Jahrgang 
28-52 (1859)
Seite
527
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TV. Jahrg.

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7 a99 Juli 1859.

Nr. 33.]

von

Otto Banck.

Beethoven. Hiſtoriſcher Roman von Heribert Rau. Frankfurt, 1859. Meidinger Sohn u. Comp.(Schluß.)

Laſſen Sie uns nun, nachdem wir uns an der Groß⸗ artigkeit der Beethovenſchen Erſcheinung begeiſtert haben, dem vom Verfaſſer hingeſtellten Gemälde etwas näher treten und zuſehn, wie er ſeine Aufgabe löſte.

Der große Meiſter hatte faſt gar keine Epiſoden in ſeinem Lebenslauf, in denen ſich beſtimmte Fäden in ein⸗ ander verſchlangen. Anfangs in Bonn und ſpäter in Wien lebte er immer nur als Einſiedler, umgeben von manchen aufrichtigen Freunden, die ſich aber mehr oder weniger wieder in die Welt zerſtreuten und ihm gegenüber keine nur irgend ebenbürtige Geiſter waren. Die Huldigung und Für⸗ ſorge, welche der Tondichter von manchen einflußreichen Familien empfing, z. B. in Bonn von Brunings und in Wien vom Fürſten Lichnowsky, ſchloß kein beſtimmtes Band, da ſich in dieſen Kreiſen weder ein beſtimmtes in poe⸗ tiſcher Beziehung folgereiches Liebesverhältniß, noch eine Ehe für ihn knüpfte. Dazu kam bei unſerm Helden eine eckig geſchliffene, ſtolze und ſpröde Künſtlernatur, welche ſich nicht in die behaglichen Kleinlichkeiten und Genen des Lebens einfügen wollte, und endlich das entſetzliche Schick⸗ ſal, taub zu werden, wodurch der große Genius gegen die Außenwelt immer verbitterter und unzugänglicher ſich gänzlich abſchloß.

Bei einem ſolchen Manne blieb dem Autor nicht viel zu thun übrig, als ſeinen geiſtigen Entwicklungsgang zu ſchildern, ſo gut ſich dies in Worten ausführen läßt, ohne entweder ſehr kritiſch oder ſehr hyperilluſoriſch bei den Er⸗ klärungen muſikaliſcher Motive zu werden. Rau hat beide Klippen ſo ziemlich vermieden, ohne jedoch dabei trotz aller Wärme tief, neu oder hinreißend zu ſein.

Außerdem waren es aber noch zwei andere Factoren, wovon der eine trotz aller Monotonie das arme Leben Beethoven's wahrhaft reich und mannigfach machte. Ich meine, das unberechenbare Familienunglück, welches ihn von Kindheit an bis zu ſeinem Tode verfolgte. Sein Vater war ein Trinker, ſeine beiden jüngern Brüder, denen Beethoven unter ſchweren Opfern eine gute Exiſtenz ver⸗ ſchafft hatte, zeigten ſich als ganz unglaubliche Schufte, wie ſich ſelten in einer Familie zwei finden dürften. Sie ſaugten ihn aus, tyranniſirten, betrogen und beſtahlen ihn ſogar, und um das Maß des Elends noch durch Erbſchaft voll zu machen, hinterließ ihm der ältere der beiden Nichts⸗ würdigen eine leichtfertige Witwe und einen Sohn, welcher Beethoven's letzte Lebensjahre vergiftete. Allein dieſen Verhältniſſen gegenüber offenbarte Beethoven eine Milde Reinheit und Erhabenheit, deren nur das durch und durch großartige, lautere Genie fähig iſt, da die Kraft eines an⸗ dern Menſchen an ſolcher Ausdauer verzweifeln müßte.

Dieſe Miſeren des Lebens hat der Verfaſſer ſehr na⸗ türlich ausgemalt, und ich führe hier eine vor, um in die ganze Tiefe des Abgrundes hinabblicken zu laſſen, welcher Beethoven umgähnte. Die Namen der Brüder, Carl und Johann, wovon jener der Schwindſucht unterlag, ſind

Dritte Jolge.

Ihnen aus den Biographien bekannt. Beethoven, lange in Wien und voll Sehnſucht nach ſeiner Vaterſtadt Bonn und den dortigen Freunden, wird endlich durch ein von Edinburgh eingeganges Honorar für ſeine ſchottiſchen Lie⸗ der in den Stand geſetzt, einen Ausflug nach dem Rhein zu machen, und freut ſich darauf von ganzer Seele.Da ſtürgt ſein Bruder Carl, der jetzt ohnedem ungemein abge⸗ zehrt, bleich und leidend ausſah, mit verſtörten Zügen in Ludwigs Zimmer und verkündete dem Bruder unter Bruſt⸗ beklemmungen, unter fortwährendem Huſten, daß er mor⸗ gen wegen einer Wechſelſchuld von tauſend Gulden in den Kerker wandern müſſe. Natürlich ſei damit alsdann für ihn auch die Stelle als Caſſirer an der Nationalbank ver⸗ loren und er, Frau und Kind zu Grunde gerichtet. Das Schmählichſte aber dabei ſei, daß Bruder Johann den Wechſel in Händen habe, und von ihm die Verfolgung aus⸗ gehe. Ludwig war wie erſtarrt; noch aber batte er ſich von ſeinem Staunen nicht erholt, als unglücklicherweiſe auch Bruder Johann eintrat und ſich nun vor des Meiſters Augen eine furchtbare Scene entſpann. Die beiden Brü⸗ der, im Anfange ſo einig in ihren Erpreſſungsoperationen gegen Ludwig, hatten ſich nämlich, durch gegenſeitige Habſucht und gegenſeitigen Neid geſtachelt, namentlich bei dem Verkauf der Apotheke, welche Ludwig dem Johann erſt gekauft hatte, ſo ſehr über das Mein und Dein entzweit, daß ihre Bruderliebe jetzt in der That in offenen, unerbitt⸗ lichen Haß übergegangen war, ſo daß Einer den Andern mit einer wahrhaften kannibaliſchen Luſt zu verderben ſuchte.

Furchtbar entlud ſich daher auch dieſer Haß, als ſie ſich jetzt bei Ludwig trafen. Freilich hörte dieſer ihre gegen⸗ ſeitigen Verleumduugen, ihre Schmähreden, ihr Schreien, ihr Toben und Schimpfen nicht; aber er ſah ihre verzerrten Geſichter, ſah, wie Haß, Zorn und Wuth ſich auf ihnen malte, ja, ihr Schreien mußte alle Grenzen überſchreiten, denn die dadurch veranlaßten Schallwellen ſchlugen mit ſolcher Gewalt an ſeine leidenden Gehörwerk⸗ zeuge, daß dieſe ihn furchtbar zu ſchmerzen anfingen.

Vergebens war ſein Dazwiſchentreten, vergebens ſein Abwehren umſonſt jede Einſprache, umſonſt ſelbſt ſein Flehen, doch Erbarmen mit ihm, den ohnehin Leidenden, zu haben. Die Leidenſchaftlichkeit der ſtreitenden Brüder hatte den höchſten Grad erreicht, man kam zu Thätlich⸗ keiten.

Beethoven hatte ſich, von Aufregung und Entſetzen über ein ſolches Benehmen ſeiner Brüder am ganzen Leibe zitternd, auf einen Stuhl geworfen und hielt der Schmer⸗ zen wegen ſeine beiden Ohren mit beiden Händen zu. Als Johann aber jetzt nach einem Stuhle griff und Carl Miene machte, daſſelbe zu thun, war das Maß voll. Wie ein zürnender Gott emporſpringend und mit ſeiner ganzen ath⸗ letiſchen Kraft beide ergreifend und auseinander reißend, rief er aus:Jetzt iſt es genug! Steht hier Kain gegen Kain? Kann Euch das Unglück Eures Bruders nicht ſo viel Gefühl und Acktung einflößen, daß Ihr das Einzige, was er noch hat, ſeine Ruhe und Einſamkeit, den Frieden ſeines Jammereckchens, in dem er ſein Elend verbirgt, ehrt und erhaltet? Soll ich vielleicht nach dem, was ich eben geſehen, auch noch Zeuge eines Brudermordes ſein? Kein Wort mehr hier! keine Bewegung! kein Zucken der Augen!