Jahrgang 
28-52 (1859)
Seite
552
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Wie ſieht es aus, Graf Maienburg, wollen Sie noch immer nicht ſagen, auf welche Weiſe Sie in den Beſitz der Dublonen gelangten?

Ich kann es nicht, Euer Excellenz, entgegnete Ar⸗ thur ehrerbietig, aber feſt.

Ich kann es, ſagte darauf der Miniſter lächelnd, aber ich erführe es lieber aus Ihrem Munde, weil ich da⸗ durch in den Stand geſetzt würde, nicht nur Ihre gänz⸗ liche Freiſprechung zu verfügen, ſondern auch bei unſerem gnädigen Monarchen Ihre vollſtändige und unbedingte Rehabilitirung zu bewirken.

Ich danke Eurer Excellenz für Ihre gütige Geſin⸗ nung, ſagte Arthur;aber ſelbſt dieſe kann mich nicht zu den verlangten Aufſchlüſſen bewegen.

Auch das hier nicht? fragte der Miniſter und über⸗ gab ihm die Zeilen Amaliens.

Ja! rief Arthur freudeſtrahlenden Antlitzes,jetzt bin ich frei ehrenvoll entbunden meines feſſelnden Wor⸗ tes! Und auf der Stelle beſtätigte er nun Alles, was Amalie von der Ueberſendung des Geſchenkes, dem daſſelbe begleitenden Briefe und der auf denſelben empfangenen Antwort geſagt hatte.

Die genaue Uebereinſtimmung ſeiner Angaben mit dem, was Amalie dem Miniſter mitgetheilt hatte, würde bei dieſem den letzten Zweifel verbannt haben, wäre er nicht ſchon vorher völlig überzeugt geweſen.

Nun wohl, ſagte er,ſo empfangen Sie denn von mir nebſt dem Ausdrucke meiner aufrichtigen Bewunderung für Ihre Standhaftigkeit nicht nur Ihre unbedingte Frei⸗ ſprechung, ſondern auch den wohlverdienten Lohn!

Damit nahm er ihn bei der Hand, öffnete die Thür des Seitenzimmers und führte ihn in die Arme Amaliens, die ſehnſüchtig harrend auf der Schwelle ſtand, und den Geliebten unter einem hervorbrechenden Thränenſtrome an ihr hochklopfendes Herz ſchloß.

Novellen⸗Zeilung.

[V. Jahrg.

Der Miniſter drückte leiſe die Thür zu und überließ die Liebenden ohne Zeugen den erſten Ausbrüchen des Ent⸗ zückens. Nach einer längern Pauſe öffnete er dann die Thür wieder und ſagte lächelnd:

Entſchuldigen Sie, daß ich ſtöre, allein wichtige Ge⸗ ſchäfte rufen mich fort; ich beurlaube mich daher bei Ihnen, aber zuvor wollte ich mich noch ſelbſt als Gaſt zu Ihrer Hochzeit laden, die, wie ich nicht zweifle, nach der letztwil⸗ ligen Verfügung meines würdigen Freundes, des verſtor⸗

benen Präſidenten, baldigſt ſtattfinden wird. Ich be⸗

gebe mich jetzt unmittelbar zu dem Monarchen, um dem⸗ ſelben über Ihre Angelegenheit Bericht zu erſtatten, Herr Graf, und morgen hoffe ich, Sie in Ihrer Uniform bei meiner Soirée zu ſehen!

So geſchah es auch. Arthur wurde noch an demſelben Tage durch königliches Deeret in alle ſeine Ehren und Würden wieder eingeſetzt, und von allen Seiten kam man

ihm mit einer an Ehrerbietung grenzenden Achtung ent⸗

gegen; als er aber nach erlangtem Dispens noch vor Ab⸗ laͤuf der von dem verſtorbenen Präſidenten feſtgeſetzten drei Monate mit der Witwe des Ehrenmannes vor den Altar trat, drängte ſich die ganze Reſidenz herbei, um Zeuge der Trauung zu ſein, durch welche Arthur den Lohn für die ſtrenge Bewahrung ſeines Ehrenwortes empfing.

Hätte aber von ſeinem Aufenthalte im Zuchthauſe ja noch ein Makel auf ihm gehaftet, ſo wurde dieſer ſelbſt in den Augen der ſtrengſten Richter in Ehrenſachen dadurch vertilgt, daß einer der königlichen Prinzen ihn zu ſeinem Adjutanten erwählte, eine Ehre und Auszeichnung, deren Arthur ſich vollkommen würdig zeigte.

ſpät Abends und erſt nachdem die Municipalität das Verſprechen gegeben, für die Unterhaltung der Unbemittelten zu ſorgen, und als die Volksaufregung in gefährlichem Steigen war, entſchloſſen, die Unglücklichen wieder einzulaſſen. Ein verheerender Kugel⸗ regen kam jetzt über die hart bedrängte Stadt, überall ſchlugen die Flammen empor, und Todte bedeckten die Straßen; alle Gräuel des Krieges, dieſes furchtbaren, unnatürlichen Friedens⸗ vermittlers, zogen verheerend durch die Straßen des goldenen Mainz, Tod und Verderben ausbreitend. Der Bürger Wohlfahrt umhüllte der dunkelſte Trauerflor und das Familienglück verkroch ſich in feuchte Gewölbe, um nicht ganz vernichtet zu werden. Was in langen Jahren Künſte und Wiſſenſchaft errichtet, ſank größten⸗ theils in Trümmer oder loderte in Flammen auf, die ſchönſten Gebäude zerfielen in Aſche, Kirchen ſtürzten zuſammen und in einer ſchrecklichen Stunde züngelte die gierige Flamme auch um den alten ehrwürdigen Dom, fand einen Weg durch ſeine rieſigen Thürme und ſchlug aus ihnen gräßlich ſchön zum Himmel empor, ein ſchreckenvolles Siegesſignal für die deutſchen Heere, welche, um eine deutſche Stadt wieder zu gewinnen, ihr ſtolzeſtes Denk⸗ mal der Vernichtung preisgeben mußten.

Um das Schiff der Kirche wüthete das Feuer immer heftiger, und fraß mit gieriger Luſt die in den Kreuzgängen aufgehäuften Vorräthe und eine dort befindliche werthvolle Bibliothek. Die Glocken erzitterten in klagenden Tönen und das edle Metall ergoß ſich in glühenden Strömen durch die Thürme. An der maſſivenf Steinmaſſe brach ſich endlich die verzehrende Wuth dieſes Elements, das entfeſſelt in nimmerſatter Gier Alles zu verſchlingen drohte. So brachten die Tage und Nächte Schrecken, Noth und Trauer, bis nach namenloſen Qualen, zu Ende Juli, die

Deutſchen als Sieger in Mainz einzogen. Aber welch gräßlichen Anblick gewährte die ſonſt ſo blühende Stadt und ihre Umgebung! Schutt und Graus überall, rauchende Trümmer und Leichen. Keine Frucht, keinen Baum, keinen Strauch, nicht eine einzige Blume bot dieſer Sommer ihren troſtloſen Bewohnern. Kahl wie abraſirt lagen die herrlichſten Gärten, die Rebenhügel, die ſchönſten Obſtpflanzungen und zierlichen Anlagen, zerſtört jede Freude, jedes Glück, und keine Ruhe, keine Erholung verſöhnte einigermaßen dieſe grauenvolle Zeit. Peſtartige Krankheiten folg⸗ ten den Kriegsſchrecken, und der Friede war noch nicht geſichert. Noch ſtand das Kriegsgewitter ſo drohend als je am Hori⸗ zonte, und der Feind nahte zu wiederholtem Male der Stadt, umſchloß ſie ſelbſt zum Theil, doch kam es zu keiner ernſtlichen Belagerung mehr, und erſt der Feldzug von 1797 entſchied endlich über das wechſelvolle Geſchick von Mainz, wie über das des deutſchen Reiches. Napoleons Glücksſtern war in ſchnellem Stei⸗ gen; der Arm des Siegers von Italien ſtreckte ſich herrſchſüchtig über Europa aus, und das geſchwächte Deutſchland mußte das linke Rheinufer an Frankreich abtreten; ſo wurde auch Mainz laut Friedensſchluß eine franzöſiſche Stadt. Aber die Schmach, welche Deutſchland zu tragen hatte, rettete die in ſo langem, tiefem Schlafe gelegenen nationalen Gefühle, und weckte ſie nach und nach zu hellerem Bewußtſein auf. Doch lange Jahre des Leidens, der Trübſal und Unterdrückungen gingen noch hin, bis der deutſche Muth, die deutſche Kraft und das Gefühl der Einheit die ganze Nation zu dem Aufſchwunge brachten, der mächtig genug war, ſich ihr ſelbſt wieder zu geben und den an⸗ maßenden Feind aus den Grenzen ihrer Heimath zu verjagen.

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