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„Ihr Benehmen iſt mir ein unerklärliches Räthſel!“ ſagte der Director;„ich glaube indeß, daß es nicht uneh⸗ haft Gründe ſind, welche Ihr Stillſchweigen ver⸗ aflaſſen.“
„Deſſen dürfen Sie verſichert ſein, Herr Director,“ betheuerte Arthur. Dann fragte er, ob die Bitte nicht unbeſcheiden ſei, ihm mitzutheilen, was der durch ihn ge⸗ rettete Mörder des Don Montaldi ausgeſagt hätte.
„Ich erblicke keinen Uebelſtand darin, Sie von ſeinen Ausſagen in Kenntniß zu ſetzen,“ entgegnete der Director.
Hierauf erzählte er dem mit geſpannter Aufmerkſamkeit zuhörenden Arthur, der Gefangene habe ausgeſagt: An eben dem Tage, an welchem er den Mord verübt, hätte ihn in einer Schenke, in welcher das verdächtigſte Geſindel zuſam⸗ menzukommen pflegte, ein Mann, den er zwar ſchon öfters dort geſehen, den er aber nicht näher kenne, von dei er ſo⸗ gar nur den Vornamen„Franz“ wiſſe, bei Seite genom⸗ men und ihn gefragt, ob er mit ihm gemeinſchaftlich ein ſehr gutes„Geſchäft“ machen wollte. Natürlich war die Antwort bejahend ausgefallen, und der„Franz“ hatte hier⸗ auf ſeinen Verbündeten, unter Bezeichnung aller nähern Umſtände und unter der beſtimmteſten Verſicherung, daß ihn wegen der That kein Verdacht treffen ſollte, aufgefor⸗ dert, jenen Fremden, deſſen Namen ſein Mörder aber erſt ſpäter aus der Unterſuchung gegen Arthur erfahren, um⸗ zubringen. Der„Franz“ habe geſagt, Haß wegen einer empfangenen blutigen Beleidigung ſei der Grund, weshalb er den Tod des Bezeichneten wünſche; wollte er denſelben aber mit eigener Hand ermorden, ſo würde der Verdacht augenblicklich auf ihn fallen, da er ſo unvorſichtig geweſen ſei, laut und öffentlich Racheſchwüre auszuſtoßen. Des⸗ halb müſſe er mit der größten Genauigkeit nachweiſen. können, daß er zur Zeit der Ermordung weit von dem Orte derſelben entfernt geweſen ſei.— Darauf habe der Franz, nachdem er ihm eiligſt Nachricht gebracht, wo er den Bezeichneten finden und mit Sicherheit treffen könne,
Novellen⸗
Zeitung.
[V. Jahrg. zur weitern Aufmunterung noch das Verſprechen gegeben, ihm Uhr, Kette und was der Mann ſonſt noch an Koſt⸗ barkeiten an ſich hätte, zu dem vollen Werthe an einen ihm bekannten Juwelier für ihn zu verkaufen, und ſich von dem Raube weiter nichts bedungen, als eine geringe Anzahl der Goldſtücke, welche der Mann in einer über die Schulter gehängten gelben Ledertaſche bei ſich führe.— Die bezeich⸗ nete Ledertaſche aber hatte der Ermordete nicht mehr um⸗ gehabt, worüber der Franz im höchſten Grade ungehalten geweſen ſei; dennoch habe er ſein Wort gehalten, und Don Montaldi's Pretioſen dem Mörder zu deſſen vollſter Zu⸗ friedenheit bezahlt.— Kurze Zeit darauf ſei derſelbe dann wegen verſchiedener älterer Vergehungen arretirt und ver⸗ urtheilt worden, während der Unterſuchung aber habe er zufällig gehört, daß der Verdacht des von ihm begangenen Mordes auf dem Grafen Maienburg laſte, und ſei ſehr erfreut geweſen, dadurch der Unterſuchung über ſein neueſtes Verbrechen zu entgehen.
„Als Sie, der Sie für den Böſewicht leiden,“ ſo—
ſchloß der Director ſeine Erzählung,„denſelben dann mit Gefahr Ihres eigenen Lebens einem ſichern Tode entriſſen, fühlte er ſich von Gewiſſensbiſſen ergriffen und legte mir ein reumüthiges Geſtändniß ab, indem er mich zugleich bat, mich für ihn zu verwenden. Das habe ich ihm denn auch verſprochen, und ich halte dies ſogar um ſo mehr für meine Pflicht, da der eigentliche Urheber des Mordes offenbar jener„Frauz“ iſt.— Da nun der von Ihnen Gerettete— Uhling iſt ſein Name— den Anſtifter des Verbrechens nicht näher zu bezeichnen weiß, als ich Ihnen bereits ſagte, aber der feſten Meinung iſt, daß es ihm gelingen würde, denſelben an irgend einem der ihm bekannten verdächtigen Orte der Reſidenz aufzufinden, wenn es ihm geſtattet würde, ihn zu ſuchen, werde ich einen Antrag ſtellen, daß er zur Ermittelung dieſes Franz, der ein ſehr gefährlicher Menſch zu ſein ſcheint, ſofort nach ſeiner Heilung von den Quetſch⸗ und Brandwunden dorthin transportirt werde,
Feuilleton.
— de
Aufklärungen über Mazarin.
Mazarin iſt den Leſern als ein unverantwortliches miniſte⸗ rielles Tyrannengenie bekannt genug. Merkwürdig wird es ihnen aber erſcheinen, daß dieſer berühmte Nachfolger des Cardinal Richelieu, welchen Ludwig XIII. ſeinem Sohne Ludwig XIV. vererbte, beinahe von einer ſo dunklen Geburt als Homer iſt.
Was hatte Mazarin für eine Abkunft? was war ſeine Familie? Das iſt ein noch wenig beleuchteter Punkt, und er ſelbſt ſcheint ſich wenig Mühe gegeben zu haben, ihn aufzuklären. Zwar hatte Mazarin, wie man verſichert, den Vorſatz, an ſeinem Stammbaum arbeiten zu laſſen, und er ſandte in dieſer Abſicht einen ſeiner Vertrauten nach Italien, nach Sicilien. Aber ſein Tod unterbrach dieſe Arbeit, die er zu lange hinausſchob, und allerdings hatte Mazarin Beſſeres zu thun. Seine italieniſche Herkunft war der„einzige entſcheidende Punkt;“ auch kam man allgemein darin überein, in Verſen ſowohl wie in Proſa feſtzu⸗ ſtellen, daß Mazarin Sohn eines Hutmachers oder, wie einige ſagen, eines Strumpfwirkers ſei, was übrigens kein weſentlicher Unterſchied iſt, hatte doch Nauds, Bibliothekar Seiner Herrlichkeit,
drucken laſſen, daß der Cardinal der Sohn eines Strumpfwirkers
in Rom ſei! Allerdings geſchah dies, bevor er in ſeinem Solde ſtand. Saint Simon ſagt:„Niemals hat man weiter hinauf⸗ ſteigen können, als bis zum Vater dieſer zu berühmten Herrlich⸗ keit, noch wiſſen, wo ſie geboren iſt, noch ſonſt etwas uüber ihre erſte Jugend. Man weiß nur, daß ſeine Vorfahren in Sicilien waren; man hat ſie für Landleute aus dem Thal von Mazare gehalten, die den Namen Mazarin angenommen hatten, wie man zu Paris Leute ſieht, die ſich Champagner oder Burgunder nennen laſſen.“ Unter den neueſten Gewährsmännern bezeichnet Sis⸗ mondi den Cardinal als„einen Edelmann, der von ſicilianiſchen Eltern in Rom geboren ward.“ Der Graf von Brienne ſchreibt in ſeinen Memoiren, daß er„nicht genau wiſſe, welches die Her⸗ kunft Mazarin's ſei, und daß er den Genealogen die Mühe überlaſſe, dieſelbe zu entwirren.“ Aber die Erfahrenſten der⸗ ſelben können ſich darüber nicht verſtändigen.
Man ſieht aus allen dieſen Meinungen, ſagt Réné, daß die Wiege Mazarins mit eben ſo vielen Wolken umgeben bleibt, wie die der olympiſchen Götter. Das iſt das Sicherſte, was wir bis jetzt aufzuſtellen haben.
Aber ſiehe, da kommt uns gerade zu rechter Zeit ein Docu⸗ ment zu, um einiges Licht über dieſe Dunkelheit zu verbreiten; es
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