Jahrgang 
28-52 (1859)
Seite
540
Einzelbild herunterladen

p

540

einem wohl disciplinirten Armeecorps von 6000 Mann; darunter ein Regiment Cuiraſſiere und eine zahlreiche Artil⸗ lerie. Im Rücken, von Wolfenbüttel her, nahte der hol⸗ ländiſche General Gratien mit 3000. Mann Kerntruppen. Was der Herzog dieſer feindlichen Macht gegenüber ſtellen konnte, belief ſich nicht auf volle 1800 Mann, wovon die Huſaren zur Hälfte müde, ſchwer gedrückte Pferde hatten, und die Artillerie aus nur vier leichten Geſchützen und einer Haubitze beſtand. Die Munition, faſt zu Ende, mußte in aller Eile in Braunſchweig aus den Depots der raſch entflohenen Veteranen⸗ und Präfecturgarden⸗Com⸗ pagnieen ergänzt werden! Doch, audaces fortuna juvat! das Glück begünſtigt die Kühnen!

Mit des Tages erſtem Grauen zog der Herzog, von einer Schaar von einigen hundert Freiwilligen begleitet, die ſich während der Nacht gebildet hatten, aus dem Petri⸗ thore und nahm eine Stellung rückwärts von dem eine halbe Stunde an der Straße nach Ohoff, welche von da weiter nach Celle führt, gelegenen Dorfe Oelper. Die rechte Flanke war durch den Ockerfluß gedeckt, die linke durch dicht beſtangte Hopfenfelder und das Pawelſche Holz. Letzteres, ein vorzügliches Terrain zum Tirailliren, worin die Schwarzen durch ihre fortwährenden Schar⸗ mützel von Böhmen bis nach Leipzig und von Noſſen bis nach Franken hinein während des letzten halben Jahres eine beſondere Fertigkeit erlangt hatten, war vom Herzoge hauptſächlich auf den Erfolg des heutigen, jedenfalls letz⸗ ten Unternehmens berechnet.

Es war um zwei Uhr Nachmittags, als der Feind auf der Celler Heerſtraße rechts und links aus dem Dorfe Oelper debouchirte und die Stellung der Braunſchweiger im Centrum aus einer Batterie Neunpfünder heftig be⸗ ſchoß, während ſeine ſchweren Reiter den rechten Flügel derſelben bedroheten. Eins der Braunſchweiger Geſchütze, welches die Chauſſee beſetzt hatte, wurde ſchnell zum Schwei⸗ gen gebracht. Dagegen war der Commandeur der andern

Noveſlen-Zeitung.

Halbbrigade ſo glücklich, den Oberſt der feindlichen Artil⸗ lerie durch einen Kernſchuß vom Pferde zu ſchmettern, als eben die feindliche Infanterie auf dem rechten Flügel großen Vortheil über den braunſchweigiſchen linken zu er⸗ langen anfing. In dem Augenblick, als der Herzog die ſeinen linken Flügel bedrohende Gefahr erkannte, ſprengte er vorwärts, um die Seinigen perſönlich zu ermuthigen; aber ſein Pferd, von einer feindlichen Kugel getroffen, über⸗ ſchlug ſich, und der fürſtliche deutſche Held ſtand zu Fuß, den Säbel hochſchwingend und die ſich um ihn ſammelnden Truppen zum neuen Angriff ermuthigend.

Ob es vielleicht das ſich verbreitende Gerücht war, daß der Herzog gefallen genug, die halbe Bevölkerung von Braunſchweig, welche bisher Zuſchauer in der Ferne geweſen, drang in dieſem Augenblick plötzlich wie eine Gewitterwolke vorwärts, um ſich den geliebten Herzog todt oder verwundet vom Schlachtfelde zu holen. General Reubel, der eben zu dem ſterbenden Oberſten der Artillerie herangeritten war, dadurch ſtutzig gemacht, ließ das Signal zum Sammeln geben, im Augenblick als die Cui⸗ raſſiere ſchon Befehl zur Charge erhalten hatten, wodurch der Tag unfehlbar zu des Herzogs Unglück entſchieden wor⸗ den wäre. Dieſen Moment, den er als den entſcheidenden über Sein oder Nichtſein erkannte, gerſtand der Herzog ſo herrlich zu benutzen, daß er durch eine gelungene Charge ſeiner Huſaren auf den rechten feindlichen Flügel, während die wenige Artillerie auf einen Punkt gegen die ins Stocken gerathenen Cuiraſſiere gerichtet wurde, den Feind von ferneren Angriffen abhielt. Zwei Stunden ſpäter loderten die Feuer der Weſtphalen in einem Bivouak auf, welches ſie zwei Stunden rückwärts bei Gr. Schwülper be⸗ zogen hatten. Der Herzog aber benutzte die Dunkelheit der Nacht, die Stadt Burzdorf zu erreichen. Sie war Tags zuvor von einer großen Feuersbrunſt heimgeſucht, an Lebensmittel für die Truppen war nur wenig zu denken. Nachdem ſie etliche Stunden unter den rauchen⸗

beſſer und häufiger paßt als vor 40 Jahren:Hältet ihr euren

ſo oft ihre Kinder wegen Fehler tadeln, die ſie ſelbſt in reichem Maße beſitzen,

Vater antwortet dieſer,in der Stadt iſt Feuer, heßt es! Junge, ruft der Vater,willſt Du gleich bochdeutſch ſprechen! Jetzt bringſt oft hab ich es Dir geſagt, ſagen? Es heißt nichtheßt es, ſondern: es! Otto Banck.

Vierzig Jahre. Von Karl von Holtei. Breslau, E. Trewendt. 1859.

Es iſt nicht zu verwundern, daß wir von dieſem Werke,

welches jetzt dem Publicum viel billiger gemacht iſt, bereits die.

zweite Auflage vor uns ſehen. Auch ſie wird bald vergriffen werden. Wenn uns ein Autor von reichen, vielbewegten Lebens⸗ erfahrungen, die er als Schauſpieler, Vorleſer, Theaterdirector, Redacteur und Schriftſteller gemacht hat, ſeine Biographie mit ſo liebenswürdiger Aufrichtigkeit und in einem ſo flüchtigen, leichten, ſaloppen Styl erzählt, wie er der modernen Zeit gerade angenehm iſt, ſo müſſen wir dieſen tauſend Curioſitäten und auf Wahrheit beruhenden Abenteuerlichkeiten noch lieber lauſchen, als den Darſtellungen ſeiner gemüthlichen Romane. In ihnen fehlen dem intereſſanten Stoffe Adel der Anſchauung und künſtleriſche Rundung, und das iſt ein Schade; die Lebensgeſchichte dagegen kann derlei eher entbehren und ſchon die bloße Treue und leben⸗ dige Wirklichkeit gibt ihr vielſeitigen Reiz. So ſei dies Buch abermals denen empfohlen, die ſich nicht nur bei einer leichten Lectüre trefflich unterhalten, ſondern auch dabei in das offene Menſchenherz und in die bürgerlichen Verhältniſſe einen tiefen Blick thun wollen. Durchaus nicht begünſtigen können wir dagegen ein anderes Unternehmen des Autors:

Geiſtliches und Gemüthliches aus Werken. In Reime gebracht von Karl von Holtei. E. Trewendt. 1

Holtei wollte die zahlloſen Schätze von Jean Paul, dieſem Kröſus der Gedankenwelt, flüſſig und Allen zugänglich machen, da ſie jetzt auf einem ſo weiten Terrain und unter einem ſo ſchweren Urgrund eines ſchwülſtigen Styls begraben liegen und in Werken verſtreut ſind, welche nicht mehr dem Geiſte der Gegenwart munden. Dieſe Abſicht iſt trefflich und zum kleinen Theil auch wohlgelungen. Aber es bleibt ein Unterſchied, ſeine

Jean Pauls Breslau,

den Tür Hannobe Jübel e Stlach Braunſe vermuth Ginzug nehmen. die 1oge d auf ein aur C Flcke riichte unver ſchwe 2 Wilc ſchaar ſich an Männ ſcloſſ delm vom A d vom Ben Schl tritt Stra der d Obeli dautſe unger dege