Jahrgang 
28-52 (1859)
Seite
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uſames Geſchich ochen zugebracht att auf ſein har⸗ cenden Schlaf ſeine Kräſte zu lichen Martern, nit dem roheſten durch die ver⸗ Beamten der An⸗ rlich Strafe, zu dere eiſerne Kugel ßte te Amalie, die in oſt bildeten, war bſals ungeſtörter en Ruf.Fener! ennen in den rde. Erſchrocken der helle Schein, nſter ſeiner Ein⸗ daß die Gefahr

kensorte führte, c durch das Be⸗ e, allein einbüßen der auf die furcht⸗ Bon dieſer Gefahr un als er an das ſehen, in welchen durch die Ritzen d in ſeine Zelll, ingelten einzelne Er konnte da⸗ ntern Stockwel,

der in der Luna der Fiende thu n. Doch eine Fiuge

einer Bifüthung Aufregung

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Drilte unmittelbar unter ihm brannte, und unwillkürlich von To⸗ desangſt ergriffen, ſprang er zur Thür, rüttelte aus allen Kräften an dem Schloſſe und ſchrie zugleich, ſo laut er konnte, daß man ihm öffnen ſollte.

Aus allen Richtungen des Ganges, auf welchem ſeine Zelle lag, ertönten ähnliche Hülferufe, aber ungehört oder unbeachtet verhallten ſie in dem mit jeder Minute wachſen⸗ den Getöſe des Feuers und der allgemeinen Verwirrung. Sei es nun, daß die Schließer den Kopf verloren hakten, ſei es, daß ſie die Gefahr für ſich ſelbſt bereits zu groß er⸗

Lebens bedacht waren, genug, es öſchien Niemand, Arthur und deſſen Unglücksgefährten austihrer gräßlichen Lage zu befreien.*

Da zeigte ſich für Arthur das, was ihm bisher eine Marter geweſen war, als eine Wohlthat. Ererfaßte die Kette ſeiner Kugel, und mit der Rieſenkraft der Verzweif⸗ lung ließ er das ſchwere Eiſengewicht in raſch auf einander folgenden Schlägen auf das Thürſchloß niederfallen. Bald wich es ſeinen gewaltigen Anſtrengungen, und zwei bis drei Minuten genügten, ihm die Freiheit zu geben. Hoch aufathmend trat er hinaus auf den Gang, aber dieſer war ſchon von dickem Rauch erfüllt, ſo daß er durch die Erlö⸗ ſung aus ſeiner Zelle nur wenig gewonnen zu haben ſchien.

Er eilte der zunächſt liegenden Treppe zu, allein von der Höhe derſelben blickte er hinab in ein wildwogendes Flammenmeer, und ganz unmöglich war es, hier durchzu⸗ kommen. Er flog daher in fieberhafter Haſt nach dem ent⸗ gegengeſetzten Ende des Ganges, wo eine zweite Treppe auf⸗ und abwärts die Verbindung der Stockwerke bildete. Schon hatte er ſie beinahe erreicht, als in der unmittelbar zunächſt daran gelegenen Zelle die Klappe, durch welche den Gefangenen Brod und Waſſer gereicht wird, von innen ge⸗ ſprengt wurde und mit ſolcher Gewalt aufflog, daß Ar⸗ thur, an der Schulter durch einen heftigen Schlag getrof⸗ fen, einen Augenblick ſtehen blieb und ſich umſah, woher

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der Schlag gekommen ſei. Er erblickte an der innern Seite der Klappe ein wildes, von Angſt und Entſetzen ver⸗ zerrtes Geſicht, und eine flehende Stimme rief:

Hilf mir hier durch die Klappe heraus, oder ich muß elend umkommen, denn ſchon iſt der Fußboden meiner Zelle halb durchbrannt und die Flammen ſchlagen herein!

Der eigenen Todesgefahr vergeſſend, war Arthur ſo⸗ gleich bereit, dem Unglücklichen beizuſtehen. Er erfaßte die beiden Hände deſſelben, die er ihm herausſtreckte, und in⸗

dem er aus allen Kräften daran zog, während Jener be⸗ achteten und daher nur auf die Rettung ihres eigenen du zog 9 5

müht war, ſich durch die enge Oeffnung zu zwängen, zerrte er ihn nach verzweiflungsvollen Anſtrengungen von beiden Seiten heraus. Der Gerettete hatte ſich aber dabei an den Hüften ſo verletzt, und ſeine Füße waren überdies von den durch den Fußboden dringenden Flammen ſo verbrannt, daß er unter lautem Schmerzensſchrei zuſammenbrach, als er endlich in dem Gange war.

Laß mich nicht hier noch elend umkommen, nachdem Du mich ſo weit gerettet haſt! ſtöhnte er und erhob flehend die Hände gegen Arthur. Als er ihm dabei in das Geſicht ſah, ſchien er heftig zu erſchrecken. Dann aber ſtammelte er:

O mein Gott, iſt es denn möglich? Sie, Graf Maien⸗ burg, Sie, eben Sie ſind mein Retter! das iſt die ewige Vergeltung, aber auch ich will vergelten. Tra⸗ gen Sie mich fort, Herr Graf, und wenn wir dem Feuer⸗ tode glücklich entrinnen, dann, ſo wahr ich jetzt erkenne, daß ein Gott im Himmel lebt dann ſollen Sie es nicht bereuen, einen Elenden vor einem martervollen Tode be⸗ wahrt zu haben.

Arthur wußte ſich dieſe Worte nicht zu deuten; ſie machten daher auch wenig oder gar keinen Eindruck auf ihn, aber er wollte das begonnene Rettungswerk nicht halbvoll⸗ endet laſſemz deshalb belud er ſich mit dem ſchweren Kör⸗

per des Verletzten und verfolgte dann muthig ſeinen Weg,

Aus der Gegenwart.

Die Blinden und die Sehenden.

Ich war vor einigen Tagen auf dem Oybim Unterhalb der Ruinen dieſes mächtigſten aller Bauwerke mittelalterlicher Zeit und hierarchiſcher Herrlichkeit, ſaßen wir im Schatten einer Ve⸗ randa und ſchaueten hinab auf dieſe Perle des glücklichen Sachſen⸗ landes, das induſtrielle Zittau. Freundlich lag es da in der Ebene zu unſeren Füßen, mit ſeinen rothen Dächern, ſeinen weithin ſich erſtreckenden Weberdörfern, durch die der Waldſtrom

ſich krümmend ſchlängelt. Einſt und Jetzt traten hier zuſammen

vor die Seele. Einſt als hier der Pomp der Kirche mit weit tönendem Orgelklang die Gläubigen einlud, Heil und Segen aus der Hand dieſer Prieſter zu empfangen, welche dann, wenn der Abend heimlich heraufzog, ihre herrlichen Keller öffneten und ein heiteres Lied anſtimmten. Einſam war es damals auf dieſer Höhe, wo kalte Winde die Steine umſauſten, und der Wanderer gerne das ſchützende Obdach in Anſpruch nahm. Das war das Einſt. Und das Jetzt? Ein Schenkwirth hat hier ſeine Stätte aufgeſchlagen, neben den hohen aus Sandſtein aufgeführten Rieſenmauern ſteht ſeine Boutique, und die Menge ſucht ſie auf, um zu ſchauen, was Gotteshand und Menſchenhand hier vereint ſchufen.

Es war Jahrmarkt dort unten im Thale; ſo blieb es auf der Höhe einſam, und die hundert Bänke das Zeichen der Anzahl der oftmaligen Gäſte ſtanden zu unſerer Dispoſition. Wäh⸗ rend man uns zu ſpeiſen auftrug, fand ſich ein einzelner Fremder, ein junger Mann mit einem Knaben ein, der ihm zum Führer

diente. Er war ſehr anſtändig gekleidet, trug einen Hut mit breiter Krempe und eine blaue Brille bedeckte ſein Auge. Als er Platz genommen, holte er eine Harmonica hervor und ſpielte. Es war ein Blinder, der auf dieſe Weiſe die Gäſte auf dem Oybin zu unterhalten ſuchte. Der ihn begleitende Knabe forderte das Geld für ihn ein. Als er zu mir trat, fragte ich ihn, woher ſein Herr ſei, ob er nicht vielleicht in Dresden ſeine muſi⸗ kaliſche Ausbildung erhalten, ob er nicht aus der Anſtalt des Directors Georgt hervorgegangen? Die Antwort lautete be⸗ jahend. Nun trat ich ſelbſt an ihn heran und fragte ihn nach ſeinem Ergehen. Ein glückliches Lächeln flog über ſein Geſicht, als ich ihm erzählte, ich kenne das Haus und den Garten, wo er die Jahre ſeiner Kindheit verlebt, Jahre, die für den Blinden nie wiederkehren, Jahre des Glückes und der ungetrübteſten Heiterkeit, in denen er nichts vermißt und nichts begehrt. Ach! ich kannte ja die glücklichen Geſichter dieſer armen Weſen, die wir beklagen, und die uns doch nicht beneiden; denn eben darum, weil ihnen der Neid fremd iſt, ſind ſie ja ſo glücklich, eben darum, weil ſie keine Vergleiche anſtellen können, lieben ſie ſich unter ein⸗ ander und gönnen einander, was Jedem wird. 1

Mein blinder Virtuoſe lebte jetzt in Leipzig und ſollte als Beruf das Flechten der Rohrſtühle treiben; doch dieſe dem Blinden mühſame Arbeit, bei der ein Sehender das Doppelte leiſtet, nährt ihn kärglich und ſo hatte er denn verſucht, durch Muſik ſeine Ein⸗ nahme zu vermehren. Freilich war er dadurch in der Gunſt ſeines Directors gefallen, der dem Blinden die Muſik zu ſeiner Erholung, aber nicht zu ſeinem Broderwerb gönnt, wo ſie mehr an das Mitleid, als an den Geſchmack des Hörenden appellirt und darum mit dem harten Namen der Bettelei benannt wird. Der