die Benutzung aller dieſer Annehmlichkeiten, fen geiſtiger Genüſſe, die ſelten in dieſer Fülle ein anderer Badeort bietet, iſt für den einzigen Gulden zu erringen? Wie iſt das möglich? So höre ich die ſtaunende Leſerin fragen. Hier die Antwort. Die conceſſionirte Spielbank in Ems zahlt jährlich eine bedeutende Summe Geldes, durch deren ſehr umſichtige Verwendung den Curgäſten dieſe Annehmlichkeiten geboten werden. — Es iſt hier nicht der Ort, in Erörterungen einzugehen, ob überhaupt, aber vornehmlich in einem Badeorte dieſe Einrichtung ſtatthaft oder erlaubt ſei; es iſt überhaupt nicht an uns, unſere Meinung zu ſagen, ob man nicht lieber
Novellen⸗eitung.
das Verſchaf⸗
dieſer des ſtillen, weinumrankten Vaterhauſes, aus dem er mit ſo guten Vorſätzen, mit ſo reichen Segensſprüchen in die Welt getreten, vielleicht ſchwebte jenem der Mutter bleiches, kummervolles Antlitz mahnend vor ſeiner Seele. Und in dem Auge des Spielers, der wohl zum erſten
Male der Verſuchung verfallen, meinten wir den Entſchluß
zu leſen: Die Spielbank!!
viele dieſer vorher genannten Vorzüge entbehren möchte
Moralpre⸗ nicht leug⸗ der Spiel⸗ So oft wir
um den Preis. Ohne eine Straf⸗ und digt halten zu wollen, können wir aber nen, daß neben ſo vielem Schönen und Lichten ſaal ſtets wie ein dunkler Fleck für uns war.
ihn betraten— und man muß hindurch, um in das Leſe⸗
zimmer zu gelangen— überkam uns ein Gefühl der Bangig⸗ keit, das ſich bei einem längeren klemmung ſteigerte. Die ſchwüle Hitze darin, die lautlos bange Stille, welche nur durch das einförmige Murmeln: „Faites votre jeu, Messieurs! Le jeu est fait!“ und durch das Klingen des Geldes unterbrochen wird, trug vielleicht noch dazu bei, das Peinliche der Lage zu erhöhen, Man ſagt, das Spielen in Ems ſei wirklich nur„eine Spielerei“ im
5 Weilen ſtets zur Herzbe⸗
n 7 4 1n Spielſaal, um ihn niemals wieder zu betreten.“
„Gewiß, ich ſpiele nie wieder; ſobald ich nur verlorenes Geld zurückgewonnen, verlaſſe ich den Thörich⸗ ter Wahn! Immer in dieſer Hoffnung weiter ſpielend, zer⸗ rann das Häufchen Gulden vor ihm mehr und mehr, bis auch der letzte von der Schaufel d des Croupiers eingezogen war.— Todesbleich wankte der junge Mann von dannen. Was nun? fragtevielleicht ſeine von Qual und Gewiſſens⸗
mein
biſſen zermarterte Seele— was nun? fragte wohl manches
theilnehmende Herz mit ihm.— Sonntags iſt der Spielſaal vornehmlich dicht ge⸗
füllt, und ganze Schaaren Landeskinder— denn ſie ge⸗ bören den nächſten Städten und Ortſchaften an— unter ihnen viele ganz ſchlichte Landleute, ſtrömen herbei,„ihr Glück einmal zu verſuchen“ oder, wie wir ſagen möch⸗ ten, ihr mühſam erworbenes Geld hinzuopfern. Denn ohne ein Verſtändniß von dem Spiele zu haben, ohne
winn,
Vergleiche mit dem Spielen in Baden⸗Baden und Hom⸗
burg. Mag ſein! wir indeſſen finden dieſe„Spielereit“ ſchon ernſt und folgenſchwer genug. Wir ſahen manche Hand zitternd nach dem gewonnenen Gelde greifen, manches Antlitz von Leidenſchaft entſtellt. Auge ſtier dem Verluſte der Goldſtücke nachſtarren ſehen, die vielleicht eines Vaters darbende, ſorgende Liebe dem Sohne geſandt, wahrlich zu anderem Zweck. Wohl be⸗ merkten wir, wie manches jungen Mannes Angeſicht vor
kaum beherrſchter Seelenangſt erbleichte; vielleicht gedachte
hohen Pacht zahlen?
Wir haben manches
zu wiſſen, ob auf Seiten der Bank mehr Chancen zum Ge⸗ ſo müſſen wir doch bezeugen, daß unſere Erfah⸗ rung uns faſt nur Verlierende gezeigt, und die eine That⸗ ſache ſpricht doch vollgültig dafür, daß die Bank wohl ein gutes Geſchäft machen muß, wie könnte ſie ſonſt einen ſo Auch der komiſchen und amüſanten Auftritte werden dem Zuſchauer hin und wieder manche geboten, aber ſie vermögen doch nicht für die dunklen Sce⸗ nen zu entſchädigen, die dem mehr als oberflächlich Hin⸗ blickenden nicht entgehen. Uns war es immer, als hallten durch die ſchwüle Stille des Spielſaales bange Seufzer wieder, als ſtreckten ſich liebe Hände durch die Luft, die Verblendeten von dem grünen Tiſche fortzuziehen.
auch das vorſtehende Buch beſtens willkommen ſein. Es gilt dies nicht bloß für Deutſchland, ſondern auch für Frankreich, denn ſelbſt drüben hat man zuviel der pikanten Perſönlichkeiten aus dem ſiebz ehnten und achtzehnten Jahrhundert, um ſich noch den weib⸗ lichen Ballaſt von ſieben Mazarinſchen Nichten aufzuladen. Außerdem iſt die Biographie dieſer Italienerinnen, die in Paris franzöſirt und politiſch verheirathet wurden, nur wenig anziehend und hat weder Witz und Esprit noch ſcandalöſe Rouerie genug, um dem franzöſiſchen Gaumen zu munden. Szarvady hat ſich das Verdienſt der Ueberſe etzung erworben, und das Werk, welches viele neue, aber äußerſt zerſtreute Einzelheiten enthält, aus welchen wir unſern Leſern eine kleine verarbeitete Zuſammenſtellung geben
werden, iſt vom Verleger trefflich ausgeſtattet, und eine ſehr achtbare Unternehmung. O. B.. Wolfram von Eſchenbach, viſtoriſcher Roman von
F. Lang. Stuttgart, Gebrüder Scheitlin 1859.
Den blauen romantiſchen Duft des Mittelalters mit ſeinen ſcharf ausgeprägten Lebensformen des Ritterſinnes und Minne⸗ dienſtes, mit ſeiner aſcetiſch ſchwärmeriſchen Religioſität. mit ſeinen künſtlichen Mythen des Chriſtenthums.— dieſe weit hinter uns liegende Periode wählte d der Verfaſſer zur Zeit, den Dichter des Pareival zum Mittelpunkt ſeiner Erzählung. Am meiſten muß man dies Beſtreben, eine ſo intereſſante, gewaltige Perſoönlichkeit neu lebendig zu machen, und die ſich dabei kund gebenden tüchtigen Studien der Ritterzeiten loben. Die eigene Erfindung und ihre Ausführung entbehrt poetiſche Tiefe und geht mehr in der anleh⸗ nenden Reminiscenz an alte Dichtungen auf. Der Verfaſſer hat die Abſicht, künftig noch Gottfried von Straßburg und Ulrich von
Lichtenſtein vorzuführen, und ſicherlich geht der Letzte am wenig⸗ ſten über ſeine Kräfte. Seite 78 behauptet der Autor mit Ernſt und Würde: aus der deutſchen Nation könne nicht eher wieder was Rechtes werden, bis ſie Gut und Blut opfere, das heilige Land Paläſtina den Ketzern und Heiden zu entreißen! Die deut⸗ ſche, ſo überaus raſche, thatendürſtige Nation würde gewiß nichts Beſſeres zu tbun haben, als dieſen Kreuzzug gleich künftiges Frühjahr in Angriff zu nehmen, im Fall ſie nicht etwa eine kleine Abhaltung durch Vertheidigung des Abeins. haben ſollte. O. B.
Miscellen. Zur geſchichte des grünen CTiſches.
Wenn man ſich an den Spielbänken bekannter ſüddeutſcher Bäder über jene Sittenverderbniß durch abenteuerliche Glücks⸗ ritter ärgert, welche von den Behörden geduldet und gleichſam als monumentales Fragezeichen gegen die Moral hingeſtellt werden, ſo vergißt man oft, daß dieſe nobel⸗ ⸗niederträchtige Paſſion uns vom vorigen Jabrhundert vererbt iſt. Dieſe„alte Herkunft“ kann freilich das Unrecht eben ſo wenig entſchuldigen, als Kains That den Brudermord, wohl aber zeigt ſie, wie ſchwer über eine vielverbreitete Sünde eine allgemeine Scham zum Durchbruch kommt, zumal wenn etwas Glänzendes, Diſtinguirtes das Laſter ſchminkt. Bis zu Anfang des neunzehnten Jahrhunderts war Hazardſpiel das herkömmliche Vergnügen vornehmer Cirkel, und nur wenige Regierungen Europas gaben ab und zu ein Verbot dagegen. Jeder gute Cavalier mußte, ohne zu zucken, bereit ſein,
[V. Jahrg.
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