Jahrgang 
28-52 (1859)
Seite
551
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Nr. 35.]

Drilte

loſe Ruf meiner Gattin? mein heiliges Ehrenwort darauf, daß keine Macht der

Erde mich beſtimmen ſoll, die Hand zu verrathen, welche

mir dieſe Gabe einer wohlthätigen Fee ſpendete, noch ſonſt auf irgend eine Weiſe des beſeligenden Verhältniſſes zu er⸗ wähnen, das uns mit einander verbindet.

Reiſen Sie mit Gott und ſeien Sie überzeugt, daß ich mich ſtets Ihres Beſitzes würdig zeigen werde.

Arthur.

Wahrlich, ſagte der Miniſter, nach dem er nicht ohne Rührung das Billet geleſen hatte,das Betragen des jungen Mannes erwirbt demſelben ganz meine Achtung.

Eine ſolche Standhaftigkeit in der Hetlighaltung des ge⸗

gebenen Ehrenwortes, eine ſo zarte Rückſichtnahme auf Ihren Ruf, während ein Wort des Geſtändniſſes hinge⸗ reicht haben würde, ihn vor der entehrenden Strafe zu be⸗ wahren, verdient die allgemeinſte Bewunderung, und ich verſpreche Ihnen, gnädigſte Frau, Alles, was an mir liegt, zu thun, um ihm die Rechtf˖ gewinnen, die er in ſo reichem Maße verdient.

Alſo iſt er gerechtfertigt? fragte Amalie geſpannt.

In meinen Augen vollkommen, entgegnete der Mi⸗ niſter,indeß bleiben noch einige Formen zu erfüllen, und das ſoll ſofort geſchehen, denn es wäre eine Ungerechtigkeit, nur eine Minute länger, als unumgänglich nöthig iſt, einen Meakel auf dem Unglücklichen haften zu laſſen, nachdem die Juſtiz ſich durch trügeriſchen Schein ſeiner ungerechten Verurtheilung ſchuldig gemacht hat.

Nach dieſen Worten klingelte er und ſagte zu dem ein-

tretenden Kammerdiener:

Iſt ſchon einer der Herren Räthe im Bureau, ſo laſſe ich ihn bitten, ſich zu mir zu bemühen; iſt noch kein Rath da, ſo ſchicken Sie mir einen Aſſeſſor oder einen Seecretair herüber.

Während der Kammerdiener dieſen Auftrag vollzog,

ertigung und Anerkennung zu

Jolge.

Empfangen Sie daher hiermit wendete der Miuiſter ſich wieder zu Amalie und ſagte,

auf den Schreibtiſch deutend: Jetzt, Frau Präſidentin, haben Sie die Güte, einige Zeilen an den Grafen Maienburg zu ſchreiben, durch die Sie ihn ſeines gegebenen Ehrenwortes entbinden und ihn bitten, überdies jeden Aufſchluß zu geben, der erforderlich iſt, ihn in den Augen der Welt zu rechtfertigen und als Gatten in Ihre Arme zu führen. Stimmen ſeine Ausſagen dann, wie ich im Voraus überzeugt bin, mit Ihren An⸗ gaben überein, ſo iſt er auf eine glänzende Weiſe rehabili⸗

tirt, und ſein Aufenthalt im Zuchthaus wird zu einer koſt⸗ baren Perle in ſeiner Grafenkrone.

Amalie folgte ohne Zögern dieſer Aufforderung. Mit flüchtigen, vor Aufregung zitternden Zügen warf ſie auf das Papier:

So eben kehre ich frei aus Italien zurück. Sage Alles und eile in die Arme Deiner Dich mit Sehnſucht erwartenden Braut Amalie,

verwitweten Präſidentin Neuenbeck.

Dieſe Zeilen übergab ſie dem Miniſter, welcher ſie lächelnd überlas und dann zu dem eintretenden Rathe ſagte:

Haben Sie die Güte, Herr Rath, ſich nach der Woh⸗ nung des Grafen Maienburg zu begeben, und ihn zu bit⸗ ten, ſich in Ihrer Begleitung zu mir zu bemühen, da ich ihm eine ſehr freudige Mittheilung zu machen hätte.

Der Rath entfernte ſich augenblicklich und eine halbe Stunde darauf kehrte er mit Arthur zurück..

Während deſſen hatte der Miniſter Amalie gebeten, in einem Nebenzimmer zu warten, und die Zwiſchenzeit be⸗ nutzt, ſich anzukleiden.

Als Arthur ihm gemeldet wurde, ließ er ihn ſogleich eintreten, und ihn freundlich grüßend, ſagte er ohne weitere Vorbereitung:

In dieſe Zeit fiel die Hinrichtung Ludwig's XVI. Die grauen⸗ volle Kunde dieſer blutigen That erſchülterte auf's Neue die geängſtigten deutſchen Gemüther, welche an das Glück einer Freiheit, mit ſolaren Gräuelthaten erkauft, nicht glauben konnten. Man ſuchte jedoch durch immer gewaltſamere Maßregeln die ve⸗ ſiegten Volter von ihrem Glücke zu überzeugen, und nur ſelten kam ein kleiner Hoffnungsſtrahl beſſerer Zuſtande. Selbſt die Auswanderung, welche in der Capitulation bedungen war, wurde anfangs ſehr erſchwert; doch auch vergeblich blieb jedes ange⸗ wandte Mittet, die Bürger zu dem Eide der Treue gegen Frank⸗ reich zu bewegen. Mit allen Verſuchen der Schärfe, der Liſt und Ueberredungstunſt gelang es nur, einige Hundert zu dieſem Schwure zu bewegen. Ein Decret, eine Verkündigung von Glück, eine Drohung. folgte der andern, Uneinigkeit, Mißtrauen, Parteiſucht, Sorge und Angſt aller Art bewegten das noch vor einigen Jahren ſo zufriedene Mainz, untergruben ſeine Wohlfahrt und griffen zerſtörend in das Famulienleben ein.

Die alliirten Heere zogen ſich indeſſen immer mehr um Mainz zuſammen, und mit dem beginnenden Frühjahre ſchien eine Be⸗ lagerung gewiß. Schon ſah man deutſche Kriegsvölter in der Nähe der Feſtung, und die Gefahr, welche dadurch den Franzoſen und ihren Anhangern drohte, veranlaßte dieſe zu einem empören⸗

den Schritte. Unter Anführung der Clubbiſten wurden ſechzehn

der angeſehenſten Bürger aufgehoben und als Geiſeln nach Frantreich geſchleppt. Dies ſeige Mittel, die eigne Gefahr

möglichſt abzuwenden, wurde ſpäter noch einmal verſucht, aber

durch die von allen Seiten andrängenden Preußen verhindert, welche die nach Frankreich beſtimmten Geiſeln diesmal glücklich dem Feinde entriſſen. Mainz hatte eine ſchwere Belagerung

auszuhalten. In ſeinen Mauern den gefährlich befreundeten Feind, vor denſelben die deurſchen Bruder, welche, um die geraubte Stadt wieder zu gewinnen, ſie verheeren mußten. Mehrere Monate wurden kleine Ausfalle mit abwechſelndem Glück unternomuten, bis die deutſchen Heere im Juni der Feſtung ſo nahe kamen, daß ſie dieſelbe zu beſchießen anfingen. Die Roth in der Stadt erreichte einen hohen Grad; es gebrach an den nothwendigſten Lebensmirteln und eine Exportation wurde ver⸗ kündet. An zweitauſend Menſchen, größtentheils Weiber, Kinder und Greiſe, zogen über die Rheinbrücke, um davon Gebrauch zu machen und ihr Heil in der Flucht zu ſuchen. Aber es war mit den Belagerern darüber keine Uebereinkunft getroffen worden, und die Unglucklichen ſahen ſich zur Ruckkehr genothigt, doch die Thore ihrer Heimath waren ihnen verſchloſſen. Die Deputirten des Nationalconvents gaben Beſehl, ſie nicht mehr einzulaſſen. Hände⸗ ringend ſah man die Betrognen am jenſeitigen lfer umher irren und erſchöpft zuſammenbrechen. Eine dunkle Nacht vrach herein, Slitze zuckten vom Himmel und ſtarker Regen ergoß ſich in Strö⸗ men auf die Hülfloſen, Kanonen donnerten von allen Seiten um ſie her, mit Todesangſt die Armen erfüllend, die nicht fliehen und nicht in die Schutzmauern ihrer Vaterſtadt zurückkehren konnten. Menſchlicher als die franzöſiſchen Machthaber zeigten ſich die franzoſiſchen Soldaten: ſte deckten die Frierenden mit ihren Mänteln zu, theilten ihr Brod mit den Hungernden, machten V ihnen Feuer und trugen, ſelbſt auf die Gefahr hin, veſtraft zu werden, jammernde Kinder unter ihren Mänteln in die Stadt. V Dort erſchollen die Töns des größten Jammers um die unglück⸗

lichen Angehörigen; man beſturmte mit Bitten und Flehen die unbarmherzigen Befehlshaber, die ſich aber erſt am andern Tage