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ſeinige mit einem vielſagenden, wenn auch ſtummen Aus⸗ drucke.
Inzwiſchen erwarteten der Director und Arthur voller Ungeduld Nachrichten über die Auffindung des verdächtigen Burſchen, den Uhling bezeichnet hatte. Leider aber ſchien es, als ſollten deſſen Bemühungen vergeblich ſein, denn ſchon mehrere Tage hintereinander hatte Uhling mit ſeiner geheimen Begleitung verſchiedene Kneipen und Spelunken durchſtreift, ohne daß der„Franz“ aufzufinden war, ob⸗ gleich mehrere Wirthe die Verſicherung gaben, er pflegte noch immer von Zeit zu Zeit zu kommen, und wäre erſt noch vor wenigen Tagen bei ihnen geweſen.
Endlich, nachdem über acht Tage in der ängſtlichſten Spannung vergangen waren, empfing der Director von einem im Juſtizminiſterium angeſtellten Freunde, den er um genaue und zuverläſſige Auskunft über den weiteren Verlauf der Angelegenheit gebeten hatte, einen detaillirten Bericht, den er auch Arthur mittheilte, ſobald er ihn durch⸗ geleſen hatte.
Die Nachforſchungen,— ſo ergab ſich aus dem Schrei⸗ ben— hatten zu folgendem merkwürdigen und im höch⸗ ſten Grade überraſchenden Reſultate geführt. Der An⸗ ſtifter der Ermordung Don Montaldi's war aufgefunden, und obgleich er hartnäckig leugnete, den Uhling jemals in ſeinem Leben geſprochen oder auch nur geſehen zu haben, war die Juſtiz dennoch von ſeiner Schuld überzeugt. — Doch wir wollen der Reihe nach erzählen, wie Alles gekommen war.
Nachdem, wie wir bereits wiſſen, der als„Franz“ be⸗ zeichnete Meuſch nicht zu finden geweſen war, rief Uhling eines Abends, als er in eine weniger verdächtige und des⸗ halb bis dahin von ihm noch nicht aufgeſuchte Schank⸗ wirthſchaft trat, mit dem Ausdrucke der lebhafteſten
Freude, zugleich dem ihn in entſprechender Verkleidung be⸗
gleitenden Polizeibeamten einen bedeutungsvollen Blick zu⸗ werfend:„Da iſt er!“
Mit dieſen Worten eilte er auf einen Menſchen zu, der an einem entfernten Tiſche ganz allein ſaß, allem Anſcheine nach, um ſich der Beobachtung zu entziehen. In dieſer
Vermuthung wurde der Polizeimann dadurch beſtärkt, daß
V das Geſicht des Menſchen vor einem ungeheueren ſtrup⸗ pigen Barte kaum zu erkennen war, und daß er den zer⸗ drückten Filzhut tief über die Stirn herabgezogen hatte.
Uhling war aber deſſen ungeachtet ſeiner Sache voll⸗ kommen gewiß.„Guten Abend, Franz,“ ſagte er daher und ſetzte ſich mit der Vertraulichkeit eines alten Bekannten an deſſen Seite.
Verwundert blickte der Angeredete auf, und ſeinerſeits Uhling auch ſogleich erkennend, rief er:
„Menſch, wo kommſt Du her? hauſe entſprungen?“
„Pſcht!“ entgegnete Uhling, und blickte ſcheinbar ängſtlich umher, ob auch Jemand die Worte gehört hätte, in der That aber, um ſeinem Begleiter zuzuwinken; dieſer hatte auch bereits im Rücken deſſen, auf den er fahndete, eine ſolche Stellung eingenommen, daß er die beiden Menſchen genau beobachten und Alles hören konnte, was ſie mit einander ſprachen.
„Willſt Du mich denn jetzt unglücklich machen,“ ſagte darauf Uhling,„nachdem Du früher Dein Wort ſo red⸗ lich gehalten haſt, es ſollte auf mich kein Verdacht wegen der Angelegenheit des Don Montaldi fallen?“
„Woher weißt Du den Namen?“ fragte ſein Genoſſe haſtig, und es ſchien, als berühre die Erwähnung deſſelben ihn unangenehm.
„Ich erfuhr ihn von dem Grafen Maienburg, mit dem ich im Zuchthauſe in Berührung gekommen bin.— Aber ſage mir doch Franz,“ fuhr er nach einer kurzen Pauſe fort, während welcher ſein Gefährte ihn mit tückiſchen Blicken von der Seite anſchielte, als überlege er, ob er den Patron gleich jetzt wieder auf das Zuchthaus zurückſchicken ſollte,—„ſage mir doch, Franz, an wen haſt Du denn
werken nackt war, während er ſich und ſeine Diener abwechſelnd mit Hämmern bewaffnete und die Statuen an gewiſſen Stellen zerſchlug. Sein Zuruf ermunterte die Domeſtiken tapfer drauf⸗ zuſchlagen, und es gelang Ludwig XIV., der den Wahnwitzigen ſchonen mußte, da derſelbe ihm oft Geld borgte, nur ab und zu, dieſer Barbarei zu ſteuern.
Weiter im Teſtament erhielt ſein Neffe Mancini, des Namens Mazarin, welcher auch der ſeiner Mutter war, beraubt, als Entſchädigung Herzogthümer und Paläſte. Jede der übrigen ſechs Nichten emp tauſend Franken, und als Heirathsgabe die beſten Gouvernements und die höchſten Aemter für ihre Männer. Außerdem ſetzte der Cardinal ſeinen Freunden recht glänzende Legate aus. Der Abbé Choiſy gibt uns merkwürdige und genaue Angaben über die Theilung dieſer fabelhaften Erbſchaft:„Der Cardinal verbietet in ſeinem Teſtament, ein Inventarium von ſeinem Beſitzthum aufzunehmen, wahrſcheinlich da er glaubt, das Publicum möchte über ſeinen Reichthum ſich entrüſten. Dem König gab er zwei Sammlungen voll Actenſtücke, die noch nicht fertig waren, der Königin Mutter einige Diamanten, ſechzig Mark Gold und eine geſtickte Tapete an Monſieur, ſechsmalhunderttauſend Franken ſetzte er zum Kriege gegen die Tuͤrken aus... achtzehntauſend Franken als lebenslängliche Rente für Frau von Martinozzi, ſeine Schweſter... hunderttauſend Franken dem Marſchall von Grammont, und achtzehn große Diamanten der Krone, mit der Bedingung, ſie die Mazarins zu nennen; ſechstauſend Franken(!) für die Armen, und den Reſt ſeines Vermögens dem Herzog und
Dem fügt Choiſy folgende Angabe
der Herzogin von Mazarin.“ bei, die wir nur mit Vorbehalt aufnehmen:„Sobald Seine
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fing ungefähr eine Million zweimalhundert⸗
Herrlichkeit den letzten Athemzug gethan, ging Colbert zum König und ſagte ihm, Mazarin habe an verſchiedenen Orten nahe an fünfzehn Millionen baar, die er offenbar nicht dem Herzog von Mazarin hinterlaſſen wolle; man ſollte davon die Hochzeit ſeiner Nichten ausrichten, deren jeder er etwa eine Million zwei⸗ malhunderttauſend Franken gebe, und der Ueberſchuß könne dazu dienen, die Sparcaſſen des Staats zu füllen, die ſehr leer ſeien. Dies war der Anfang zu Colberts Erhebung. Die Sache blieb geheim zwiſchen ihm und dem König.“
Den Erben des Namens Mazarin fiel der Reſt ſeines Ver⸗ mögens zu, der nach einigen eine Million fünfmalhunderttauſend Franken Zinſen abwarf, nach andern mit dem Palaſt Mazarin und allen Reichthümern deſſelben ſich auf mehr als achtundzwanzig Millionen belief. Schon damals Großmeiſter der Artillerie, er⸗ hielt La Meilleraye ſpäter noch die Gouvernements vom Elſaß, von der Bretagne, von Vincennes, und ſein Privatvermögen mußte fabelhaft geweſen ſein. Der König zog ihn in jede Rathsver⸗ ſammlung, und überhäufte ihn mit Auszeichnungen. Und um alles das zu erreichen, brauchte der Glückliche bloß einzuwilligen, die ſchönſte Frau Frankreichs als die Seinige heimzuführen. Und wer war dieſes Glückskind? Nach Frau von Sevigné zu urtheilen, eine höchſt lächerliche Perſon, denn ſie ſchreibt:„Nur das Aeußere des Herrn von Mazarin habe ſeiner Frau als Ent⸗ ſchuldigung gedient.“—
Der Palaſt Mazarin war eigentlich der Stammpater aller luxuriöſen Häuſer von Paris.„Alle Welt,“ ſagt Sauval, „bemerkt daſelbſt eine gewiſſe Großartigkeit, die der Cardinal aus Italien mitgebracht, und die noch nicht in die Privathäuſer, ſelbſt noch nicht in die königlichen Gemächer eingedrungen iſt.
— Biſt Du dem Zucht⸗
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