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was bei einem Gaſtwirthe ungleich mehr ſagen will— pünktlich vollzog.
Eine Stunde ſpäter trat Amalie wirklich, wie ſie es gewollt hatte, ihre Rückreiſe nach der Heimath an. 4
Tag und Nacht gönnte ſie ſich keine Ruhe; kaum nahm ſie ſich ſo viel Zeit, einige Nahrung zur Erhaltung ihrer Kräfte zu genießen, und ſo gut und theilnehmend ſie auch ſonſt war, achtete ſie nicht auf die Bitten ihrer Anna, welche der Anſtrengung der Reiſe, bei der ſie ſich nicht durch innere Aufregung unterſtützt fühlte, beinahe erlag und ihre Gebieterin auflehte, wenigſtens einen Ruhetag zu machen. 1
Amalie war dazu nicht zu bewegen, ſtellte es aber ihrer Kammerjungfer anheim, zurück zu bleiben und ihr mit aller Gemächlichkeit zu folgen.
Dazu aber konnte die gute Anna ſich nicht entſchließen; weniger vielleicht aus wahrer Anhänglichkeit an ibre Ge⸗ bieterin, als aus brennender Neugier, zu erfahren, welcher Grund es war, der die Präſidentin ſo raſtlos vorwärts trieb, denn zu ihrem großen Verdruſſe waren alle ihre Fragen danach unbeantwortet geblieben.
So langte denn Amalie in einer bei der großen Ent⸗ fernung beinahe unglaublich kurzen Zeit eines Morgens, als kaum der Tag graute, in der Reſidenz an, aber auch jetzt noch gönnte ſie ſich keine Erholung, ſo ſehr ſie auch derſelben bedürftig ſein mußte. Sie fühlte keine Ermü⸗ dung, und obgleich es noch viel zu früh war, um durch einen Beſuch bei dem Juſtizminiſter den Befehl zu der augenblicklichen Freilaſſung Arthurs zu bewirken, eilte ſie raſtlos im Hauſe umher, traf verſchiedene Anordnungen, die auf den Empfang eines erwarteten Gaſtes zu deuten ſchienen, dem jede Aufmerkſamkeit erwieſen werden ſollte, ſetzte durch ihre Unruhe, ihre Heftigkeit alle ihre Diener in das höchſte Erſtaunen und fuhr endlich, als die paſſende Stunde zu einem Beſuche eigentlich noch immer nicht er⸗ ſchienen war, nach der Wohnung des Juſtizminiſters.
Noyellen⸗Zeitung.
„Seine Exeellenz ſind noch nicht zu ſprechen!“ meldet der Portier.
Doch Amalie ließ ſich dadurch nicht abweiſen.
„„Iſt der Miniſter ſchon auf?“ fragte ſie haſtig. „Das wohl,“ entgegnete der Thürhüter;„aber“— „O, wenn das iſt,“ unterbrach ſie ihn raſch,„dann
muß ich ihn ſprechen!— Hier, lieber Freund,“ fuhr ſie fort, und übergab ihm ihre Karte,„laſſen Sie dem Herrn Miniſter meinen Namen melden und ihm zugleich ſagen, ich hätte ihm eine Mittheilung von der höchſten Wichtigkeit zu machen, die augenblickliches Gehör erforderte.“
Zugleich drückte ſie dem Diener, um ſeinen Eifer an— zufeuern, ein Goldſtück in die Hand.
Der Portier warf einen ſehr freundlichen Blick auf das eben ſo unerwartete als reichliche Geſchenk und ſagte dann mit der größten Geſchwindigkeit:
„Gnädigſte Frau Präſidentin, ich meinerſeits will gern thun, was ich vermag, allein ich erlaube mir, Sie ge⸗ horſamſt darauf aufmerkſam zu machen, daß ich Sie zwar melden kann, daß es aber hauptſächlich an dem Kammer⸗ diener liegt, ob Sie vorgelaſſen werden oder nicht.“
„Ich verſtehe!“ ſagte Amalie und mußte ihrer Unge⸗ duld ungeachtet lächeln.„Nun, dann bitte ich Sie, bei dem Herrn Kammerdiener für mich ein günſtiges Wort einzu⸗ legen.“ Zugleich ließ ſie dem erſten Goldſtücke noch zwei andere folgen.
Ob dieſe beiden, oder auch nur eines derſelben, den Weg in die Taſche des Kammerdieners gefunden habe, wollen wir ununterſucht laſſen, zumal die Beantwortung dieſer Frage für Amalie ſehr gleichgültig ſein konnte, da das Reſultat ein erwünſchtes war; denn nach etwa fünf Minuten meldete der Portier, Seine Excellenz erwarteten die Frau Präſidentin in ihrem Arbeitscabinete, ließen aber zugleich um Entſchuldigung bitten, daß ſie ſich noch im Negligé befänden.
Feuilleton.
— ed. e
Zeitenſpiegel. Schickſale einer deutſchen Stadt.
Heut zu Tage, wo gänzliche Dunkelheit über den ausge⸗ ſtreuten Schickſalsſamen der Gegenwart und über deſſen Aufgehn in der Zukunft herrſcht, iſt es doppelt zweckmäßig, ab und zu in den klaren Zeitenſpiegel der Vergangenbeit zu blicken, ſo wie der beim Rudern Rückwärtsſitzende nach dem Hintertheil des Schiffes ſchaut, um aus deſſen Haltung die Richtigkeit oder Verkehrtheit der Fahrt zu folgern.
Stein kommt in ſeiner Geſchichte von Friedrich Carl, dem
Beherrſcher von Mainz, ein Werk, das wir noch kritiſch über⸗ werden, auch auf das Kriegsunglück dieſer Stadt, welches elUnvorſichtigkeit heraufbeſchworen war. Bei dem
ichte wiederholt ſich wie Alles im Leben nie gur mit Wehmuth jenen Thatſachen: die en in Frankreich, wie auch die Gefahr, ig’'s XVI. drohte, brachten zwiſchen Allianz zu Stande, worin ſie ſich nhirmen verpflichteten, wie auch
gancher Aehnlichkeiten in den Zeitverhältniſſen
dem revolutionären Treiben in Frankreich ſich energiſcher entgegen⸗ zuſtellen. Während dieſer Unterhandlungen ſtarb ganz unerwartet Kaiſer Leopold, und ſein Nachfolger zeigte eine weit entſchiedener kriegeriſche Stimmung. Unter den obwaltenden Verhältniſſen beeilte man ſo viel als nur möglich, ſeine Wahl zum deutſchen Kaiſer zu beſchleunigen, und ſchon während ſeiner Krönung be⸗ merkte man militäriſche Bewegungen am Rheine. Es fanden ſich mehrere gekrönte Häupter zu einem Fürſtencongreſſe in Mainz zuſammen. Der Krieg gegen Frankreich und die nächſten Ope⸗ rationspläne wurden in dem niedlichen Luſtſchloſſe. Favorite feſt⸗ beſtimmt, wie auch jenes merkwürdige Manifeſt entworfen, das die Unterſchrift des Herzogs von Braunſchweig trug, und durch ſeine unbegreifliche Unkenntniß der Lage der Dinge in Frank⸗ reich, wie durch ſeinen gebieteriſchen Ton die franzöſiſche Nation mit tiefſter Entrüſtung erfüllte und zu dem kräftigſten Wider⸗ ſtande reizen mußte. Der Feldzug gegen Frankreich begann unter dem Oberbefehl der höchſten Häupter, allein ſchon nach kaum ſechs Wochen waren die verbündeten Armeen an den Rhein zurückgedrängt, und hatten bedeutende Verluſte erlitten. Raſch rückte das franzöſiſche Heer unter ſeinen verwegenen Anführern nach, und Mainz kam dadurch in eine ſehr fatale Lage. Seine
[V. Jahrg a 35.
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