Jahrgang 
28-52 (1859)
Seite
539
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V. Jag. Jahrg. V Nr. 34.]

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Der Landesvater aber ritt nicht, wie man allgemein erwartet, mit ſeiner erprobten Heldenſchaar auf den Schloßplatz vor das Haus ſeiner Väter. Gleich nach dem Einrücken ins Auguſtthor befahl der Herzog, über die Pro⸗ menade nach dem Petrithore einzulenken. Dort wurde Halt gemacht, die Vorpoſten außerhalb des Thores auf der Straße nach Celle aufgeſtellt, und das übrige Corps bivouakirte in den neuen Anlagen des Walles.

Daß es ohne weiteren Befehl an Erfriſchung für die müden Truppen, die einen faſt doppelten Marſch, wie immer in der Letztzeit, gemacht hatten, nicht fehlte, davon wird jeder überzeugt ſein, der die Liebe der Braunſchwei⸗ ger für den deutſchen, deutſche Rechte vertretenden Soldaten kennt.

Während ſtets neue Tauſende aus der Stadt herbei⸗ ſtrömten, nicht um die wettergebräunten Krieger nur zu ſehen, ſondern die Männer wie ihre Kinder zu pflegen, die in Noth und Tod nicht von ihrem Herzoge gewichen, ſtahl ſich der Herzog unbemerkt, in ſeinen unſcheinbaren Mantel gehüllt, nur von zwei ſeiner Treuſten begleitet, in die Stadt, nach dem väterlichen Schloſſe.

Dieſes war mit allen möglichen Bequemlichkeiten, nicht zu ſeinem Empfange, ſondern für die zeitweilige ſchwelgeriſche Hofhaltung ſeines Thronräubers, für den jüngſten Bruder des gewaltigen Frankenkaiſers eingerich⸗ tet, der manche ſeinem freudegewohnten Leben entſprechende Einrichtung in dem ſonſt ſo beſcheidenen Welfenſchloſſe ge⸗ troffen hatte. Mit düſtrem Blick betrachtete der Fürſt die neuen Aenderungen in den Zimmern ſeines Vaters, in den Räumen, wo er ſeine Jugenderziehung genoſſen, in der Reihe von Zimmern, die er als glücklicher Gatte mit ſeiner unvergeßlichen Marie bewohnt. Thränen befeuchteten ſeine braunen Wangen, als er das ſonſt ſo gemüthliche, nach dem Schloßgarten führende Wohnzimmer betrat.

Nachdem er hier ſinnend einige Minuten aus dem geöffneten Fenſter den Garten überſehen, wo er ſo manche

ſchöne Stunde mit der in ſo hingebender Liebe ihm zu⸗ gethanen Gattin verlebt, wo die viel verſprechenden blühen⸗ den Knaben ſorglos zu ihren Füßen ſpielten, die ſie ſo V nahe bedrohende verhängnißvolle Zukunft nicht ahnend wandte er ſich mit einer an dem Kriegsfürſten ſelten be⸗ merkten Rührung an den ihm treu ergebenen Hauptmann Corfes mit den Worten:Es wird mir allzu eng hier, Corfes, laſſen Sie uns hinaus zu den Leuten! Noch einmal überflog ſein ſcharfes Auge das Zimmer bis in die entlegenſten Winkel; es war, als ſuche er dort noch etwas aber ſie, die er ſuchte, ſeine Marie, ſie weilte da, wo er ſie erſt durch blutigen Tod auf dem Schlachtfelde wieder finden ſollte!

Nun, Corfes, was weilen denn Sie? Gehts Ihnen mal nicht beſſer als mir? Laſſen Sie gut ſein, wir müſſen gehen; die Zeit bleibt nicht aus, wo wir glücklicher als jetzt wieder hier zuſammentreffen. Bei dieſen Worten gab er einem alten Diener ſeines Hauſes, den König Jerome wegen allzugroßer Anhäͤnglichkeit an den alten Herrn pen⸗ ſionirt hatte, ein Zeichen, die Thüren zu ſchließen, und durch die dunkelſten Gaſſen den Rückweg nach dem

Petrithorwall antretend, ſtand er eine Stunde ſpäter wie⸗ der in der Mitte ſeiner ſchwarzen Schaar.

Während die Leute in beſter Laune ob der ihnen zu Theil gewordenen überreichen Bewirthung ihre alten Hel⸗ denlieder ſangen, wurde dem Herzoge ein Strohlager be⸗ reitet, und hier machte er die Dispoſitionen für den kom⸗ menden Tag.

Es war die bedeutſame Nacht, die dem verhängnißvollen Tage des 1. Auguſt voranging. Es handelte ſich um Sein oder Nichtſein. Wollte der Herzog ſeinen kühnen Plan vollführen, die Freiheit für ſich und die ihm treu ergebene kleine Schaar an Albions gaſtlichen Geſtaden finden, ſo galt's hier, vor Braunſchweigs Mauern, einen letzten Kampf auf Leben und Tod. Ihm gegenüber auf der Straße von

Celle rückte der weſtphäliſche General Reubel heran, mit

fangener Production, ſondern vielmehr in einer Periode bewußter, befangener Sammlung, Erleuchtung und Orientirung. Wir ſcheiden aus, ſtellen zuſammen, arrangiren, ſetzen uns gegenſeitig

zurecht und ſuchen uns die irdiſchen Verhältniſſe und ihre letzten

Gründe auseinanderzulegen. Der kritiſche Geiſt der Gegenwart

fühlt ſich bedrängt, denn der ungeheure Stoff des Wiſſens, der

Forſchung und Erfahrung wächſt ſeiner Geſtaltungskraft über den Kopf, er ſ zu bewältigen, und ſo entſtehn nichtt Bücher, nein, Bibliotheken zum lexikographiſchen Nachſchlagen für Laien und Sachkenner. Gelingt es auch nicht, die Hauptfragen des Lebens ſiegreich zu löſen, ſo ſuchen wir ſie doch tauſendfältig zu beantworten und werden uns immer klarer über die Wahrheit, daß wir mehr denn je Apoſtel der Reflexion ſind.

Hier liegt ein Buch, worinLiebeslieder aus allen Spra⸗ chen zuſammengebracht ſind; dort ein zweites mitKriegsge⸗ ſängen und Völkerklagen aus ſämmtlichen Nationen; wieder eins mit Vorfällen welche ſich aufGeiſterſagen und Volksaber⸗ glauben beziehn. Ein anderer Autor hat regiſtrirt, was er an guten Ausſprüchen über denStand der Jungfrau fand, und zahllos ſind die Schriften, welche man durch Abdruck und Nach⸗ druck claſſiſcher Theſen und Sentenzen der Kindererziehung gewidmet hat.

Johnſon ſeufzt:Was ſoll nur aus all den artigen Kindern werden? während dervermiſchte Lichtenberg ausruft:Ich fürchte, unſere allzuſorgfältige Erziehung liefert uns Zwergobſt! Spalierobſt hätte er wenigſtens ſagen ſollen, um minder be⸗ leidigend zu ſein. Wie dieſes menſchliche Spalierobſt beiderlei Geſchlechts, Birnen und Aepfel, ausfallen wird, das zu beur⸗

ucht ihn durch den Ordnungsbann des Schematiſirens

theilen ſteht uns ſelbſt nicht zu, und iſt Sache ſpäterer Geſchlechter, die es zu verdauen haben.

Das oben erwähnte Buch:Album einer Frau, angeblich auch von einer Frau zuſammengetragen, gehört ſolchen vorhin bezeichneten Sammelwerken an, wie ſie durch eine moderne nützliche Tendenz ſich kennzeichnen. Die ungenannte Verfaſſerin hat zum Frommen ihrer Leſer alle mögliche Autoren, von den Claſſikern bis auf die neueſte Zeit, Philoſophen und Dichter, Aeſthetiker und Politiker, Naturforſcher und Pädagogen geplündert und die ahlreiche bunte Ausbeute unter Rubriken und Nebenrubriken gebracht, welche für das Weib im Beſondern, ſo wie im Allge⸗ meinen während der verſchiedenſten Lebenslagen und Altersperi⸗ oden paſſende Anhaltepunkte, Troſtſprüche und ſittliche Recepte

ſein können. Ueber Mann und Weib; über weibliche Geiſtes⸗ bildung; über Klippen und Hausmittel in der Ehe; über Frauen, welche ſich ſelbſt eine Stellung zu geben vermögen(z. B. Schrifl⸗ ſtellerinnen!); über den Beruf zur Körperpflege; über die erſte Liebe, ja ſelbſt über Großmutter und Enkelin, über all ſolche Themen findet ſich hier auf circa 600 Seiten ſoviel Gutes geſagt, daß man denken ſollte, alle Schriftſteller der Welt hätten bloß über die Frauen geſchrieben, und dies Buch ſei der Extract ihrer Thätigkeit. Freilich bieten die Frauen auch die dunkelſten, ſchönſten und liebenswürdigſten Räthſel dar, an deren Enthüllung man nie müde werden wird zu arbeiten.

Die Erziehung der Jugend findet natürlich im genannten Album einer Frau auch ihre Stelle. Hierbei wird auch' unter Vielen der alte, würdige Salzmann von Schnepfenthal angezogen, und obgleich die neueren Pädagogen viel Veraltetes, Schiefes an ihm finden mögen, ſo bleibt er immer ein vortrefflicher liebevoller