Jahrgang 
28-52 (1859)
Seite
518
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Wozu? Dazu, Du unerfahrenes Kind, um Dich nicht dem falſchen Urtheile einer liebloſen Welt auszu⸗ ſetzen, wenn Du bald nach dem Tode Deines alten Man⸗ nes zu einer zweiten Heirath mit einem jungen ſchreiteſt; dazu, um das Glück, das Du in den Armen des von

Noveſſen⸗Zeitung.

Dir geliebten Mannes zu finden hoffen darfſt, nicht ein

volles Jahr hinaus zu ſchieben, wie die geſetzlichen Vor⸗ ſchriften dies heiſchen, ſondern Dich zu zwingen, um den nöthigen Dispens einzukommen, ohne daß ſelbſt die Bös⸗ willigſten Dich wegen ſcheinbar übereilter Haſt zu tadeln wagen dürfen; darum endlich, weil ich glaube, nein, weil ich überzeugt bin, daß Du mir im bunten Kleide viel⸗ leicht ein liebevolleres Gedächtniß bewahren wirſt, als in dem Trauergewande, das Du nur gezwungen und als Hinderniß Deines Glückes trügeſt.

Ach, mein guter, engelsguter Mann, wie kannſt Du nur ſo ſprechen? rief Amalie und ſchmiegte ſich weinend an die Bruſt des Sterbenden.Nie, nie, betheuerte ſie unter heftigem Schluchzen,wird die Erinnerung an Deine Liebe, Deinen Edelmuth in meinem Herzen erlöſchen.

Ich glaube Dir, meine Amalie! ſagte der Präſi⸗ dent und drückte einen väterlichen Kuß auf ihre Stirn. Jetzt aber bitte ich Dich, mich zu verlaſſen, denn ich fühle mich ſehr angegriffen und möchte zu ſchlafen verſuchen.

Deshalb aber brauche ich Dich nicht zu verlaſſen, lieber Mann, entgegnete Amalie.Weiſeſt Du mich da⸗ her nicht ausdrücklich von Dir, ſo nehme ich meinen ge⸗ wöhnlichen Platz am Fenſter wieder ein, und ich will ge⸗ wiß ſo ſtill ſein, daß ich Deinen Schlaf nicht ſtören werde.

Wie Du willſt, liebe Amalie! ſagte er, wendete ſich dann nach der Wand, und ſchon nach wenigen Minuten hörte Amalie die leiſen, doch ruhigen und gleichmäßigen Athemzüge des Schlafenden.

[V. Jahrg.

IX. Eine Kataſtrophe.

In dem Zuchthauſe, wohin ihn ſein grauſames Geſchick geführt hatte, mochte Arthur etwa vier Wochen zugebracht haben, als er ſich eines Tages müde und matt auf ſein har⸗ tes Lager hinſtreckte, um in einem erquickenden Schlafe Erholung von den Leiden zu ſuchen, die ſeine Kräſte zu überſteigen drohten, mehr durch die moraliſchen Martern, denen er durch die beſtändige Berührung mit dem roheſten Auswurfe der Menſchheit ausgeſetzt war, durch die ver⸗ ächtliche Behandlung, die ihm von den Beamten der An⸗ ſtalt zu Theil wurde, als durch die körperliche Strafe, zu der er verurtheilt war, indem er eine ſchwere eiſerne Kugel an einer Kette hinter ſich herſchleppen mußte.

Unter den Gedanken an ſeine geliebte Amalie, die in ſeiner traurigen Lage ſeinen einzigen Troſt bildeten, war er eingeſchlafen, aber noch hatte er des Labſals ungeſtörter Ruhe nicht lange genoſſen, als er durch den Ruf:Fener! Feuer! und ein lautes Hin⸗ und Herrennen in den Gäugen des Gefängniſſes aufgeſtört wurde. Erſchrocken ſprang er von ſeinem Lager empor, und der helle Schein, der auf den Hof fiel, auf welchen das Fenſter ſeiner Ein⸗ zelzelle die Ausſicht hatte, überzeugte ihn, daß die Gefahr in der That beſtand.

Das Leben, das er an dieſem Schreckensorte führte, war kaum zu ertragen, ſo ſehr es ihm auch durch das Be⸗ wußtſein ſeiner Unſchuld erleichtert wurde, allein einbüßen mochte er es doch nicht, am wenigſten aber auf die furcht⸗ bare Weiſe, lebendig zu verbrennen. Von dieſer Gefahr aber wurde er in der That bedroht, denn als er an das Fenſter hinaufkletterte, um wo möglich zu ſehen, in welchem Theile des Gebäudes es brenne, drang durch die Ritzen der Scheiben der Rauch dick und ſtinkend in ſeine Zelle, und beinahe augenblicklicklich darauf züngelten einzelne Flammenſpitzen an ſeinem Fenſter empor. Er konnte da⸗ her nicht daran zweifeln, daß es in dem untern Stockwerk,

ſtiefeln, der mich bat, meine Sache franzöſiſch vorzutragen. Ich erzählte, wie der Wirth der Luna es betont habe, daß er ſeine Zimmer nur tageweiſe vermiethe, und die Ermäßigung des Prei⸗ ſes nur eventuell, wenn ich einen Monat geblieben, ſtipulirt wor⸗ den ſei. Der Padrone dagegen verlor ſich in eine weitläufige Beſchreibung der Schönheit und Reinlichkeit ſeiner Gemächer, die er mit Vaſen, Spiegeln, Bildern, Stuccaturen, Pianos und Sta⸗ tuen ſo herrlich geziert habe, daß jeder Fürſt hineinziehen könne. Wenn es dort ein paar Wanzen gebe, ſo ſei dies ein Uebel, dem in Genua nicht auszuweichen, der Vertrag laute auf einen Monat. Der Commiſſär ſann einen Augenblick nach und ſprach dann, ſei⸗ nen kleinen Fuß in Lackſtiefeln betrachtend:Auf den Vertrag, der übrigens weder von der einen noch der andern Seite erwieſen wer⸗ den kann, kömmt es hier nicht an. Der Herr hat die Wohnung unter der Bedingung gemiethet, darin wohnen und ſchlafen zu können. Geſetzt, es regnete durch den Plafond herein, wäre der Vertrag gelöſt. Ebenſo hier, der Herr hat auf einem Seſſel ſchla⸗ fen müſſen. Er zahlt Euch vier Franken und damit Baſta!

Ein junger Daniel iſt auferſtanden! rief es in mir. Der Padrone aber erhob ſich aus der demüthigen, gebückten Stellung plötzlich wie ein Teufel.Vier Franken nehmen, den Herrn zie⸗ hen laſſen? Nimmermehr! Ich gehe durch alle Inſtanzen, ich bin ein gekränkter Mann! Ich will meine hundert und zehn Franken und mein Recht!Geht durch ſo viel Inſtanzen als Ihr wollt, ſagte der Commiſſär,den Herrn laßt Ihr abziehen! Aber nicht mit ſeinem Gepäck, hohnlachte der Padrone. Hoho! rief der Commiſſär und hatte mit einem Male die Lack⸗ ſtiefeln und die Zierlichkeit ſeines Fußes vergeſſen.Kommt Ihr mir ſo? Glaubt Ihr, der Padrone der Luna ſtebe nicht ſchon

lange in den Büchern der Polizei? Seht Euch vor, es iſt nicht von ungefähr, daß die zweideutigſten Leute von Genua bei Euch einkehren! Vor einer halben Stunde erſt wurde ein Spitzbube feſtgenommen, ein entlaufener Bagnoſträfling, der in der Luna übernachtet. Herr, fuhr der Commiſſär fort,der Fremde thut gut, in wohlempfohlenen Gaſthöfen zu bleiben. Doch eine Frage haben Sie Ihre Uhr bei ſich? Ich griff in die Weſtentaſche und 1 M daß ſie leer war. Ich muß meine Uhr in der Eile und Aufregung des heutigen Streits in der Luna gelaſſen haben. Ich habe ſie an einem Nagel über meinem Bette aufgehangen. Doch in dieſem Augenblick fiel mir das Fenſterchen in meiner Zimmerthür ein. Wie leicht war es, mittelſt eines Hakens durch dieſes Fenſter irgend etwas in der Nähe des Bettes Befindliches wegzufiſchen! Der Polizeicommiſſär beobachtete mich eine Weile. Endlich ſagte er:Ihre Uhr iſt hier, in einem Büreau nebenan. Sie werden ſich als ihren Eigenthümer legitimiren, indem Sie den Namen des Uhrmachers bezeichnen, der auf dem innern Blatt des Gehäuſes eingravirt ſteht. Guten Morgen, mein Herr, ein Gens⸗ d'arm wird ſich in der Luna einſtellen, damit Ihrem Abzuge kein Hinderniß entgegengeſtellt wird. Sie⸗ Signor Padrone, bleiben vorerſt hier, um mit dem Dieb, den Sie heute Nacht beherbergt, confrontirt zu werden. Er öffnete die Thür und rief noch einen Gensd'arm. Einen Augenblick ſpäter hatte ich die Uhr wieder und bald darauf die Gemächer der Luna mit ihren Vaſen, Spie⸗ geln und ſonſtigen Herrlichkeiten verlaſſen. Der Polizeiſtaat ſtand in ſeiner ganzen Glorie, als hätte er das hellſebende Auge der Vorſehung, vor mir: ich nahm mir vor, ſobald nicht wieder Uebles von ihm zu reden. 3.

fand zu meiner Beſtürzung,

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