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gegenüber zu ſtellen, der ſich eine Nußbaumruthe ſchält, oder einem Bürger, der mit ſeinen zwei Kindern ſpielt. Es iſt der Tag, wo man draußen Kuchen ißt und Käm⸗ merchenvermiethen ſpielt. Der Träumer iſt genöthigt, ſich in ſeine Wohnung zurückzuziehen und ſich abzuſchließen: die Krämer behaupten das Feld!
Edmond befand ſich in dieſer verzweifelten Sonntags⸗ ſtimmung. Er hatte geleſen, geſchrieben, geſungen, Flöte geſpielt, auf die Straße geſchaut, ohne dieſe hartnäckige Langweile, dieſen dumpfen Spleen verjagen zu können, die der Tag des Herrn in ſeinem Gefolge zu haben ſcheint. Sein Geiſt, den Alles ermüdete, war wie die Kranken, die alle möglichen Lagen annehmen und doch nicht zur Ruhe kommen können. Nicht mehr wiſſend, womit ſich zer⸗ ſtreuen, und jenen Ekel an der Einſamkeit fühlend, jenes Bedürfniß eine menſchliche Stimme zu hören, das uns manchmal ſo mächtig ergreift, ging er zum Wohnzimmer hinab, wo ſich ſeine Couſine befand.
Das Wohnzimmer Barnabé Poireau's war auf der Hinterſeite des Hauſes gelegen. Es war ein großes, dunkles Gemach, welches ein ungeheurer Schrank von Eichenholz einengte, eines jener rieſigen Meubel, die unſere Vorfahren ſo liebten, und aus denen ein moderner Reſtau⸗
rateur zur Noth ein beſonderes Cabinet für zwei Perſonen
machen könnte. Dieſer Schrank enthielt den Leinwand⸗ ſchatz, der ſeit fünf Generationen, nach dem Grundſatze unſrer Mütter,„daß man niemals zu viel Linnen in einer Haushaltung haben könne,“ in der Familie Poireau aufge⸗ häuft war. Der Handel hatte ſich ſelbſt in dies Gemach Eingang zu verſchaffen gewußt, denn mehrere Ballen Zucker, deren eigenthümlicher Duft ſich ſehr bemerkbar machte, waren in einer Ecke hinter dem großen Schranke aufgeſpeichert.
Roſe ſaß in dem Augenblicke, wo ihr Couſin eintrat, am Fenſter. korb, Edmond näherte ſich und bemerkte ein Buch.
Novellen⸗Zeitung.
Sie warf ſchnell etwas hinter ihren Arbeits⸗
„Ah! Sie laſen, Couſine?“
„Ja— ich— ich durchblätterte— dieſen Band.“ Sie zitterte, als hätte ſie eine ſchlechte Handlung begangen. Der junge Mann ſtreckte die Hand nach dem geheimniß⸗ vollen Buch aus, und ſah nach dem Titel: Victor, oder das Kind des Waldes, von dem Bürger Ducroy⸗Duménil.
„Wie? das iſt ja ein ausgezeichnetes Werk, mit einem ſchönen Kupfer, wo man eine Frau ohnmächtig ſieht zu den Füßen eines Böſewichts, der ſehr bärtig iſt und einen Dolch in der Hand hat. Und das hat Sie ohne Zweifel ſehr ergriffen?“
Roſe ſenkte verwirrt das Haupt. Sie kannte nur wenige Romane, und Victor nahm unter allen, die ſie bis jetzt geleſen hatte, den höchſten Rang ein. Sie glich jenen Prinzeſſinnen der Wilden, die ſich wenig auf Frauenſchmuck verſtehen und Glaskorallen für Perlen nehmen. Dennoch wagte ſie, Edmond zu antworten.
„O, ſehrl“
Edmond machte das Buch verächtlich zu, und ließ es wieder in den Arbeitskorb fallen.
„Und leſen Sie weiter nichts als dieſe alten Romane?“ fragte er.„Kennen Sie keinen der modernen Autoren? keinen Dichter der neueren Schule?“
„O, doch! ich habe auch die Satiren von M. Despréaux geleſen und die Fabeln des Chevalier Florian.“
Edmond konnte ſich nicht enthalten laut zu lachen; Roſe wurde bleich und zitterte, und große Thränen ſtanden in ihren Augen.
„Mein Gott!— ich habe wohl etwas ſehr Dummes geſagt— Ich glaubte, Sie fragten mich—“
Sie konnte nicht weiter, und brach in Weinen aus. Edmond hatte Mitleid mit ihr.
„Verzeihen Sie mir, Couſine; aber halten Sie denn keine Journale?“
„Wir halten das Echo des Marktes und das Han⸗ delsblatt.“
Negern und Obſtverkäufern, die ſich um ſie her verſammeln, und die dort aufgehäuften Vorräthe von Zucker und Molaſſe; die in der Sonnenhitze glänzenden Zuckermühlen mit ihren hohen Schornſteinen; die Rohrfelder, Acker an Acker, die langſamen Ochſenkarren, welche das Zuckerrohr in die Mühle bringen; dann die Zwiſchenräume, von brachliegenden Feldern; die mit kleinen wilden Blumen verzierten Dſchongles, die Pflanzungen der weinenden, hinſchmachtenden, heimwehkranken Cacao; die könig⸗ liche Palme, die unter den Bäumen das iſt, was das Kameel oder Dromedar unter den Thieren iſt— die ſich von Nubien oder Meſopotamien verlaufen zu haben ſcheint; den ſteifen, kurzen Pomeranzenbaum mit ſeinen goldfarbigen Fruchtballen, und dann die Ueberbleibſel einer Kaffeeplantage, wo die Kaffeebäume wild
und unbeſchnitten zwiſchen Pflanzungen von Piſang und Bana⸗-
nen wachſen. Wie könnte ein ſolcher Anblick ein Auge ermüden,
das vor vierzehn Tagen noch den winterlichen Schnee und den
Schmutz in den engen Straßen Newyorks erblickte?
Es iſt gewiß wahr, daß ſich auch in den tropiſchen Ländern eine Induſtrie findet. Die Arbeit iſt dort dauernd. Trotz Allem, was wir von dem entnervenden Einfluß des Klimas in der heißen Zone hören und wiſſen, iſt der weiße Mann, wenn er auch ſelbſt nicht arbeitſam iſt, die Urſache, daß Andere arbeiten. ihren ſocialen und politiſchen Entmuthigungen, bei den Nachtheilen
Staaten Nordamerikas davon erhoben wird, und einem Zoll von vollen 100%, den die Regierung in Cuba von dem aus Nord⸗ amerika eingeführten Mehle erhebt, und trotz der ſchweren Ab⸗ gaben, die auf der Inſel laſten und die nach allen Abzügen der ſpaniſchen Regierung jährlich ein Nettoeinkommen von 16
Bei allen
Millionen Dollars einbringen, iſt die Inſel Cuba doch ſehr productiv und ſehr reich. Allerdings herrſcht in der Induſtrie dort wenig Verſchiedenheit. Auf dem Lande beſchäftigt man ſich mit der Anpflanzung und dem Zubereiten des Zuckers und in den Städten mit dem Verkauf und der Ausfuhr deſſelben. Fügt man⸗ nun noch etwas Kaffee und Kupfer und ferner Tabak, einige friſche und eingemachte Früchte und den durch dieſe Gegenſtände angeregten Handel und die mechaniſchen und Handelsbedürfniſſe der Städte hinzu, ſo hat man den ganzen Betrag der Induſtrie und der Hülfsquellen der Cubaner. Wiſſenſchaft, Kunſt, Literatur, Waffen, Manufacturen, und das Erlernen und Discuſſionen der Politik, der Theologie und der großen Probleme und Meinungen, welche die Geiſter der denkenden Welt bewegen— an alle dem haben die Cubaner keinen Antheil. Afrikaner und Chineſen thun die Handarbeit; die Cubaner beſitzen das Land und Capital und lenken den Ackerbau; der Handel theilt ſich zwiſchen den Cubanern und den Ausländern aller Nationen; die Civil⸗ und Militärregierung ruht dagegen ganz in den Händen der Bürger Altſpaniens. Der Cubaner darf nicht einmal ein Gewehr tragen, ohne daß er ſich dazu eine beſondere Erlaubniß der Behörde ver⸗ ſchafft bat. Die Geſetze, welche er zu befolgen hat, werden in Spanien gemacht und durch eine Centralmacht, einen fremden
1 en 1— th⸗ General⸗Capitain verwaltet, der bloß von ſpaniſchen Civil⸗ und eines Zolls von 25% auf ihren Zucker, der in den Vereinigten
Militärbeamten unterſtützt wird. Dem Cubaner iſt jede öffent⸗ liche Laufbahn verſchloſſen. Wenn er nach Spanien überſiedelt, ſo iſt ſeine creoliſche Geburt, wofern er nur als Anhänger der könig⸗ lichen Macht gilt, wahrſcheinlich kein Hinderniß für ihn, doch zu Hauſe kann er als Cubaner Pflanzer, Kaufmann oder Arzt ſein, er darf aber nicht erwarten, daß ihm je eine Stelle als Civilbe⸗
[V. Jahrg.
Nr. 36.
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