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eckig und unſchön gemacht; ihr Körper ſchien, wie der einer Gliederpuppe, nur aus drei Stücken zu beſtehen: aus Büſte, Beinen und Armen. Jeder dieſer Theile be⸗ wegte ſich für ſich, heftig und ohne Uebergang.
Und doch konnte es dem aufmerkſamen Beobachter nicht entgehen, daß zwiſchen der Natur Roſens und der Stel⸗ lung, die ihr der Zufall angewieſen hatte, ein beleidigen⸗ der Widerſpruch, der ſich auf alle ihre Handlungen er⸗ ſtreckte, Statt fand. Sie ſchien auf beiden Seiten links zu ſein; Nichts war bei ihr an ſeinem Platze; Alles ent⸗ behrte der Leichtigkeit und Freiheit.
Und wie hätte es anders ſein können?— Roſe hatte niemals eine Kindheit gehabt. Kaum hatte ſie ſchreiben können, als ihr Vater ſie an ein Bureau feſſelte. Der Freuden des Kindes beraubt, hatte ſie niemals die Anmuth des Kindes gehabt; dafür aber hatte ſie noch jetzt jenes
ſcheue, linkiſche Weſen, das weder dem Kinde noch dem 7 7
jungen Mädchen angehört, und das ſo häufig die knechtiſche Erziehung gewiſſer Bildungsanſtalten erzeugt. Denn die Anmuth des Körpers hängt beinahe immer von dem Glück der früheſten Jahre ab; viele Menſchen ſind aus keinem andern Grunde ungraziös, als weil ſie unglücklich geweſen ſind. Die Kindheit iſt wie eine Blume, die ſich nur in freier Luft und in den belebenden Strahlen der Sonne entfaltet.
Dennoch waren ſeit der Ankunft Edmond Bian's einige Veränderungen in Roſens Aeußerem vor ſich gegangen⸗ Der poetiſche Jüngling war wie ein Stern in ihr dunkles Leben gefallen. Zum erſten Male hörte ſie Jemanden von etwas Anderem, als von Tarifen und Ausladen der Waa⸗ ren ſprechen. Auch ſchien ſie zerſtreuter ſeit einigen Tagen. Ihr Geſicht belebte ſich in Edmond's Gegenwart mit einer plötzlichen Röthe, und Barnabé Poireau hatte mit Erſtaunen bemerkt, daß ſeine Tochter Tintenflecke auf die Regiſter und Fehler in ihren Additionen machte.
In dem Augenblick, in welchem wir Roſe an ihrem
Novellen⸗Zeitung.
[V. Jahrg.
Pulte ſitzend eingeführt haben, beendigte ſie gerade ihre Morgenarbeit. Als ſie ſertig war, ſtützte ſie ſich nachdenk⸗ lich auf das Pult, mit ſtarren, weit geöffneten Augen. Ein ſchneller Schritt, der ſich auf der Treppe hören ließ, riß ſie aus ihrer Träumerei, ſie nahm eilig die Feder wieder zur Hand, und erröthete bis an die Schläfen. Edmond trat ein.
Er näherte ſich dem jungen Mädchen und überreichte ihr ein Blatt.
„Es iſt das Reviſionsprotokoll des großen Magazins,“ ſagte er.
Roſe dankte.
„Noch immer mehr Arbeit,“ fügte der junge Mann hinzu;„es iſt viel abzuſchreiben, und Sie werden ſich ge⸗ hörig langweilen.“
„O, durchaus nicht! Im Gegentheil.“
Edmond lächelte und ſchien etwas auf ſeinem Bureau zu ſuchen.
„Ich hatte hier einen Auszug aus einer Rechnung, den mich mein Onkel fertig zu machen gebeten hatte.“
„Hier iſt er.“
„Tauſend Dank— Ach, mein Gott, was für Additio⸗ nen— Ich muß ſchon zum Voraus gähnen.“
Roſe hob den Kopf in die Höhe, nahm ein kleines vier⸗ eckiges Stück Papter, welches bei ihr lag, und bot es ſchüchtern dar.
„Nehmen Sie, ich habe die Summe gezogen, nur um mich zu beſchäftigen. Sie iſt richtig. Sie brauchen nur das Ganze ins Buch zu übertragen.“
„In der That,“ rief Edmond,„wahrhaftig, Couſine, das iſt eine arithmetiſche Zuvorkommenheit, die ich niemals vergeſſen werde.“
Roſe ließ den Kopf gedemüthigt ſinken. Sie hatte Edmond eine Arbeit, die ihm unangenehm war, erſparen wollen, und hatte nichts ausgerichtet, als ſich eine Spötte⸗
„Warum iſt es ſo finſter hier?“ rief der Quitzow,„ſchafft Licht, werft einen Feuerbrand in die Strohdächer!“ Der Befehl wurde im Augenblick vollzogen. Ein wüſter Kerl, Schwalbe, einer der beliebteſten Knechte Johann’'s von Quitzow, ſprang ſofort vom Roß, trat in die Stube des Schulzen, riß aus dem Kamin einen lodernden Brand und ſprang damit wieder zurück auf die Straße.
Im nächſten Moment ſchon flammte das Strohdach des Hauſes empor und ſchnell theilte ſich das Feuer auch den benach⸗ barten Dächern mit.
einzige Straße des Dorfes.
„Zur Plünderung!“ tönte wieder die laute, befehlende Stimme Johann's von Quitzow.„Aber beeilt Euch, Ihr Mannen, wir haben keine Zeit zu verlieren. Vorwärts! Nehmt ſchnell Alles, was Wexth hat, treibt das Vieh zuſammen; aber nichts Werthloſes wird genommen! Schnell!“
Balzer Kopken ſah mit ſtarrem Entſetzen, wie die Reiter ſich
vertheilten, wie je fünf und ſechs einem der Zurückbleibenden die
Zügel ihrer Pferde zuwarfen, abſprangen und in die Häuſer
eilten, aus denen bald ein wildes Geſchrei ertönte, beweiſend, daß die wüſten Quitzowſchen Knechte nur zu ſchnell den Befehl ihres Führers befolgt halten. Hier war nicht zu helfen, nichts zu retten; der Schulze beſchloß daher, ſich möglichſt ſchnell zu⸗ flüchten.— Er wandte ſich zu den Seinigen, aber mit Entſetzen ſah er, daß ſeine ſchöne Tochter, im reichen bräutlichen Schmucke neben dem Bräutigam dicht an der Thür des Hauſes ſtehend, allen Blicken ausgeſetzt war. Er wollte zu ihr eilen, ſie zurückdrängen, mit ihr flüchten; aber ehe er es noch vermochte, hatte Lüdecke
Lüdecke
Jetzt wurde es freilich hell genug, denn die lodernden Flammen erleuchteten mit rothem Gluthſchein die
Schwalbe das Mädchen erſchaut, und rief mit wüſtem Lachen: „Du biſt mir willkommen, Bauerndirne! Dein reiches Kleid ſoll meinem Liebchen ein ſchönes Geſchenk ſein. Schnell zieh die Jacke aus, wir haben Eile!“— Mit roher Hand hatte bei dieſen Worten der Knecht das junge Mädchen beim Mieder gefaßt! Peter Boz hatte bisher kein Glied gerührt, das aber war
ihm zu viel, er konnte dieſe Behandlung ſeiner Braut nicht mi anſehn!
Der kräftige, junge Bauer umfaßte Lüdecke Schwalbes
rang mit ihm. an Kräften wohl überlegen, faſt hätte er ihn beſiegt! Er riß aus dem Gürtel des Räubers einen Dolch und war im Begriff, den⸗ ſelben ins Herz des Feindes zu ſtoßen; da gewahrte Johann von Quitzow die Gefahr ſeines Knechtes. Mit einem Sprunge ſeines ſchwarzen Roſſes war er an der Seite des Kämpfenden, ſein Schwert flammte durch die Luft und ſtreckte Peter Boz als Leiche zu Boden, obgleich Balzer Kopken dem Pferde in die Zügel fiel und es zurückzudrängen verſuchte. Ein zweiter Hieb des gewal⸗ tigen Schwertes, welcher aber glücklicherweiſe nur flach traf, warf Balzer ſchwer verwundet neben ſeinen Schwiegerſohn. Im nächſten Augenblicke hielt Johann von Quitzow wieder ſo ruhig und regungslos auf ſeinem Roſſe, als ſei nichts vorge⸗ fallen! Sein eines Auge blickte beobachtend über die Straße hin, eer nahm nicht Theil an der Plünderung, an dem allgemeinen Morde, er überſchaute nur ruhig, beobachtend den Kampf,— den Kampf, ſagen wir, und doch war es kaum ein Kampf zu enhen, denn wenn auch hier oder da einige der bewaffneten
Bauern den eindringenden Knechten zu widerſtehen verſuchten, bald wurden ſie niedergemacht, und über ihre Leichen hinweg
Peter war ein ſtarker Mann und dem Schwalbe
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