Jahrgang 
28-52 (1859)
Seite
550
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Ich wußte wohl, daß ſein wahrer Name Schindler ſei, und daß er nach Europa gekommen war, um auf ehren⸗ hafte Weiſe eine frühere fatale Angelegenheit auszugleichen. Aber es blieb mir unbekannt, daß Sie ſeine Tochter ſeien. Dazu aber wunſche ich Ihnen jetzt von Herzen Glück, denn

ſo viel ſich ſchon jetzt überſehen läßt, bleibt Ihnen nach der

Regulirung jener Angelegenheit noch ein ſehr bedeutendes Vermögen!

Wie gerne würde ich deſſen für den Beſitz meines unglücklichen Vaters entbehren, den ich nur wiederfand, um ihn unmittelbar auf's Neue zu verlieren. Doch haben Sie die Gewogenheit, mich jetzt weiter anzuhören, damit mein unglücklicher Arthur nicht eine Minute länger, als unumgänglich nöthig iſt, auf die Wiederherſtellung ſeiner Ehre zu warten habe.

Ich bin ganz Ohr, ſagte der Miniſter.

Mein Vater war alſo, wie ich erwähnte, fuhr Amalie fort,kurz vor dem Eintritte des Grafen Maienburg bei mir. Um mir eine Freude zu machen, ſchenkte er mir die unglückſelige Ledertaſche mit den Dublonen, welche ſo viel Elend über den Unglücklichen gebracht haben. Anfangs wies ich das Geſchenk zurück, denn mein verſtorbener Ge⸗ mahl erfüllte jeden meiner Wünſche mit der ſeltenſten Frei⸗ gebigkeit. Dann aber nahm ich das verhängnißvolle Gold, denn mir fiel ein, daß ich gehört hatte, Graf Maienburg würde durch ſeine Gläubiger hart gedrängt, und ich nahm mir daher vor, heimlich ſeine Schulden mit dieſem Golde zu bezahlen. Schon früher hatte ich daran gedacht, allein ich hätte dazu das Geld verwenden müſſen, welches ich den Geſchenken meines Gatten verdankte, und dadurch würde ich mich eines Vergehens gegen dieſen ſchuldig zu machen geglaubt haben. Dieſe Bedenklichkeit fiel jetzt fort, und ſo nahm ich denn das Geld. Doch änderte ich meinen früheren Plan, wozu ich mich auch durch den Um⸗ ſtand bewogen fand, daß ich bereits am nächſten Tage nach Italien abreiſen mußte, und folglich nicht mehr die

Novellen⸗Zeilung.

erforderliche Zeit hatte, auch ſonſt auf mancherlei Hinder⸗ niſſe bei der heimlichen Bezahlung der Schulden geſtoßen wäre. Ich überſchickte daher die von meinem Vater em⸗ pfangenen Dublonen unmittelbar vor meiner Abreiſe durch mein Kammermädchen, das mich nach Italien begleitete, mich alſo vor unberufenem Geſchwätz ſicherte, an den Gra⸗ fen Maienburg. Dazu ſchrieb ich ihm einige Zeilen, un⸗ gefähr folgenden Inhalts:Ich weiß, daß Sie drückende Schulden haben; als Ihrer Freundin müſſen Sie mir das Recht zugeſtehen, dieſe zu bezahlen, um Sie vor Verlegen⸗ heiten zu bewahren, die ein falſches Licht auf Ihre Ehre werfen könnten, welche mir als die meines künftigen Gat⸗ ten heilig ſein muß, wie meine eigene. Eine Weigerung von Ihrer Seite laſſe ich daher nicht zu, da aber der Ruf einer Frau ſo zart und leicht verletzbar iſt, wie der Staub

eines Schmetterlingsflügels, darf ich vorausſetzen, daß auch

Sie den Ihrer künftigen Gattin makellos zu erblicken wünſchen. Deshalb bitte ich Sie, das ſtrengſte Geheimniß darüber zu bewahren, auf welche Weiſe Sie zu dieſem Golde gelangten, daher dieſen Brief augenblicklich zu ver⸗ nichten, auch ſonſt unſer Verhältniß auf keine Weiſe zu verrathen, bis es uns geſtattet iſt, daſſelbe ohne Erröthen vor aller Welt zu offenbaren. Ich vertraue ganz und un⸗ bedingt auf Ihre Ehre. So lautete mein Brief. Als Antwort darauf empfing ich die Zeilen, die ich Euer Excellenz hiermit als einen wichtigen Beleg für die Wahr⸗ heit meiner Worte übergebe.

Sie händigte mit dieſen Worten dem Miniſter ein Papier ein; er nahm es, entfaltete es und las halb laut für ſich:

Meine geliebte Braut. Ich würde es als ein falſches Zartgefühl betrachten, wollte ich Ihr auf ſolche Weiſe an⸗ gebotenes Geſchenk zurückweiſen. Ich nehme es daher mit warmem Danke an und geſtehe Ihnen offen, daß es mich von einer großen, drückenden Laſt befreit.

Was könnte mir wohl heiliger ſein, als der makel⸗

und erklärten es ſchriftlich. Solche Geſinnungen hatte der Machthaber und die exaltirten Freiheitsprediger nicht erwartet, und Cuſtine, empört darüber, erklärte, wiſſen zu müſſen, wen er als Freund, wen er als Feind anzuſehen habe, worauf das berüchtigte ſchwarze und rothe Buch zur Unterſchrift aufgelegt wurden. Das rolhe Buch, als das Buch der Freiheit und des bürgerlichen Glückes bezeichnet, war mit Blumen umwunden und mit dreifarbigen Bändern verziert. Alle, welche ſich hier unter⸗ ſchrieben, waren der Freundſchaft und des Schutzes der franzö⸗ ſiſchen Nation verſichert, dagegen kündete man denjenigen, welche ihre Namen in das ſchwarze, mit Ketten uigürtete Buch eintragen würden, die unverſöhnlichſte Verfolgung an, und damit keine Ausflucht ubrig bleiben moge, wurden jene, welche in keines der Bücher ſich einſchrieben, für Anhänger der Sclaverei erkläart und ſollten als Selaven behandelt werden. Dieſe Art, die Freiheit zu handhaben, erweckte jedoch ſo allgemeine Entrüſtung, daß die Freude der Feinde, den Bürger auf ſolche Weiſe zu qualen, nur eine kurze war. Gemeinſamer Wille beſiegte dieſe unerhörte Verordnung; kein einziger ordentlicher Bürger trug ſeinen Namen in eines der aufgelegten Bücher ein. Andere Verſuche, die Be⸗ völkerung mit der franzöſiſchen Conſtiturion zu befreunden und ſie den glückbringenden Freiheitslehrern zuganglich zu machen, gelangen nicht viel beſſer. Mit Unrecht ſtehen daher auch die Rheinkänder in dem Rufe franzoſenfreundlicher Geſinnungen. Damals hätten ſie lieber alle Laſt der alten Feſſeln wieder getragen, als ſich dem Feinde befreundet. Die ehemaligen

Suuprtaten, Prapagandiſten, jetzt geheime Jacobiner, welche

unt tem Nam bbiſten ihr gefahrliches Weſen in Mainz

trieben, und 44 heil ſelbſt als Verrather des Vaterlandes f

..

bezeichnet wurden, erhoben ihre Stimmen ſo laut, daß das Volk, eingeſchüchtert davon und ohne Bewußſein nationaler Kraft, in verzagtem Schweigen verharrte, und ſo als Anhänger des Fran⸗ zoſenthums angeſehen wurde, welcher Ruf ungerechter Weiſe ſelbſt bis in die neueren Zeiten ihm antlebte.

Cuſtine und ſeine Anhänger ließen es ſich in dem ſchönen, beſiegten Lande wohl ſein. Die bedeutenden Wein⸗ und Fruchte⸗ vorrathe im Rheingau, wie die Vorräthe in den turfürſtlichen Speichern und Kellern und die Schätze und Koſtbarteiten in den herrſchaftlichen Häuſern, boten reiche Beute; Freiheitsfeſte wurden in der bedrängten Stadt angeordnet, und während Friedrich Carl, der alte Kurfürſt von Mainz, bei den verbundeten Furſten Alles aufbot, um einen ſchnellen Entſatz ſeiner Reſidenz zu erlan⸗ gen, ſuchte der franzöſiſche Nationalconvent dieſe Frantreich immer enger einzuverleiben, und ſandte zu dieſem Zwecke drei Commiſſare an den Rhein, welche in Mainz ihren Sitz nahmen. Eines ihrer erſten Geſchafte war, die Inſignien der ehemaligen Macht ver⸗ brennen und einen Freiheitsbaum aufrichten zu laſſen. Soldaten als verkleidete Sclaven trugen den Scepter, den Kurhut, das Schwert und die Wappen, begleitet von den Commiſſaren, den Officieren, dem Maire und der Municipalität, auf einen freien Platz, wo ſie den Flammen übergeben und auf derſelben Stelle der Freiheitsbaum aufgepflanzt wurde. Cüſtine ſtimmte während dieſer theatraliſchen Feierlichkeit das bekannte Lied: ga ira u. ſ. w. und die Marſeillaiſe an, und ſeine Umgebung fiel brüllend ein. Muſik und Tanz füllte den Abend aus, doch der beſſere Bürger⸗ ſtand nahm keinen Theil an dieſer zweideutigen Freude, und der aufgerichtete Freiheitsbaum mußte durch Wachen vor ſchnellem Umſturze geſchützt werden.

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