfes zurück, wo ihr Führer ſie erwartete. Das Vieh wurde zuſammen⸗ getrieben, der übrige Raub auf die verſchiedenen Pferde verrheilt und verpackt, dann befahl Johann von Quitzow den Aufbruch. Die Räuber entfernten ſich im ſchnellen Trabe, das früher ſo blühende Dorf Ferchland als eine rauchende und flammende Schuttſtätte zurücklaſſend.*

Immer ferner tönte der Hufſchlag der davon eilenden Pferde, endlich hörte man nichts mehr, da richtete Balzer Kopken ſich auf und ſchaute um ſich. Neben ihm lag ohnmächtig ſeine halb nackte Tochter, zur andern Seite der Leichnam ſeines Schwieger⸗ ſohnes.

Vor einer Stunde noch war Balzer ein Mann auf der Höhe

des Glücks geweſen, ein Mann, dem eine ſchöne Zukunft lächelnd winkte, ein Mann, der all ſeine liebſten Wünſche erfüllt oder der Erfüllung nahe ſah; jetzt war er ein armer mißhandelter Bettler! Sein Vieh war fortgetrieben, ſeine Scheunen, ſein Wohnhaus

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verbrannt, der Schwiegerſohn getödtet, die Tochter entehrt, ſein ganzes Glück war zertrümmert, in wenig Augenblicken vernichtet durch die wilden Quitzow's! Er ballte die Fäuſte und ſtreckte ſie wüthend gen Himmel..

Rache, Rache! rief er.Du ſollſt es mir entgelten, Johann von Quitzow! Ich will nicht ruhn, nicht raſten, bis ich mich ge⸗ rächt habe an Dir, Du Mörder, Du Räuber!

Er hob ſeine Tochter mit kräftigem Arm vom Boden auf und trug ſie nach einem im Garten, von dem Hauſe entfernt ſtehenden Heuſchuppen, welchen das Feuer nicht ergriffen hatte. Hier legte er ſie nieder und bedeckte ſie mit Heu, damit ſie in der kalten Winternacht nicht erfriere, dann kehrte er zurück, um nach dem Schwiegerſohn zu ſehn; aber er fand, daß hier nicht mehr geholfen werden könne; des Quitzow's gewaltiges Schwert hatte ihm augenblicklich den Tod gebracht. 1

Er ging darauf in's Dorf, um zu verſuchen, ob nicht die Bauern zuſammenzurufen ſeien. Mit gemeinſamer Anſtrengung konnte hier oder da vielleicht doch noch Einiges gerettet werden; aber ſeine Mühe war vergeblich, denn die meiſten Bauern hatten ſich in die benachbarten Büſche geflüchtet, um wenigſtens ihr Leben vor den Angriffen der Quitzowſchen Reiter zu ſchützen, wenn ſie auch ihr Eigenthum denſelben überlaſſen mußten. 6.

Zur Länder⸗ und Völkerkunde. Das Arktheil eines Nordamerikaners über Cuba.

Ich werde es nicht müde, dieſe neuen und ſeltſamen Scenen zu betrachten: die Stationen mit den Gruppen von Bauern,