522
das Ohr wurde durch den echt franzöſiſchen Accent, mit dem und dieſelbe Dame ſiebzehn,— ja, ſiebzehn— verſchie⸗
ſie zum großen Theil geſprochen, ſehr angenehm berührt. Will man die Hohlheit und Nichtigkeit, die bis zum Uebermaß geſteigerte Eitelkeit und Weltlichkeit gar vieler menſchlicher Exiſtenzen ſo recht kennen lernen, ſo muß man nach einem ſolchen recht eleganten, vornehmen Badeort gehen. Wir geſtehen offen, daß, obgleich unſer Auge ſich oft an der Schönheit der Damentoiletten weidete— die nicht nur prachtvoll und koſtbar, ſondern duftig und ge⸗ ſchmackvoll dabei waren— uns dennoch zuweilen ein lei⸗ ſes Bangen, ja Grauen beſchlich im Hinblick auf ſo viele Geld- und Zeitverſchwendung. Wie wenig Zeit muß dem Kopfe zu anderen ernſten Gedanken bleiben, wenn er nur immer darauf zu ſinnen hat, wie er durch dieſe oder jene neue noch koſtſpieligere Anordnung und Erfindung viel⸗ leicht die Nebenbuhlerin im Reiche der Mode in den Schatten zu ſtellen vermag! Wie arm und leer muß das Herz ſein, welches in dem täglich vier⸗ bis fünfmaligen Wechſeln der Toilette einen Genuß findet und ſich daran genügen läßt! Ein gewählter, geſchmackvoller Anzug iſt ein Reiz mehr an einer Frau, es iſt gleichſam ein an⸗ muthiger Rahmen zu einem ſchönen Bilde; wenn aber die Kleider die Hauptſache werden, wenn ſie nicht mehr der beigeordnete Schmuck der Damen ſind, ſondern dieſe nur zu exiſtiren ſcheinen, um als wandelnde Kleiderſtänder, als bunte Modemagazine möglichſt viel ihrer koſtbaren Toilet⸗ tengegenſtände ſpazieren zu führen: dann ſcheint uns ſolches Thun ein ſtarker Uebergriff, ein die beſſeren, edleren Ge⸗ fühle herabwürdigender Mißbrauch. Die Crinoline war in einer Weiſe, einem Umfange vertreten, wie wir niemals früher, ſelbſt in den größten Städten nicht, ihres Gleichen geſehn. Wenn wir ſagen, daß ſie an die Grenze des Mög⸗ lichen ſtreifte, ſo bedienen wir uns eines ſehr milden Wor⸗ tes. Viele, beſonders die Herren, fanden ihre Herrſchaft ganz unerlaubt, die allgemeine Bequemlichkeit, den Com⸗ fort arg gefährdend; ja, ein alter Herr— derſelbe, der ein
dene Hüte tragen ſah— wollte in ſeinem komiſchen Aerger, daß ein Geſetz vorſchreiben ſolle, welcher Umfang von Weite der Kleider bei Strafe nicht überſchritten werden dürfe. Zuweilen, wenn wir bei der Klage, daß es leer an
Gäſten ſei, auf die wimmelnde Menſchenmenge zeigten, die
ſich an manchen Stellen— beſonders in den Trinkhallen — nur mühſam bewegte, wurde geantwortet:„Es ſind ja nicht der Menſchen ſo viele, nur die Crinolinen, nur die zwölf Ellen weiten Röcke ſind es, welche den Raum been⸗ gen. Zum Troſt wollen wir unſern ſchönen Leſerinnen noch ſagen, daß es auch noch Vernünftige unter den Damen gab, die von der Outrirtheit der Mode, die ſich wahrlich bis zur Unſitte geſteigert, fern bleibend, den wahren Takt haben, immer die rechte, goldene Mittelſtraße zu finden, welche die echte Kunſt der Toilette, das wahre Geheimniß beſitzen, Mode und Schönheitsform in ihrem Anzuge ver⸗ einigen zu können.— Die ganz kleinen runden, braunen oder ſchwarzen Strohhüte— mit langherabwallenden Federn aller Gattungen und Farben,— die bei uns in Norddeutſchland noch als erſchrecklich auffallend gelten würden, waren zur überwiegend allgemeinen Tracht er⸗ wählt, und ſo kleidſam erwieſen ſie ſich, daß Damen, die mit der kleinen koketten Kopfbedeckung, deren ſchmaler Schirm bis zu den Augen einen leichten Schatten wirft, welcher dem Geſicht ſehr vortheilhaft iſt, daß Damen, die darin ſehr anmuthig ausſahen, in den kleinen mit Blumen überladenen Putzhüten von gewöhnlicher Form kaum als dieſelben wieder erkannt wurden. Ganz unbe⸗ ſtritten nahm ſich der kleine, etwas abenteuerliche Hut be⸗ ſonders gut zu den weiten, langen Beduinen⸗Mänteln aus, die in verſchiedenen Farben, beſonders aber in weiß und ſchwarz, ſich um die meiſt großen, ſtolzen Geſtalten mit ihrem reichen, weichen Faltenwurf maleriſch und kleidſam drapirten. Ja, es waren ſchöne, königliche Geſtalten unter der Menge, manch liebes, roſiges Mädchenantlitz
und wieder zeichnete er ſich in derſelben ſo aus, daß ſeine Ver⸗
dienſte beſonders hervorgehoben wurden. Seine Thätigkeit und Umſicht, ſein ſicherer Blick bewies ſich auch in den Gefechten von Genf und St. Julien. Später ward er als Major im Haupt⸗ lager der Verbuͤndeten, und nach Beendigung des Krieges im Kriegsbureau verwendet. zu anderen Regimentern verſetzt, zum Oberſtlieutenant und 1822 zum Militärcommiſſär der öſterreichiſchen Occupationstruppen in Piemont, wo er große, umſichtige Thätigkeit entwickelte. Als 1829 von Weſten neue, Oeſterreich und Deutſchland wie immer bedrohende Gewitterwolken aufzuſteigen ſchienen und Erzherzog Karl noch einmal das alte, erprobte Schwert gegen den Franken⸗ zu ziehen bereit war, verlangte der erfahrne Held ſelbſt Heß zum Generalquartiermeiſter der aufzuſtellenden Armee. Erzherzog Karl war der Mann, der die verfügbare Intelligenz im Heere nicht unberückſichtigt ließ, aber die Wolken verzogen ſich, die Aufſtellung unterblieb, Heß ging wieder zum Generalſtabe und bald darauf auf den Schauplatz ſeiner ſchönſten Erfolge, nach Italien, um erſt an Frimonts, dann an des unvergeßlichen Radetzky Seite zu lernen und zu wirken. Der alte Marſchall ſelbſt leitete ſeine Studien; unermüdlichem Eifer, angeſtrengter Thätigkeit verdankt es Heß, unter allen Lebenden ohne Zweifel als der gründlichſte Kenner Oberitaliens in militäriſcher Be⸗ ziehung betrachtet werden zu müſſen. Auch die Organiſation der Armee beſchäftigte ihn; aus ſeiner Feder floß eine neue Manöv⸗ ririnſtruction für Infanterie, Cavallerie und Artillerie, er führte den Gedanken Radetzky's zu jährlichen Herbſtübungslagern aus,
die dem Soldaten ein möglichſt treues Bild des Lebens im Lager ltniſſe 4 3 B Reiche vermehrten die Schwierigkeiten. Es gelang ihm, energiſch
und vor dem Feinde geben, ihn für die Entbehrungen und Mühen
Während der Friedensjahre ſtieg er,
meines deutſches Intereſſe berührten.
des Krieges ſtählen und für ſeine eigentliche Beſtimmung, den Kampf, vorbereiten.. 6
Im Jahre 1834 wurde er Generalmajor und Comman⸗ dirender in Brünn. Seine hohe geiſtige Bildung, die gewinnende Perſönlichkeit, der Ton des Weltmannes empfahlen ihn zu außer⸗ ordentlichen Sendungen. Er war in Deutſchland zur Inſpi⸗ cirung eines deutſchen Bundescontingents, beglückwünſchte Abdul Medſchid bei ſeiner Thronbeſteigung, hatte 1840 eine ſchwierige Miſſion in Berlin und in den ſüddeutſchen Staaten, wo es ſich darum handelte, die Löſung von Fragen anzubahnen, die allge⸗ Ueberdies hatte er die Leitung der Geſchäfte des Generalquartiermeiſterſtabes. Seit 1842 war er Feldmarſchalllieutenant.
Es kam das Jahr der unheilvollen Verwirrung. Piemont
war mit Verletzung alles öffentlichen Rechtes in der Lombardei
eingefallen, Radetzky hatte ſeinen denkwürdigen Rückzug durch das aufſtändiſche Land bis an die Ufer der Etſch bewerkſtelligt und erwartete daſelbſt die Verſtärkungen aus dem Herzen der Mo⸗ narchie. In der Mitte des Monats Mai traf Heß in Verona ein, trat an ſeine Seite und übernahm die Leitung des General⸗ quartiermeiſterſtabes. Wir haben es geſagt, es iſt nicht leicht, die Verdienſte des Leiters deſſelben im Einzelnen zu würdigen, ſie ſind mit dem großen Ganzen zu innig verkettet, nur der Ausgang der Ereigniſſe wiegt in der Wagſchale des Verdienſtes. Doch verſuchen wir es, Heß's Verdienſte in dem italieniſchen Feldzuge zu würdigen.
Als Heß in Verona ankam, blieb beim Heere manches zu wünſchen übrig. Die Verhältniſſe, die Wirren im ganzen großen
nuchte nüthic den S der we trat. ſloſſe her ſe weiße gehau der ſ 4 theue nicht ſchle Too nab Pr. ſint Her 9 6- Haäl rend viell für thei lch lei Al ſac den nal der ein als


