Jahrgang 
28-52 (1859)
Seite
521
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UV. Jahrg.

Schmerzen ver⸗ r Krankenſtation ortſetzung folgt.)

Ems.

nge des Sommers daren, und durch s gar Viele da⸗ Badeorten Kla⸗ den einliefen, ſo

den beſuchteſten it Jahrhunderten urch lautpreiſende uf ſich zu ziehen, h allein eine ge⸗ wohl wie Carls⸗ aben, einzig und

Coblenz kommend, igfache bietet, ſich het, ſo gewährt is abergabhänge ſich gten Bergen und arz, violett und as duftige Thal, ränlich ſlbernen

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Nr. 33.]

der Ort eine einzige, ſehr lange Straße, an die ſich jetzt am Ausgange von der Seite der Eiſenbahn herkommend, könnte mau ſagen: am Eingange jenſeits des Fluſſes der neuere Theil mit ſeinen ſchönen Gebäuden reiht, die aber an Größe und Schönheit viele der ſchon älteren Häuſer nicht übertreffen.

Es war an einem klaren, herrlichen Sommerabende

am letzten Tage des Wonnemondes als die Schön⸗

heiten des Lahnthales ſich vor uns erſchloſſen und, auf einer Erhöhung der Coblenzer Chauſſee angekommen, ſich Ems

vor unſern überraſchten Blicken ausbreitete. Abendduft

ſchwebte ſchon mit roſig weißen Schleiern aus den Bergen nieder, die, von all' der Zauberfriſche eines fruchtbaren Frühjahres Kunde gebend, ihr grünes Wehen niederſand⸗ ten, und in weiterer Ferne hin ſchwarzblau ſchimmerten, während die ſchroffen, kantigen Felſen, vomn letzten Son⸗ nenhauch übergoſſen, röthlich erglühend, eine etwas lebhafte Phantaſie an das Alpenglühen erinnern konnten. Sonnengold mit Duft und Schimmer lag noch über dem ſauberen, einladend winkenden Ems, und die letzten Strah⸗ len des ſcheidenden Geſtirnes ſpiegelten ſich hell und blitzend in den klaren Fenſtern der Häuſer, daß es ſchöner anzuſchauen war, als die herrlichſte künſtliche Erleuchtung von Menſchenhand. Es iſt etwas ſehr Weſentliches für den Kranken, deſſen Gemüth auch meiſtens bedrückt iſt, daß der Ort, zu dem er Heilung ſuchend gekommen, an dem er doch mindeſtens Wochen lang leben ſoll, einen freundlichen Eindruck mache; und dieſen Vorzug gewährt Ems im höchſten Maße; nur Neid und Ungerechtigkeit könnten ihm eine reizende Lage abſprechen.

Da die Badegäſte erſt nach Hunderten zu zählen waren, ſo bot ſich eine große Auswahl in den Wohnungen dar. Dieſe ſind durchſchnittlich alle gut, man kann die Zimmer von den einfachſten bis zu den prachtvollſt ausge⸗ ſtatteten haben, in denen Sammet⸗Divans, goldene Spie⸗ gel, Marmor und Conſolen einem ſchon recht verwöhnten

Dritte Folge.

Geſchmack genügen können. Zu den ſchönſten Wohnungen, wenigſtens der Lage nach, möchten wir immer die rechnen, welche auf der Sonnenſeite, der Promenade gegenüber liegen und von deren Fenſter aus ſich dem entzückten Auge nicht nur die Ausſicht auf die hohen, ſchön bewaldeten Berge und grünen Matten gegenüber, ſondern ſeitwärts in das Thal und auf die Felſen bietet. Auch das Schweizerhaus, die kleine engliſche Kirche, manche andere ſchöne Villa, die ſich an den grünen Bergabhang lehnt, gibt dem anmuthigen Bilde einen wechſelvollen Ausdruck, deſſen Reiz noch erhöht wird, wenn zwiſchen den grü⸗ nen Bergen auf bequemen, wohlgepflegten Pfaden die leichten, graciöſen Geſtalten, der meiſt in weiße, luftige Gewänder gekleideten Damen dahin ſchweben. Vor der Thür dieſer Wohnungen, nur durch die Fahrſtraße ge⸗ trennt, zieht ſich die Promenade dahin, hier aus einer doppelten Reihe ſchöner Linden beſtehend unter deren grünem Blätterdach, von ihrem würzigem Duft umweht, viele Bewohner der Häuſer ihren Kaffee trinken wäh⸗ rend drüben nicht minder kräftige Kaſtanienbäume eine ſchöne Allee bilden. Auf dieſer herrlichen, ſchattigen Po⸗ menade wandeln Abends und Morgens die Brunnen⸗ Trinkenden, denen es in der Nähe der Trinkhallen und des Curgartens zu gedrängt, denen die Muſik zu geräuſch⸗ voll war.

Nach und nach mehrte ſich der Zufluß der Fremden; täglich führten Wagen von Coblenz oder die Eiſenbahn, welche von Lahnſtein aus den mit den Dampfſchiffen Kom⸗ menden eine paſſende und angenehme Verbindung bietet, neue Gäſte hinzu. Waren unter den Anweſenden auch alle deutſchen und fremden Lande vertreten, ſo hatte Rußland doch die meiſten Curgäſte geſandt. Die Fremdenliſte welche bald zwiſchen 1800 2000 Perſonen zählte, wim⸗ melte von ruſſiſchen, oft unausſprechbaren Namen, die meiſt den höchſten Ständen angehönten. Die franzöſiſche Sprache wurde entſchieden zur Umgangsſprache erhoben, und

und lernt ſie auch nicht kennen, denn er iſt in dem Vorurtheil be⸗

fangen, ſie ſei nur Hausfrau, und glaubt daher an keine andere Seite ihres Charakters. einem pſeudonymen Namen. Jetzt erhält er Briefe von einer Unbekannten, die an dieſen ſeinen Doppelgänger gerichtet ſind, die er für ihn beantwortet. Dieſer Briefwechſel wird ihm immer intereſſanter, und er brennt darauf, ſeine Unbekannte nun auch perſönlich kennen zu lernen. Sie theilt dieſen Wunſch und ſchlägt ihm den Ort ihrer Zuſammenkunft vor, wo denn, wie ſich erwar⸗ ten läßt, Gatte und Gattin ſich begegnen und nun erſt ſich eigentlich finden. Fräulein Ulrich gab ihre Rolle, wenn auch etwas ſteif, doch recht natürlich und fein, und das Ganze des Stückes machte den angenehmſten Eindruck. Frau Pawloff, die anweſend war, mochte mit der Aufführung zufrieden ſein, die gewiß noch manche Wiederholung in Ausſicht ſtellt, welche der Verfaſſerin freilich kein anderes Honorar, als den Tribut der Ehre, einbringen wird. Viele Ruſſen waren gekommen, dies Stück einer Ruſſin durch ihren Beifall zu feiern. Hatten ſie ein Recht dazu,

fragen wir? Frau Pawloff, wenn auch vielleicht in Moskau

geboren, iſt deutſcher Abkunft, und Deutſchland allein darf daher auf die Talente der begabten Frau ſtolz ſein. Amely Bölte.

Portraits. Feldmarſchall Freiherr von Heß.

Heinrich Freiherr von Heß entſtammt einer ſchon 1416 in den Adelſtand erhobenen Familie und iſt im Jahre 1788 in Wien geboren. Die Knabenjahre verfloſſen ihm im Schooße ſeiner

Er hat früher gedichtet und zwar unter

Familie, die dem hohen Beamtenſtande angehörte, unter den Eindrücken, die damals, als der Sturm in Frankreich entfeſſelt wurde und bald über ganz Europa dahinbrauſte, alle Gemüther bewegten und jedes deutſche Herz zu kräftiger, raſcher That an⸗ ſpornten gegen den fremden Unterdrücker. Eine vorzügliche wiſſenſchaftliche Bildung hatte Heß genoſſen, als er, im ſchönſten Jünglingsalter, unmittelbar vor dem Preßburger Frieden, als Fähnrich in Oeſterreichs Heer trat(24. December 1805). Es war die Zeit kurzer Ruhe vor dem Sturme. Wiſſenſchaftliche militäriſche Aufgaben füllten ſie. Heß wurde dem Generalſtabe zugetheilt, 1806 mit der rrigonometriſchen Aufnahme von Wien beauftragt und ſpäter(1807 und 1808) bei der Vermeſſung von ungarn verwendet. Da brach der Krieg wieder aus, und der

neue Oberlieutenant ſah vor ſich ein glänzendes Feld der Thätig⸗ keit, des Ruhmes eröffnet. Die Berichte zweier der blutigſten, wichtigſten Schlachten, der von Aspern und Wagram, thun ſeiner perſönlichen Tapferkeit, ſeiner wiſſenſchaftlichen Befähigung rühmlich Erwähnung. Der Lenker der Schlachten, der unver⸗ geßliche Erzherzog Karl, wandte ihm eine beſondere, wohlverdiente Gunſt zu; noch im ſelben Jahre wurde er zum Hauptmann be⸗ fördert und mit wichtigen, wiſſenſchaftlichen Arbeiten beauftragt, wie mit der Abfaſſung des Kriegsjournals und der Ausarbeitung der Armeedislocation.

Das Entſcheidungsjahr 1813 fand ihn als Hauptmann beim Generalſtabe; an allen Feldzügen in Deutſchland nahm er Theil. Noch vor dem Ausbruche des Kampfes war er an Bubna's Seite zu einer entſcheidenden diplomatiſchen Miſſion verwendet, zu Napoleon nämlich nach Dresden. Als Generalſtabschef bei Bub⸗ na's leichter Diviſion hatte er Theil an der großen Völkerſchlacht,

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