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vergebens zum Tanze ein. Plötzlich erhob ſich ein junges
thieren reitend, oder in den leichten kleinen Wagen fahrend, dieſe Partien unternehmen; höchſt ſelten trafen wir aber an einem Orte mit mehreren Badegäſten zuſammen.— Auch die Verſuche, die Geſelligkeit dadurch zu erhöhen, die Bade⸗Geſellſchaft vielleicht näher zuſammenzuführen, daß man alle Sonnabend Abend eine„réunion dansante“ im Curſaal anſetzte, wollten den erwünſchten Erfolg nicht haben. Dem Beſchauer, der zum erſten Male den Cur⸗ ſaal, beſonders an einem Ballabende, betritt, wird ſich unwillkürlich— wenn er nicht total blaſirt iſt— ein leiſer Ausruf der Befriedigung entringen. Ein ſehr hoher, großer Saal, in edlem Styl gehalten, von ſchönen Marmorſäulen getragen, um den oben eine Gallerie für das Orcheſter und die Zuſchauer ſich entlang zieht, öffnet ſich den Blicken. Hunderte von ſtrahlenden Kerzen werfen ihr Licht bis in die fernſte Ecke und beleuchten klar und hell die in den Niſchen auf Divans graciös hinge⸗ goſſenen Frauengeſtalten, die in der reichen, ſchimmernden Farbenpracht ihrer Gewänder und Hüte an einen bunt blühenden Blumenflor erinnern. Alle Länder, alle Welt⸗ theile ſcheinen ihre Vertreter geſandt zu haben, und neben weichen, ſchwellenden Geſtalten mit dunklem, warmem Teint, orientaliſch blitzenden Augen, welche die Kerzen an Leuch⸗ ten übertreffen, ſieht man zarte weiße Gebilde, die mit den blauen ſüßen Veilchenaugen aus dem Walde goldener Locken träumend hervorſchauen und uns lebhaft an Elfen und Nymphen, an die Märchen unſerer Kindheit erinnern. Was aber feſſelt den Blick ſo übermächtig? Welcher Zauberſtab ſchuf ſo Herrliches? Denn faſt möchte das entzückte Auge nicht glauben, daß der Anblick Wirk⸗ lichkeit ſei, der ſich ihm bietet, wenn es, durch die hohen, tadellos ſchönen Fenſter ſchauend— deren Klarheit und Durchſichtigkeit ſo groß iſt, daß jeder auf den erſten
Blick glaubt, durch geöffnete Fenſterflügel unmittelbar in's Freie zu ſehen— wenn es die herrlichſte Landſchaft
erblickt, die waldigen Berge im Abendduft ſchimmernd, wohl ſchon hin und wieder einen Stern darüber blinkend, oder vom Mondlicht übergoſſen. Ein ebenſo anziehendes Bild, wenn auch in anderer Art, gewährt von der Terraſſe draußen der Einblick in den feenhaften, lichtſtrahlenden Curſaal mit ſeinem bunten wechſelreichen Menſchenwogen. Einladende Tanzmuſik tönt vom Orcheſter hernieder, aber wie ſchmeichelnd auch die Klänge locken, wie es den jungen Damen in den zierlichen Füßen zuckt und die Augen kaum das brennende Verlangen nach der Freude des Tanzes zu verbergen vermögen— die Tänzer kommen nicht. Trotzdem ſich die fürſtlichen Herrſchaften von Alten⸗ burg und Deſſau, die zur Cur in Ems weilten und durch die Einfachheit und Liebenswürdigkeit ihres Auftretens viele Freunde gewannen, trotzdem ſie, gewiß nur um den Anfang zu machen, um mit einem guten Beiſpiel voran⸗ zugehen, bei einer réunion tanzten, ihre freundliche Ermunterung fand keine rechte Nachahmung; es wollte durchaus mit dem Tanzen nicht gehen. iſt, wiſſen wir nicht. Ob vielleicht ein coup de genie, den eine junge Dame an einem der letzten Tage, als wir dort verweilten, ausführte, einen beſſeren Erfolg gehabt? Es war wieder Sonnabend, wieder war der ſchöne, licht⸗ glänzende Saal dicht gedrängt, wieder lud die Muſik
Wie es zur Zeit
Mädchen, und indem ſie auf eine Dame zuging, forderte ſie ſolche zum Tanze auf und führte ſie leicht, graciös und ſicher, trotz dem erſten Cavalier durch die Schwingungen des Tanzes. Das Ganze geſchah mit einer ſo allerliebſten Friſche und Natürlichkeit, daß beſonders die Herrn ent⸗ zückt davon waren, und die Lehre, die ſie den Saumſeligen, Bequemen durch ihr Thun gab, wenigſtens an dieſem Abend nicht nutzlos vorüberging. So Mancher mußte nun erproben, ob ſie, die ſo ſicher und anmuthig als Herr getanzt, eben ſo leicht und graciös als Dame einher⸗ ſchwebe— und der Tanz kam nun wirklich zu Stande. Wer das junge Mädchen war? Wird unſere ſchöne, wiß⸗ begierige Leſerin es nicht errathen, wenn wir ihr vertrauen, daß es eine gerade jetzt in vollſter Gunſt ſtehende junge Schauſpielerin war, dieſelbe, welche durch die begeiſterte Aufnahme, die ihr freilich in ſeiner Art ganz einzig daſtehendes Talent in Berlin vor nicht langer Zeit gefunden, ſich beinahe einen Weltruf erworben? Wenn wir noch hinzufügen, daß der kleine allerliebſte Streich, den ſie ausführte, und der nur von allzuprüden Damen getadelt wurde, mit jener raſchen, friſchen Art und Weiſe geſchah, die eben ſo viel kecken, ſprudelnden Uebermuth, als mädchenhafte Beſcheidenheit in ſich vereint,— jene Art, welche ſie auf jedem Schritt auf der Bühne begleitet und eben dadurch den entzückten Zuſchauer vergeſſen läßt, daß ſie ſpielt, indem er ſich hineindenkt, daß ſie jede ihre Heldinnen wirklich iſt,— wenn wir Alles das unſerer Leſerin mittheilen, dann hieße es doch wahrlich ihrem Scharfblick zu wenig zutrauen, wenn wir noch den Namen nennten, den ſie gewiß längſt errathen.—
Mit dem Kommen der Kaiſerin⸗Mutter von Rußland und ihres großen Gefolges ſchien es faſt, als ob nun erſt das Leben, die wahre Saiſon für Ems begänne. Wie dem aber auch ſein mag, wie ſich der lebhafte Verkehr und Pracht und Glanz noch ſteigern mag, ob auch Theater und Concerte denen, welche von dergleichen Dingen ſelbſt an einem Badeorte nicht laſſen können, noch erhöhte Annehm⸗ lichkeiten verſprechen:— wir meinen, ſo ſchön als wir, die Frühkommenden, Ems geſehn, ſo ſchön könne es doch nicht wieder werden. Nie vergeſſen wir den Anblick, als es ſich in ſeiner erſten grünen, wir möchten ſagen, unbe⸗ rührten Frühlingsfriſche vor uns ausbreitete, das liebe duftige Thal, dem wir den Beinamen„Roſenthal“ geben möchten, der Pracht und Fülle wegen, mit welcher in dieſem Juni die Königin der Blumen ſammt ihrem Hofſtaate ihren Sitz dort aufgeſchlagen hatte.
Als letzten Dank für manches dort genoſſene Gute einen herzlichen Scheidegruß an Ems und ſeine uns lieb⸗ gewordenen Bewohner; vornehmlich beſten Dank und Gruß an unſeren Arzt und ſeine liebenswürdige Familie, die ſo freundlich dem Fremden die Pforten des gaſtfreien Hauſes öffnet.
Gott ſchütze die ſegensreichen Quellen von Ems und laſſe die kräftigende Wirkung an Allen, Allen thätig werden, die dorthin eilten, Geſundheit zu ſuchen, beſonders an De⸗ nen, welche, mit uns dort weilend, uns näher traten, deren Geſellſchaft wir manche ſchöne Stunde verdanken!——
Im Juli 1859.
[V. Jahrg.
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