Jahrgang 
28-52 (1859)
Seite
565
Einzelbild herunterladen

1Sn

5 langweili ane Pünktlich⸗ mich niemnals 66, von neun t Sortenzettel it den Kunden Zucker wiegen Stunden lang lle Cireulaire! Hauſe habe ich Dnkels, Herrn ſchen von der natiſche, arith⸗ nals haſt träu⸗ Poireau, und ebracht, daß er enſch, den der ſtenberechnung r am Tage des elle herſagend beis der Wahr⸗ weiter nichts ollen. Er iſt ern Gedanken n Hauſe, und Du koͤwieſt wie ihn. Er uld einbringt, in der Sanſt⸗ F ſein Auf hier heines ſicheren Er iſt einer der her ode Ad⸗

Charles oder

werde ich Dir

ſo wie mit dem u Negiment, in tüdte Landleute 9 d nthin, liegt und nd Es war von nd, e ſche vingsum in

Unkreiſe⸗ denn

weiten

von ihr gar nichts ſagen, und doch iſt das ſo ziemlich Alles, was man von ihr ſagen kann. Denke Dir eine unbedeutende, bleiche Perſon mit großen blauen Augen und Schreibärmeln von grünem Zeuge, um ihr Kleid nicht zu beſchmutzen. Sie führt das Tagebuch, ſchreibt Ziffern en belle anglaise, und verbringt ihr Leben zwiſchen Briefmappen, Radirmeſſern und Mundlack. Sie macht auf mich den Eindruck einer Tapetenthür, ich bemerke ſie alle vierzehn Tage einmal.

Nun, ſage ſelbſt, Stanislas, muß ich nicht um kommen in einer ſolchen Familie? Nähme ich nicht Rück⸗ ſicht auf meine Mutter, ich wäre ſchon wieder abgereiſt. Sie möchte mich in einem Stande ſehen, der mir Ver⸗ mögen verſpricht, ſie denkt, mein Onkel dürfte mir nütz⸗ lich ſein; ihre ganze Zukunft iſt darauf begründet. Sie hat mir mein Leben nach ihrer Art aufgebaut, und ich wage noch nicht daran zu rühren! Und dennoch, Du weißt es, Freund, bin ich nicht geboren für dieſe engen und kleinlichen Beſchäftigungen, die man mir aufbürdet. Iſt es Einbildung, iſt es ein richtiger Inſtinct: ich fühle manchmal, wie ſich meine Hand auf meine Stirn legt, und ich ſage mit André Chenier: Hier lebt Etwas.

Trotz der proſaiſchen Exiſtenz, die mich umgibt, überkommt mich doch die Begeiſterung Ich kann kein neu erſchienenes Buch ſehen, ohne Herzklopfen zu empfinden. Wenn ein neuer Name in irgend einer Kunſt auftaucht, fühle ich mich ergriffen, unzufrieden. Mir kommt es vor, als ob alle Stellen beſetzt würden, und ich müßte leer ausgehen. Ich bin traurig um den Ruhm der Andern, ich wehre mich gegen die Ueberzeu⸗ gung von ihren Triumphen, und es gibt Stunden lich erröthe darüber, mein Freund), wo ich mich für neidiſch halte! O, es iſt in Wahrheit ein unedles Ding, das menſchliche Herz!

Adieu, mein vultur togatus; gute Verdauung und Proeeſſe.Edmond Bian.

Dritte Folge. 565

Acht Tage nach Abgang dieſes Briefes ſaß in der

Hinterſtube eines der dunkelſten Häuſerdes Grabens,

in einem Bureau, das acht Schuh ins Gevierte maß und von dem übrigen Theil des Zimmers durch ein Holzgitter getrennt war, ein junges Mädchen, in gerader Haltung und ſehr ernſthaft beſchäftigt, die Columnen eines Regiſters mit Zahlen auszufüllen. An ihrem Tüllhäubchen, unter dem einige Papilloten von grauem Papier hervorſahen, an ihren alten mit Tinte beſchmutzten Handſchuhen, von denen die Fingerſpitzen abgeſchnitten waren, an ihrer ſchwarzen Schürze mit großen Taſchen, an ihren grünen Schreib⸗ ärmeln, und vor allem an ihrer bleichen, welken Stirn war es nicht ſchwer, eine jener Kaufmannstöchter zu erkennen, die von ihrer Jugend auf, an ein Bureau geſchmiedet, in der dumpfen Luft eines Arbeitszimmers verblüht ſind. Dies war Roſe Poireau.

Es wäre ſchwer zu ſagen geweſen, ob Roſe Poireau häßlich oder hübſch ſei. Sie galt in dem Viertel für von der Natur wenig begünſtigt, denn ſie hatte weder die blühende Friſche, noch die kräftigen Formen, die das Auge eines Spießbürgers erfreuen, aber, ohne zu beſitzen, was in den Augen der Großhändler die Schönheit ausmacht, hatte doch Roſe etwas, das ſie in einer anderen Claſſe, in einer anderen Kleidung und unter andern Sitten hätte reizend erſcheinen laſſen. wurde kaum durch zwei große blaue Augen belebt, ihre Bruſt war eingeſunken, ihre Schultern waren gekrümmt, ihr Gang war hölzern, und dennoch durch das Alles hin⸗ durch zeigte ſich eine gewiſſe ariſtokratiſche Feinheit, die durch die unmodiſche, ungraziöſe Tracht mehr carrikirt, als aufgehoben war. Es handelte ſich hier in der That um ſehr feine Unterſchiede, die man nur nach einer ſorg⸗ fältigen Prüfung bemerken konnte. Im Allgemeinen war der erſte Eindruck, den Roſe Poireau machte, ihr wenig vortheilhaft. Die Gewohnheit, lange Zeit in einer ge⸗

zwungenen Haltung ſtill zu ſitzen, hatte ihre Bewegungen

Eigenſchaften wegen die Achtung ſeiner Nachbarn reichlich ver⸗ diente. Wenn der Erzbiſchof zu irgend einer Fehde die Mannen aufrief, dann erſchien ſtets Balzer als der Erſte und ſtellte ſich an die Spitze der jungen Bauern aus dem Dorfe. In mancher Fehde hatte er tapfer mitgekämpft, und ſogar durch Muth und Tapferkeit das Auge ſeines hohen Herrn auf ſich gelenkt; Balzer durfte eines gnädigen Grußes vom Erzbiſchof gewiß ſein, wo derſelbe ihn auch traf, und er rühmte ſich deſſen nicht wenig. Nur einen Wunſch hatte der Bauer bisher gehegt, den, ſeine ein zige liebliche Tochter ſtandesgemäß zu verheirathen; wir ſagen ſtandesgemäß, denn in jener Zeit war der freie Bauer nicht weniger ſtolz auf ſeine Geburt, als der ſchloßgeſeſſene Edelmann! Niemals hätte Balzer es zugegeben, daß die hübſche Elſe einem Bauer ihre Hand gäbe, der weniger begütert war als Balzer ſelbſt, oder der vielleicht aus leibeigenem oder wendiſchem Blute ſtammte.

Auch dieſer einzige Wunſch des Schulzen ſah jetzt ſeiner Erfüllung entgegen, denn Peter Boz, ein reicher junger Bauer aus dem benachbarten Dorfe Parchen, hatte ſich um Elſens Hand beworben, und von dem Vater und der Tochter gern das Jawort erhalten; die Verlobung war gefeiert worden mit dem üblichen Aufwand von Spiel und Tanz, welcher in der Bauernſtube ſo wenig fehlen durfte, als auf dem Schloſſe des Adeligen. Einige Tage nach der förmlichen Verlobung, in den letzten Tagen des Novembers 1413, war Peter Boz zum Beſuch nach Ferchland gekommen und Balzer Kopken hatte wiederum eine fröhliche Ge⸗ ſellſchaft, aus den reichſten Bauern von Ferchland und deren Frauen, Töchtern und Söhnen beſtehend, in ſein am Eingange des Dorfes ſtehendes Haus geladen.

Die große Stube war prächtig ausgeputzt, alle Bauern und Bäuerinnen hatten ihren ſchönſten Schmuck angethan, und ver⸗ gnügten ſich beim feſtlichen Mahle. Keine Sorge ſtörte die allgemeine Freude, denn ſeit langer Zeit hatte man nichts von den gefürchteten Quitzow's und ihrem Anhange gehört; da wurde plötzlich das Lachen und Scherzen unterbrochen, denn deutlich vernahm man die Hufſchläge einer bedeutenden, ſich nahenden Reiterſchaar, welche auf dem hartgefrornen Boden weithin er⸗ ſchallten. Sämmtliche Gäſte ſprangen erſchreckt von ihren Sitzen auf. Ein junger Bauer eilte hinaus, um Nachricht zu bringen, was draußen vorgehe; nach wenigen Augenblicken kam er todten⸗ bleich zurück und rief:Fliehet, fliehet, die Quitzow's kommen!

Die Quitzow's kommen! Dies war ein Schreckens⸗ ruf, der in den magdeburgiſchen Dörfern alle Gemüther mit Furcht und Entſetzen erfüllte, wo er auch ausgeſtoßen werden mochte. Die Geſellſchaft ſtob auseinander. Nach wenigen Augenblicken ſchon waren die feſtlich geſchmückten Stuben veroͤdet. Jeder eilte nach ſeinem Hauſe, um das Koſtbarſte und Schönſte ſchnell zu ergreifen und ſich aus dem Dorfe zu flüchten in die nahen Büſche. Balzer Kopken überſah im erſten Augen⸗ blicke die ganze Gefahr ſeiner Lage. Mit ruhiger Beſonnenheit befahl er der Frau und Tochter, den koſtbarſten Schmuck zu retten und ihm dann zu folgen; aber ſchon war es zu ſpät, denn als Balzer, gefolgt von den Seinen und dem Bräutigam der Tochter, vor die Hausthür trat, da hielt ſchon dicht vor ihm auf hohem Roß ein gewaltiger, rittermäßig gekleideter Mann, in welchem er ſofort Johaun von Quitzow erkannte. Rings um Johann ſchaarte ſich ein zahlreicher Haufe von Reitern, des Plünderungsbefehls

gewärtig.

Ihr langes bleiches Geſicht,